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 Es ist nicht mein zu Hause . . .

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Dennis61
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BeitragThema: Es ist nicht mein zu Hause . . .
Es ist nicht mein zu Hause . . . EmptyDo 14 Jul 2011, 13:44    © Dennis61
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„Ja“, sagte ich ,“Du hast recht. Das Heim ist nicht Dein zu Hause.“

Diesem Tag habe ich mit Skepsis und einer offenen Haltung zugleich entgegen gesehen. Wir, unsere Freundin, die dienstbaren Geister die meine Mutter seit Jahren zu Hause ver und umsorgten, wir waren uns alle einig, das es gut sei wenn sich meine Mutter darauf einlassen würde, das Heim vor ihrem Umzug, der am Ende des Monats stattfinden wird, anzuschauen. Sie direkt damit zu konfrontieren, ihr zu sagen: „Komm Mutti, wir fahren heute mal ins Heim damit Du es Dir anschauen kannst, einen Eindruck bekommst“ würde, auch da waren wir uns einig, zu einer Verweigerung führen.

In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden sie zum Verlassen ihres Hauses zu bewegen. Selbst wichtige Arztbesuche wollte sie nicht mehr wahrnehmen. Das Laufen weniger Schritte, die 3 Stufen der Eingangstreppe herunter zu gehen fiel ihr unendlich schwer. Es brauchte viel Überredungskunst sie zu einem Arztbesuch zu bewegen. Selbst die Aussicht im Anschluß an den Arztbesuch in ihr Lieblingslokal zum Mittagessen zu fahren funktionierte nicht mehr. Dennoch wollten wir es über „Du hast einen Termin“ versuchen.

Kurz vor halb Zehn erreichte mich ein Anruf: „Hallo, hier ist Ulrike“. Es war unsere Freundin die mich anrief: „Wir haben es geschafft. Mutti sitzt im Auto und wir fahren jetzt los“. „Ok“ sagte ich, „Wir sehn uns dann im Heim“.

Ich war erstaunt und erfreut zugleich. Kassandra die ich bin war ich skeptisch ob meine Mutter den Termin wahrnehmen würde. Umso mehr hat es mich gefreut. In letzter Zeit lese ich immer wieder als Mutmacher für Andere : „Gib die Hoffnung nicht auf“ oder „Es wird schon klappen“. Als Unterstützung finde ich es angemessen. Doch selbst dieses Prinzip Hoffnung zu verinnerlichen, halte ich für fragwürdig. Wenn sich eine Hoffnung nicht erfüllt dann ist Enttäuschung idr die Folge. „Offen sein und wahrzunehmen“ was geschieht halte ich pers für Gesund und der Realität entsprechend. In diesem Fall habe ich mich gefreut als ich erfahren habe das meine Mutter sich auf das Konzept „Wir haben einen Termin“ eingelassen hat. Hätte sie sich geweigert, gesagt: „Nein ich will nicht zu dem Termin fahren„, dann hätte ich es ebenso akzeptiert, wissend das sie sich dafür entschieden hat. Zu erkennen das in einer Beziehung zwischen Menschen Jeder für sich, für seine Entscheidung selbst verantwortlich ist läßt Aspekte wie „Schuldgefühle“ nicht aufkommen. Ich kann nur meinen Teil zu etwas beitragen, habe aber keinen Einfluß darauf ob der Andere seinen Teil dazu selbst beiträgt. Viele bezeichnen eine solche Haltung als Kalt und Herzlos. Dies ist jedoch nicht der Fall. Jede Entscheidung hat Folgen. In vielen Fällen sind die Folgen von Entscheidungen auch mit Leid und Schmerz verbunden. Dies wahrzunehmen berührt jeden Menschen, läßt jeden Menschen mitfühlen.

In dem Heim in das meine Mutter umziehen wird gibt es einen „Betreuungsdienst“. Die Dame des Betreuungsdienstes wird nach dem Um/Einzug eines neuen MitbewohnersIn ihn/sie während der ersten 6 Wochen täglich begleiten, ihm/ihr zur Seite stehen um ihr/ihm die Eingewöhnung zu erleichtern. Mit ihr hatte ich mich verabredet und sie gebeten meiner Mutter ihr zukünftiges Zimmer, die Räumlichkeiten des Hauses zu zeigen.

Wie es sich herausstellen sollte sind beide Frauen, die Dame vom Betreungsdienst und meine Mutter wunderbar miteinander ausgekommen. Sie hatten sofort einen Draht zueinander gefunden. „Ich glaube“, sagte Sie zu mir, als wir uns verabschiedeten, „Ihre Mutter wird mit der Tatsache das sie hier leben wird mit der Zeit klarkommen. Sie war von dem Wesen meiner Mutter sehr angetan. „Sie ist ein liebenswerter Mensch“, sagte sie.

Alles in allem waren es 2 anstrengende Stunden für meine Mutter. Bevor sie ins Auto unserer Freundin einstieg um nach Hause zu fahren sprachen wir noch eine Weile miteinander. „Wie ist Dein Eindruck von dem Haus„, fragte ich sie.

„Es ist sauber und ordentlich, sagte sie. Die Zimmer in den Fluren sind wie in einer Kaserne. Es ist nicht mein zu Hause . . .“

* * *

„Die Zimmer in den Fluren sind wie in einer Kaserne .“ Es sind Bilder aus der Zeit in der sie aufgewachsen ist, die sie geprägt hat, die sich in ihr festgesetzt haben. Bilder einer Zeit die sie erlebte und von der sie hoffte das sie eine solche Zeit nie wieder erleben muß. Es sind diese Bilder die sie mit dem Heim, in dem sie leben wird assoziiert. In ihrer Wahrnehmung ist das eingetroffen von dem sie hoffte das es niemals wieder eintreffen möge . . .

* * * * *

Seit 17 Jahren begleitet mich das Gelassenheitsgebet das ich als sehr pragmatisch - im alltag praktizierbar finde. Ich habe es so tief verinnerlicht - oder es hat sich so tief in mich eingegraben das es mich wenn ich mich im Zentrum des Chaos befinde relativ schnell heraus holt und ich wieder klar werde.


Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
Den anderen Menschen, seine Entscheidungen, . . . .

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
mich - mein denken - mein handeln - meine sichtweisen . . .

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
. . das is der schwerste teil . . .

der weg dahin ist wie mit dem vokabel lernen . . üben . . . üben . . . üben . . .

lg dennis . . . Wink






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BeitragThema: Re: Es ist nicht mein zu Hause . . .
Es ist nicht mein zu Hause . . . EmptyDo 14 Jul 2011, 20:54    © soda1964
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Dennis, sie hat recht, deine Mama. Das Heim ist nicht ihr zu Hause - noch nicht ...
Da sind wir wieder beim Thema Zeit - und Gelassenheit. Das von dir zitierte Gebet begleitet auch mich durchs Leben. Eigentlich finde ich's gut, dass sie sagen kann, was ihr für Gedanken und Empfindungen durch den Kopf gehen (Flur wie in der Kaserne).
Ich finde es bewundernswert, dass ihr heute mit ihr diesen Weg gegangen seid.
Unsere Nonna ist ja jetzt schon ein paar Mal mit dem Behinderten-Taxi heim gekommen zu uns in den Garten. Ich denke, ich werde es nächstens Mal organisieren, mit ihr im Heim, das wir für sie vorsehen, vorbei zu gehen. Meine Familie findet das zwar keine Gute Idee, doch ich werde es wohl trozdem machen Wink
Sie fanden es auch keine gute Idee, Nonna heim zu nehmen zu Besuch - weil sie Angst hatten, Nonna sei dann traurig, wolle nicht mehr zurück, oder was auch immer. Alles verständliche Reaktionen. Ich frage dann jeweils meinen Mann, wie er es gerne hätte, wenn er in Nonnas Situation wäre...
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BeitragThema: Re: Es ist nicht mein zu Hause . . .
Es ist nicht mein zu Hause . . . EmptyDo 14 Jul 2011, 21:42    © Dennis61
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hallo therese

ich halte es für eine gute idee das du mit deiner nonna, ihr euch das heim zusammen anschauen werdet. irgendwie fange ich wieder an mehr auf meinen bauch zu hören. entscheidungen müssen - sollen stimmig sein. mit der zustimmung von der familie ist das so ne sache. solange man noch im entscheidungsfindungsprozeß ist dann sollen alle "für und wider" zur sprache kommen. ist eine entscheidung gefallen . . .dann ist ein gemeinsames ziehen an einem strang, unterstützung und befürwortung angesagt. wenn es für dich also stimmig ist, dann mache es . . .

dieses umkehrspiel wie ich es nenne - wie du es machts wenn du deinen mann fragst wie er es gerne hätte . . . ich mache das auch. während die frau vom betreungsdienst meiner mutter das haus zeigte, haben unsere freundin und ich mit den schwestern vom wohnbereich eines besprochen. da ging es darum was und wie mutti ihr frühstück liebt, das sie es im bett ißt, nach dem mittagessen eine tasse cappucino unverzichtbar ist etc pp. und wir kamen an den punkt des täglichen duschen. wie ich erfahren habe ist 1 - 2 mal duschen in der woche in den meisten heimen normal. ansonsten tägliches waschen durch die schwestern - eben entsprechend der pflegestufe 2 meiner mutter.

zu hause wird meine mutter jeden tag vom pflegedienst - santätsverein seit 11 jahren geduscht. der zeitaufwand liegt weit über dem wie es die pflegestufe 2 vorsieht, diese 12,359 minuten inkl ausziehen, duschen, abtrocknen und anziehen sind im falle meiner mutter eine illusion.

und mir ist es klar das 3 schwestern nicht alle 30 personen jeden tag duschen können . . . .

ich habe dann den aspekt der würde des menschen im alter angesprochen und sie gefragt: würden sie in einem heim wie diesem leben wollen wo sie auf viele gewohnheiten die ihnen lieb geworden sind verzichten müssen, sie loslassen - von ihnen abschied nehmen müssen`gewohnheiten die einem verlust von lebensqualität bedeuten?

nun ja ich kann sehr intensiv werden . . . . nein sagten jede von ihnen . . . .


letztendlich ist s ein politisches problem . . . wie gehen wir <-> unsere vertreter die wir wählen die dann in der folge für uns entscheidungen treffen die idr völlig an unseren bedürfnissen vorbeigehen, mit uns um . . . . warum lassen wir es zu . . .

aber das gehört hier nicht hin . . . .

lg dennis . . .






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BeitragThema: Re: Es ist nicht mein zu Hause . . .
Es ist nicht mein zu Hause . . . EmptyMi 20 Jul 2011, 07:15    © Rita
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Hallo,

dass die Mutter das Heim nicht als ihr "zu Hause" ansieht ist im ersten Moment klar. Das kann sich jedoch schnell ändern. Wenn sie sich dort wohl fühlt, wir es ihr "zu Hause" sein.

Eine Kollegin von mir musste die Entscheidung treffen und den Vater in einem Heim unter bringen. Er hat Alzheimer und das ging Schlag auf Schlag, da war keine Zeit sich "an zu passen". Oktober letzten Jahres fing's an, er wurde plötzlich agressiv, Januar diesen Jahres kam er dann ins Krankenhaus, innerhalb von 2 Wochen hatte er ziemlich an Gewicht verloren und war deshydriert, er hatte nicht mehr viel gegessen und getrunken, weil er nicht mehr wusste wann und was usw. Danach durfte er wieder nach Hause, ihm wurden die Mahlzeiten geliefert und der Pflegedienst kam 2 x am Tag vorbei (wegen dem Insulin, er ist Diabetiker).

Jetzt seit bald 2 Monaten lebt er im Heim, und er fühlt sich dort wohl. Anfangs sträubte er sich heftig gegen die Idee in ein Heim zu ziehen, doch nun ist er froh und wenn die Kinder mit ihm aus gehen sagt er nach sehr kurzer Zeit jeweils "ich will nach Hause gehen". damit meint er das Heim.

Ich finde das wunderbar. Das ist doch schön wenn er sich dort wohl fühlt.

Ich wünsche dies für deine Mutter auch. Manchmal brauchts es ein wenig Zeit bis sie "akklimatisiert" sind, dann gefällt es ihnen gut.
Drück dir die Daumen dass es mit der Mutter so geht.

Rita
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