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 Gelähmt und überfordert . . .

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Dennis61
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BeitragThema: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMo 27 Jun 2011, 08:39    © Dennis61
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. . . so fühle ich mich wenn ich nur schon daran denke was meine Mutter mit ihrem Umzug in das Heim in 3 Wochen zu Hause, dem Haus in dem sie die letzten 50 Jahre ihres Lebens verbrachte, alles zurücklassen muß.

Mit dem Tag des Einzugs in das Heim, in ihr Zimmer Nr. 123, wird sich ihr Leben bis zu dem Tag an dem sie sterben wird, auf 22 qm abspielen. Da nützt es auch gar nichts wenn sie die letzten 5 Jahre nicht mehr vor die Tür gegangen ist, sie mit ihrem Rollstuhl in ihrem Haus nur noch zwischen Bad/Toilette, Schlafzimmer und dem Wohnzimmer hin und her pendelte.

Auch wenn das Zimmer im Heim größer wäre, es wäre dennoch nicht genügend Raum vorhanden um all die Kleinigkeiten, die einen Teil ihrer Lebensqualität ausmachen und die sie zur Ausübung ihrer alltäglichen Rituale benötigt, mitzunehmen.

Da ist z.b. mein alter Schreibtisch mit seinen zwei vollen Schubladen den sie zu ihrer Frisierkommode umfunktioniert hat und den sie samt des größten Teil des Inhaltes zurücklassen muß. Jeder der einen Blick in die Schubladen werfen würde, würde natürlich sagen: „Schau das brauchst Du doch alles nicht mehr“. Wäre meine Mutter fähig ihre Bedürfnisse zu artikulieren, hätte sie gelernt Konflikte auszutragen und nicht stattdessen „nur um des lieben Frieden willens“ alles runterzuschlucken und das zu sagen was ihr gefällt, was sie will und was nicht dann würde sie erwidern: „DU brauchst es nicht. Ich brauche es“.

Gleiches gilt für ein kleines Sideborad und seinen Inhalt. Ob es sich um den Weihnachtsschmuck handelt den sie Anfang Dezember immer an Tannenzweige hängt, die kleinen Figuren aus dem Erzgebirge die sie in der Adventszeit immer liebevoll auf der Fensterbank aufstellt oder um die ausgeblasenen und bemalten Ostereier, die sie jedes Jahr im Frühjahr kaum erwarten kann an die ersten Buchenzweige, die wir immer aus dem Wald holen, zu hängen. Für Alles ist kein Platz vorhanden.

Ein kleiner Kühlschrank, TV Flatscreen der an die Wand kommt, einige Delfter Teller und Bilder die ihr wichtig sind, die zumindest einen Hauch von Atmosphäre zu vermitteln versuchen, für all das ist Platz an den Wänden vorhanden.

Aus all den kleinen Dinge, von denen ich weiß wie wichtig sie für sie sind, muß ich für sie entscheiden was sie mitnehmen kann/soll/muß, und was zurückbleibt.

Ich muß für sie entscheiden was sie loszulassen hat. Ich muß für sie entscheiden von was sie Abschied zu nehmen hat. Es fühlt sich beschissen an, lähmt mich und ich fühle mich total überfordert. Es ist schlicht und einfach Zum kotzen.






"Urteile nie über einen anderen Menschen, bevor du nicht 1000 Meilen in seinen Mokassins gegangen bist“
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mysunny
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BeitragThema: Re: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMo 27 Jun 2011, 09:00    © mysunny
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hallo Dennis

ich verstehe deine Ohnmacht gut und es tut mir leid für dich, dass du das alles erleben und leider entscheiden musst. Ich hoffe sehr deine Mutter wird es nicht so stark empfinden und wenn sie ihre Lieblingstücke an Mobiliar etc am neuen Ort um sich hat, sich daran gewöhnen und sich dort bald wohl fühlen. Du wirst deins dazu tun und das wird helfen. Es ist aber so oder so, eine schwierige Zeit.

Ich wünsche dir viel Kraft und Zuversicht.

lG
Janine



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mone
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BeitragThema: Re: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMi 29 Jun 2011, 09:39    © mone
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lieber Dennis , das hast du so treffend beschrieben ich fühle mit dir -- mir ging es genauso - als ich meine Mutter fürs Heim angemeldete hatte ich genau diese Gedanken .-- ich hab es aber nicht durchgeführt -- ich konnte es einfach nicht ( ich war wohl zu feige)--- und jetzt ist es zu spät . Deine Gefühle , dass du kotzen könntest - dass du wie gelähmt bist - kann ich sehr gut nachvollziehn .. ich wollt , ich könnt dir helfen !!!!!!!

ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Kraft!

Mone
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Dennis61
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BeitragThema: Re: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMi 29 Jun 2011, 10:35    © Dennis61
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Hallo Mone


Seitdem ich dies geschrieben habe sind mittlerweile ein paar Tage ins Land gegangen. Der emotionale Sturm der das unterste nach oben gewirbelt hat sich gelegt, sodaß jetzt alles neu sortiert und an seinem rechten Platz ist. Natürlich ist der Grundtenor noch der gleiche.

In meiner – Unserer Situation gibt es ja keine andere Wahl/Möglichkeit als der Umzug meiner Ma in das Heim. Die räumliche Situation – und damit ist die Anzahl von eigenen Möbeln von vornherein begrenzt – ist ja vorgegeben. Schrank, KrankenBett und Nachttisch sind vom Heim wegen versicherungstechnischer Aspekte vorgegeben. Allerdings was dieses Krankenhaus ähnliche NachtTischSchränkchen auf Rollen betrifft, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Andere Möbel kann meine Ma mitbringen. Möbelstücke die für sie wichtig sind weil sich mit ihnen Erinnerungen verbinden, weil sie zu ihnen eine persönliche, eine emotionale Beziehung hat. Dazu kommen all die Dinge wie Fotos, Bilder, Wandschmuck etc, all das womit sie sich ja auch in Ihrem Haus – ihrer Wohnung umgeben hat. Doch auch hier ist die Anzahl auf Grund der Größe des Zimmers beschränkt. Die Atmosphäre wird und kann niemals wie „Zu Hause, in der eigenen Wohnung“ sein. Dennoch habe ich die Hoffnung das meine Ma sich darauf einlassen kann, das sie, wie man so sagt „das Beste aus ihrer neuen Situation macht“.

Es gibt Menschen, das weiß ich, die fühlen sich in einem Heim wohl. Es ist, dürfte sich aber hierbei nur um ein sehr kleinen Teil aller HeimbewohnernInnen handeln. Dessen muß man sich einfach gewahr sein. Sprüche, Floskeln wie „Das geht ja Vielen so das sie in ein Heim müssen“, gehen uns, die wir nicht in ein Heim umziehen müssen, die wir nicht den Rest unseres Lebens in einem Heim verbringen müssen, leicht über die Lippen.

Von meiner Seite werde ich alles was in meinen Kräften steht tun damit sie sich so wohl wie möglich fühlt. Ich kann nur hoffen und wünschen das sich meine Ma einläßt.

Solcherart ist das Leben


Lieben Gruß Dennis






"Urteile nie über einen anderen Menschen, bevor du nicht 1000 Meilen in seinen Mokassins gegangen bist“


Zuletzt von Dennis61 am Mi 29 Jun 2011, 12:16 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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felixdottir
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BeitragThema: Re: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMi 29 Jun 2011, 10:59    © felixdottir
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Hallo Dennis,

ich habe deine Beiträge mit Interesse verfolgt, denn die Situation meiner Mutter ist ähnlich - - und doch ganz anders.

Sie ist 76, wohnt allein in ihrem Haus, 35km von mir entfernt.Iimmer häufiger gibt es Probleme, weil sie viel vergisst. Und dann das Auto. pale Ohne Auto ist sie aber von der Welt (ausgenommen Lebensmittelgeschäfte) abgeschnitten. Also haben wir, gemeinsam mit ihr, überlegt, sie solle in meine Nähe ziehen, da sie auch nur Bekannte, aber keine Freunde, die mal helfen, an ihrem Wohnort hat.


Wir haben nun auch eine Wohnung (und das ist anders als bei dir; 100qm) gefunden. So ganz begeistert war sie nicht, aber fand es vernünftig. Nun wird die Wohnung im August frei, mit den Nachbarn haben wir schon ein Straßenfest gefeiert. Man sollte meinen alles bestens, aber nein:"Ich ziehe hier nicht aus!"


Mich plagt nun auch das Gewissen, war es richtig, sie zu bequatschen, oder hätten wir sie einfach machen lassen sollen?

Sie will nun mal "Probe-Wohnen" und dann wieder in ihr Haus zurück, wenn's nicht gefällt Evil or Very Mad

Mir stehen da noch harte Tage bevor. Und ich weiß nicht, wie ich mich jetzt verhalten soll: Sad nachgeben ?
ignorieren ?
oder ihr brutal sagen, wie es ist mit ihr? (das schaff ich nicht)


Ich mag gar nicht an die Zukunft denken und versuche das, was hier oft geraten wird:
im HIER und JETZT leben. aber das ist leichter geschrieben als gelebt.

Liebe Grüße
felixdottir
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Dennis61
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BeitragThema: Re: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMi 29 Jun 2011, 11:36    © Dennis61
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Hallo Felixdottir

Am 18. Juni, nachdem ein Heim von 3 die ich ausgewählt hatte, mir mitgeteilt hat das ein Zimmer frei ist, habe ich es meiner Ma gesagt. Alleine hätte ich es niemals geschaft. Die Kinder - Eltern beziehung ist ne ganz besondere. Ich leben alleine, bin Sinle . .aber was ich so hier gelesen habe auch in ner Partnerschaft - Ehe ist es hefitg dem PartnerIn sagen zu müssen das ein Umzug ansteht. Ich hatte die gleichen Ängste wie Du Felixdottir, mir gingen die gleichen gedanken wir Dir durch meinen Kopf. Und wie es sich angefühlt hat . . .einfach nur beschissen.


Ich habe mir Hilfe geholt. Eine Freundin unserer Familie hat mir zur Seite gestanden. Alleine hätte ich es nicht geschafft. Unsere Fronten Mutter - Sohn hätten sich nur verhärtet.

Wie es mir ging kannst Du hier in "Demenz allgemein" nachlesen . . . Leben auf 22 qm Wink

Das sich Deine Ma auf ein Probewohnen eingelassen hat finde ich Klasse. In 2 Wochen werde ich mit meiner Ma zusammen mit ner Freundin in das Heim, ihr zukünftiges Zu Hause (ob es das werden wird? Nein behaupte ich mal) fahren . . . Ich bin mal gespannt wie sie es wahrnimmt, wie sie es aufnimmt . . . .

Alle dienstbaren Geister die zu meiner Ma seit fast 11 Jahren täglich kommen, Sanitätsverein, Physiotherapeuti, freundin - wissen das sie in der letzten Juliwoche in ein Heim umziehen wird. Wenn meine Mutter ihnen gegenüber das Thema ansprechen wird, dann werden alle entsprechend ihrer Persönlichkeit meiner Ma antworten.

Ich denke mal das es wichtig ist sich Unterstützung zu holen, das enge Freunde, Menschen die mit Deiner Ma täglich oder überhaupt zu tun haben, bzw Menschen für die Deine Ma wichtig ist, informiert sind. Wenn Deine Ma noch fit ist wie Du schreibst dann wird sie es verarbeiten, sich darauf einlassen können. Und das geht nur wenn man miteinander, mit den Menschen redet zu denen man Vertrauen hat.

Meine Ma gehört leider zu der Sorte "MuschelMensch". Wenn eine unangenehme Situation herrscht, sich abzeichnet, dann verschließt sie sich, zieht sich zurück, verdrängt das für sie unangenehm. Das hat sie Zeitlebens in der Ehe mit ihrem Mann, meinem Vater immer gemacht. Um des Lieben Frieden willens hat sie nie gesagt was sie möchte, was ihr nicht gefällt. Sie hat ihre Bedürfniss verleugnet, immer geschwiegen . . . . . Das ist traurig . . . . Das ist die eine Seite ihres Lebens . . .


Es ist schwer für Dich, wars für mich auch "die Wahrheit zu sagen" In solch einer Situation geht es uns allen ähnlich denke ich mal.

Es kostet ne Menge Kraft und Mut sich zu diesem Schritt zu überwinden. Diese Kraft und Mut wünsche ich Dir . . .

Lieben Gruß Dennis






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BeitragThema: Re: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMi 29 Jun 2011, 12:29    © sylvia
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Liebe Felixdottir,man kann es auch umsetzen, glaube mir, ich habe es hinter mir. Man macht sich oft zusehr einen Kopf. Habe erst die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen und geschaut, wie es Papa gefällt und der Rest ging gut. LG Sylvia








Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu  viel Zeit, die wir nicht nutzen.


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Dennis61
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BeitragThema: Re: Gelähmt und überfordert . . .
Gelähmt und überfordert . . . EmptyMi 29 Jun 2011, 14:25    © Dennis61
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sylvia schrieb:
Liebe Felixdottir,man kann es auch umsetzen, glaube mir, ich habe es hinter mir. Man macht sich oft zusehr einen Kopf. Habe erst die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen und geschaut, wie es Papa gefällt und der Rest ging gut. LG Sylvia

Schön das es mit Deinem Pa so gut geklappt hat. Mit anderen Pa´s und Ma´s muß es nicht zwangsläufig auch so "einfach und problemlos" von statten gehen. Das man sich dann einen "Kopf macht" das liegt in der Natur der Sache . . .

Lieben Gruß . . .






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