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 Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv

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Shaari
Gast



BeitragThema: Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv
Mo 01 Jun 2015, 14:52    © Shaari
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Hallo,

Ich versuche, mein Anliegen, in verständliche Sätze zu fassen, obwohl die Geschichte (wie sicher viele hier) viele Facetten hat.

Meine Mutter ist Anfang des Jahres mit knapp 73 Jahren gestorben. Sie litt an Parkinson, Demenz und in den letzten Monaten einer Bluterkrankung, die u.a. die monatliche Gabe von Transfusionen nötig machte. In diesen Monaten baute sie zusehens und massiv ab - konnte bald nicht mehr laufen, sitzen, stellte schließlich das Sprechen ein und "vegetierte" nur mehr. Nicht einmal Blickkonktakte waren mehr möglich.

Für meinen Vater, der mit meiner Mutter gemeinsam im eigenen Bauernhof gelebt hat (sein Geburtshaus, er war tatsächlich nie irgendwo anders), war das natürlich eine furchtbare Situation. Vor allem auch, weil er stets leider sehr unselbstständig war. Meine Mutter hatte sich immer um das "Leben" vom Einkaufen übers Kochen und Waschen bis hin zum "Papierkram", zu Telefonaten, Amtsgeschichten ect. gekümmert. Als sie zunehmend weniger tun konnte, musste er einspringen - mit Hilfe des später eingeschalteten Pflegedienstes für meine Mutter funktionierte das zumindest annehmbar. Dennoch versteht er z.B. bis heute nicht, dass frisch zu kochen kein Hexenwerk ist und man sich damit selber etwas Gutes tut.

Nun ist er alleine. Der Pflegedienst kommt nur einmal in der Woche, um seine Tabletten für die Woche zusammenzustellen. Ich habe ihm vorgeschlagen, zumindest die ebenfalls vom Pflegedienst angebotene hauswirtschaftliche Hilfe weiter zu nutzen (ist nicht teuer), aber er mag nicht bzw. sagt "Mal sehen". Diese Aussage charakterisiert ihn ziemlich gut. Er vermeidet klare Aussagen, von Entscheidungen ganz zu schweigen. Im Haus gibt es Schimmel, der dringend entfernt werden müsste - mein Vater will "mal sehen".
Ich fürchte nun, dass er sich quasi selber in eine hilfelose Lage bringt, in dem er sich um nichts mehr kümmert. Möglicherweise sind auch bei ihm inzwischen erste Demenz-Anzeichen sichtbar, andererseits konnte er sich auch früher schon schwer mit Worten ausdrücken. Dazu kommt die Trauer um meine Mutter, die möglicherweise schon depressive Züge hat. Vorschläge, sich einer Trauergruppe anzuschließen oder das Thema Depressionen bei seinem Hausarzt anzuschneiden, prallen ab.

Ich suche Tipps, die ihm helfen, seine Eigenveranwortlichkeit für sein Leben (wieder) zu erkennen und anzunehmen.

Ich selbst arbeite Vollzeit, lebe 50 km entfernt in der Großstadt, besitze kein Auto (ohne kommt man nicht ohne stundenlange "Reisen" in das kleine Dorf, in dem mein Vater lebt)  und habe wenig Zeit, ihn immer wieder an wichtige Dinge (Schimmelbeseitigung, die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung jenseits von Dosenwurst, Brot und Speck, die Bedeutung sauberer Kleidung ect.) zu erinnern. Es schwelgt in Selbstmitleid, hadert mit diesem und jenem Nachbar, der "doch mal fragen könnte, wie es mir geht und ob ich was brauche". Dass zuerst erst selbst für sein Leben und seinen Alltag zuständig ist, mag er nicht annehmen.
Unsere Gespräche sind dementsprechend oft wenig positiv. Er hat keine Lust, sich von mir anzuhören, dass weder das Schicksal noch andere Menschen zuständig sind für sein Wohlbefinden, sondern dass er das zu allererst selbst ist. Ich selber habe ein eigenes Leben, das derzeit auch recht turbulent (Jobwechsel, Stress, lange Tage) ist und für das sich mein Vater im Gegenzug null interessiert. Fragen, wie es mir geht, gibt es nicht. Er sieht grundsätzlich nur sich und versinkt in Selbstmitleid, obgleich es ihm vergleichsweise gut geht. Er hat leichte Diabetes, ist aber nicht schwer krank, lebt im eigenen Haus mit Garten, hat keine Schulden und eine Rente, die zwar nicht üppig ist, mit der er aber gut auskommt.
Er fährt auch noch Auto. Meine Vorschläge, damit eventuell mal zu einer Seniorenveranstaltung oder überhaupt zu einer Veranstaltung zu fahren, damit er unter Leute kommt, verhallen ebenfalls.

Ich bin ratlos und tendiere dazu, ihn einfach machen zu lassen. Allerdings kenne ich ihn gut genug, um zu wissen, dass das auch wieder Vorwürfe auslösen würde...
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Ulli
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BeitragThema: Re: Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv
Di 02 Jun 2015, 21:19    © Ulli
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Liebe Shaari,

wenn du hier mal quer gelesen hast wirst du sicher bemerkt haben, dass viele Fälle ähnlich gelagert sind.
Wann wurde deine Mutter auffällig und konnte sich nicht mehr kümmern ?
Wann fing die bettlägerige Zeit an ?
Wie wurde sie versorgt ? Wer kochte das Essen ?
Hat dein Vater auch eine Pflegestufe ?

Fang langsam an - nicht alles auf einmal. Das überfordert ihn.
Vielleicht wäre "Essen auf Rädern" ein Anfang ?

Liebe Grüße - Ulli
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Quintilia
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BeitragThema: Re: Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv
Mi 03 Jun 2015, 09:59    © Quintilia
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Hallo, liebe Shaari,

die Probleme, die du schilderst, kennen die meisten von uns hier bestens, wie Ulli schon sagte.

Hilft es vielleicht, deinem Vater die eine oder andere Entscheidung einfach abzunehmen, z.B. die Installation der hauswirtschaftlichen Hilfe? Sollte er tatsächlich tief in Depressionen gefangen sein, ist es ihm nahezu unmöglich, jetzt irgendwelche Entscheidungen zu treffen und sich selbst zu organisieren.

LG
Quintilia
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Shaari
Gast



BeitragThema: Re: Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv
Mi 03 Jun 2015, 10:03    © Shaari
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Hallo Ulli,

Vielen Dank für Deine Rückmeldung.

Zu Deinen Fragen: Essen auf Rädern bekommt mein Vater. Bestellt hatte ich das im September 2014 - als es mit meiner Mutter immer schlimmer wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt  und hier liegt sicher das Hauptproblem - war es immer Aufgabe meiner Mutter, für Essen (und Haushalt ) zu sorgen. Und vieles, was sie nicht mehr hinbekam, blieb eben liegen. Mein Vater ist ein unselbständiger Mensch. Bis zu seiner Heirat hat sich seine Mutter um alles gekümmert, danach seine Frau. So lief es sicher früher in vielen Familien. Wie schlimm das abseits von jeder Gleichberechtigungsdebatte aber auch für den "Verwöhnten" ist, merkt man nun im Alter. Da ist ein Mann von Mitte 70, der gerade so in der Lage ist, sich ein Spiegelei zu braten. Dem es zuviel ist, 3 Kartoffeln zu schälen und sich aus ein paar Tomaten einen schnellen Salat zu machen.
Mein Vater hat keine Pflegestufe. Ich glaube auch nicht, dass er eine bekommen würde. Er "kann" ja noch viel machen - er hat nur null Antrieb. Das ist einerseits natürlich mit der Trauerphase zu erklären. Andererseits muss ihm irgendwie auch klar werden, dass er eine Menge Einfluss darauf hat, ob sein Leben einigermaßen gut ist oder ob es eher ein Vegetieren ist. Ich halte eine Depression für durchaus möglich, allerdings ist es aussichtslos, meinen Vater zu einem Psychologen zu bekommen. Ich bin leider sicher, dass er das Prinzip einer Therapie gar nicht verstehen würde...
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Shaari
Gast



BeitragThema: Re: Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv
Mi 03 Jun 2015, 10:08    © Shaari
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Hallo Quintilia,

Auch Dir lieben Dank.

Die hauswirtschaftliche Hilfe gab es als meine Mutter noch lebte. Ich habe meinem Vater mehrfach geraten, sie beizubehalten. Es tut es aber nicht. Ich gebe zu: Ich tue mich schwer damit, für ihn zu entscheiden. Es ist meiner Meinung nach ja sein Leben. Ich kann Tipps geben ... handeln muss am Ende jeder selber. Ich war am Ende schon bei meiner Mutter quasi gezwungen, für sie zu entscheiden - weil mein Vater sich nahezu verweigert hat, Entscheidungen zu treffen. Dabei wäre das seine Sache als Ehemann gewesen...
Was soll ich sagen ... das ist etwas, das mir einfach sehr schwer fällt. Ich sehe sehr vieles anders als meine Eltern/mein Vater - aber ich will mir nicht anmaßen, für einen anderen Menschen zu entscheiden.
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Quintilia
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BeitragThema: Re: Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv
Mi 03 Jun 2015, 10:13    © Quintilia
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Shaari schrieb:
Ich gebe zu: Ich tue mich schwer damit, für ihn zu entscheiden. Es ist meiner Meinung nach ja sein Leben. Ich kann Tipps geben ... handeln muss am Ende jeder selber. 

Damit tun wir hier uns alle immer wieder schwer, liebe Shaari. Gerade ich! Gerade im Augenblick.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder du akzeptierst es so wie es ist, denn du wirst ihn nicht mehr verändern auf seine alten Tage und in dieser schweren Situation.

Oder du machst den riesen großen Schritt und tust es für ihn, weil er es nicht (mehr) kann, das Handeln meine ich.

Beide Entscheidungen sind irre schwer - aber leider kommt keiner, der sie uns abnimmt.
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Shaari
Gast



BeitragThema: Re: Vater nach dem Tod der dementen Mutter depressiv
Do 25 Jun 2015, 13:06    © Shaari
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Ich melde mich gleich noch einmal hier, weil mir mein Vater nach wie vor Sorgen macht.

Es geht um seine mangelnde Alltagskompetenz, ohne die es aber nun einmal nicht geht, wenn man allein lebt.

Natürlich trauert er nach dem Tod meiner Mutter vor einem viertel Jahr. Natürlich ist es schwer. Keine Frage. Aber es gibt eben Dinge, die man trotzdem tun muss. Und wenn man sie allein nicht tun kann/will, muss man sich Hilfe holen. Klingt einfach, ist es nicht immer.

Beispiel 1: seit Jahren gibt es im Haus meiner Eltern (jetzt meines Vaters) ein Schimmelproblem. Das riecht man und vor allem ist es natürlich gesundheitsschädlich. Ich habe das Problem viele Male angesprochen, auch, dass in so einem Fall ein Fachmann geholt werden sollte, um Ausmaß und Handlungsmöglichkeiten realistisch einzuschätzen. Was tut mein Vater. Er fragt Nachbarn, die ihm helfen, die Küche (dort ist das Schimmelproblem) auszuräumen. Dann wirft er den alten, schimmeligen Belag raus und rollt neuen drüber. So sehr ich mich freue, dass er aktiv etwas tut, so unüberlegt wirkt das Ganze. Er sagt, unter dem Belag wäre kein Schimmel gewesen - ob es stimmt, weiß ich nicht. Sein Helfer ist ein alkoholkranker Mann, der gern mal Dinge beginnt, dann aber wochenlang ausfällt, weil er eben wieder eine Trinkerphase hat. Am letzten Wochenende fand ich also eine ausgeräumte Küche vor (Kühlschrank im Bad, Lebensmittel im Wohnzimmer), der neue Belag liegt wellig und ungenau zugeschnitten da - offenbar schon mindestens eine Woche. Keiner weiß, wann der Nachbar wiederkommt...

Beispiel 2: Ich habe die Beerdigung meiner Mutter komplett allein organisiert. Bezahlen muss sie aber mein Vater (das Geld dafür ist da, da gab es kein Problem). Nun erzählte er mir am Telefon, die Rechnung des Bestattungsinstituts sei da und er habe auch schon bezahlt. Letzteres hat mich überrascht - meist macht er sich nicht die Mühe, Papierkram zu lesen, sondern lässt ihn liegen, bis ich wieder mal da bin. Erst war ich erfreut, weil er selbstständig etwas getan hat. Dann fragte ich nach der Höhe der Rechnung...Antwort: über 3 400 Euro. Ich war skeptisch, weil die Kosten für die kirchliche Bestattung samt Drumherum bereits von der Kirchgemeinde geschickt und auch beglichen worden war. Der Anteil des Bestattungsinstituts hätte deutlich niedriger sein müssen ... er blieb dabei... nun gut.  Bei meinem Wochenendbesuch bat ich ihn, mir die Rechnung zu zeigen. Und siehe da: er hatte den Übertrag von Blatt 1 und die Gesamtsumme auf Blatt 2 schlicht kombiniert und war so auf die hohe Summe gekommen. Ihm war auch nicht aufgefallen, dass der hohe betrag nie und nimmer mit den aufgelisteten Posten übereinstimmte...
Ich dachte nun natürlich, er hat viel zu viel Geld überwiesen - dabei stellte sich heraus: er überweist gar nicht selbst, sondern lässt das eine Bankangestellte machen. Das war in diesem Fall gut, weil die Frau die Rechnung richtig gelesen hatte - grundsätzlich sehe ich aber ein Problem darin, wenn er eine finanzielle Verantwortung mal schnell abgibt und dann offenbar alles unterschreibt, was man ihm hinlegt. Sonst hätte er angesichts der viel geringeren (richtigen) Überweisungssumme ja zumindest stutzen müssen....

Als ich ihn auf das Problem hingewiesen habe, wurde er grantig. Ich würde ja immer nur meckern. Ich meckere aber nur, wenn es um FÜR IHN wichtige Dinge geht - wie eben Geld oder die Tatsache, dass man in einer schimmelfreien Umgebung leben sollte.

Was tut man nun? Ich bin Einzelkind und kann das Thema nicht "verteilen". Unser Verhältnis war nie besonders eng - und das wird wohl auch nicht mehr werden. Er kann z.B. immer anrufen, wenn etwas ist - oder auch "nur so". Er ruft aber nicht an. Wenn ich es dann auch nicht tue - weil ich 1, denke, es ist alles okay - sonst hätte er sich ja gemeldet und 2, auch so genug zu tun habe - klagt er beim nächsten Mal, dass "man von mir ja gar nichts hört". Auch von anderen Verwandten erwartet er Initiative - anstatt selbst die Leute zu kontaktieren, mit denen er gern mal reden würde.

Hinweise von mir nimmt er nicht. Er hört zu, aber ich habe das nicht Gefühl, dass er etwas annimmt. Das plätschert an ihm vorbei, regt ihn vielleicht sogar kurz auf - und wird dann vergessen. Die Perspektive zu wechseln, sich in die Sicht eines Anderen hineinzuversetzen, scheint ihm unmöglich. Er fragt z.B. nie, wie es mir geht. Dass ich einen neuen Job starte, regt ihn nicht zu Fragen dazu an. Dass der Tod meiner Mutter auch für mich hart war, ist irrelevant. In seiner Welt gibt es nur ihn...

So... das war verdammt lang. Aber es musste mal raus:)

Wenn jemand Ideen hat, wie ich am besten mit ihm umgehen könnte - würde mich das freuen.
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