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 Keine Krankheitseinsicht

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Palme67
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BeitragThema: Keine Krankheitseinsicht
Do 01 Dez 2016, 13:55    © Palme67
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Meine Mutter hat überhaupt keine Krankheitseinsicht. Sie glaubt, das jeder (einschließlich ich), der ihre Meinungen und ihre Sicht von der Welt hinterfragt, selbst krank ist und sagt, dass diese Menschen eine Behandlung benötigen. Sie ist hingegen völlig gesund. Wenn sie krank sein sollte, dann nur, weil sie alle so ärgern. Sie glaubt außerdem, dass sie nur einmal in eine Reha müsste, dann würde es ihr wieder so gut gehen, dass sie im nächsten Jahr verreisen und wieder arbeiten (mit fast 81!) kann.
Ich habe es aufgegeben, ihr diese Illusionen zu nehmen und versuche, so gut ich kann, auf ihre Welt einzugehen. Das ist noch das beste. Streit ist aber sicher bald wieder vorprogrammiert, wenn sie eine Einladung vom Betreuungsgericht (Vorladung oder Hausbesuch) bekommt, wo dann über ihre Betreuung entschieden werden soll. Mir wird richtig mulmig bei dem Gedanken, dass sie mitbekommt, dass ich die Betreuung in Zusammenarbeit mit dem SPDi angeregt habe.
Aber, vielleicht ist das ja unbegründet und die Fachleute wissen genau, wie sie mit solchen Leuten wie meiner Mutter umgehen müssen.
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SandyV
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BeitragThema: Keine Krankheitseinsicht
Do 01 Dez 2016, 15:53    © SandyV
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Hallo Palme67,

bei meiner Mutter ist es genau so. Sie hat auch keinerlei Krankheitseinsicht. Alle wollen ihr nur was Schlechtes, sie wurde zwangsweise ins Heim gebracht, so höre ich es immer wieder.

Auch ich habe Betreuung beantragt. Das Gutachterverfahren läuft. Allerdings dauert alles sehr lange. Ich muss laufende Kosten von meinem Geld verauslagen, da ich nicht an das Konto meiner Mutter komme.

Es sind wirklich viele Dinge, die einem in so einer Situation den Schlaf rauben.

Meine Mutter beschimpft mich, seit sie im Heim lebt. Sie nimmt dort nicht am allgemeinen Leben teil, sondern sitzt nur in ihrem Zimmer.

Letzte Woche habe ich ihr ein paar Möbel und das Fernsehgerät gebracht, damit sie es etwas gemütlicher hat. Zufrieden ist sie damit nicht, will immer nur nach Hause.

Ich wünsche allen, die ähnliches durchmachen und die das schlechte Gewissen plagt wegen der Heimeinweisung, dass es bald wieder bergauf geht.

Liebe Grüße, Sandy
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Quintilia
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
Fr 02 Dez 2016, 09:00    © Quintilia
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Liebe Palme,

mir geht es ganz genauso mit meiner Mama. Das heftigste für mich sind die Ausbrüche, wenn sie behauptet, ich hätte ihr Geld (oder was sie sonst vermisst) gestohlen.
Deutlich besser geht es, seitdem sie ein starkes Antidepressivum erhält.

Ändern können wir es leider nicht. Wir können es nur gemeinsam aushalten - auch wenn es verdammt schwer ist.

Alles Gute und Kopf hoch!

Quintilia
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Palme67
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
Fr 02 Dez 2016, 23:32    © Palme67
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Ja, das Ganze auszuhalten, ist verdammt schwer. Bisher hat meine Mutter immer nur andere verdächtigt, sie fertig machen zu wollen. Nun stecke ich seit ungefähr 14 Tagen mit denen unter einer Decke. Mehr noch, meine Mutter hat mich als bösartig bezeichnet, weil ich mir gewagt habe, etwas zu unternehmen, wegen ihres Gesundheitszustandes. Das ist schon total absurd, da will man helfen, macht sich große Sorgen und wird dafür als bösartig bezeichnet.
Auch hat meine Mutter gesagt, ich solle zum Psychologen gehen, da sie nicht gedacht hat, dass ich so bösartig sein kann. Ich habe sie dann beruhigt und behauptet, dass ich zum Arzt gehe. Am Ende habe ich mich sogar bedankt, dass sie mir den Hinweis gegeben hat!!
Ja, die Krankheit fordert immer wieder die eigene Kreativität heraus. Vielleicht funktioniert diese Variante einige Tage, denn stecke ich wieder mit denen unter einer Decke, belüge sie oder will sie für verrückt erklären, etwas was sie mir nie zugetraut hat.

Mal sehen, was als nächstes kommt!

Palme 67
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Quintilia
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
Fr 02 Dez 2016, 23:48    © Quintilia
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Das hast du prima gemacht, liebe Palme. Ich kriege das ganz oft nicht so gut hin. Ich muss mich dann einfach umdrehen und die "Flucht ergreifen". Hilft aber auch oft ;-) Ich gehe dann und schaue erst wieder rein, wenn ICH so weit bin. Selbstschutz sozusagen. Ich kann in diesen Phasen sowieso nichts für sie tun. Also: Auf dem Absatz kehrt, Klappe halten und raus aus der Situation.

Diskutieren, sich erklären, richtig stellen.... Das alles würde sowieso nichts bringen. Und ja: Die Krankheit ist total absurd, schizophren.... der Wahn in Dosen sozusagen. Aber es hilft ja nichts.....

Wie gesagt, bei "uns" war das einzig hilfreiche dieses Antidepressivum. Noch wohnen wir ja im selben Haus - und ihre verbalen Attacken waren nicht auszuhalten. 

Vielleicht gibts ja eine Möglichkeit (wenn nicht gleich, dann später), dass deine Mutter auch was verschrieben bekommt. Ist ja nicht nur zu deiner Entlastung sondern auch zu ihrer eigenen. Kannst du mit dem behandelnden Arzt darüber sprechen?
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Palme67
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
Sa 03 Dez 2016, 22:50    © Palme67
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Ich komme gerade von meiner Mutter zurück. Der Nachmittag und der Abend verliefen weitgehend friedlich. Meine Mutter erzählte mir, dass sie heute in einem Spielwarenladen war und dort ganz begeistert von vielen Dingen war. Wie bei einem Kleinkind!

Wortfindungsstörungen und markante Ausfälle hatte sie wie immer, aber die Stimmung war relativ gut. Nach dem Abendbrot bin ich nach Hause und war guter Dinge. Ich rief meine Mutter an, dass ich gut zu Hause angekommen bin. Da war sie plötzlich total aggressiv und hat behauptet, dass ich ihr 50 Euro geklaut habe!
Sie hat sie natürlich irgendwo verlegt oder erkennt die Scheine nicht oder was auch immer. Jedenfalls, das war ein richtiger Schock, auch wenn ich schon oft gehört habe, dass solche Unterstellungen typisch sind.

Ich habe die Bankvollmacht meiner Mutter und habe ihr am Nachmittag 200 Euro geholt und alles bei ihr abgeliefert. Es kann duchaus passieren, dass sie in Zukunft noch öfter behauptet, dass ich klaue. Dann droht sie sicher wieder, dass sie mir die Vollmacht entziehen und mich außerdem enterben will. Ich sage mir: Gut, wenn sie nicht mehr will, dass ich ihre Bankgeschäfte mache, dann macht das bald ein Betreuer. Ist mir auch egal. Viel zu erben gibt es sowieso nicht und das Geld, was vorhanden ist, reicht gerade für die Wohnungsauflösung und die Beerdigung.
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gisela
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
So 04 Dez 2016, 16:13    © gisela
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liebe Palme
ja, das ist leider nicht ungewöhnlich, dass man des diebstahls bezichtigt wird.
gerade auch bei fehlender krankheitseinsicht treten solche dinge auf.
der demenzkranke verlegt etwas, findet etwas nicht , kann seine Vergesslichkeit nicht
reflektieren und braucht aber für sich eine lösung.
die einfachste lösung ist dann für den demenzkranken die schuld bei anderen zu suchen,
so geht er fehlerlos aus dem Dilemma hervor.
ist nicht einfach zu ertragen, wird aber immer wieder vorkommen leider.
der versuch etwas richtig zu stellen wird meist schief laufen, weil der demenzkranke dann
die fehler bei sich suchen müsste, und dass will und kann er nicht, denn er ist ja vermeintlich gesund und normal.
fehler einzugestehen fällt oft schon gesunden menschen recht schwer, wie soll also ein demenzkranker
das schaffen.
wenn du ihr Geld abholst und aushändigst, lass es dir von ihr quittieren. nicht um es ihr ggf unter die nase zu halten,
aber um es bei dir abzuheften und es ,wenn sie denn einen gesetzlichen betreuer bekommt, ggf belegen zu können.

lieben gruß
gisela






    lieben gruß

                           gisela                        

Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.


Ralph Waldo Emerson, US-amerik. Philosoph, 1803 – 1882
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Palme67
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
So 04 Dez 2016, 22:58    © Palme67
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Ich war vorhin wieder bei meiner Mutter. Sie sagte immer noch, dass die 50 Euro weg sind. Ich habe dann versucht, das Ganze etwas zu entschärfen, indem ich gesagt habe, dass ich bei mir zu Hause nachgesehen, aber leider nichts gefunden habe. Dann bat ich meine Mutter, mir das Geld noch einmal zu geben, um es nachzuzählen und sieht da, es waren 200 Euro.

Meine Mutter hatte erwartet, dass es drei 50-Euro-Scheine sind. Nun waren es aber nur zwei. Der Rest waren drei 20-Euro-Scheine, drei 10-Euro-Scheine und zwei 5-Euro-Scheine. Das konnte sie dann nicht mehr als 200 Euro wahrnehmen. Allein die Tatsache, dass es nur zwei 50-Euro-Scheine waren, ließen sie in dem Glauben, es seien insgesamt nur 150 Euro!

Am Ende lobte mich meine Mutter, dass ich so ein gutes mathematisches Verständnis habe!!!
Sie würde das nie zusammenbringen. Wie wahr! So weit ist es schon, ganz normale Dinge erscheinen ihr als besondere Begabung!
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soda1964
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
Di 06 Dez 2016, 20:32    © soda1964
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Liebe Palme

es ist schwer, geduldig und verständnisvoll zu bleiben und die richtigen Worte zu finden.
Du hast die Situation gut gemeistert rose
Palme67 schrieb:
Am Ende lobte mich meine Mutter, dass ich so ein gutes mathematisches Verständnis habe!!!
Sie würde das nie zusammenbringen. Wie wahr! So weit ist es schon, ganz normale Dinge erscheinen ihr als besondere Begabung!

Diese verzerrte Wahrnehmung, das nicht mehr Einschätzen können von "Alltagssituationen" ist etwas Typisches bei Demenz - und vom Umfeld ganz, ganz schwer auszuhalten und zu verstehen.

Liebe Grüsse






Therese

Die wichtigsten Dinge im Leben sind keine Dinge.
unbekannt



Die wahre Lebenskunst besteht darin, im alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
Pearl s. Buck
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Palme67
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BeitragThema: Re: Keine Krankheitseinsicht
Di 06 Dez 2016, 22:46    © Palme67
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Danke für Eure ermutigenden Worte! Es stimmt, das ist alles nur sehr schwer zu ertragen. Ich lasse das Verhalten meiner Mutter noch viel zu sehr an mich ran und rege mich viel zu sehr auf. Vielleicht legt sich das ja irgendwann. Meiner Mutter gefällt es natürlich nicht, dass ich einiges unternommen habe, um ihr zu helfen.
Sie ist ja nicht krank! Heute war der MDK bei ihr. Näheres habe ich unter "Wie geht es weiter" beschrieben.
Im Anschluss an den Besuch kam es zu einer ganz schlimmen Auseinandersetzung.
Ich staune immer wieder, wie meine Mutter versucht, mich klein zu machen, um sich dann besser zu fühlen.

Am Ende war ich total aufgebracht. Ich mache natürlich auch noch viel zu oft den Fehler, dass ich die Auseinandersetzung suchen und meine ganze Wut an ihr auslasse. Erst im Nachhinein merke ich dann, dass das nicht gut war und auch nichts bringt. Ich habe mich heute mit einer Fachfrau unterhalten. Sie sagte, dass meine Mutter viele Situationen gar nicht mehr realistisch einschätzen kann. So hat mir meine Mutter heute sogar unterstellt, ich wäre in einer Sekte und die würden mich negativ beeinflussen, um zu erreichen, dass ich nicht mehr zu ihr komme!
Es wird immer absurder! Am Ende wollte mir meine Mutter die Polizei auf den Hals jagen, wenn ich gehe. Sie hat dann gesagt, dass sie Angst hat, ich würde mir etwas antun. Das ich das niemals will und dass ich nur weg von ihr will, das hat sie nicht kapiert. Auch kommen dann immer wieder diese Vorwürfe, dass sie schließlich alles für mich getan habe und dass ich jetzt in der Pflicht stehe, mein eigenes Leben hinten anzustellen, um für sie dazusein. Nur, was wird dann aus mir? Ich habe auch nicht so viel Geld, dass ich beruflich einfach so einmal kürzer treten könnte. Aber das kapiert sie nicht. Wie auch? Ich weiß, ich sollte gelassener werden, aber das ist einfacher gesagt als getan.   

Manchmal habe ich einfach nur Wut. Unser Verhältnis war nie einfach und jetzt hat sich durch die Krankheit wieder etwas verändert. Die schlimmen Charaktereigenschaften meiner Mutter haben sich verstärkt und alte Konflikte kommen wieder hoch.
Ich kann aber momentan leider nicht viel tun. Irgendwie vertraue ich dann doch darauf, dass ich das alles irgendwann geregelt kriege. Ich bin froh, dieses Forum gefunden zu haben, wo ich einfach schreiben kann, wenn mir danach ist. Irgendwie wird es dann alles viel leichter.
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