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 Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ...

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BeitragThema: Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ...
Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ... EmptySa 04 Okt 2008, 10:12    © Admin
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Nele Erstellt: 05.09.08, 16:09

Mein Name ist Nele, ich bin 46 Jahre alt und lebe im Rhein-Main-Gebiet.

Seit einem Schlaganfall im letzten Jahr ist mein Vater dement, dieser Zustand hat sich noch einmal erheblich nach einem Sturz mit Gehirnerschütterung und Bluterguss im Gehirn verschlechtert.

Seit Anfang diesen Jahres lebt mein Vater in einem Pflegeheim. Erst in der Kurzzeitpflege, nachdem wir dann ein passendes und gutes Heim gefunden haben, dort. Ein häusliche Pflege kam nie in Frage, da die Beziehung meiner Eltern eigentlich ohnehin nur noch eine Wohngemeinschaft war - jeder andere hätte die Scheidung eingereicht, aber diese Generation beisst noch die Zähne zusammen - und meine Mutter selbst auch krank ist und wegen ihres hohen Blutdrucks jede Aufregungen vermeiden muss.

Das ganz große Problem ist, dass meine Mutter auf einem absoluten Kuhdorf lebt und die Dorfgemeinschaft es ihr sehr übel nimmt, dass sie meinen Vater nicht pflegt. Viele der Frauen haben selbst in ihrem Leben nie etwas anderes getan als Angehörige gepflegt und Kinder und Enkel aufgezogen und sind nun ... neidisch? eifersüchtig? Oder fühlen sie sich in ihrer Lebensweise bedroht?

Ich habe meiner Mutter empfohlen, den Damen zu sagen, dass sie das nichts anginge und es alleine die Entscheidung meiner Eltern ist, wie sie mit der Situation umgehen würde. Aber dazu fehlt meiner Mutter schlicht der Mumm (andere Generation).

Wir haben damals die Entscheidung für ein Pflegeheim im Familienrat getroffen und - was meiner Schwester und mir sehr wichtig war - mit Zustimmung meines Vaters. Ich persönlich stehe auch zu dieser Entscheidung, da mein Vater mittlerweile 24-Stunden-Betreuung braucht und das in unserer Familie niemand leisten kann. Und "fremde Leute" im Haus (d. h. einen Pflegedienst oder eine Betreuerin) lehnt meine Mutter kategorisch ab.

Immer wenn es in den Diskussionen um häusliche Pflege geht, werde ich ohnehin ziemlich sauer. Die Ehepartner der zu Pflegenden sind selbst alt und Kinder/Enkel haben ihr eigenes Leben (meist gar nicht mehr in unmittelbarer Nähe ihrer Eltern) und müssen für ihren Lebensunterhalt arbeiten gehen. Letzteres ist für meine Schwester und mich ein wichtiger Punkt, da wir beide nicht verheiratet sind und somit auch nicht auf die finanzielle Unterstützung eines Ehepartners zurückgreifen könnten.

Soweit erst einmal. Ich habe schon einige Beiträge gelesen und an vielen Stellen genickt - vieles habe ich im letzten Dreivierteljahr kennen gelernt.
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BeitragThema: Re: Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ...
Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ... EmptySa 04 Okt 2008, 10:13    © Admin
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Sylvia Erstellt: 05.09.08, 18:07

Hallo Nele,

schön das Du dir soviele Gedanken machst.

Glaub mir, ihr habt das richtig entschieden. Deine Mutter hat doch wohl soviel Selbstbewußtsein, das ihr das am Ar.... vorbei geht. Sie sollte das mal ganz klar sagen. Jeder macht, was er für richtig hält und keiner hat sich Vorschriften machen zu lassen. Wir sind doch alle Erwachsen. Aber Du weißt ja, solang die Leute reden ist man noch interessant. Kennst das Lied der Ärzte: Laß die Leute reden?!

Ich wünsche euch viel Kraft weiterhin.

Besteht denn nicht die Möglichkeit woanderst hinzu ziehen?
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BeitragThema: Re: Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ...
Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ... EmptySa 04 Okt 2008, 10:14    © Admin
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LillNalle Erstellt: 06.09.08, 11:04

Hallo Nele
Nicht in jedem Fall ist häusliche Pflege möglich, oder sinnvoll. Es müssen immer auch die jeweiligen Umstände der in Frage kommenden Personen mitberücksichtigt werden.

Ich finde ihr habt eine für euch sehr gute Lösung gefunden. Deine Schwester und du müssen in erster Linie für euren Unterhalt sorgen und seit somit schon selbstverständlich Zeitbegrenzt. Deine Mutter und dein Vater hatten nur noch eine Wohngemeinschaft zusammen und somit wäre für sie eine pflege zu Hause eine reine Zumutung gewesen. Ich glaube das dies auch ein Grund war, wieso dein Vater die Zustimmung gab. Ich bin sowieso der Meinung das eine Pflege zwischen Lebenspartnern überhaupt nur sinn macht wenn die Beziehung durch Liebe, Gemeinschaft und innerlicher Verbundenheit getragen werden kann. Wenn es aber nur noch eine reine Wohngemeinschaft war (wie bei deinen Eltern), so endet pflege oft innerhalb kurzer Zeit für beide Seiten in einer emotionalen Katastrophe. Also hat auch deine Mutter nach meiner Sicht absolut richtig gehandelt.

Dorfgemeinschaft kann ein Segen, oder leider auch ein Fluch sein. Wir habe beide Seiten kennengelernt und das erst noch als Ausländer in Schweden. In unserem Fall, im Zusammenhang als Erik unser schwedischer Freund (ebenfalls an Demenz erkrankt) zu uns gezogen war. Schon alleine dieses erleben könnte ein Buch füllen......Was ich aber damit an dieser Stelle sagen möchte ist, das ich das Dilämma in dem sich deine Mutter befindet sehr gut verstehen kann. Deine Empfehlung was sie den Damen sagen sollte ist zwar nicht falsch, aber ich glaube deine Mutter weiss das dies die Gerüchteküche kaum unterbinden würde. Wenn sie nicht wegziehen kann/will, dann wird ihr wohl nur die Zeit zur Hilfe kommen. Solange sie dort wohnen bleibt hat sie keine andere Wahl als zu warten bis diese Gerüchte irgendwann langweilig werden. Das tun alle Gerüchte auf kurz oder lang in einem Dorf - spätestens wenn etwas "neues spannendes" entsteht, dann ist das "alte" nicht mehr von interesse.

Das du und deine Schwester hinter ihr steht, wird ihr, egal wie sie sich (Wohnort) entscheidet, die notwendige Kraft geben die sie, gerade jetzt erst recht braucht. Sie braucht unbedingt viel Zustimmung, um sich nicht auch noch zusätzlich durch die Dorfreaktionen ein schlechtes Gewissen aufzuladen.

Umarmt euch so oft wie nur möglich. Es wird euch allen gut tun.

Liebe Grüsse

Ursula
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BeitragThema: Re: Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ...
Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ... EmptySa 04 Okt 2008, 10:15    © Admin
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Nele Erstellt: 07.09.08, 15:50

Vielen Dank für Eure Antworten.

Wegziehen habe ich auch schon vorgeschlagen, aber meine Mutter möchte das (noch) nicht. Sie will sich weiterhin um Haus und Garten kümmern. Mir persönlich wäre das zwar zuviel Arbeit (immerhin haben wir einmal zu viert in dem Haus gewohnt, es ist also nicht gerade klein), aber solange meine Mutter das will und kann, soll sie es tun.

Mein Vater äußert derzeit häufiger den Wunsch, wieder nach Hause zurück zu gehen. Bis jetzt haben wir das immer abbiegen können, denn mittlerweile braucht er 24-Stunden-Überwachung und Pflege. Ich habe versucht herauszukriegen, wo das Problem liegt - das Heim und das Personal ist es nicht, aber die anderen Bewohner. Alles alte und verwirrte Menschen, das stört ihn.

Ich hoffe, dass sich das wieder legt, ebenso wie das Bedürfnis, sich um alles zu kümmern. Ich habe fast eine halbe Stunde auf ihn eingeredet, bis er irgendwie akzeptiert hat, dass er sich nicht um seine Autoversicherung kümmern muss. Und dass, nachdem ich vorher eine halbe Stunde damit beschäftigt war, ihn vom Autofahren abzubringen, das wollte er unbedingt versuchen.

Für Außenstehende dürfte das wohl wirklich wie Comedy klingen, aber für die direkt Betroffenen ist das alles sehr sehr schwierig.
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BeitragThema: Re: Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ...
Wenn da nur nicht das schlechte Gewissen wäre ... EmptySa 04 Okt 2008, 10:16    © Admin
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Sylvia Erstellt: 07.09.08, 17:41

Hallo Nele,

es klingt nicht wie Comedy. Demenzkranke verstehen vieles nicht mehr und lange Erklärungen verwirren nur. Kurze Sätze sind gut für sie. Er wird sich schon arangieren in dem Stift. Mach Dir da nicht soviele Gedanken.

Deine Mutter hast Du recht, sie muß wissen was sie tut und wenn sie spaß dran hat am Haus, muß sie ebend bei Äußerungen, die nicht angenehm sind die Ohren auf Durchzug stellen.
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