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 Kranke korrigieren

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Wasn12
Gast



BeitragThema: Kranke korrigieren
Do 15 Jan 2015, 21:09    © Wasn12
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Meine Oma beginnt dement zu werden. Sie hat z.B. erzählt, dass sie sich zuhause noch nicht wieder richtig zurecht findet, weil sie so lange weg war. Sie wusste aber nicht wo sie gewesen war und war beunruhigt. Als ich ihr gesagt habe, dass sie überhaupt nicht weg war, war sie erst erstaunt, aber nach ein paar Mal nachfragen schien sie beruhigt, und das Thema war für sie erledigt. Einige Tage später sagte sie dann auch von sich aus, dass sie da wohl etwas durcheinander gewesen war.

Als sie jetzt einige Zeit später gegenüber anderen meinte, kürzlich in München gewesen zu sein, haben die Leute mit denen sie sprach, sie in dem Glauben gelassen, dass das so stimmt. Jetzt, 3 Tage später, ist sie sich sicher, dass sie in München war. Sie wird dann zwar unruhig, weil sie sich nicht mehr richtig daran erinnern kann (wie auch), aber darüber, dass sie da war redet sie nicht fragend und vorsichtig, sondern das ist für sie Fakt.

Nun lese ich, dass man die Kranken nicht korrigieren sollte. Ich kann verstehen, dass das ab einem bestimmten Grad der Erkrankung das beste ist, aber nicht, dass das so pauschal gelten soll. Denn jetzt, in dem konkreten Fall, leidet meine Oma darunter, dass sie sich nicht mehr richtig an München erinnern kann. Und da kann ihr auch niemand helfen, denn sie war ja gar nicht in München. Auf der anderen Seite scheint es auch unmöglich, ihr jetzt noch zu sagen, dass sie doch nicht da war.
Mir scheint es sinnvoller, die Lücken, die da sind, nach Möglichkeit mit Tatsachen zu füllen, und damit möglicherweise echte Erinnerungen anzustoßen, anstatt die Phantasie zu fördern, was dann weitere Phantasiegebilde nach sich zieht. Auch wenn man dafür manchmal vorsichtig und freundlich widersprechen muss.
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Paula
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BeitragThema: Re: Kranke korrigieren
Do 15 Jan 2015, 22:17    © Paula
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Hallo Wasn,

Welchen Bezug hat deine Oma zu München? Hat sie dort gewohnt, oder ist sie dort aufgewachsen? Irgend etwas verbindet sie mit München.
Wenn sie behauptet, dort gewesen zu sein, dann solltest du ihr nicht sagen, dass das nicht stimmt. Sie wird sich nicht erinnern, wo sie wirklich war.
Wenn du München kennst, wie deine Oma wohl auch, dann hast du vielleicht ein Thema, worüber deine Oma gerne spricht.


Liebe Grüße
Paula
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Wasn12
Gast



BeitragThema: Re: Kranke korrigieren
Do 15 Jan 2015, 23:18    © Wasn12
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Sie war nie in München, vermutlich hat sie etwas verwechselt, und als sie dann München geraten hat, haben andere das wohl quasi bestätigt, sie hätten auch sagen können "Nein das war Nürnberg", dann würde sie wahrscheinlich das glauben. Sie war auch nicht weg, sie hat nur das Gefühl, dass sie weg war. Und sie ist beunruhigt, weil sie sich nicht an München erinnern kann.
Allgemein kann sie sich noch an recht viel erinnern, auch aktuelles, wie wann ich sie das letzte Mal besucht habe.
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Wuselchen
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BeitragThema: Re: Kranke korrigieren
Fr 16 Jan 2015, 21:55    © Wuselchen
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Hallo Wasn

Ein meiner ersten Fragen hier im Forum ging auch ums korrigieren, verbessern oder richtig stellen. 
Ich für mich habe entschieden es gibt wichtige Dinge die ich richtig stelle ( z.B. Medikamente müssen genommen werden, wer im Bett liegt, zeigt mir möchte keine Gesellschaft sondern in Ruhe gelassen werden, Uhrzeiten gerade wo es so früh schon dunkel genug für später ist Rolling Eyes ...) 
Aber ganz ehrlich nach der 5. Erklärung mache ich um 16 Uhr die Rolladen runter, weil es dunkel wird obwohl ich das hasse.

Wenn meine Schwiegermutter mir erzählen würde, sie wäre letzte Woche in München gewesen, wäre meine Antwort in Richtung Reisen in früherer Zeit gegangen. A la " Ich weiß, du hast spät geheiratet und bist als Singel noch viel unterwegs gewesen,..." Sie ist wohl schon etwas weiter in ihrer Demenz als deine Oma. 
Was ich auf keinen Fall tun würde, wäre genauer nachzufragen ( wie bist du denn hin gefahren, hast du das Hofbräuhaus gesehen,..) dann wäre bei uns Schweigen.

Ich denke jeder muß seinen Weg finden, einen absolut richtigen gibt es nicht, dazu sind die Menschen zu verschieden. 

Liebe Grüße Wuselchen
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jellyamber
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BeitragThema: Re: Kranke korrigieren
Sa 17 Jan 2015, 09:23    © jellyamber
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Hallo Wasn,

ja, das ist eine schwierige Phase, schon krank, aber gefühlt selber noch nicht krank.
Was hilft ist ruhig auf das Thema eingehen, allgemein, wie:
"Ja, München ist eine tolle Stadt. Aber ich würde nie auf das Oktoberfest gehen,
das wären mir zu viele Leute."

Du zeigst damit deiner Oma, dass du sie ernst nimmst,
du gehst auf ihr momentanes Thema ein und hast dann die Chance,
ein neues Thema anzustossen, von dem du weißt, dass sie sich vielleicht noch erinnert,
am Besten was aus ihrer Kindheit:

"Seid ihr als Kinder auch verreist?"
"Waren deine Eltern mal in München?"

So bleibst du zwar im Allgemeinen, aber hast sie in ihrem Anliegen angenommen.

Es ist nicht leicht, auf "komische" oder "unwahre" Erzählungen zu reagieren,
zumal es die eigentliche Wahrheit in dem Moment ist, denn deine Oma empfindet so
und da beißt die Maus keinen Faden ab. Sie zu korrigieren, noch schlimmer: vor anderen,
wäre eine große Kränkung. Du hilfst ihr, in dem du aushältst, dass sie sich jetzt anders erinnert,
als es wirklich war.

Machen wir übrigens alle auch... ich meine, jeder von uns modifiziert sich seine Erinnerungen.
Sonst würden wir die Gegenwart gar nicht aushalten....chchch

Wenn sie das nächste Mal in Berlin gewesen ist, was fragst du sie dann?

"Steht eigentlich die Mauer noch, Oma?"
"Hast du Kennedy gesehen?"
"Magst du Berliner Weiße? Komm, die besorgen wir uns jetzt!"

Viel Spaß beim Üben Wink

Ute winke






"Und was die Jugend dalässt, ist ein Spiegel. Da guckt man rein und sieht: Man hat keine Eierschale mehr auf dem Kopf. Man hat jetzt eine Frisur."

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Wasn12
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BeitragThema: Re: Kranke korrigieren
Sa 17 Jan 2015, 20:39    © Wasn12
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Das Thema München weiter ansprechen würde ich eher nicht. Denn das Thema macht sie unruhig, weil sie dann merkt, dass sie sich nicht erinnert.

Ich glaube, wenn man direkt als sie mit München anfing, versucht hätte, sie vorsichtig zu korrigieren, wäre die Chance gewesen, dass sich diese falsche Erinnerung gar nicht eingebrannt hätte, und damit wäre es gut gewesen.

Das Problem ist ja nicht, dass sie vergessen hat, was letzte Woche war, sondern dass sie den normalen Alltag, den sie da hatte durch ein besonderes Ereignis ersetzt hat. Wer erinnert sich denn schon noch ganz genau, was er letzte Woche alles gemacht hat? Das meiste vergisst man bzw. hat man nicht mehr sofort parat. Und das ist normalerweise auch kein Problem. Zum Problem wird es erst, wenn man glaubt, man hätte etwas besonderes erlebt, kann sich aber daran nicht mehr erinnern.
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jellyamber
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BeitragThema: Re: Kranke korrigieren
So 18 Jan 2015, 08:56    © jellyamber
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Wasn12 schrieb:
Ich glaube, wenn man direkt als sie mit München anfing, versucht hätte, sie vorsichtig zu korrigieren, wäre die Chance gewesen, dass sich diese falsche Erinnerung gar nicht eingebrannt hätte, und damit wäre es gut gewesen.

Probier es einfach aus beim nächsten Mal. So fies das auch klingt, es gibt einen ungeschlagenen Vorteil der Demenz: Sie wird es irgendwann vergessen. 

Geht man mit seiner ersten Reaktion auf das Thema ein, hat es den Vorteil, dass du keinen Widerstand hervorrufst, i.d. Sinne, "doch, doch, ich war da..." oder ähnlich. Es ist eine Art der Zustimmung und die macht dein, aber auch ihr Hirn frei, sich auf ein neues Thema einzulassen, mit dem du sie vom alten ablenken kannst. 

Dass man mit einem interessanteren Thema von seinen Defiziten ablenken möchte, hm, das passiert nicht nur Demenz erkrankten Menschen, wie du sagst, das ist eine nur zu menschliche Verhaltensweise. Nur bei ihnen passiert es dauernd, dass sie etwas vergessen und das ist einfach immens bedrohlich. Bei einer Freundin würde ich nachfragen und sagen, hey, was ist eigentlich los. Bei meinen erkrankten Eltern steige (bin gestiegen...chchch) ich mit ins Boot, bis ich sie quasi woanders hingeschippert habe, mache einen Scherz, würde sie bayrisch anreden und dann fragen, was sie heute mittag essen wollen. 

Etwas Neues in sie einbrennen wird sich nicht, weder etwas positiv Gelerntes noch noch negative falsche Erinnerungen. 
Das was ist, ist bei einem Demenz erkrankten Menschen. Und damit einen Umgang finden, ist nicht leicht, aber schaffbar,
wenn man "Wertvorstellungen" lockerer sieht und Notlügen als einen neuen Freund, der dir hilft, dass sie sich in ihrer Krankheit angenommen fühlen. 

Bin gespannt auf deine nächsten Schilderungen und hey, willkommen hier I love you

Liebe Grüße
Ute






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Kranke korrigieren

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