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 Vor Tatsachen gestellt...

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Theresa
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BeitragThema: Vor Tatsachen gestellt...
Do 19 Jun 2014, 17:09    © Theresa
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Meine lieben Mitleidenden,

gerne möchte ich mich wieder mal melden. Ich bin mit meinem Mann,der Alzheimer hat, Ende Frühstadium, von Süd Afrika nach Wien gereist,
um einwenig Ferien zu machen. So meinte und hoffte ich wenigstens. Wir gehen jedes Jahr nach Oesterreich in eine kleine Ferienwohnung, die mein Mann eigentlich kennt. Aber diesmal ist es ganz anders. Schon im Flugzeug, der Flug von Johannesburg nach Zürich wurde schwierig.Mein Mann war sehr unruhig, musste dauernd auf die Toilette. Auf einem Langstrecken Flug in der Nacht ist es ziemlich dunkel im Flugzeug,und mein Mann hatte die grösste Mühe, um zur Toilette zu kommen.Dabei wurden auch Mitreisende gestört.
Einer Frau hat er im Dunkeln mitten ins Gesicht gegriffen, weil er meinte, er müse sich gerade dort festhalten. Meine Hilfe, ihn zur Toilette zu führen, hat er srtickt abgewiesen, indem er mir auf die Hände schlägt.Mir war es, als wäre das nicht mehr mein Mann....
In der Ferienwohnung angekommen, hatte mein Mann total die Orientierung verloren. Nachdem ich ihm mehrmals gezeigt habe wo die Toilette ist, na ja, plötzlich höre ich ein Geräusch, als würde es in die Wohnung regnen. Ich war eine Sekunde zu spät, und schon war der ganze Boden und seine Kleider nass.....Am nächsten Morgen, mein Mann ist plötzlich nicht mehr fähig, alleine zu Duschen, weil die Dusche hier einwenig anders aussieht, als zu Hause. Am liebstem würde ich die Koffer wieder packen und zurück nach Hause fliegen.
An Alle, die vorhaben, winke  mit dem dementen Ehepartner in die Ferien zu gehen........
Theresa






und immer immer wieder geht die Sonne auf sunny
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dirtsa66
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Do 19 Jun 2014, 17:19    © dirtsa66
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Liebe Theresa,

es tut mir so Leid - ja, man weiß nie was der Ortswechsel und die Umstellungen hervorrufen, bevor man es nicht selbst erlebt hat. Wie lange bleibt ihr noch ? Vielleicht wird es mit jedem Tag etwas besser.

Ich hätte euch so gegönnt, dass es ein schöner Urlaub geworden wäre. Vor allem wo dein Mann die Ferienwohnung kennt, wäre es doch gut möglich gewesen, dass er zurecht gekommen wäre. So schade, aber man kann nichts machen. 

Was habt ihr sonst immer gemacht in Wien ? Vielleicht erkennt er ja doch etwas wieder..
Ach es tut mir wirklich so leid und vor allem es ist ja so weit, da kann man ja nicht einfach mal umdrehen und sagen: na gut, dann fahren wir halt wieder nach Hause.

Lass dich mal drücken liebe Theresa  umarmung 

Alles Liebe
Astrid






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Quintilia
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Do 19 Jun 2014, 18:28    © Quintilia
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Liebe Theresa,

auch mir tuts sehr leid für dich, dass der Urlaub so getrübt ist. Es ist bestimmt erschreckend für dich, wie die Defizite sich in der "fremden" Umgebung verstärken.  Von den Unannehmlichkeiten beim Flug mal ganz zu schweigen.

Vielleicht wird es im Laufe der Zeit ein wenig besser und ihr könnt doch noch ein paar unbeschwertere Tage genießen.

Ich wünsche es Dir von ganzem Herzen

Liebe Grüße
Petra
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Silvi
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Do 19 Jun 2014, 21:51    © Silvi
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Liebe Theresa , ach Mensch , es tut mir wirklich leid für dich und deinen Mann ! 

So ein Ortswechsel ist für  viele Demenzerkrankte  nicht einfach , dort treten ihre Defizite 
oft  richtig zu Tage !

Das du am liebsten gleich wieder zurück geflogen wärst kann ich gut verstehen, warte erst mal ab ! 

Wie schon Astrid und Petra , wünsche auch ich das es in den nächsten Tagen besser wird und ihr noch ein paar schöne Tage verleben könnt !

Alles liebe Silvi
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Theresa
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BeitragThema: Vor Tatsachen gestellt,
Fr 20 Jun 2014, 18:57    © Theresa
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Liebe Petra, Silvi und Astrid,

herzlichen Dank füe Eure lieben Worte.Ja Ihr habt recht, so langsam gewöhnt sich mein Mann wieder an die Ferienwohnung hier in Baden bei Wien.Er kann sich noch an die Therme hier erinnern und geht mit mir ohne grosse Probleme dort hin,ich muss natürlich jeweils ganz gut nach ihm aufpassen, damit er nicht stürzt auf dem nassen Boden. Zurück fliegen, frühzeitig, kommt nicht in Frage, es würde viel zu teuer kommen, den Flug umzubuchen.Es ist heute der erste Tag gewesen, wo ich ein wenig aufatmen konnte.
Theresa






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dirtsa66
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Fr 20 Jun 2014, 18:59    © dirtsa66
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Liebe Theresa,

schön, dass es schon ein bisschen besser geht! Nein zurück fliegen is bei diesen Entfernungen nicht drin, das ist klar. ich hoffe dein Mann gewöhnt sich von Tag zu Tag ein bisschen mehr ein und ihr habt doch noch einen schönen Urlaub.

Alles Liebe
Astrid






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soda1964
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Fr 04 Jul 2014, 23:08    © soda1964
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Liebe Theresa,

eben habe ich in Ruhe hier wieder mal ein bisschen nachgelesen.
Wie geht es euch wohl?
Ich hoffe, die Situation hat sich weiter beruhigt und du kannst nun doch etwas entspannen.

Liebe Grüsse aus der Schweiz  winke






Therese

Die wichtigsten Dinge im Leben sind keine Dinge.
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Die wahre Lebenskunst besteht darin, im alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
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BeitragThema: Vor Tatsachen gestellt
Sa 05 Jul 2014, 22:23    © Theresa
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Liebe Therese und alle andern die an mich denken,

ja die Hälfte des Urlaubes hab ich geschafft,ehrlich gesagt, ich habe mir Alles ein wenig einfacher vorgestellt. Mein Ehemann verliere ich immer mehr, ein Gesprächspartner, ein lieber Begleiter zum Reisen. Vor mir steht ein kranker Mann und ich bin die Betreuerin.
Es ist hart, aber jammern hilft ja auch nicht. Mein Mann hat jeweils ein paar gute Stunden, wo ich relaxen kann.
Es hat auch gute Seiten, die Ferien hier. Hier hat mein Mann kein Auto und somit eine Sorge weniger für mich.Wir wollten, wie jedes Mal hier ein wenig Rad fahren. Wir haben probiert, mein Mann ist vom Rad runter gefallen......zum guten Glück nur eine kleine Schürfung am Bein. Und das Fahrrad fahren ist auch abgehackt. 
Im Restaurant essen wird auch schwierig.
Mit lieben Grüssen
Theresa






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mysunny
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Mo 07 Jul 2014, 07:10    © mysunny
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Liebe Theresa

ja ich weiss, die Situation ist als andere als einfach für dich. Du meisterst aber alles sehr gut und für dein Mann ist es schön dass DU bei ihm bist, das spürt er.

Ich hoffe du kannst dich doch zwischendurch noch ein bisschen entspannen und Kraft tanken. Du hast dich ja richtig an die Feriensituation gewöhnt, nimmst daraus alles was geht und machst das Beste draus. Besser kann man es gar nicht machen.

Ich schicke dir gute Gedanken und ein grosses Paket Kraft per A-Post zu.

lG winke aus der Ostschweiz
Janine
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Quintilia
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Mo 07 Jul 2014, 17:10    © Quintilia
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Liebe Theresa,

wie schön, dass du dem Urlaub doch auch noch positive Momente abgewinnen kannst.

Ich fühle mit dir, jedes neue Defizit wird mit großem Schmerz festgestellt, bedeutet es doch einen Schritt weiter auf dem Weg des langen Abschieds vom geliebten Partner.

Alles Liebe
Petra
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tränende
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Mo 14 Jul 2014, 09:32    © tränende
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Liebe Theresa....wie gut ich nachempfinden kann wie es dir ergangen ist und wie es dir nun gehen
 muss....dort in Wien.

Du schreibst : "vor mir steht ein kranker Mann und ich bin seine Pflegerin".
Ich habe mich so angesprochen gefühlt...das hat mich tief berührt...
Das man den geliebten Menschen so verliert...so nach und nach...
Immer ist es irgendwann das letzte mal gewesen das was gemeinsam machte....
und wie viele letzte Male kommen noch....

Mit liebem Gruß
Bettina, die dir viel Kraft wünscht






Manchmal wollt ich fast verzagen und ich glaubt ich trüg es nie. Und dann hab ich`s doch getragen. Aber fragt mich bloß nicht wie.
H.Heine
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Theresa
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Do 17 Jul 2014, 17:07    © Theresa
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Vor Tatsachen gestellt.

Eigentlich könnte ich jetzt für 4 Tage und 3 Nächte in Bad Ischl sein, schöner Ferienort. Mein Mann wollte schon immer mal nach Bad Ischl. Also habe ich gebucht in einem netten Hotel mit Wellness und Halbpension. Die Anreise von Wien, fast 5 Std mit dem Zug, bis zum Kurort, war ziemlich gut verlaufen. Auch das Hotel war richtig,nicht zu modern, sehr freundlich auch für ältere Leute.
Angekommen im Hotelzimmer, mein Mann war sehr müde, wusste plötzlich nicht mehr, wie man sich aufs Bett legt. Er wollte nur Eines, wieder nach Hause.
Ein wenig Ablenkung erst hat geholfen, aber die Nacht wurde so schwierig, er konnte und wollte nicht schlafen.Ein Drama auch im Badezimmer, er hatte die grösste Mühe, sich auf die Toilette zu setzen, weil die ein wenig anders aussieht als zu Hause.

Mal ganz ehrlich, als ehemalige Krankenschwester bin ich mich ja an Einiges gewöhnt, aber wenn Du so was an Dir selber miterleben musst, mit dem eigenen Mann, das tut so weh. Am nächsten Tag sind wir wieder abgereist, nach Wien in die Ferienwohnung. Ade die 3 Tage, wo ich endlich mal ein wenig relaxen hätte können, nicht haushalten, nicht kochen müssen.
In einer Woche fliegen wir wieder zurück nach Südafrika ins richtige zu Hause.
Es wird das letzte Mal gewesen sein, mit meinem Mann nach Europa zu fliegen, das letzte Mal für viele Jahre, die Europa Luft mit allem Drum und Dran geniessen zu können. Jetzt beginnt der steinige Weg, worauf ich mich gefürchtet habe.

Grüsse Theresa






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Beethoven
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BeitragThema: Vor Tatsachen gestellt
Do 17 Jul 2014, 17:59    © Beethoven
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Liebe Theresa,

Es tut mir wirklich leid, daß der Erholungsurlaub so ein jähes Ende genommen hat.

Für den neuen Lebensabschnitt wünsche ich dir viel Kraft und Durchhaltevermögen

 umarmung 

LG Jutta
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soda1964
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Do 17 Jul 2014, 22:15    © soda1964
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Liebe Theresa,

es ist dieser "Abschied auf Raten" der so schmerzlich ist und so traurig macht ...
Du darfst traurig sein und darüber weinen - und gehst den steinigen Weg an der Seite deines Mannes weiter.

Wir im Forum sind hier und begleiten dich, wie auch immer der Weg weiter geht  umarmung 

Herzliche Grüsse






Therese

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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Fr 18 Jul 2014, 18:20    © tränende
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Liebe Theresa,

für uns war der letzte gemeinsame "Urlaub" ähnlich.
Ich kam absolut kaputt und total erschöpft nach Hause und hab mir geschworen : nie,nie,nie wieder mach ich das!

Das ist sehr traurig.....Ich kann dich so gut verstehen....liebe theresa....






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quid.novi
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Sa 19 Jul 2014, 00:18    © quid.novi
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Liebe Theresa,

ich kann dich verstehen und "doch wieder nicht."

Das ist nicht bös oder schlecht gemeint.
Dein eigenes Dilemma und Verzweiflung sieht anders aus als das Meinige.
Deswegen das nicht verstehen.

Man kann es nur in etwa erahnen und ein wenig nachfühlen.

Keiner kann des Anderen Leid richtig verstehen.

Oh man, Theresa.

Ich mag dich mal ganz herzlich umarmen.
Mein Mann mag auch keine Veränderung mehr, leichter wird es nicht.

Ich mag auch nicht mehr mit meinem Mann in Urlaub fahren.

Ich möchte es schon gerne, jedoch die Diskussionen möchte ich nicht.
Alles sehr schade.
Selbst Tagesausflüge bringen bei uns Schwierigkeiten.

----

Ach liebe Theresa,
hoffentlich kommt ihr gut nach Hause und es wird für euch (dich) ein wenig besser und erträglicher.

Ganz liebe Grüße

Anita






("Augen AUF und durch" , denn mit "Augen zu und durch" ist einem nicht geholfen, man muss schon gucken, gegen welche Wand man rennt)
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Beethoven
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BeitragThema: Vor Tatsachen gestellt
Sa 19 Jul 2014, 09:03    © Beethoven
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Liebe Anita,

dein Satz  "Ich mag auch nicht mehr mit meinem Mann in Urlaub fahren" macht mich sehr betroffen.

Unsere Männer sind krank, sie tun es doch nicht mit Absicht.

Ich möchte schon mit meinem Mann in den Urlaub fahren, aber wir können es nicht mehr.
Ich möchte ihn nicht den mitleidenden Blicken der anderen aussetzen, die keine Ahnung von Alzheimer haben. 

Ist von Krebs die Rede hat jeder Verständnis. Aber mit den Symptomen von Alzheimer können Außenstehende nichts anfangen. Die Betroffenden und Angehörigen werden nur belächelt.
 Keiner versteht, das ich meinen Mann wie ein Kind an die Hand nehmen muß, das Essen wird zerkleinert und dann ist da noch der Toilettengang, wo ich auch mitgehen muß.

Deshalb fahre ich nicht mehr in den Urlaub.

Schönes Wochenende

LG Jutta
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BeitragThema: Re: Vor Tatsachen gestellt...
Sa 19 Jul 2014, 09:51    © Admin
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Liebe Theresa

Du hast mein ganzes Mitgefühl, mit dem Wissen darum wie schwer es werden kann für unsere Lieben, plötzlich an einem anderen, "neuen" Ort "etwas heimisch" zu werden. Denn 2x im Jahr wohnten wir mit unserem lieben Erik jeweils in der Schweiz und dann wieder in Schweden, was für ihn mit dem jeweiligen Eingewöhnen immer schwieriger wurde (von den Reiseabenteuern ganz zu schweigen) - und dennoch aber für uns leider nicht anders möglich war..... Ich weiss nur zu gut, wie man dadurch Wohnortwechsel anfänglich persönlich wesentlich stärker eingespannt ist, die Augen noch mehr offen halten muss und vorallem eigene Bedürfnisse erst recht zurück stecken muss. Bis zu einem gewissen Punkt ist dies machbar und ab einem gewissen Punkt kann es leider unberechenbar gefährlich werden, für alle Beteiligten. Erst recht wenn es sich um "nur" Urlaub handelt, muss man sich unbedingt erst recht Gedanken über Sinn und Unsinn dessen machen, denn ob man will oder nicht, so reist die Krankheit ebenfalls mit und liebt es, dann erst recht für Chaos zu sorgen, so das "Urlaub" schnell mal für niemanden mehr den gewünschten "Erholungsfaktor" gibt.

Ich kann also deine Aussage,
Zitat :
Es wird das letzte Mal gewesen sein, mit meinem Mann nach Europa zu fliegen, das letzte Mal für viele Jahre, die Europa Luft mit allem Drum und Dran geniessen zu können.
mehr als gut nachvollziehen. Denn das wäre auch für unseren Erik vernünftig gewesen, wenn es wie gesagt für uns anders möglich gewesen wäre. Denn:

Für Gesunde:
Es ist für uns spannend neues zu entdecken, mal Tapetenwechsel zu bekommen und aus dem Alltagstrott raus zu kommen. Weil bei Gesunden nicht nur eine Flexibilität für Neues da ist, sondern dies uns auch am besten aus verschiedenen Alltagsproblemen heraus reissen kann, beim Abschalten hilft und für gewisse Zeit alle Probleme mal weit weg - zu Hause lassen lässt.

Für Demente:
Ist jeder tägliche Orientierungspunkt ein abdecken des Grundbedürfnisses, nämlich, sich möglichst sicher und unabhängig zu fühlen. Je mehr sich also an Fixpunkten orientiert werden kann je entspannter kann gelebt werden. Das bedeutet, das "Urlaub" sehr leicht zum Horrorerleben werden kann, wo wichtige Leitplanken an denen sich festgehalten werden kann, auf brutale Art weggenommen werden = Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Irritation, Verzweiflung, Agression. Also alles andere, als was Urlaub eigentlich sein sollte.

Leider ist der Punkt, wo der Wunsch des gemeinsamen schönen Urlaubserleben nicht mehr da ist, ein ziemlich fieser, schleichender Übergang, wo uns nicht selten erst im "Nachhinein" jeweils klar erkennen lässt. Darum liebe Theresa, ist deine aktuelle Erkenntnis für dich zwar sehr schmerzlich, aber die einzige Chance um möglichst, das für euch noch gemeinsam vorhandene auch geniessen zu können. Vieles in unserem Leben sind lediglich Abschnitte, ob Gute, Schwere, oder nur auf neue und andere Art geschenkte. Für das was du zur Zeit aufschieben musst gilt: Augeschoben ist nicht Aufgehoben, wärend jedoch für deinen Mann nun vieles unwiderruflich schwindet. Dieses "Lebensabschnitt-Denken" hat mir damals oft die notwendige Kraft gegeben um mich besser auf aktuelle Situationen einstellen zu können und dies möglichst zum Wohle von Eriks, leider letzten, immer mehr schwindenden Lebensabschnitt.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft, mit deinem Mann ganz bewusst im möglichen JETZT zu leben. Denn schon in einem Jahr, wird dies mit ziemlicher Sicherheit wieder anders sein. Deine (leider leichter gesagt als getan) eigenen zurücksteckenden Bedürfnisse nicht als Endgültigkeit zu sehen, sondern legiglich als auf später Aufgeschobene zu verstehen.

An dieser Stelle liebe Theresa einfach mal eine ganz liebe Umarmung von mir an dich  umarmung






Liebe Grüsse
 

"Trauer ist ein Teil des Lebens, aber sie darf nicht das ganze Leben werden."
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BeitragThema: Vor Tatsachen gestellt
Sa 19 Jul 2014, 14:50    © Theresa
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Liebe Ursula,

Deine Worte haben mir echt geholfen. Irgend wie werde ich es hin kriegen. Letztes Jahr konnte ich mit meinem Mann noch ohne grosse Probleme in ein Hotel gehen. Auch das Fliegen ging noch ganz gut. Vor einem Monat, zu Hause, konnte sich mein Mann noch alleine Duschen und die Haare waschen, jetzt geht das nicht mehr. Und viele anderen Sachen auch nicht mehr.
Eigentlich kenne ich ja den Verlauf der Alzheimer Krankheit durch und durch. Ich habe ja Alles miterlebt, hautnahe beim Nachbar, den ich mitgepflegt hatte.

Aber wenn es Dich ohne Warnung ein Tag auf den andern trifft, das ist eine ganz andere Sache.
Liebe Grüsse
Theresa






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