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 praxisbeispiele von der dementenstation

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gisela
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BeitragThema: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 13:49    © gisela
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ihr lieben
da die Demenz immer wieder Kreativität vom personal erfordert um mit gewissen
Situationen fertig zu werden hab ich mir gedacht, ich stell hier mal einige Situationen
von unserer Station rein.
1)
Bewohnerin...........reagiert jedesmal, wenn sie duschen soll, hochgradig abwehrend, schreit und schlägt um sich,
egal, ob männliches oder weibliches personal. geduldige Erklärungen, einbeziehen der angehörigen bringen keinerlei Besserung.
in einer ruhigen Phase der Bewohnerin, wird sie im Gespräch gefragt, was ihr am duschen solche angst macht.
sie antwortet.........ich zeige mich vor niemandem nackt. verständlich dachten wir uns und boten ihr an, in unterwäsche zu duschen,
was sie empört ablehnte.
irgendwann im sommer kam ich dann vor dem umziehen in zivil auf die Station und hatte noch die
Sonnenbrille auf. besagte Bewohnerin kam mitleidig auf mich zu und sagte...........ohje sie arme.......so jung und schon blind. idee
blind.........genau.........das war´s.
bei der übergabe mit den kollegen besprochen, ..........so könnte es gehen.
also haben wir beim nächsten duschtag eine "blinde" kollegin zu der Dame geschickt, die sie zum duschen gebeten hat.
seitdem war das wöchentliche duschen für beide Parteien stressfrei und möglich.

2)
eine demente Bewohnerin hat deutlich unruhige Phasen, klagt kontinuierlich über schmerzen im rechten Handgelenk ( das hatte sie sich vor jahren mal gebrochen)
um reale schmerzen auszuschliessen wurde mit dem Hausarzt eine schmerztherapie angesetzt, was aber die schmerzen im arm egal wie hoch die Dosierung war nicht minderte. bew wurde nur zunehmend müder von den ganzen Schmerzmitteln und schlief mehr, nahm daher auch nicht mehr an gruppenangeboten teil.
in einer fallbesprechung überlegten wir, was können wir tun und versuchten es mit einem "placeboverband" am rechten Handgelenk. das Handgelenk wurde mit einer "schmerzstillenden" hautschutzcreme eingerieben und ein elastischer mullverband angelegt.
die Wirkung...........super.
die schmerzen wurden umgehend besser und nun bekommt die Dame jeden tag einen solchen verband angelegt, ist deutlich ruhiger und nimmt entspannt an den gruppenangeboten teil.

3)
viele unserer Bewohner werden am nachmittag , wenn das sogenannte sundowning beginnt, sehr unruhig und müssen dringend zu ihren kindern(die meist nach aussagen der Bewohner noch im babyalter sind), die ganz allein zuhaus sind.
schwierige Situation für das personal, da viele dann auch hinlauftendenzen zeigen.
eine der Kolleginnen brachte dann von zuhaus einen ausrangierten babywagen mit, den wir mit einer babypuppe bestückten, die weinen kann.
Ergebnis............eine der Bewohnerinnen, kümmerte sich sofort um das weinende Baby, schob es den flur rauf und runter oder ging im dementengarten spazieren. ein wagen reichte natürlich nicht, da wir mehrere Bewohner haben mit "kleinen kindern" zuhaus, und mittlerweile haben wir von diesen wagen 4.

gern setze ich,wenns euch interessiert, ab und zu weitere Ergebnisse unserer fallbesprechungen und deren Wirkung auf die Bewohner rein

lieben gruß
gisela






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Biggi
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 14:25    © Biggi
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Zitat :
gern setze ich,wenns euch interessiert, ab und zu weitere Ergebnisse unserer fallbesprechungen und deren Wirkung auf die Bewohner rein
Aber sehr gerne, liebe Gisela. Ich finds eine tolle Idee, die dem einem oder anderen sicher im Umgang helfen wird.  

Denn manchmal muss man wirklich "tricksen". Und so können wir immer wieder was dazulernen.  idee

Danke für deine Mühe. 

Liebe Grüße







--- Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet. ---

                        
                           
  
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Lena
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 15:29    © Lena
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Liebe Gisela,
das finde ich eine gute Idee von dir. Mach das bitte weiter.... danke
Blinde Duschfrau....super 1a  Demenz----fordert uns oft zu.... "ungewöhnlichen " Hilfsmitteln  lachen






Liebe Grüße Lena.
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dirtsa66
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 15:55    © dirtsa66
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Liebe Gisela,

danke für diese Beispiele aus dem Alltag!

Finde ich super, dass du sie hier für uns einstellst!

Alles Liebe
Astrid






Anteilnehmende Freundschaft macht das Glück strahlender
und erleichtert das Unglück - Marcus Tullius Cicero
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 17:39    © Admin
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Liebe Gisela

Das sind ganz starke Beschreibungen und dessen Möglichkeiten diesen zu Begegnen   Ich freue mich, das du uns hier daran teilnehmen lässt   und freue mich ebenfalls auf noch ganz viele weitere gute Tipps und Erfahrungen von dir danke






Liebe Grüsse
 

"Trauer ist ein Teil des Lebens, aber sie darf nicht das ganze Leben werden."


Zuletzt von Admin am Do 14 Apr 2016, 17:54 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Lichtblick
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BeitragThema: praxisbeispiele von der demenzstation
Do 14 Apr 2016, 17:43    © Lichtblick
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Liebe Gisela das war eine tolle Idee von dir. winke 
Die " blinde " Person einfach genial.
Bitte schreib mehr davon,ich lerne gerne neues dazu.
LG
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gisela
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 18:06    © gisela
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lena schrieb:
Demenz----fordert uns oft zu.... "ungewöhnlichen " Hilfsmitteln 


ja.......das stimmt, wobei es oft nicht die Maßnahmen sind die schwierig sind, sondern die z.b.
Akzeptanz der angehörigen und vorgesetzten.
oftmals kriegste so antworten wie..........wie kann man nur die Bewohner so hinters licht führen.........nein..........wir führen sie nicht
hinters licht, wir versuchen ihre Probleme zu sehen und daraus dann lösungen zu entwickeln.
stimmt manchmal mutet es etwas seltsam an, was wir so veranstalten............aber ich denke.........der erfolg gibt uns recht.
und............es sind alles natürlich einzelfalllösungen und nicht auf andere Bewohner übertragbar.
und ehrlich gesagt.............es sind genau solche Situationen, die meinen beruf so spannend machen

lieben gruß
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Lena
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 18:49    © Lena
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Stimme ich dir voll und ganz zu, liebe Gisela






Liebe Grüße Lena.
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Marie
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Do 14 Apr 2016, 20:55    © Marie
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Liebe Gisela,

das sind ganz tolle Beispiele. Im Fall der Fälle möchte ich auch mal in so ein Heim, in dem man sich so viele Gedanken um die Bewohner macht und so wirksame Lösungen findet. Nur immer weiter so. Danke, daß Du uns teilhaben läßt.






von Marie
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Elli
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 15 Apr 2016, 09:35    © Elli
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Hallo Gisela,

ich stehe mit meinem Wissen über Demenz noch am Anfang, deshalb freut es mich sehr, wenn du über praxisbezogene Lösungen berichtest. Ich sehe die Vorgehensweise auch nicht als Hintergehung, sondern es sind Tricks, die dem Personal und
den Heimbewohnern Erleichterung bringen.

Die Idee mit der "Blinden" war einfach genial.

Liebe Grüße
Elli
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kurt
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 15 Apr 2016, 11:59    © kurt
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gisela schrieb:

1)
Bewohnerin...........reagiert jedesmal, wenn sie duschen soll, hochgradig abwehrend, schreit und schlägt um sich,
egal, ob männliches oder weibliches personal. geduldige Erklärungen, einbeziehen der angehörigen bringen keinerlei Besserung.

Wenn jemand gewohnt ist gemütlich in der Wanne zu sitzen besteht vielleicht Abneigung gegen das hektisch durchgeführte Abduschen.

In meine Krankheitschronik schrieb ich darüber:


Am Samstagmorgen werde ich von einer Schwester mit „Guten Morgen, wollen wir heute duschen?“ aus dem Schlaf gerissen. Zögerlich stimme ich zu.
Sie geht und kommt mit einer Gummischürze versehen wieder weshalb sie aussieht wie eine Arbeiterin in der Schlachterei, was mein Vertrauen nicht gerade steigert. Sie spritzt mich ab und gibt mir einen Waschlappen in die Hand mit den Worten: „Halten Sie damit die Augen zu“. Ich bekomme einen Wasserschwall über den Kopf, die Haare werden einshampooniert, abgespült und noch mal dasselbe. „Wischen sie sich mit dem Lappen das Gesicht ab“ lautet die nächste Anweisung. Nun wäscht sie meinem Oberkörper und die Beine. Sie hilft mir hoch und lässt mich am Griff in der Wand festhalten. So wäscht sie den fehlenden Rest, rubbelt mich ab, legt ein Handtuch in den Rollstuhl, setzt mich hinein, hängt mir mein Nachthemd um, fährt mich aus dem Bad und föhnt mir die Haare.


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krebs57
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 15 Apr 2016, 12:40    © krebs57
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Hallo Gisela,

es ist schön zu lesen das es auch Einrichtungen und Personal gibt, die sich solche Gedanken machen. Ganz toll und weiter so.

Bei meiner Mutti geht es eher so zu wie es Kurt beschreibt. Ich habe Mutti auch schon selbst geduscht, weil ich das Gefühl hatte es ist die ganze Woche nichts passiert.

Im Moment ist Mutti in der Psychatrie und dort ist es noch schlimmer. Wenn ich sehe wie die Schwester mit Mutti zur Toilette geht...

Eigentlich wünsche ich mir, dass das Leiden bald ein Ende hat (ich hoffe ihr versteht mich irgendwie).

So eine Einrichtung und solches Personal, wie bei dir Gisela, findet man bestimmt nicht oft.

Petra
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Ann
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 15 Apr 2016, 13:27    © Ann
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Ich würde mich auch sehr freuen wenn du uns weiter berichtest, liebe Gisela!  rose

Eure Bewohner haben wirklich Glück, dass sie in einem Heim sind, in dem die Pflegenden mit so viel Herzblut dabei sind! I love you






Liebe Grüße
 
Ann 


                                      Leben heißt nicht zu warten, dass der Sturm vorüber zieht, sondern zu lernen im Regen zu tanzen.   
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gisela
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 15 Apr 2016, 14:10    © gisela
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danke ihr lieben
mit Sicherheit läuft bei uns in der Einrichtung auch nicht alles perfekt,
aber wir bemühen uns scharmant-zwinkernd

kurt schrieb:
Wenn jemand gewohnt ist gemütlich in der Wanne zu sitzen besteht vielleicht Abneigung gegen das hektisch durchgeführte Abduschen.

lieber kurt
da hast du natürlich völlig recht und auch das hatten wir in betracht gezogen.
bei besagter Dame ging es aber nicht um den Handlungsablauf an sich, sondern darum
dass sie sich auf keinen fall fremden menschen nackt zeigen wollte.

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Amelu
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 15 Apr 2016, 20:55    © Amelu
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Ich hab mich ebenso gefreut, solche hilfreichen Darstellungen für einen besseren Umgang mit Demenzkranken zu lesen, und bin gespannt, ob noch weitere Beispiele kommen. Sollte ich was 'entdeckt' haben, werd ich damit auch nicht hinterm Berg halten.


Jetzt fehlte mir noch ein praktischer Tipp, wie mit den Phantomgestalten umzugehen ist, die grundsätzlich bei Mutter das raten, was grad nicht hilfreich ist.
Mir ist klar, daß diese imaginären Menschen eine Adaption sind für die Unsicherheit, wie sie sich jetzt verhalten soll, was sie tun soll oder auch als Entschuldigung für das, was daneben gegangen ist. Das alles könnte ich noch tolerieren, aber wenn kleine Knaben ihr dann raten, gleich wegzulaufen und ihnen selber das Bett überlassen, dann kann ich keine Adaption mehr erkennen. Oder?


Amelu
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gisela
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Mo 18 Apr 2016, 01:48    © gisela
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4)
eine unserer Bewohner kam regelmäßig nacht saus dem zimmer, weinte und behauptete es wären menschen in ihrem zimmer, die sie anstarren, sie bestehlen und ähnliches.sie liess sich immer nur schwer beruhigen, verbrachte viele nächte im Tagesraum oder auch im Dienstzimmer.
die angehörigen hatten ihr das zimmer wirklich schön eingerichtet und auch viele bilder der Familie an die wand gehängt, darunter viele vergrößerte portraitfotos.
nun........wir dachten, weil die Wahrnehmung aufgrund ihrer Demenz deutlich eingeschränkt war, und sie zeitweise auch die zu besuch kommenden angehörigen nicht erkannte, dass sie in den Bildern die fremden menschen im zimmer sieht und entfernten sie. keine Besserung.
eines nachts sass sie laut schimpfend auf ihrem bett, der Nachtdienst kam ins zimmer und sie schrie...."da sind sie wieder".........es war natürlich keiner im zimmer......aber......die Dame zeigte auf die waschecke, in der ein metergroßer spiegel hängt und sie sich vom bett aus darin sehen konnte, aber sich nicht erkannte.
tags darauf haben wir den spiegel dann mit bunter blümchenfolie komplett zugeklebt. seitdem gab es kaum noch solche Probleme und die Dame konnte nachts gut schlafen.
amelu schrieb:
Jetzt fehlte mir noch ein praktischer Tipp, wie mit den Phantomgestalten umzugehen ist, die grundsätzlich bei Mutter das raten, was grad nicht hilfreich ist.
Mir ist klar, daß diese imaginären Menschen eine Adaption sind für die Unsicherheit, wie sie sich jetzt verhalten soll, was sie tun soll oder auch als Entschuldigung für das, was daneben gegangen ist. Das alles könnte ich noch tolerieren, aber wenn kleine Knaben ihr dann raten, gleich wegzulaufen und ihnen selber das Bett überlassen, dann kann ich keine Adaption mehr erkennen. Oder?


liebe amelu
schwierig dir da aus der ferne etwas zu raten.
wir haben bei uns viele beobachtende augen verschiedener Mitarbeiter und zu den verschiedensten Gelegenheiten und tragen alle unsere Beobachtungen zusammen, was es uns natürlich erleichtert .
aber auch bei uns gibt es fälle, wo es eben nur medikamentös geht visuelle oder auch akkutische Halluzinationen zu lindern.

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gisela
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 22 Apr 2016, 17:15    © gisela
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5)
eine Bewohnerin hat mehrfach am tag massive schreiphasen, die auch gern bis zu einer stunde anhalten können.
sie ruft nur einzelne worte, die aber dann laut schrill und kontinuierlich.
bei Zuwendung und ansprache bessert es sich, aber da wir mehr als eine Bewohnerin haben ist kontinuierliche Zuwendung nicht
möglich.
durch die schreiphasen reagieren die anderen Bewohner oft ärgerlich und die Situation drohte mehr als einmal zu eskalieren.
musik, stimmen aus dem Fernsehgerät, ruhe um Reizüberflutung auszuschliessen bringen keinerlei Besserung.
in einer fallbesprechung mit musiktherapeuten, pflege und angehörigen beschliessen wir für die Bewohnerin
eine cd zu brennen (Gott sei dank haben wir einen pfleger, der das knowhow dazu hat) mit der stimme der tochter, die ihrer mutter
ihren Tagesablauf erzählt (wie bei ihren besuchen), der musiktherapeut lieder die sie mag dazwischen setzt und die pflege kleine Alltäglichkeiten
spricht, um es abwechslungsreich zu gestalten.
ein altes tragbares cd-gerät hatte noch jemand von uns zuhaus, ebenfalls die Kopfhörer.
in den schreiphasen haben wir dann der Dame die Kopfhörer aufgesetzt die sie anfänglich als störend empfand, bis sie die stimme ihrer tochter hörte.
sie summte die dazwischen eingespielten lieder mit und es schien, als hörte sie dem gesprochenen interessiert zu.
natürlich hat sie die Kopfhörer nicht den ganzen tag auf, aber wenn z.b. keine Möglichkeit der Betreuung besteht, wie z.b. der morgendlichen Körperpflege, beim nahrungdarreichen der Mitbewohner o.ä. ist sie damit gut zu beruhigen.

6)
viele unsere Bewohner zeigen hinlauftendenzen, und da wir kein geschlossener Bereich sind, ist die ausgangstür
natürlich offen. die tür wird am tag mehrfach geöffnet von Lieferanten, besuchern, dem personal selbst etc.
eine Einladung für die Bewohner, die manchmal in gruppen die ebene verlassen.
nun fällt im umgang mit demenzerkrankten oft auf, dass diese durch ihre wahrnehmungsstörungen über z.b.schatten auf dem
boden steigen, als würden sie über stufen oder eine mauer gehen, oder davor stehen bleiben, weil sie sich nicht trauen, über den schatten zu gehen.
das haben wir uns zunutze gemacht, und vor die ausgangstür einen großen schwarzen Teppich gelegt.
diejenigen Bewohner mit noch nicht so schwerer Demenz, nehmen ihn als Teppich wahr und gehen einfach darüber,
die anderen bleiben davor stehen.........sehen laut Neurologen ein großes schwarzes loch, was sie am weitergehen hindert und sie umkehren.
sind diese Bewohner die treibende kraft bei den hinlauftendenzen, animieren sie oftmals auch die gruppenmitglieder
mit ihnen umzukehren.

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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 22 Apr 2016, 17:29    © Biggi
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  Danke, liebe Gisela.

Liebe Grüße







--- Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet. ---

                        
                           
  
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Marie
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 22 Apr 2016, 21:15    © Marie
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Liebe Gisela,

danke für diesen weiteren Bericht. Das mit dem "schwarzen Loch" finde ich genial. Wenn nur alles so einfach wäre. Das mit der CD ist schon recht aufwändig. Schön, daß ihr es trotzdem gemacht habt - und erfolgreich.






von Marie
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Amelu
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Fr 22 Apr 2016, 21:34    © Amelu
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Zitat :
liebe amelu
schwierig dir da aus der ferne etwas zu raten.
wir haben bei uns viele beobachtende augen verschiedener Mitarbeiter und zu den verschiedensten Gelegenheiten und tragen alle unsere Beobachtungen zusammen, was es uns natürlich erleichtert .
aber auch bei uns gibt es fälle, wo es eben nur medikamentös geht visuelle oder auch akkutische Halluzinationen zu lindern.

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gisela


Ich habe jetzt den Hochspiegel aus Mutters Zimmer entfernt, sie vermißt ihn nicht und die 'Besuche' sind jetzt viel seltner. Welch ein Glück, danke nochmal für den hilfreichen Tipp!

Nun muß mir nur noch was einfallen, wie ich die Spiegel entspiegle, die in ihrem Schnickschnackschrank an der Rückseite vom Gefach sind. Einfach schöne Bücher davorstellen, die groß genug sind, die Spiegelkacheln zu verdecken?


"sehen laut Neurologen ein großes schwarzes loch, was sie am weitergehen hindert und sie umkehren."

Und wie wird das gehandhabt, wenn die Patienten mal genau durch dieses 'schwarze Loch' gehen müssen,  um - wozu auch immer - die Station verlassen müssen?



Amelu
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Sa 23 Apr 2016, 08:45    © gisela
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amelu schrieb:
Und wie wird das gehandhabt, wenn die Patienten mal genau durch dieses 'schwarze Loch' gehen müssen,  um - wozu auch immer - die Station verlassen müssen?


liebe amelu
der Teppich ist jederzeit entfernbar, wird dann eben nur zusammengeklappt.

Zitat :
Nun muß mir nur noch was einfallen, wie ich die Spiegel entspiegle, die in ihrem Schnickschnackschrank an der Rückseite vom Gefach sind. Einfach schöne Bücher davorstellen, die groß genug sind, die Spiegelkacheln zu verdecken?



es gibt hübsche klebefolie. vielleicht kannst du die spiegelkacheln damit bekleben?


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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Sa 23 Apr 2016, 10:00    © Admin
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Liebe Amelu

Zitat :
Und wie wird das gehandhabt, wenn die Patienten mal genau durch dieses 'schwarze Loch' gehen müssen,  um - wozu auch immer - die Station verlassen müssen?
Eine zusätzliche Möglichkeit (Sicherheit) wäre auch noch, eine Folie an die Einganstüre zu kleben, mit einem Motiv einer hübsch gemauerten Mauer darauf. So wird die Türe als Mauer (feste Wand) wahrgenommen, genauso wie der schwarze Teppich als Loch gesehen wird. Wenn sie dann mal raus gehen müssen, dann wird diese "Wand" vom Personal dazu geöffnet und die Bedrohung fürs Rausgehen ist für diesen (nur diesen) notwendigen Augenblick dann auch weg.






Liebe Grüsse
 

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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Sa 23 Apr 2016, 11:03    © Ulli
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Hallo Ihr Lieben,

bei meiner Mutter im Heim ist die Stationstür nach mit einer Tapete beklebt die wie ein Bücherregal aussieht. Das wird oft auch nicht als Ausgang erkannt.
Deshalb wird es bei den Mitarbeitern als "hinter dem Bücherregal" benannt.

Ulli
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Sa 23 Apr 2016, 11:16    © Amelu
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Das sind ja alles tolle Ideen!  



Amelu
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BeitragThema: Re: praxisbeispiele von der dementenstation
Sa 23 Apr 2016, 20:02    © soda1964
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Liebe Gisela

auch ich möchte dir herzlich danken für die Praxisbeispiele hier. Was für ein Schatz, was für hilfreiche Tipps und Ideen Very Happy 

Ich freue mich für alle Menschen, die bei euch in einem verständnisvollen Umfeld leben dürfen rose 

Liebe Grüsse






Therese

Die wichtigsten Dinge im Leben sind keine Dinge.
unbekannt



Die wahre Lebenskunst besteht darin, im alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
Pearl s. Buck
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praxisbeispiele von der dementenstation

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