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 Beobachtungen beim Demenzerkrankten Vater

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Töchterchen
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BeitragThema: Beobachtungen beim Demenzerkrankten Vater
Di 04 Jul 2017, 22:39    © Töchterchen
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Dass mein Vater an einer Demenzform leidet, vermutete ich schon vor knapp zwei Jahren. Die Bestätigungen erhielten wir dann am Ende des letzten Jahres. Seitdem schreitet die Krankheit zügig voran... Insbesondere das Sprachenzentrum ist betroffen. Mein Vater kann kaum noch Sätze bilden, geschweige denn Dinge benennen. Ob es das Salz beim Essen ist oder ein Schneemann...
Er ist der festen Überzeugung davon weiterhin Autofahren zu können. Dies könne er komplett. Obwohl ihm bereits vier Ärzte gesagt haben, dass dies nicht mehr möglich sei... Meine Mutter sitzt am Steuer, wenn sie irgendwo hin fahren. Aber er lässt es sich nicht verbieten, mal alleine zur Tankstelle zu fahren. Wobei er dann auffällig lange weg ist. Es gab schon mehrere aggressive Ausbrüche, er drohte meiner Mutter auch schon damit sie umzubringen, wenn er nicht mehr fahren dürfte. In seinem Kopf verbietet ihm meine Mutter das Autofahren. Die Ärzte scheinen für ihn nicht relevant zu sein....

Heute Abend konnte ich so einige Verhaltensweisen bei ihm beobachten. Er schob die Fernbedienung in 30 sekundentakt immer wieder vom links nach rechts. Höchstens einen Zentimeter. Oder legte sie aufeinander. Das ging eine Weile so... Außerdem zieht er recht früh alles zu im Haus. Sämtliche Vorhänge werden zugezogen, obwohl bei uns niemand rein schauen könnte. Auch die Haustüre wird oftmals schon um halb acht abgeschlossen.
Zudem trinkt er jeden Abend Alkohol (Wein, Bier, einen Schnaps zum Espresso). Auch dies lässt er sich seit Jahren nicht verbieten.

Ich bewundere meine Mutter mit welcher Geduld sie mit ihm umgeht. Auch wenn sie diese manchmal verliert, bleibt sie aufrichtig. Mir fällt das viel schwerer... Ich konnte aber zu ihm nie eine Beziehung aufbauen, da er eigtl nur für seine Arbeit gelebt hat und sonst seine Ruhe haben wollte. Eigtl ist er ein fremder Mann für mich, der mir plötzlich täglich sagt, wie lieb er mich hat.
Woran liegt das? Warum jetzt? Und warum wird er plötzlich so aggressiv? Wieso schiebt er sekündlich die Fernbedienung hin und her?

Außerdem läuft er einem ständig nach und schaut einem auf die Finger. Steht direkt hinter oder neben einem. Ich verliere dabei völlig die Fassung und werde nervös. Es macht mich schier wahnsinnig! Warum verhält er sich so? ZB wenn man sich ein Brot in der Küche schmiert...

Ich habe viele Fragen... Finde keine Antwort... Ich habe Angst mich dieser Krankheit zu stellen. Und Angst davor, dass meine Mutter daran zugrunde geht...
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gisela
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BeitragThema: Re: Beobachtungen beim Demenzerkrankten Vater
Mi 05 Jul 2017, 09:26    © gisela
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liebes Töchterchen
die Demenz bringt oft viele Verhaltensweisen zutage, die wir "normalen" nicht verstehen.
der demenzkranke verliert zunehmend die kontrolle über sein tun, sein denken, sein verstehen.
dieser kontrollverlust führt oftmals zu Aggressionen, die sich eigentlich gegen die eigenen Defizite richten, die
angehörigen dann aber oftmals das Ventil dazu darstellen und den gesamten frust und die angst abkriegen.
Zitat :
Heute Abend konnte ich so einige Verhaltensweisen bei ihm beobachten. Er schob die Fernbedienung in 30 sekundentakt immer wieder vom links nach rechts. Höchstens einen Zentimeter. Oder legte sie aufeinander. Das ging eine Weile so... Außerdem zieht er recht früh alles zu im Haus. Sämtliche Vorhänge werden zugezogen, obwohl bei uns niemand rein schauen könnte. Auch die Haustüre wird oftmals schon um halb acht abgeschlossen.
Außerdem läuft er einem ständig nach und schaut einem auf die Finger. Steht direkt hinter oder neben einem. Ich verliere dabei völlig die Fassung und werde nervös. Es macht mich schier wahnsinnig! Warum verhält er sich so? ZB wenn man sich ein Brot in der Küche schmiert...
das alles sind dinge, die ihm das gefühl geben die kontrolle über etwas zu haben, er kompensiert damit den kontrollverlust
über und in seinen körper .es gibt ihm das gefühl von Sicherheit.
manchmal ist das schieben von dingen oder das wischen mit den Händen über den tisch oder den körper auch
eine form der selbstwahrnehmung.


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wir alle hier kennen das Problem mit Demenz umzugehen, seis, weil der Partner erkrankt ist, die Eltern oder wir beruflich damit zu tun haben,
wir alle haben auch immer noch viele fragen und es findet sich immer einer, der antwortet.
und es ist ein gutes gefühl zu wissen, dass man nicht allein ist mit seinen sorgen und Ängsten.


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BeitragThema: Re: Beobachtungen beim Demenzerkrankten Vater
Mo 31 Jul 2017, 11:46    © chrilu
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Das ist leider das Prob, wenn Menschen zu spät selbst akzeptieren, dass da etwas nicht stimmt... Denn das Umgehen mit einer Demenz ist sehr viel einfacher, wenn man frühzeitig sich damit auseinandersetzen kann. Oki, nützt dir nichts, der Zug ist abgefahren.
Bitter für euch, die Angehörigen.
Vor allem, wenn man einem Menschen klarmachen muss, dass bestimmte Dinge, wie zB das Autofahren, nicht mehr gehen....
Ich habe, als ich merkte, dass da was nicht mehr stimmt, meinen Führerschein abgegeben.
Doch das eben geht nur, wenn man selbst noch realisiert, dass da im Hirn irgendwas schief läuft.

Und das höre und lese ich ja auch hier immer wieder und da müssen auch die Ärzte in die Pflicht genommen werden. Denn ich erinnere mich - doch, das schaffe ich noch Wink - , dass ich schon vor etlichen Jahren meine damalige Hausärztin ansprach, weil ich der Ansicht war, dass mit mir etwas nicht mehr ok ist. Sie hat abgewiegelt, weil ich schon seit 50 Jahren unter Depris leide und die Symptome auch darauf passen würden....

Die Anfänge, so wie bei mir, die werden oft nicht rechtzeitig erkannt, aber genau die würden dem Betroffenen wie auch den Angehörigen alles erheblich erleichtern.
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Beobachtungen beim Demenzerkrankten Vater

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