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SandyV
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BeitragThema: Fix und fertig
Mo 21 Nov 2016, 16:03    © SandyV
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Hallo Ihr Lieben,

die Situation um meine Mutter und mein Hin- und Hergerissen-Sein, ob Heimpflege oder doch lieber zu Hause pflegen hatte ich ja schon letzte Woche geschildert.

Da die Kurzzeitpflege diese Woche ausläuft, musste eine Entscheidung her. Und diese fiel zugunsten Heimaufenthalt aus, zumal meine Mutter letzte Woche nochmal einem Neurologen vorgestellt wurde, der auch der Meinung ist, dass sie nicht mehr allein leben sollte.

Kurz und gut: Ich habe heute im Heim angerufen, um dort Bescheid zu geben, dass sie bleiben soll, zumal ich auch sehr froh bin, dass dieser Platz übergangslos vorhanden ist.

Meine Entscheidung wurde seitens der Pflegedienstleitung begrüßt. Diese teilte mir aber auch mit, dass meine Mutter nach wie vor unbedingt nach Hause möchte und jeden Tag aufs Neue ihren Koffer packt... Außerdem verlangt sie nach einem Taxi.

Ich hatte dann noch die Möglichkeit mit meiner Mutter zu sprechen. Ich habe ihr gesagt, dass ich am kommenden Wochenende noch ein paar persönliche Dinge bringe, u.a. auch ihr Fernsehgerät usw. und dass sie vorerst erstmal da bleiben müsse, bis es wieder wirklich gut geht. Dann würden wir weiter sehen.

Daraufhin hat sie mich beschimpft, ich hätte das mit den Ärzten alles so eingefädelt, sie sei nicht krank, alle würden lügen und nur Schlechtes wollen. Und dass ihre Wohnung in einem desolaten Zustand war, hätte ich auch gemacht, um sie ins Heim zu bringen usw. usf.
Dann teilte sie noch mit, dass ihr Bruder (88 Jahre alt und seit Jahren im Pflegeheim) ihr ihre Jacke gebracht hätte!!!! Außerdem hätte sie nichts anzuziehen, müsste tagelang mit denselben Klamotten rumlaufen. Ich habe ich gesagt, dass ich ihr doch schon 2 Koffer voll mit Kleidung gebracht hätte... Nein, das stimmt nicht, ich hätte ihr nichts gebracht...

Sie konnte sich im Laufe des Gesprächs auch nicht an ihren Hausarzt erinnern, mit dem ich letzte Woche auch sprach. Einen Herrn .... gibt es nicht. Das sei nicht ihr Arzt. Wir würden alle unter einer Decke stecken und Lügen verbreiten. Und so ging es weiter. Sie hat mich wirklich aufs Übelste beschimpf und meinte, ich brauch auch am Wochenende nicht zu kommen und ihr nichts bringen. Sie geht sowieso...

Puh, ich war echt fix und fertig nach dem Gespräch und war schon wieder am Zweifeln, ob die Entscheidung nun richtig war. Allerdings kann ich die Verantwortung nicht übernehmen, bin einfach zu weit weg. Und  2 bis 3 mal am Tag ein Pflegedienst wird nach Meinung der Ärzte und Pfleger wohl kaum ausreichen...
Also blieb mir eigentlich nichts anderes übrig.
Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen und meine Mutter tut mir sehr leid.

Was meint Ihr, findet sie sich über kurz oder lang mit dieser Entscheidung ab? In mir ist gerade totales Chaos.
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Induga
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BeitragThema: Re: Fix und fertig
Mo 21 Nov 2016, 18:22    © Induga
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Liebe SandyV

Das tut mir sehr leid, was Du jetzt durchmachst. Ich wüsste auch nicht,
wie ich mich verhalten sollte. Vielleicht sprichst Du noch mal mit der Heimleitung
und dem Arzt darüber. Es ist bestimmt besser, wenn Deine Mutter in dem Pflege-
heim bleibt - aber verstehen wird sie das nicht. Ich wünsche Dir, dass alles erträglich
und gut wird.
LG Induga denken
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gisela
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BeitragThema: Re: Fix und fertig
Mo 21 Nov 2016, 18:37    © gisela
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liebe sandy
das schlechte gewissen wird immer an deiner seite sein.
mal stärker, mal weniger stark..........aber es wird da sein.
ich kenne das was du beschreibst auch von meiner Mama, die jetzt seit
juli im heim ist.
sie hat auch immer wieder Phasen, in denen sie nach haus will, stiften geht, böse wird
auf mich schimpft.
aber............sie hat auch gute tage, wo sie die Betreuung geniesst,sich freut, wenn ich komme,
wir miteinander lachen können.
deine Mama braucht zeit sich einzugewöhnen. versuch ihre Beschimpfungen nicht zu persönlich
zu nehmen (ja, ich weiss, dass ist einfacher als getan, und gelingt auch mir nicht immer).......
denn für deine Mama ist es ein einschneidendes Erlebnis, welches erstmal verarbeitet
werden muss 8was bei Demenz NOCH schwieriger ist als bei "normalen" menschen.
richte ihr ihr zimmer schön ein und lass ihr dabei auch Mitspracherecht, damit sie nicht das gefühl hat,
es würde alles ohne sie laufen.
du wirst sicherlich noch oft an deiner Entscheidung zweifeln, so wie ich es auch tue, aber was wäre
die alternative?

lass dich nicht unterkriegen
lieben gruß
gisela






    lieben gruß

                           gisela                        

Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.


Ralph Waldo Emerson, US-amerik. Philosoph, 1803 – 1882
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Ulli
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BeitragThema: Re: Fix und fertig
Mo 21 Nov 2016, 19:07    © Ulli
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Liebe Sandy,

wer geht schon freiwilling und erst Recht gerne ins Heim ?
Für die meisten von uns war es die schwierigste Entscheidung. Doch.... welche anderen Möglichkeiten gibt es wenn sie nicht mehr alleine bleiben kann ? Eine 24-Stunden-Hilfe ?

Könntest du ruhigen Gewissens Kilometer entfernt sitzen? Ein Ohr immer am Telefon ?

Liebe Grüße - Ulli
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SandyV
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BeitragThema: Fix und fertig
Mo 21 Nov 2016, 19:16    © SandyV
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Vielen Dank für Eure Antworten...

Ulli,
eine 24-Stunden-Betreuung habe ich ins Auge gefasst, ist aber leider finanziell nicht drin. Kostet zwischen 1.900,00 und 2.500,00 €. Meine Mutter hat zwar eine gute Rente, aber sie muss ja auch noch von irgend etwas leben. Das musste also ausgeschlossen werden. Und sicher, Du hast recht, wer geht schon gern ins Heim????

Gisela,
danke für Deine mitfühlenden Worte. Ja, wahrscheinlich werde ich immer ein schlechtes Gewissen, mal mehr, mal weniger.
Ich werde am Wochenende hinfahren und ihr persönliche Dinge bringen, Bilder, Fernsehgerät, schöne Decken und Kissen und einen schönen Sessel.
Wir haben einen Anhänger organisiert. Mal sehen, wie viel da rein geht (und wie viel letztendlich auch ins Zimmer passt...)

Induga,
mit der Pflegedienstleitung habe ich nach dem Telefonat noch gesprochen. Für die ist es mit meiner Mutter auch sehr schwierig und auch sie hoffen, dass sie sich doch eingewöhnen wird - irgendwann.

Schlimm finde ich, dass sie jetzt denkt, ich hätte alles gemeinsam mit den Ärzten "eingefädelt", wie sie sagt. Aber vielleicht weiß sie auch gar nicht, was sie da sagt. Ich werde mal versuchen, es nicht an mich heran zu lassen. Ist natürlich leichter gesagt (geschrieben) als getan.
Vielen Dank für Eure lieben und tröstenden Worte.
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BeitragThema: Re: Fix und fertig
Di 22 Nov 2016, 06:44    © Admin
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Liebe Sandy

Ich kann dir aus meinem eigenen Erlebten sagen, dass unabhängig wieviel wir tun und machen, es dennoch immer für ein schlechtes Gewissen noch ausreichen wird. Denn dass was wir uns für das Wohlbefinden unserer Lieben wünschen - und dass was eine Demenz für alle Betroffenen beschert, bei weitem nie immer Hand in Hand gehen wird. Selbst wenn die betroffene demente Person in den selben 4 Wänden wohnt und man selber bereit ist für die Zeit das eigene Leben zu ihren Gunsten aufzugeben nicht. Eine Demenz sorgt leider nicht nur bei unseren Lieben für Realitätsverlust sondern all zu oft auch bei uns selber....

Nicht nur für unsere lieben Dementen ist (liegt in der Natur des Menschen generell) der Wunsch zur eigenen Normalität und weiteren Selbständigkeit des eigenen Lebens enorm - sondern genauso auch unser Herzenswunsch, um dafür zu sorgen, dass dies, auch für unsere Lieben möglich bleibt. Eine Demenz jedoch verhindert sowohl das Eine wie auch das Andere....

Die Demenz ist der gemeinsame Feind. Wo nicht nur einen Keil zwischen frühere Nomalität schiebt, sondern auch emotionale Kriege in Gang setzt - und das erst noch mit einer ganz fiesen "Vernebelungstaktik". Dabei gibt es leider auch Tage wo der "Feind Demenz" gewinnt und uns unter verschiedentlichen Niederlagen leiden lässt. Manchmal gewinnen aber auch wir und dürfen Tage des Sieges und dessen erfreulichen Begebenheiten feiern.... Dieser Krieg ist ein Wechselbad der Gefühle, des Leidens, der Verluste, aber auch der schönen und erfolgreichen Augenblicke die dafür doppelt und dreifach genossen werden müssen/sollen....

Wir können nie mehr als unser Bestes geben. Dabei wird uns aber auch immer wieder bewusst werden, dass wir selber ebenfalls nur Menschen mit Grenzen sind und keine Wunder vollbringen können. Wir können immer nur den bestmöglichen Weg (nach Wissen und Gewissen) suchen und finden - auch wenn unser Gewissen dabei immer das Urteil "Ungenügend" fällen wird. Diese Spannung unseres Lebens müssen wir auhalten lernen, um trotz Widrigkeiten weiter nach Vorne schauen zu können und uns dabei nicht selber gänzlich auf zu geben. Unsere Lieben würden dies mit Sicherheit von uns (wäre da nicht der Feind Demenz) auch ganz klar von uns erwarten wollen.

An dieser Stelle möchte ich an alle hier wo nun gerade im direkten Kampf mit dem "Feind Demenz" stecken eine liebe Umarmung der Verbundenheit senden. Danke das es euch gibt und der Kampf nie ganz alleine ausgetragen werden muss






Liebe Grüsse
 

"Trauer ist ein Teil des Lebens, aber sie darf nicht das ganze Leben werden."
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BeitragThema: Nachricht
Mi 23 Nov 2016, 15:19    © felixx
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Administrator schrieb:
Ich kann dir aus meinem eigenen Erlebten sagen, dass unabhängig wie viel wir tun und machen, es dennoch immer für ein schlechtes Gewissen noch ausreichen wird.
Oh ja, das kennen wir alle hier. Ich kann zu dieser Aussage nur virtuell Beifall klatschen!

Selbst wenn wir uns tagsüber gerne sagen ( und sagen lassen): Es geht nicht anders, weder finanziell noch organisatorisch, wenn man zur Ruhe kommt, insbesondere jetzt in dieser dunklen Jahreszeit, da lauert dann sofort wieder das schlechte Gewissen!

Ich musste meine Mutter Anfang April in die Obhut eines Pflegeheims geben.
Einmal sicher, weil mein Vater sich strikt weigerte, eine weitere Pflege zu Hause auch nur in Erwägung zu ziehen, andererseits muss ich zugeben, dass mich ein letzter Rest von Selbsterhaltungstrieb dann doch davon abgehalten hat, mein Leben  völlig hinten an zu stellen.
Administrator schrieb:
Eine Demenz sorgt leider nicht nur bei unseren Lieben für Realitätsverlust sondern all zu oft auch bei uns selber....

Wenn ich heute an die Ideen denke, dich ich in meiner Verzweiflung durchgespielt habe, dann war das eindeutig Realitätsverlust.
Auch meine Mutter hat und hatte diese Weglauftendenzen, die zu schweren Stürzen ( und eben einer gebrochenen künstlichen Hüfte) und Verletzungen führten.
Also war eine Rund- um- die Uhr Betreuung notwendig - die nur ein auf Demente spezialisiertes Pflegeheim leisten kann.
Irgendwie beruhigt mich die Vorstellung auch, dass meine Mutter, ohne die vielen Tricks und Kniffe der "Profis" ( wie Niedrigpflegebett, Pflegerollstuhl, Sensormatte) definitiv nicht mehr am Leben wäre, weil wir das zu Hause, in welcher Form auch immer, gar nicht leisten könnten!
Vielleicht hilft dir auch dieser Gedanke, liebe SandyV.

Ganz ohne schlechtes Gewissen geht es nicht, aber es wird besser und hier findest du jederzeit ein offenes Ohr!

Liebe Grüße

felixx






Nur weil es gerade schwer ist, darfst du nicht gleich aufgeben.
Es wird nicht einfacher, wenn du davor wegläufst.
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