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 Ich entscheide, nicht das Heim

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Aggi
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 10 Apr 2018, 14:30    © Aggi
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20180410 Dienstagmorgen:
 
Heut war ich nur eine knappe dreiviertel Stunde bei Mutti. Sie war schon gewaschen, gutgelaunt und hat sich das Frühstück schmecken lassen, während ich die ganze Zeit überlegt hab, ob ich mit meinem Insektenstich am linken Ellenbogen doch zum Arzt gehe. Sah gestern Abend gar nicht gut aus und heut früh eine 1-Euro-grosse Blase auf der Biss-Stelle. Und die Rotfärbung zieht sich Richtung Hand und Achsel. pale
 
Also habe ich alle meine Ängste überwunden und bin was früher weg von Mutti. Die sprach mir lächelnd Mut zu. Erst zur Apotheke: „Gibt’s da nicht was von Ratiofarm?“ – „Gehe direkt zum Arzt, ziehe nicht DM 4.000,-- ein!“ – Und dann war’s gar nicht so schlimm. Hab jetzt einen Monsterverband und suche seit zwei Stunden mein Tetanus-Impfbuch. Alle alten gefunden, nur das aktuelle nicht. Mein Mann hat mitgeholfen und festgestellt, er hat auch nur sein altes da… Dafür festgestellt, ich heb so in den Schubladen immer noch jeden möglichen Unsinn auf... Rolling Eyes
 
Tjä, dumm gelaufen, morgen geh ich nochmal zum Arzt, jetzt wo ich da war bin ich froh, mich überwunden zu haben. Komisch, wie man so Angst kriegen kann und nach dem Arztbesuch ist alles wieder gut. Ich werd ihn wohl behalten ... den Arm und auch den Arzt! Very Happy






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gisela
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 10 Apr 2018, 17:20    © gisela
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liebe Aggi
dann mal gute Besserung. war denke ich gut zum Arzt zu gehen.






    lieben gruß

                           gisela                        

Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.


Ralph Waldo Emerson, US-amerik. Philosoph, 1803 – 1882
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 11 Apr 2018, 14:27    © Aggi
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Liebe Gisela,

gisela schrieb:
dann mal gute Besserung. war denke ich gut zum Arzt zu gehen.

Danke Dir! Ja, heute beim Verbandswechsel sah mein Ellenbogen schon viel besser aus, vor allen Dingen ist die krasse Rötung, wo ich schon richtig Angst vor einer Blutvergiftung hatte, massiv abgeklungen! Very Happy

Jetzt hab ich einen neuen Verband und muss Freitag nochmal hin, ich hoffe, ab da gehts auch ohne, sieht ja schlimmer aus, als es ist. Die blöde Blase muss sich bloss noch zurückbilden, meinte der Arzt, nicht das da noch was reinkommt und die Entzündung noch mal aufflammt.

Dann bin ich diese Woche öfter wegen mir selbst beim Hausarzt als im gesamten letzten Jahr... Wink

LG,
Aggi

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180411 Mittwochmorgen:

Kurz vor acht im Heim ist bei Mutti noch die gelbe Lampe an, also ist die Wäsche noch im Gange. Als ich „klopf-klopf“ eintrete, begrüßt mich lächelnd Sr. D.: „Wir sind gerade fertig!“ – Mutti liegt entspannt lächelnd im Bett und während Sr. D. noch die Terrassentür auf Kipp stellt, fällt ihr ein, was sie vortags „angerichtet“ hat. Sie erzählt uns, dass sie morgens zuhause auch die Terrassentür zum Lüften geöffnet hatte … als sie dann abends nachhause kam, traf sie auf eine entgeisterte Kindergartentochter und einen angesäuerten Ehemann: Ein Vogel war ins Wohnzimmer geflogen und hatte in seiner Angst, weil er nicht mehr herausfand, das ganze Wohnzimmer vollgedreckt. „Erstaunlich, wieviel aus so einem kleinen Körper herauskommen kann!“ grinste Sr. D. Bloss ihr Mann hatte das nicht lustig gefunden: „Du immer mit Deiner Lüfterei!“  Rolling Eyes

Mutti und ich müssen grinsen und ich stimme erstmal „Kommt ein Vogel geflogen…“ an.

Dann wird Mutti auf meinen Verband am linken Arm aufmerksam, sieht ja monstermässig aus, weil er, um zu halten, hoch übers Ellenbogengelenk und den Arm runter geht. Dann noch der Riesen-Jod-Fleck – als ob ich nicht nur einen Insektenstich sondern richtig was Schlimmes hätte. ^^

Mutti staunt und ich geb gleich Entwarnung, alles gut. Viel schlimmer sei gestern dieser Nano-Millimeter kleine Winz von einem Splitter im rechten Zeigefinger gewesen, den ich nur mit Lupe sichten konnte, weil das Ösel-Teil natürlich hautfarben war. Kleiner als die Welt erlaubt, aber schmerzhaft wie hat-die-Welt-noch-nicht-gesehen! Mutti lacht so schön, während ich über mein Bonsai-Splitter jammer – sie kennt mich: „Du bist aber auch ein Quatschkopf!“ lacht sie mich an. Und ich wie immer: „Aber man muss mich einfach gern haben!“  Laughing

Dann kann ich noch schön erzählen, wie sehr mein Mann und ich gestern den Besuch von Kl.Bruder und Freundin genossen hatten. Die haben ja selten die Ruhe und Muße, auch mal etwas länger zu bleiben und so hab ich Mutti einiges zu erzählen. Das freut sie so sehr!

Das Frühstückstablett holen ist dann ein bisschen aufwendig, weil mein Verband allen auffällt (ich kann ihn leider nicht unterm Pulli verbergen, weil die braune antiseptische Wunderpampe so durch den Verband durchsuppt, dass ich mir sonst die Klamotten versaue). Also bekomme ich unterwegs noch Geschichten mit auf den Weg von Insektenbissen, die keiner will, wonach ich wieder Angst hab, was alles Ungeheuerliches passieren kann bis hin zu der platzenden Wunde, wo dann die kleinen Krabbel-Babies aus dem eigenen Körper gekrabbelt kommen … Bis dahin war ich guter Dinge, die Wunde tut nicht mehr weh, aber jetzt ist mir erstmal wieder schlecht…  pale

Zurück zu Mutti und gute Laune zeigen! Die ist zum Glück noch nicht verhungert und lässt sich ihr Frühstück schmecken, während ich weiter erzähle vom gestrigen Besuch. Mutti kennt ja auch die Geschichte um die Mutter von Kl.Bruders Freundin, die auch schon seit Jahren bettlägrig ist und freut sich über das gute Verhältnis der beiden, das noch vor einigen Jahren gar nicht so gut gewesen war.

Heute hat Mutti mal wieder anderthalb Scheiben Brot auf dem Teller und schafft nicht alles, vier Stücken bleiben über, das ist mehr als genug. Ich bringe Mutti zum Lachen in dem ich anmerke, es käme ja jetzt auch die Zeit, wo sie wieder an ihre Bikini-Figur denken muss!

Dann kommt noch unsere liebe „Sr.“ L. zum Reinemachen und meint zum Abschied zu Mutti, dass Wetter sei so schön, sie/wir müssen heute unbedingt noch raus in die Sonne gehen. Interessant, Muttis Reaktion zu beobachten. Nämlich definitiv KEINE Regung. Als L. nochmal lächelnd und zärtlich versucht, Mutti zu animieren, verneint Mutti dann. Sagt nachher zu mir, so ginge das nicht. Sie müsse sich ja erstmal was Richtiges anziehen. So im Nachthemd ginge das ja gar nicht.

Ihre ganze Mimik, alles an ihr, ihr ganzer Körper sagt mir: „Nein, kein Bock auf raus.“ – Also sag ich, Du, wenns mal richtig schön ist und DU SELBER Lust hast, dann können wir ja mal sehen.

Gleich entspannt sie sich. Ist unmerklich, nur eine Nuance. Sie will nicht raus.

Aber ich zeige ihr nochmal das Bild von ihrer Mutter, da sitzt meine Omi so schön auf einem Mäuerchen draußen hinter ihrem Haus und lächelt in die Kamera. Ich hab es auf Din-A-4 vergrössert. Ist das Bild, dass Mutti in klein immer im Wohnzimmer hängen hatte. Mutti erkennt es gleich wieder. Sagt sofort, ach ja, das Mäuerchen hinter ihrem Haus. Und dann ist gut. Nicht an die Wand. Aber ist in Ordnung, dass ich es zum dem anderen Foto in ihren Kleiderschrank lege.

Meine Mutti, sie weiß schon, was sie will. I love you






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Ann
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 11 Apr 2018, 16:57    © Ann
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Zitat :
Ich werd ihn wohl behalten ... den Arm und auch den Arzt!

lachen  gute Entscheidung und weiterhin gute Besserung!






Liebe Grüße
 
Ann 


                                      Leben heißt nicht zu warten, dass der Sturm vorüber zieht, sondern zu lernen im Regen zu tanzen.   
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 12 Apr 2018, 13:01    © Aggi
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Ann schrieb:
lachen  gute Entscheidung und weiterhin gute Besserung!

Danke, liebe Ann! rose

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180412 Donnerstagmorgen:

Schlapp trifft auf schlapp – wie geht Besuch bei Mutti, wenn ich selbst kaum kann? Mich holen grade Wechseljahresbeschwerden wieder ein und ich bin eher empört über sowas, auch genervt, will mir aber den Besuch bei Mutti nicht nehmen lassen. So trifft heute schlapp auf schlapp, aber das geht auch.

Bei Mutti ist die Wäsche schon durch und wie immer, klönen wir erstmal. Ich erzähle ihr von den lieben Handwerkern, die uns gestern den Hausanschluss für die Gasfaserleitung verlegt haben. Und wie ich sie andauernd mit Fragen gelöchert hab. Bei sowas muss Mutti grinsen. Sie war selber immer wissbegierig und steht auch auf dem Standpunkt, dumme Fragen gibt es nicht.

Als ich dann wegen Frühstück frage, ist sie überzeugt, dass sie schon Frühstück hatte. Aber sowas von überzeugt, bis hin zu: „Ich steig hier schon nicht mehr durch, was die hier mit mir machen.“

Lässt mich aber ziehen, mal gucken und mag dann auch Frühstück essen, heute aber mehr im Liegen als im Sitzen. Ich schlapp, Mutti schlapp einigen wir uns auf „Alles, bloß kein Stress.“

Mittendrin fängt Mutti an, die Tablett-Außenkante abzutasten und kauderwelscht was von, sie könne diesmal die Sitzfläche von dem (alles durcheinander) nicht … sucht nach Worten … ich frag, ob sie das Tablett näher zu sich ziehen möchte … nein, die (Kauderwelsch) … Mutti bricht in Lachen aus und ich mein, ist auch ein blöder Tag heute, nich? Und Mutti stimmt mir sofort zu. Unglaublich aber wahr, scheinbar stehen wir zeitgleich mit dem falschen Fuß auf?!

Aber ich kann noch vom Arztbesuch erzählen, weil ich dadurch die Heimbewohner jetzt NOCH besser kenne als vorher: Die Frau vom Doc hatte mir gestern erzählt, dass sie auch Hausbesuche machen und wusste eine Menge über Frau H. und Frau P. zu erzählen. Und da ja nichts über den neusten Haus-Klatsch geht - Mutti muss lachen - geb ich meine "Neuigkeiten" gleich zum Besten. Ist ja auch nichts Schlimmes, ich war nur ganz fasziniert, WIEVIEL diese liebe Frau mir gestern während eines einzigen Verbandwechsels, der echt nicht lange gedauert hat, erzählen konnte. Normalerweise hab ich ja eher ein Problem mit Menschen, die schnell und hektisch reden, aber diese Frau vom Doc ist eine Liebe. Ich musste nur einmal aufpassen, beinahe hätte sie mir noch so nebenbei einen Welpen aufgequatscht, aber da kam ich zum Glück schnell wieder aus meiner Trance. An der Stelle verschluckt sich Mutti lachend beinahe an ihrem Kaffee und meint zu Recht: "Diesmal hast Du Schuld!" - weil sie gekleckert hat.

Jau, mein Fehler, Mutti. Aber sie hat mir nochmal verziehen! schweissabwisch






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 13 Apr 2018, 11:07    © Aggi
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20180413 Freitagmorgen:
 
Freitag der 13te – für mich ein Glückstag. Hoffe ich jedenfalls, nachdem ich gestern Abend kurz vorm Zubettgehen unsere große Glasschale fallen ließ…  Embarassed
 
Bei Mutti im Heim ist die Wäsche schon durch, aber für mich ein Brief im Postfach. Die neuste Apotheken-Rechnung. Ich freu mich über den Haftzettel, steht mein voller Name drauf mit Vermerk, bitte im Postfach belassen! (Damit Mutti sich in meiner Abwesenheit nicht unnötig über Post, die sie selbst nicht mehr erledigen kann, aufregt.)
 
Mutti freut sich, mich zu sehen. Sie weiß ja selten morgens zu berichten, wie ihr Vortag war, aber es geht ihr soweit gut. „Den Umständen entsprechend.“ Die Mimik erzählt mehr als Worte, sie lächelt!
 
Ich erzähl von der Apothekenrechnung, kürzlich war ja schon der Konto-Auszug von ihrem Taschengeldkonto da, da hatte ich auch mit ihr drüber gesprochen und sie dahingehend beruhigt, dass sie mehr als genug Geld hat. So was lass ich bei Gelegenheit immer einfließen, damit sie bei den kleinen Einkäufen oder Bezahlungen für sie – wie jetzt die Apothekerrechnung – keine Sorge hat, sie hätte kein Geld mehr. Vieles verpack ich gern in Scherze, so wie gestern mit dem Kontostand: „Du, dass ist genug, dass Du am Wochenende mit Champagner in den Puff feiern gehen kannst.“ Mutti kennt meinen Humor und lacht sich dann gerne kringelig. Weil wir beide wissen, es gibt nichts abwegigeres als so was. Oder wie jetzt mit der Apothekenrechnung, dass sie sich wie immer auf mich verlassen kann, die bezahl ich gleich, wenn ich von ihr wieder wegfahre. „Ausser, ich werde von Marsmenschen entführt, Mutti. Und selbst mit denen würde ich noch diskutieren: Heute nicht entführen! ERST muss ich Muttis Rechnung bezahlen!“ – So, wie Mutti dann am Lachen ist, weiß ich, sie ist beruhigt, dass ich mich um alles kümmer.
 
Dann klopft es und meine gute Seele Elisabeth kommt zu Besuch. Begrüßt Mutti und möchte dann als nächstes wissen, wie es meinem Arm geht – so lieb!!! Ich kann Entwarnung geben, inzwischen juckt die Stelle, besser geht’s ja nicht, d.h. es heilt.
 
Klar kaufe ich auch noch ein paar Kleinigkeiten für Elisabeth ein. Als sie wieder gegangen ist, frag ich Mutti, ob das auch nicht unhöflich war, weil ich kurz den Einkaufszettel für Elisabeth geschrieben hatte. Aber Mutti ausdrücklich: „Nein, das ist ja auch für mich Abwechslung.“ Very Happy
 
Dann hole ich das Frühstück. Heuer liegt eine Banane mit auf dem Tablett. Gute Idee! Mutti schafft das ganze Brot und nach dem halben Becher Kaffee deck ich den Tisch erstmal ab. Ihre Haare sind noch nicht gekämmt, also kann ich gleich die Frisiercreme testen. Kiek, das Haaröl ist besser gegen Muttis Vogelnester im Haar, aber ich bekomme alle Knoten schmerzfrei gelöst und biete Mutti danach nochmal Kaffee an. Sie trinkt fast den ganzen Becher leer und nun frag ich, ob sie auch noch von der Banane mag. Wie immer mit zeigen. Und Mutti möchte. Ich freu mich total und Mutti schafft die ganze Banane. Laughing
 
Alles gefüllt mit meinen Plaudereien, was ich am Vortag gemacht – und zerscheppert hab. Irgendwie hab ich das Gefühl, behalte ich Mutti so auch in der normalen Alltagswelt, wenn ich erzähle, was ich im Garten geschafft oder in der Küche „angestellt“ habe. „Mutti, kennst Du das, wenn Dir ein Glas auf den Küchenboden fällt? Die Splitter haben ja Beine und wandern von alleine durchs ganze Haus!“ – So, wie Mutti bei sowas dann nickt und zustimmt, weiß ich, sie erinnert sie an eigene oder andere erlebte Ereignisse. Ihr machen meine Geschichten jedenfalls Spaß.
 
Dann weiter zur Apotheke, Arzt (juchuuuuuh – der Verband ist ab!), einkaufen und retour ins Heim. Elisabeth freut sich über die Auswahl, die ich getroffen hab, alles richtig gemacht und dann geh ich nochmal zu Mutti, klönen.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 14 Apr 2018, 10:07    © Aggi
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20180414 Samstagmorgen:
 
Viertel vor acht am Heim sehe ich von weitem schon meine gute Seele Elisabeth am Haupteingang stehen eine Rauchen. Als ich sie frage, wie es ihr geht, verzieht sie gleich das Gesicht und zeigt mit der Hand kopfschüttelnd nach drinnen. Wurde sie doch unerhörterweise schon um zwanzig vor sieben aus dem Bett geworfen. Also nee, nee, nee… No
 
Elisabeth ist hochgradig aufgebracht, so geht das ja man gar nicht. Sie sei dann wie ein Tiger eine halbe Stunde lang den Flur auf- und abmarschiert. Die Schwestern hätten sich entschuldigt, sie müssten doch ihre Arbeit erledigen. – So, wie ich Elisabeth inzwischen kenne, tun mir die Schwestern von Herzen leid und ich schaffe es, auch Elisabeth wieder ein Lächeln zu entlocken.
 
Weiter zu Mutti, da ist die Wäsche auch schon durch, finde ich eine entspannte Mutti, die sich freut, mich zu sehen und mich fragt, ob ich grade aus dem Wald komme. Wir plaudern erstmal, ich erzähle von Elisabeth und richte die Grüße von ihr und meinem Mann aus, der heute wegen Formel Eins schon früher als sonst aus dem Bett gefallen ist.
 
Unvermittelt meint Mutti, sie hätte heute Morgen schon einen aufregenden Anruf gehabt. Nun hat sie ja gar kein Telefon im Zimmer. Wollte sie nie. Mir ist schon klar, es geht wieder um einen „Traum“. Sie erzählt, frühmorgens hätte sie einen Anruf aus dem Krankenhaus gehabt. Ihr sei gesagt worden, da liegt ein totes Kind auf dem Flur und sie müsse Kl.Bruder Bescheid sagen. Mutti zu mir: „Dazu hab ich aber erstmal nichts gesagt.“ Und ist sichtlich verwirrt und auch empört über diesen Anruf.
 
Für Mutti ist das real. Ihr jetzt zu sagen, das hast Du nur geträumt wäre so hilfreich, wie einem Alkoholiker zu sagen, hör einfach auf zu trinken. Eben keine Lösung. Auch mir würde Mutti nicht glauben, dass es „nur“ ein Traum war. Ich hör sie schon sagen: „Ich weiß doch, dass ich einen Anruf hatte!“ Vor allen den Tonfall höre ich klar und deutlich!
 
Also ganz klare Schiene, ich stimme ihr sofort zu, dass das jawohl ein selten blöder Anruf war, die haben doch die Telefon-Nummer von Kl.Bruder. „Schau, Mutti, unsere Handy-Nummern hängen sogar hier in Deinem Zimmer dort an der Schrankwand. Den hätte die sofort selber anrufen müssen. Ich glaub, die stand unter Schock und hat es falsch gemacht, Dich anzurufen. Sowas Blödes!“ Ich merke unterwegs, dass es Mutti gut tut, dass ich "auf ihrer Seite bin." Und verspreche ihr, nachher Kl.Bruder selbst noch anzurufen, ich kümmer mich drum, Mutti, das musst Du nicht. Und ich werde ihm liebe Grüße von Dir ausrichten, darüber wird er sich freuen!
 
Der Gedanke mit den lieben Grüßen erfreut Mutti dann auch und dann ist erstmal gut. Ging natürlich alles nicht so schnell, wie hier geschrieben.
 
Aber dann erstmal in Ruhe frühstücken und hinterher kommt noch unsere „Sr.“ L., wo ich erstmal alle zum Lachen bringe, indem ich versicher, dass die Fussspuren im Zimmer „Ich schwöre!“ nicht von mir sind und ich hätte schon Angst gehabt, ich müsse mich unter Muttis Bett verstecken – halt sowas, wo alle schön laut lachen und L. noch in ihrer süßen Art einen Moment bei uns stehenbleibt und auch mit Mutti klönt!
 
Beim Frühstück hatte ich auch noch beide Blumentöpfe mit auf Muttis Tablettwagen gestellt. Die Topfrosen machen sich dank Mineralwasser als Gießwasser einfach top! Ich zeig Mutti die neuen grünen Triebe – die ganze Pflanze macht sich so prachtvoll, dass sie von weitem schier wie eine künstliche Pflanze aussieht, wunderschön! Und der Schnittblumen-Rosenstrauß ist inzwischen so herrlich aufgeblüht, Mutti sagt spontan: „Oh wie schön!“. Weiß aber nicht mehr, dass sie diesen Strauß auch bekommen hat: „Wo kommen die denn her?“ – Also bin ich auch vergesslich und sag, Du, Elisabeth schenkt ja fast jeden Tag was Neues, ich komm gar nicht mehr hinterher. Da nickt Mutti lächelnd: „Sie ist eine Gute!“ I love you
 
Als ich sie nach dem Essen noch frage, ob sie vielleicht nochmal eine Geschichte vorgelesen haben mag, verzieht Mutti direkt das Gesicht. Nein, gestern hätte ihr schon eine vorgelesen, da hätte sie schon gedacht, das könne sie selber besser. – Ich hab keine Ahnung, ob ihr gestern wer was vorgelesen hat. Aber ich versicher ihr, dass ich es gut finde, dass sie ihre eigene Meinung hat und die auch äussert! Mutti meint noch, und besonders nach dem Anruf heute Morgen sei ihr nicht danach. Als da der Taxifahrer angerufen hatte, also der, der hinter dem Taxi stand… Ich kann sie nochmal auf Kl.Bruder lenken, der sich so freuen wird, von ihr zu hören und erzähle von deren kleinen Hunden. Das bringt Mutti auf andere Gedanken. Und ich verspreche ihr, ihn lieb von ihr zu grüßen!

Als ich gehe, lächelt Mutti mir hinterher. Ich hoffe, sie kann diesen blöden Anruf vergessen.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 15 Apr 2018, 10:08    © Aggi
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20180415 Sonntagmorgen:
 
Heute früh mit Rückenschmerzen zum Heim, war ein Fehler, gestern noch so lange die Fugen vorm Haus zu kratzen, kann kaum laufen, blödes Eigentor…
 
Vor dem Haupteingang steht schon meine gute Seele Elisabeth, die mir erstmal den Tipp gibt, Moos in den Fugen mit einer Mischung aus Essigwasser zu entfernen. Dann fragt sie, ob ich ihr morgen wohl Küchentücher besorgen kann. Neuerdings regt sie sich doch immer mehr auf, wie ihre Gutmütigkeit von anderen Bewohnern ausgenutzt wird. Da hat sie gestern doch eine Dame gefragt, ob sie Küchentücher hat und war schier empört, dass Elisabeth keine hatte. Also nee, nee, nee … - Dafür hat Elisabeth ihr dann eine Packung Kleenex geschenkt und die Dame ist so damit abgezogen, kein Wort des Dankes. Sag ich zu Elisabeth: „Na, wie gut, dass Du all die Sachen umsonst im Supermarkt bekommst!“ Elisabeth nickt, die Ironie teilt sie. Ja, reicht man den kleinen Finger…
 
Ich humpel erstmal weiter zu Mutti. Die liegt wie erschlagen im Bett, sieht gar nicht gut aus. Ehrlich gesagt bin ich erschrocken, aber als ich gleich mit ihr spreche, geht es ihr schnell besser. Erstmal befreie ich sie von dem Haarzopf und plauder über mein Rücken-Eigentor. „Mach Dir keine Sorgen, Mutti, ich erzähl das nur, damit Du weißt, warum ich heute so rumstolper, als hätte ich in die Hosen gemacht.“
 
Zur Frage nach dem Frühstück „Hast Du denn schon Kaffeedurst?“ ist Mutti wieder überzeugt, dass sie schon gefrühstückt hat. Ist aber in Ordnung, dass ich „mal gucken“ gehe.
 
Als ich sie und das Essen dann drapiert hab, meint sie aber nochmal, ob sie jetzt von mir doppelte Ration bekommt? Ich zeig ihr nochmal ihr Namensschild auf dem Tablett und das ich extra immer schaue, dass die richtigen Tabletten im Becher sind: „Nicht, dass Du noch versehentlich die Viagra von einem Mitbewohner bekommst!“ Das bringt Mutti herzlich zum Lachen und sie fängt an zu Essen.
 
Heute ist neben der Scheibe Brot auch wieder eine Banane plus Wackelpudding dabei. Zum Ende kann ich sie auch noch zu der Banane überreden, den Wackelpudding lehnt sie – wie auch gestern ab. Das ist von daher interessant, weil nach dem Abdecken wie oft eine Küchenkraft kommt, ob wir schon fertig sind und fragt, ob das mit dem Wackelpudding so bleiben soll? – Sag ich, lieber eine Banane. Meint die Schwester, Bananen hätten sie nicht immer, aber Wackelpudding sei extra für morgens und abends aufgeschrieben? – Davon weiß ich nichts, ich krieg ja nur jeden Morgen mit, dass Mutti extrem selten mal Wackelpudding mag. Umgekehrt hat Sr. L. mir mal gesagt, nachmittags hätte Mutti mit Appetit Wackelpudding gegessen. Vielleicht hinge es ja von der Tageszeit ab, frage ich die Schwester? Die weiß es auch nicht und meint, sie lässt es erstmal dabei.
 
Mutti auf die Frage meint, sie würde den immer gerne essen. Jo, wenn so ein Essensplan entsteht, nach mir die Sintflut… Ich schau Montag mal, ob ich eine Pflegefachkraft sprechen kann, heute tut mir mein Rücken zu sehr weh, um da noch länger zu warten, bis jemand Zeit hat.
 
Aber als wir alleine sind, kann ich Mutti mein altes Liederbuch zeigen. Und singe ihr einige Lieder vor! Das erste „Der Wächter auf dem Türmlein saß und rief mit heller Stimme“ kommt ihr bekannt vor, ruft aber keine Regung hervor, also nur die erste Strophe.
 
Bei „Geh aus mein Herz und suche Freud“ fängt Mutti an zu strahlen. Nach der ersten Strophe sagt sie ernst, solche Lieder dürfen nicht vergessen werden. – Oh ja, Mutti!
 
Ich erinner sie daran, wie wir vier Geschwister früher zusammen gesungen, teils gegröllt haben (die fünfte kam ja als Nachzügler und war da nicht so dabei). Lieder wie „Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen“, singe es an und Mutti grinst von einem Ohr zum andern. Egal, was aus uns Geschwistern heute geworden ist, es war einmal und es war einmal schön!
 
Mutti erinnert sich, dass ihre Tante, die nach Amerika ausgewandert war, ihnen bei einem ihrer seltenen Besuche ein Liederbuch geschenkt hatte, in dem auch schöne Lieder standen, die sie nicht in der Schule gesungen haben. Aber ihre Mutter, meine Oma, hätte mit ihnen viel daraus gesungen und dies Buch gehütet wie einen Schatz. Mutti weiß keine Lieder zu nennen oder wie das Buch geheißen hat, aber es ist eine schöne Erinnerung!
 
Dann singe ich noch beide Strophen von „Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün“ und sehe beim Singen – Mutti schaut mir bei jedem Lied ganz aufmerksam in die Augen – wie Mutti mit den Lippen mitsingt, tonlos, aber sie singt mit!
 
In so einem Moment könnte ich sterben und wäre der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt!
 
Beim Verabschieden sagt Mutti dann etwas Sonderbares: „Sag Micha [Anm.: mein Mann], er soll gut auf sich aufpassen. Ich brauche ihn noch!“
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 16 Apr 2018, 12:27    © Aggi
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20180416 Montagmorgen:

Zehn vor acht im Heim treff ich im Flur meine gute Seele Elisabeth und frag von mir aus, ob sie heute außer den Küchentücher sonst noch etwas benötigt? Wir vervollständigen den Einkaufszettel auf Shampoo und viele Lord Extra und ich geh weiter zu Mutti.

Die Wäsche ist schon durch und Mutti sieht heute besser aus denn je – kein Tag älter als siebzig, wenn überhaupt. Mutti wehrt grinsend ab, tut so, als würde sie mit der Hand nach mir schlagen, grinst aber die ganze Zeit über das Kompliment.

Da ich immer noch „krumm“ gehe, lässt sich mein Rückenproblem nicht leugnen. Mutti zeigt sich besorgt, aber ich kann Entwarnung geben. „Mutti, Du weißt doch, wie gerne ich einzigartig wär. Aber ich teil bloß das Los mit tausend andern im Frühjahr, hab einfach zu lange zu viel Gartenarbeit gemacht. Morbus Eigentor und ich springe in das Fettnäpfchen mit Anlauf rein.“ Mutti muss lachen und ich gelobe Besserung bis ich spätestens achtzig bin. „Machen wir uns nichts vor, Mutti, früher lern ich das ja doch nicht!“  Laughing

Zum Frühstück liegt dann sehr dekorativ ein kleiner Zweig Weintrauben mit auf dem Brotteller. Ich zupf die noch schnell vom Zweig und Mutti fängt auch direkt mit den Weintrauben an. Schafft das ganze Brot und die Weintrauben. Als ich ihr am Ende den Wackelpudding zeige und anbiete, verzieht sie aber wie meist das Gesicht. Das ist dann die Steigerung von „Nein Danke!“, ein deutliches „Bloß nicht!“ – Ich muss grinsen. Mutti sieht heut so wunderschön aus – ich hoffe, wenn ich groß bin, komme ich nach ihr…

Das Wetter zeigt sich auch gnädig, der Raum ist lichtdurchflutet. Wir plaudern so noch gemütlich. An einer Stelle meint Mutti unvermittelt, die Gr.Schwester wäre einen Sonntag auch da gewesen. Sag ich lächelnd zu ihr, das sei doch schön. Da meint sie wieder so ausdruckslos: „Ach, das hatte nichts zu sagen.“ Da lenk ich dann bewusst darauf, dass ich noch einkaufen gehen will, ob Mutti noch was braucht. Wie immer ist Mutti wunschlos glücklich, aber nachher im Laden fällt mir wenigstens noch ein, dass ihre Körperlotion zur Neige geht, die bringe ich ihr dann noch mit.

Und finde im Dorf den dritten „Dealer“ für Lord Extra, nachdem die ersten beiden Läden schon ausverkauft sind, hab ich den Dorfkiosk für mich entdeckt. Elisabeth wird sich freuen. Da gibt’s bei einer Stange sogar ein Feuerzeug dazu und ich hab die Wahl zwischen normalen, großen und ganz großen Packungen, na isses denn!

Mutti überlegt, als ich dann noch wieder zu ihr reinkomme, noch, wie die Zigarettenmarke hieß, die sie in Marburg geraucht hat: „Die gab es auch nicht überall.“ Fällt ihr nicht mehr ein, aber so süß zu sehen, wie sie in Gedanken da nochmal in dem kleinen Tabakladen steht. Sie hat öfter erzählt, da hat sie sich Anfang des Monats dann auch eine Tafel Schokolade gegönnt. Der pure Luxus. Und die hat soooooooo gut geschmeckt! Mehr war nicht drin, damals hat sie noch ihr erstes Fahrrad mit monatlich 10 Mark abbezahlt und ihren Brüder oft Geld geschickt, weil die immer klamm waren.

Das Fahrrad hatte Mutti noch lange. Das war noch die echte, gute deutsche Wertarbeit. Da wurde noch nicht produziert, um nach Garantieablauf kaputt zu gehen. Bloß wollte nie einer mit Muttis Fahrrad fahren. Sie hatte immer auf ihrem Damensattel bestanden.







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Di 17 Apr 2018, 08:58    © Ann
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Zitat :
Heute früh mit Rückenschmerzen zum Heim, war ein Fehler, gestern noch so lange die Fugen vorm Haus zu kratzen, kann kaum laufen, blödes Eigentor…
Da ich immer noch „krumm“ gehe, lässt sich mein Rückenproblem nicht leugnen.

Gute Besserung, liebe Aggi!






Liebe Grüße
 
Ann 


                                      Leben heißt nicht zu warten, dass der Sturm vorüber zieht, sondern zu lernen im Regen zu tanzen.   
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Aggi
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 17 Apr 2018, 10:07    © Aggi
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Liebe Ann,

Ann schrieb:
Gute Besserung, liebe Aggi!

Danke, zu lieb von Dir! I love you - Hab heut mit Mutti schon drüber gesprochen, ob ich mir nicht auf die Handrücken "Werd endlich erwachsen!" und "Sei nicht immer so doof!" tattowieren lasse, aber wir einigten uns auf das Problem, dass ich dann in einem Jahr nicht mehr weiß, was hab ich damit eigentlich gemeint?! Rolling Eyes - Mutti hat gelacht und mein Rücken wird jeden Tag besser!

Dir einen lieben Gruß,
Aggi

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180417 Dienstagmorgen:

Zehn vor acht im Heim kommt mir im Flur schon meine gutgelaunte Elisabeth entgegen. Ihr Mann hatte die Nacht davor sehr schlecht geschlafen, es gab Probleme mit dem Katheder. Aber heute Nacht hat er komplett durchgeschlafen bis sieben Uhr morgens, strahlt mich Elisabeth an! Die Nachtschwester hätte ihn mehrfach nachts angesprochen, er hätte keinen Mucks von sich gegeben!  Very Happy

Ich ziehe von einer glücklichen Elisabeth weiter zu Mutti, die auch gute Laune hat. Sie meint, es geht ihr gut. Ihr Montag war schön entspannt und ruhig!

Und zum Frühstück gibt’s heute mal wieder anderthalb Scheiben Brot: „Mutti, mit gaaanz viel Marmelade!“ – Mutti freut sich! Während sie isst, frag ich nochmal wegen ihrem ersten selbstgekauften Fahrrad in ihrer Krankenschwesterlehrzeit nach. Ich hatte es schwarz in Erinnerung, aber Mutti schüttelt den Kopf. Nein, es war beige. Aber den genauen Preis weiß sie nicht mehr, ist ja auch wurscht, sie hat es bezahlt!  Smile

Ich erinner Mutti an ihren Damensattel, der ja „Rocksattel“ heißt. Von Mutti weiß ich, als sie mit Vattern damals in unseren Heimatort gezogen ist, wo wir fünf dann alle auf die Welt kamen, dass sie eine der ersten Frauen war, die nur Hosen trug. Ist ja eigentlich ein Widerspruch. Frau in Hosen mit Rocksattel. Da muss auch Mutti grinsen. Und richtig lachen, als ich sag, viel praktischer war ja, dass nie jemand mit Deinem Fahrrad fahren wollte – WEGEN dem Sattel! Sie saß halt beim Radeln lieber auf so einem Sattel, das war schon alles. Und hat ja nie den Führerschein gemacht. Fuhr Fahrrad, bis es nicht mehr ging, da war sie ungefähr 81, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht. Dann kamen mindestens zwei Stürze und ab da liess sie es bleiben und bekam dann von der Enkeltochter Hilfe beim Einkaufen, denn zu Fuß kam sie schon gar nicht mehr so weit.

Aber sie konnte früher am Fahrrad Einkäufe nach Hause schleppen, die andere nur mit dem Auto bewältigen. Vattern ist ja nie einkaufen gefahren. Also nicht für den Haushalt.

Nach dem Frühstück mag Mutti noch eine Geschichte hören. „Gähnen ist ansteckend“. Wieder beobachte ich ihr Minenspiel. Einfach nur entzückend. Mutti ist ja nicht doof, neulich meinte sie selbst mal in halben Kauderwelsch, es ginge ja darum, dass sie Anregungen bekommt. Aber trotzdem sind diese Kurzgeschichten einfach süß und nach dieser Geschichte bin ich selbst perplex, weil ich nach dem Vorlesen nicht mehr aufhören kann zu gähnen… Da ist Mutti dann von mir entzückt! "Ganz schön grosse Klappe!" Laughing






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 17 Apr 2018, 12:57    © kamia
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Zitat :
 ob ich mir nicht auf die Handrücken "Werd endlich erwachsen!" und "Sei nicht immer so doof!" tattowieren lasse,

 wenig hilfreich - bei der Gartenarbeit trägt man ja Handschuhe!?  zungensmile







Liebe Grüße
Karin




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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 18 Apr 2018, 12:42    © Aggi
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kamia schrieb:
Zitat :
 ob ich mir nicht auf die Handrücken "Werd endlich erwachsen!" und "Sei nicht immer so doof!" tattowieren lasse,

 wenig hilfreich - bei der Gartenarbeit trägt man ja Handschuhe!?  zungensmile

lachen lachen lachen ... erwischt, kamia, da haste mich erwischt, ich trag Handschuhe dabei! lachen lachen  winke-winke

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180418 Mittwochmorgen:

Kurz vor acht am Heim strahlt mir schon meine gute Seele Elisabeth von der Eingangstür entgegen. Hat schon auf mich gewartet. Fragt erstmal, wie es mir geht und da ich mir nichts dabei denke, zeige ich ihr meinen erneut angeschwollenen Arm. Fing gestern nach der Gartenarbeit wieder an. Da dachte ich noch, ich hätte vielleicht eine Pflasterallergie, weil sich erst nur eine Rötung in den Bereichen um die Ex-Wasserblase am Ellenbogen zog, wo ich drei Tage noch ein Pflaster getragen hatte. Heut früh war dann der ganze Arm wieder rot, heiß, geschwollen und tat weh, fette Entzündung. Ich bin eigentlich nur empört – das mir, wo ich heute mit der Gartenarbeit weitermachen wollte.  bounce

Elisabeth druckst rum, wollte eigentlich, dass ich ihr was aus der Apotheke besorge. Da muß ich lachen: „Da muß ich doch selber hin, kein Problem!“

Weiter zu Mutti, das Quatschen mit Elisabeth hat etwas länger gedauert, ging noch um ihren Mann, der heute zum Kathederwechsel ins Krankenhaus muß, da ist es schon acht Uhr. Aber noch keine Wäsche bei Mutti. Der Becher mit der Magentablette steckt noch im Fach und ihr neues Nachthemd und die neue Windelhose liegen noch auf dem Stuhl.

O.k., klön ich erstmal mit Mutti über die erfolgreiche Gartenarbeit gestern und den unerfolgreichen linken Arm. Mutti meint auch, besser zum Arzt gehen. Ich hab eigentlich nur Angst, der Arzt stellt fest, ich hab eine Gartenarbeit-Allergie und muss aufhören. „Mutti, wenn der mir SOWAS erzählt, sag ich dem, dann fang ich an zu saufen!“ – Mutti lacht, weil sie weiß, dass ich das nicht ernst meine.

Dann kommt Sr. L. und strahlt uns an: „Lange nicht gesehen!“. Ich helf mit Handreichungen und Zähneputzen und erzähl Mutti Geschichten. Auch Sr. L. scheint das zu gefallen. Jedenfalls vergeht die Zeit und das Waschen wie im nu und da es schon Richtung halb neun geht, geh ich das Frühstück holen.

Dort steht im Dienstzimmer grad die Pflegedienstleiterin und weil ich eh noch überlege, ob ich wirklich nochmal zum Arzt muss, zeig ich ihr spontan meinen Arm. Gute Idee. Die Gute ist mindestens einen, wenn nicht sogar zwei Köpfe kleiner als ich, aber da wird sie energisch und ich schrumpfe auf ca. einszwanzig runter: „Aber sofort damit zum Arzt! Heute noch!! Soll ich Ihnen ein Kühlpack holen? Nein? Aber auf alle Fälle heute noch zum Arzt!!!“  pale

O.K., das war überzeugend. Zurück zu Mutti wachse ich auch wieder auch meine eigene Körpergrösse zurück und bin jetzt gutgelaunt, weil ich weiß, was ich machen muss. Komisch, dass ich mich immer erst rückversichern muss.

Mutti kann ich dann beim Frühstück mit Gartenarbeitsgeschichten unterhalten und sie sogar mal fragen, ob wir „schlimme“ Kinder waren, weil wir nie so viel mitgeholfen haben. Da wirkt sie richtig klar, als würde ihr gar nichts fehlen. Sinngemäß meint sie, sie hätte uns ja immer genau eingeschätzt und gewußt, hätten wir dazu eh keine Lust, wär es sowieso vergebene Liebesmüh. Außerdem hatte sie immer genaue Vorstellungen, was wie wo wann zu tun war. Dann fragt sie sich selbst, ob es ihr überhaupt gelungen sei, uns diese Sachen beizubringen. Aber DA kann ich sie aus vollem Herzen beruhigen. Doch, wir haben unendlich viel von ihr gelernt (ich zähle gleich so einiges auf, ob im Haushalt oder im Garten). Und Mutti lächelt zufrieden.  I love you

Dann weiter zum Arzt, der ehrlich erschrocken ist. Also ein zweiter Versuch jetzt mit Kortisonsalbe (wenn ich das richtig verstanden hab, jedenfalls ist die jetzt weiss und nicht mehr braun) plus Penicillin. Und Bluttest auf Entzündung und Borreliose, sicherheitshalber. Schlimm ist eigentlich nur, dass ich heute nicht Gartenarbeiten soll...  Crying or Very sad

Als ich nach dem Einkaufen dann wieder im Heim bin, kommt auch noch mein Mann vorbei – Mutti strahlt so doll, dass ihr das obere Gebiss nach unten klappert, aber wen stört das schon?! Mein Mann scherzt so viel, dass Mutti und ich zum Schluss händchenhaltend da sitzen und nur noch sanft den Kopf schütteln. Ich glaub, heute hat Mutti vielleicht sogar Bauchmuskelkater vom Lachen! Laughing






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 19 Apr 2018, 10:22    © Aggi
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20180419 Donnerstagmorgen:

Als ich kurz vor acht im Heim den Flur hochgehe, sehe ich bei Mutti noch die gelbe Lampe brennen. Aber bei Elisabeth steht auch die Tür offen, da will ich erst nachfragen, wie es ihrem Mann jetzt geht.

Elisabeth schimpft, dreimal hätten die gestern ansetzen müssen, um den Katheder zu lockern. Und seit Januar keine Keime mehr. Ich wag nicht mal nachzufragen, was das bedeutet, da ich ein bißchen in Eile bin… Aber nachdem sie sich ausgeschimpft hat, fragt sie gleich so lieb, wie es jetzt mit meinem Arm ist und ich kann dann beruhigt weiter zu Mutti gehen.

Da ist heute Morgen Sr. N. noch zugange. Die ist eigentlich immer am Lachen. Auf mein „Klopf Klopf!“ meint sie zu Mutti: „Klopf! Klopf! Da kommt die Sonne!“ Mutti ist schon fast fertig, Sr. N. schüttelt nur noch die Bettdecke aus und verabschiedet sich mit ihrem typischen Lachen.

Ach nee, vorher lerne ich von ihr noch, dass man Schnittblumen auch mit etwas Zucker aufpeppen kann. Wusste ich gar nicht. Mutti hat das früher schon mal gehört, war aber auch bei ihr in Vergessenheit geraten. Kiek, kurz vor acht und schon wieder was gelernt!

Als wir alleine sind, fragt Mutti dann auch, wie es mir und meinem Mann geht. Wahrheitsgemäß erzähl ich, dass ich gestern notgedrungen den Schongang eingelegt hab. „Kennst Du das, Mutti, wenn man nix tun DARF – DANN möchte man sooooo unbedingt was tun…“. Mutti lacht. Aber gestern hatte die Schwellung im Arm sogar den Verband gesprengt, gegen vier Uhr nachmittags musste ich den abnehmen, hatte das Gefühl, mein linker Arm ist inzwischen doppelt so dick wie der rechte. Ich meine, es gibt eine Comic-Figur, die so einen dicken Arm hat, aber ich komm nicht drauf, wer das ist … Mutti auch nicht. Popeye war’s jedenfalls nicht. Auf alle Fälle gelingt es mir, Mutti mit meiner Art, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, herrlich zu amüsieren und das ist ja Sinn der Übung, kein Tag ohne herzlich gelacht zu haben.

Ihr Frühstück schmeckt Mutti gut, aber nach den anderthalb Scheiben Brot ist sie pappensatt. Ich biete den grünen Wackelpudding noch an, aber ihre Mimik sagt definitiv „Bloss nicht!“. Dann guckt sie mich an und fragt unvermittelt: "Wie geht es Deiner Mutter?" Ich fall gefühlt eine Schrecksekunde in Ohnmacht und bin kurz davor zu sagen, Du bist doch meine Mutter. Fasse mich aber rasch und sag äußerlich ruhig: "Der geht's gut." Jo, und gut ist. Wollte Mutti nur wissen. Und ich hab ja nicht gelogen. War nur ausnahmsweise mal erschrocken, tse, man ist ja auch nicht 365 Tage im Jahr perfekt...

Als ich von Mutti dann gehe, treff ich im Flur noch Sr. N., die gut versteht, dass man morgens noch kein Wackelpudding mag: „Das ist noch nicht die Tageszeit für Wackelpudding!“ Jo, diese Schwester hat’s erkannt!






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 21 Apr 2018, 05:30    © Aggi
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20180420 Freitagmorgen:
 
Als ich kurz vor acht im Heim den Flur zu Muttis Zimmer hochgehe, winkt mir meine gute Seele Elisabeth von ihrer Zimmertür schon zu, ich soll zu ihr kommen. Ob ich ihr noch mal zwei Sträuße Rosen mitbringen kann, die von Mittwoch haben ja leider nicht gehalten. (Da hatte ich mich auch geschämt, als ich sie kaufte, sahen sie gut aus, Elisabeth hatte aber erzählt, abends ließen sie schon die Köpfe hängen. Lag’s daran, dass ich abgelenkt war, weil an dem Morgen mein Arm wieder so krass entzündet war?)
 
Kein Problem, ich wollte eh noch Einkaufen fahren. Bin jetzt doch nervös, heute ist das Ergebnis vom Bluttest da. Ich hab keine Borreliose, da bin ich mir sicher, aber auf einmal denk ich: „Und wenn doch?“
 
Weiter zu Mutti, die Wäsche ist schon fast durch, aber ich kann Sr. L. noch das Zähne putzen abnehmen. Die freut sich und geht weiter zum nächsten Bewohner und als ich mit dem Gebiss aus dem Bad komme, fällt mir wieder ein, was ich neulich schon gesehen hatte. „Mutti, ich hab noch eine gute Nachricht!“ Vor ca. zwei Tagen hatte ich im Vorbeigehen am Pflegestützpunkt den Duschplan liegen sehen und einen Blick drauf geworfen. Jetzt steht wirklich neben Muttis Namen drauf, Haare waschen nur am ersten Montag des Monats. „Mutti, also wirklich nur noch alle vier Wochen!“ Mutti freut sich! Haben wir es endlich geschafft!
 
Dann hole ich wie immer das Frühstückstablett. Anderthalb Scheiben Brot. Kein Wackelpudding. Ich muss grinsen. Mutti schafft nach und nach das ganze Brot, zwischendurch kommt wie so oft eine Küchenkraft, ob wir schon fertig sind. Aber so fix geht das bei Mutti ja gar nicht mehr. Das ist aber nie ein Problem. Wenn Mutti noch am Essen ist, wünschen die einfach fröhlich „Guten Appetit!“. Dann wird das Tablett halt später abgeholt.
 
Während Mutti isst, unterhalte ich sie mit unseren Gartenarbeiten. Wie schön mein Mann und ich gestern im Team gearbeitet haben. Der Vorgartenrasen besteht ja nur noch aus Moos und muss sich deshalb dies Jahr einer brutalen Vertikutierprozedur unterziehen. Ganz schön viel Fläche und mehr Moos als auf eine Kuhhaut geht. Mutti mag solche Geschichten. Vor allem, wie mein Mann mir geholfen hat, die Beetkantensteine wegzubringen – mein Rücken ist ja auch noch nicht wieder in Ordnung und ohne dass ich ihn drum bitten musste, stand er auf einmal mit dem Palettenwagen vor mir und transportierte die ganzen Randsteine hinters Haus.
 
„Und dann, Mutti – Du glaubst es nicht, hat er noch die neuen Hausnummern angebracht, dabei war er erst so am Schimpfen, als ich mit denen ankam!“ – Mutti vergisst zeitweise vor Lachen das Essen, sie kennt meinen Poltergeist von einem Mann und seine Art. Immer erstmal meckern (aber immer nur im Scherz!) und dann anstandslos mit anpacken.
 
Dann kommt wie fast täglich unsere liebe „Sr.“ L. zum Saubermachen. Wir haben sie beide längst ins Herz geschlossen, duzen uns und auf einmal steht L. im Raum, starrt in alle Decken-Ecken und sagt laut zu uns: „Nein, keine Besucher!“ – Wir stutzen?! – Sie nochmal, den Blick zur Decke, grinsend: „Nein, keine Besucher.“ – Mutti und ich schauen uns hilflos an und ich frag L., was sie meint. Sie lacht und sagt, so heißt es, wenn keine Spinnen in den Zimmerecken sitzen. Mutti lacht übers ganze Gesicht, ich auch und kiek, wieder was gelernt, den Spruch kannten wir auch noch nicht!
 
Kurz drauf klingelt L.‘s Handy, sie telefoniert eine Weile im Bad, kommt wieder raus und sagt extra, dass sei ihre Chefin gewesen, mit der muss sie telefonieren. Kiek, so sind die Korrekten. Hätte sie ja nicht erwähnen müssen, aber die Korrekten erwähnen sogar sowas, bevor man denken könnte, sie führt Privatgespräche bei der Arbeit. Was Mutti und ich von L. niemals denken würden. Irgendwie kommen wir noch auf das eigene Alter zu reden und L. fragt mich, ob ich schätzen kann, wie alt sie ist. Mutti schaut mich gespannt an. Ich sag sofort, Mitte dreissig. L. ist 36, keinen Tag älter. L. grinst wie ein Honigkuchenpferd. Nein, 45. – Ich fall vom Rollator, unmöglich, aber L. beteuert, das stimmt und Mutti lacht. Als L. sich dann verabschiedet hat, meint Mutti: „Sie ist eine ganz Besondere!“ Muttis Lächeln dabei, so liebevoll.
 
Weil wir so gut gelaunt sind, überwinde ich mich auch und frag Mutti, ob ich ihr ein Lied vorsingen darf, dass ich die Tage geübt habe. Mutti sofort: „Ja, sing.“ – Also hol ich tief Luft, überwinde mich und singe für sie „Datt Du min Leewsten büst“. Kostet mich schon Mut, weil ich weiß, man kann mich auf dem Flur und im Nachbarzimmer hören, aber ich möchte Mutti das so gerne vorsingen (und hab ja nie Platt gelernt...). Und ihre Mimik belohnt mich. Mutti fängt sofort an zu strahlen. Als ich fertig bin, ist sie ganz beredt: „Das war auch in dem intensivem Liederbuch von Tante E., dass sie meinen Eltern geschenkt hat!“ Erzählt wieder von dem Liederbuch, nennt es ein zweites Mal „intensiv“. Ist so glücklich und fand es schön, dass ich für sie gesungen hab. So richtig mit leuchtenden Augen und so! I love you
 
Dann zieh ich weiter. Muß noch eine Stunde tot schlagen, die Blutergebnisse sind erst ab zehn Uhr beim Arzt und da stellt sich dann heraus, alles gut. Keine Borreliose. Ich soll das Penicillin noch zu Ende nehmen und mich dann nochmal beim Doc melden, aber die Entzündung klingt schon spürbar ab.
 
Hinterher noch mit den Einkäufen noch einmal ins Heim könnte ich dort jeden einzelnen Bewohner umarmen. Bei dem herrlichen Sonnenwetter ist jetzt auch draußen sehr viel los und ich falle vom Glauben ab, als mir Frau H. erzählt, dass sie schon 94 ist. Ich war mir sicher, sie ist jünger als Mutti. Notiz an mich selbst: Alter-schätzen kann ich richtig gut nicht! Wink






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 22 Apr 2018, 04:53    © Aggi
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20180421 Samstagmorgen:
 
So, nachdem ich die letzten zwei heißen Tage in meinen Stiefeln Freischwimmer gemacht habe, fahre ich heute erstmals barfuß in Sandalen und nur mit T-Shirt zu Mutti ins Heim. Die ist dann auch prompt besorgt, ich könnte mich erkälten. ^^
 
„Keine Sorge, Mutti. Das wird noch richtig warm heute!“ – Dann setze ich mich erstmal in Position, Brust raus, Bauch rein, feierliches Gesicht: „Mutti, ich hab heute keine Kosten und Mühen gescheut und bringe Dir liebe Grüße aus der Schweiz mit!“ Mutti staunt. Ich erzähle ihr ja öfter vom „Internet-Forum“ und diesmal richte ich die lieben Grüße von Therese aus. „Mutti, ich schwör Dir. Käme Therese jetzt spontan hier zu uns rein, Du würdest Sie auf Anhieb mögen!“ Mutti prompt (*gg* sonst wär sie nicht meine Mutti!): „Ich kenn sie doch gar nicht.“ Selbst jetzt beim Schreiben muß ich noch Grinsen. Mutti kann ja man soooooo skeptisch sein, aber bei ihrem Leben wundert mich das nicht.
 
Doch ich erzähle ihr mein Bild von Therese und Mutti freut sich doch, für mich und über die Grüße.
 
Dann fragt sie mal wieder selbst, ob’s heute gar kein Brot gibt? Sofort mache ich mich auf den Weg. Kann unterwegs noch bunte Klebebänder verschenken, die ich neulich in einer Schublade fand und die ich warum auch immer mal gekauft hab. Die Schwester betreut die mobile Demenz-Gruppe und weiß sofort, wofür sie das gebrauchen kann, zählt auf: „Karneval, Silvester, Party…“ (alles Mögliche, ich freu mich, dass ich die Bänder nicht weggeworfen hab und sie noch einen Zweck finden).
 
Mutti hat auf dem Tablett wieder anderthalb Scheiben Brot, die sie zu meinen Erzählungen genießt. Alldieweil berichte ich, wie ich Vortags in der Mittagshitze den Rasenplatz im Vorgarten abgeharkt hab. Mit zwei langen Pausen, weil ich kurz vorm Kreislaufkollaps war. Und beschreibe die Mondkraterlandschaft, sieht jetzt aus wie eine Mischung aus Mondlandschaft und Wüste Gobi. Aber ich hoffe auf den kommenden Regen. Mutti seufzt am Ende: „Ich würde auch gerne mal wieder im Garten arbeiten!“
 
Das nehme ich zum Anlass, wie öfter zu fragen, ob sie nicht mal mit mir nach draußen möchte? Ganz schnelles „Nein!“. Ich glaube so langsam, ich könnte mich auch auf den Kopf stellen, ich gehe ja gar nicht plump vor, taste mich da ran, geht ja nicht so schnell, wie ich hier schreibe. Aber Mutti will nicht raus. Ums Verrecken nicht. Egal in welcher Form. Und das muss ich respektieren. Auch wenn ich manchmal davon träume…
 
Dann kommt unsere liebe „Sr.“ L., sagt grinsend zu uns beiden, sie geht mal eben Duschen! ^^
 
Heute ist Bad-schrubben dran. Aber sowas von energisch. Mutti hatte ich beim Klönen auf ihre schönen Kindheitserinnerungen am „Teufelssee“ (Pommern) gelenkt und während Mutti davon erzählt, hält sie zwischendurch ein paar Mal inne, weil sie das Geschrubber von L. nebenan im Bad nicht richtig einordnen kann. Dann übersetze ich halt: „Jetzt zieht sie grad mit diesem Gummilippe-Dings den Boden ab, das quietscht grad so.“ usw.
 
Vom Teufelssee in Pommern existieren noch alte Schwarzweiß-Aufnahmen, Oma mit ihren fünf Kindern und Hund und noch wer am Teufelssee, baden gehen. Wunderschöne Erinnerungen für Mutti. Sie beschreibt mir den langen Obstkorb, den Oma dann immer mitnahm. Vollgefüllt mit Tomaten aus dem eigenen Garten. „Davon hatten wir immer so viele!“ Der Korb war oft schon leer, wenn sie am Teufelssee angekommen war. Mutti macht mir vor, wie sie sich die Tomate vorm Essen einmal am Kleid so an der Brust saubergewischt hat und grinst verschmitzt. Und ihr Papa, Opa, ist zum Reusen auslegen mit dem Kahn über den See gefahren. Davon hatte ich bislang noch nie gehört.
 
Kostbare Brocken aus der Vergangenheit, die sich hier und da für mich eröffnen.
 
Als ich nach dem Besuch wieder zuhause bin, erwähnt mein Mann, dass er bei seinem letzten Besuch schon sehr erschrocken war, wie Mutti aussah. Jo, er kommt viel seltener vorbei, dann sieht man die Unterschiede zu vorher viel krasser. Aber so etwas wie diese Erinnerungsbrocken mal hier und mal da – unbezahlbar! Und oft habe ich das Gefühl, Mutti sieht für mich tag um tag bald jünger aus statt älter. Gefühlt tausend Jahre habe ich in Mutti immer nur Mutti gesehen. Oft, zu oft sehe ich jetzt das kleine Mädchen und das ist eine Bereicherung – mit Gold nicht aufzuwiegen.
 
Natürlich ist und bleibt sie meine Mutter. Aber jede Frau ist doch viel mehr als nur eine Mutter. Genauso auch ein Mädchen, eine Tochter, ein Kind … Und ich musste erst über 50 werden, um das in ihr zu sehen. I love you






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 22 Apr 2018, 13:29    © Aggi
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20180422 Sonntagmorgen:
 
Als ich kurz vor acht am Heim ankomme, sitzt schon im Innenhof vorm Haupteingang eine ältere Dame im Rollstuhl draußen und genießt den Sonnenschein. Sie grüßt mich schon von weitem, ich grüß zurück und sehe im Näherkommen, dass ihr grad ihre Perlenkette vom Hals rutscht. Klar mache ich ihr den Verschluss wieder fest, während sie mir strahlend erzählt, so einen schönen April mit Temperaturen über 30 Grad hätte sie schon seit dreißig Jahren nicht mehr erlebt. Darauf erzähle ich, dass meine Mutti noch einen 10.Mai erinnert, wo es geschneit hatte. Da lacht sie und erzählt, sie hätte das auf einem 23ten Mai erlebt. Tags zuvor seien sie noch mit mehreren zum Friedhof, die Gräber neu schmücken und als sie am nächsten Tag wach wurde, war doch tatsächlich alles weiß. Da hätte sie sich sofort auf ihr Fahrrad geschwungen, aber leider waren alle neu gesetzten Pflanzen erfroren. – Unglaublich, das kurz vor Juno!
 
Bei Mutti ist die Wäsche schon durch und Mutti freut sich, mich zu sehen. Fragt wie so oft, wie es mir geht. Ihr selbst, meint sie, geht es gut. Ich erzähle von meinem Kreislaufzusammenbruch Vortags: „Du Mutti, dabei hab ich doch mal gelernt, ich soll nicht schwindeln!“ Kann aber gleich Entwarnung geben, heute geht’s mir wieder gut und es muss wohl an dem Penicillin liegen, bin halt doch eine zarte Harte.
 
Dann fragt Mutti, ob es heute wohl Frühstück gibt? Einer wäre schon los, um zu fragen. Sie glaubt, es war der Kl.Bruder. Ich sag, ich geh mal gucken, ob ich was finde und während ich aufstehe, fragt sie, ob ich ihren Mann gesehen hab. Sag ich, Du, ich bin im Moment grad hier bei Dir, mehr hab ich heute noch gar nicht gesehen. Das passt dann.
 
Im Dienstzimmer steht auf Muttis Tablett heute Morgen mal wieder die dicke Kumme mit Milchsuppe. Ich wunder mich über gar nichts mehr. Aber während Mutti frühstückt, stelle ich fest, dass sie echt nicht mehr das Brot auf dem Teller sieht. Einmal meint sie selbst, als sie den Teller das zweite Mal anhebt, um zu schauen, wo was liegt, sie würde besser „braunen Spaghetti-Käse“ bestellen. – Ja, damit sie das Brot besser sehen kann. Die Teller sind grundsätzlich weiß, mit kleinem Muster an einer Randseite. Nicht Demenz- oder Sehbehindertentauglich, das habe ich schon oft gedacht. Ich muss mal fragen, ob die auch braune oder bunte Teller haben.
 
Als Mutti mit dem Frühstück fertig ist – also mit den anderthalb Scheiben Brot, ist sie auch pappsatt. Keine Chance für die Milchsuppe, die ehrlich gesagt auch nicht gut aussieht. Irgendwie flockig.
 
Ich kämme Mutti noch die Haare mit dem Zackenkamm, ich glaub, den Bogen hab ich jetzt raus, denn Mutti lobt mich hinterher!
 
Dann kommt die Küchenkraft, ob wir schon fertig sind. Ja, sind wir. – Ob auch die Milchsuppe? Antworte ich, nein, Mutti sei nach dem Brot schon super-satt gewesen. Sagt die Küchenkraft, die sollte Mutti gestern Abend essen, stand auf dem Zettel, hat Mutti aber nicht. Darum hat sie die heut früh für Mutti noch mal warm gemacht. – Denk ich, ach darum sah die Suppe so „krank“ aus. Mutti und ich grinsen einfach nur, während sie wieder rausgeht. Als die Tür zu ist, müssen wir beide lachen.
 
Ich mutmaße laut: „Schätze, Mutti, wir müssen jetzt wieder erst zehnmal die Milchsuppe unberührt zurückgehen lassen, bis da einer merkt – OH, FRAU D. MAG DIE WOHL NICHT?!“ – Mutti lacht sich scheckig. – Jo, inzwischen ärgern wir uns nicht mehr. Wir Frauen lassen uns nicht diktieren, was wir essen müssen! Mutti strahlt von einem Ohr zum andern und stimmt mir zu.
 
Aber falls ich dran denke, rede ich Montag nochmal mit einer Pflegefachkraft, warum jetzt wieder Milchsuppe, bleibt ja eine Verschwendung. Und wär ja mal eine Frage, ob die außer Wackelpudding und Milchsuppe nicht sonst noch was aus dem Ärmel zaubern können. Immer dieses Schema-F-Denken ist doch schal und wenn es den Küchenkräften obliegt, das Essen zu überwachen, läuft da was falsch, schliesslich bin ich jeden Morgen da.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 23 Apr 2018, 16:17    © Aggi
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20180423 Montagmorgen:
 
Zehn vor acht im Heim ist bei Mutti die Wäsche schon durch. Mutti liegt entspannt im Bett, strahlt mich an und freut sich, dass ich „doch noch“ komme. Sag ich lächelnd, Du, es ist zehn vor acht, das ist doch so meine Zeit, wo ich immer komme. Meint Mutti, ach … das Zeitgefühl geht auch verloren. Lächelt aber dabei und freut sich jedenfalls, dass ich da bin!
 
Ich beschreib erstmal, wie ich gestern Abend noch wie Bauer Harms mit dem Eimer unterm Arm die Rasen gedüngt habe vor dem Gewitterregen und danach gemerkt hab, dass mein linker Arm echt nicht trainiert ist, einen 10-Kilo-Eimer zu tragen. „Echt, jetzt hab ich doch glatt Muskelkater, Mutti. Aus mir wird wohl kein Bauer!“ Mutti muss lachen. Vor allem, weil ich gestern gelernt hab, dass ein 10-Kilo-Sack Dünger tatsächlich auch 10 Kilo wiegt, also nee nee nee … ^^
 
Mutti merkt ja, dass mir dergl Gartenarbeit Spaß macht und freut sich immer über diese Geschichten.
 
Dann klopft es und Elisabeth kommt zu Besuch. Ob ich heute einkaufen gehe? Wenn nicht, muss nicht sein?! – Klar geh ich noch Einkaufen. Beim Einkaufszettel vervollständigen beziehe ich immer wieder Mutti mit ein, die die Abwechslung sichtlich genießt und viel lacht. Wer kriegt schon Einkaufszettel, wo oben steht „Guten Morgen liebe Aggi“ und unten „Danke Elisabeth“?!
 
Als wir am Ende überlegen, ob Elisabeth vielleicht nackt schläft, kullert Mutti vor Lachen beinahe aus dem Bett. Mit Elisabeth kann ich so flachsen, Mutti kennt meinen Humor und eigentlich ging es um die Frage, ob Elisabeth Mutti noch welche von ihren vielen überzähligen Nachthemden schenken kann.
 
Danach geh ich erstmal los das Frühstückstablett holen und muss grinsen: Liest hier wohl wer vom Heim mit? Heuer keine Milchsuppe, dafür eine Banane! Ausgezeichnet!! Plus eine Schale Kompott und wie immer Muttis Brot.
 
Mutti isst wie immer zuerst das Brot, danach lässt sie sich auch noch die Banane schmecken, die ich ihr in kleine Stücken auf den Teller gelegt hab. Sie braucht zwar immer öfter Aufforderungen ("Du, da liegen jetzt noch fünf Stücken Brot." dann schieb ich immer eins in Richtung ihrer Hand, damit sie sich auch anhand der Bewegung orientieren kann. Oft ist sie dann erstaunt: "Tatsächlich? So viel noch?" Greift aber selber zu, also hat sie auch noch Appetit.) Ich freu mich so! In den zwei Jahren nach ihrer großen OP noch zuhause mochte sie insgesamt glaube ich nur zweimal in zwei Jahren Banane essen und von den zweien auch nur jeweils die Hälfte. Momentan genießt sie die richtig.
 
Während Mutti ihre Banane isst, schnupper ich noch am Kompott, der sich dann als Erdbeermarmelade herausstellt. Ich tippe mal auf ein Versehen, macht nix, ich verseh mich ja auch andauernd mit allem möglichem.
 
Mutti ist gutgelaunt, pappensatt und ich zieh dann noch ins Dorf, Einkäufe erledigen. Als ich mit dem Einkaufskorb mit Elisabeths Sachen aus dem Wagen steige, kommt mir grade der patente Heim-Gärtner entgegen, da kann ich den direkt noch fragen, ob er ein Mittel gegen mein „Giersch“-Beet weiß. Es beruhigt mich schier, dass auch er als Gärtner sofort seufzt und sagt, dasselbe Problem hat er in seinem eigenen Garten. Wenn ich keine Blumen oder Pflanzen mit im Beet hätte, könnte ich abwarten, sein Sohn soll von einer Gärtnerei einen Tipp mit Gift bekommen, würde er mir dann sagen, wenn er weiß, wie das heißt. Ich bin begeistert, weil meine eigene Lösung – Dynamit – so schnell wohl nicht von mir realisiert wird. Eher kippe ich Zement auf das Beet, aber Mutti meinte, wenn ich Pech hab, wächst mein Giersch da auch durch…
 
Dann noch kurz zu Mutti. Erzähle ihr vom Gespräch mit dem Gärtner. Das erinnert sie wieder an Pommern, wo ihr Papa, der Förster, ein Mittel gewusst hatte gegen den Giersch. Leider war das Frühjahr, wo sie gesehen hätte, ob es was gebracht hatte, das Frühjahr nach der Flucht … da waren sie dann nicht mehr da.

Und noch ein Nachtrag: Hab vorhin noch für Elisabeth Hörgeräte-Batterien gegogglet und bestellt. Ist ja auch eine Wissenschaft für sich und vor allen Dingen war ich sprachlos, wie kurz die Dinger nur halten. Elisabeth war heute morgen total am Schimpfen, weil die letzte nur 2 Tage gehalten hatte, aber ich glaube, ich kann ihr jetzt noch einen Tipp geben und hab hoffentlich gute Ersatzbatterien bestellt. Notiz an mich selbst: Wenn ich groß bin, verzichte ich auf ein Hörgerät...






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 23 Apr 2018, 17:17    © gisela
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Zitat :
Elisabeth war heute morgen total am Schimpfen, weil die letzte nur 2 Tage gehalten hatte,

eigentlich halten so Batterien 7-10 tage .
wichtig ist aber, dass das batteriefach am hörgerät , wenn es nicht getragen wird
etwas geöffnet wird und dadurch der kontakt unterbrochen ist.
sonst laufen die dinger tag und nacht, und dann sind Batterien na klar schnell alle.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 23 Apr 2018, 20:15    © felixx
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Hörgeräte, schwieriges Thema in Pflegeheimen.
Mutti hätte eigentlich auch welche, aber das Gefriemeln mit dem Einsetzen lohnt nicht, sie puhlt sie eh wieder raus und eines habe ich mal aus der Suppentasse gefischt..... 🙄
Und bei den Hörgeräte Spezialisten sind die Batterien so teuer, als ob die sie Von der Mafia beziehen!
Hast du genau richtig gemacht, im Internet zu bestellen.






Nur weil es gerade schwer ist, darfst du nicht gleich aufgeben.
Es wird nicht einfacher, wenn du davor wegläufst.
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 24 Apr 2018, 06:35    © Aggi
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Liebe Gisela,

gisela schrieb:
eigentlich halten so Batterien 7-10 tage .

*gg* Gestern, als Elisabeth am Schimpfen war, dachte ICH noch, die müssten wenigstens ein Jahr halten...  Shocked
Hatte also minus-Null-Ahnung! ^^

gisela schrieb:
wichtig ist aber, dass das batteriefach am hörgerät , wenn es nicht getragen wird
etwas geöffnet wird und dadurch der kontakt unterbrochen ist.
sonst laufen die dinger tag und nacht, und dann sind Batterien na klar schnell alle.

Kiek, das mit dem Öffnen wusste ich auch noch nicht, hab Elisabeth grad ihren Beleg ausgedruckt, da hatte ich jetzt nur die Tipps drauf mit der Aktivierung (2 min. an der Luft lassen vor dem Einlegen) und Tipps zur Lagerung und Co., halt, was ich von Onkel Google erfahren hab. Deinen Tipp schreib ich jetzt noch dazu. Schlimmstenfalls weiß Elisabeth das alles schon, aber freut sich bestimmt, wenn sie merkt, das ich und andere sich Mühe machen.

Dankeschön, liebe Gisela!  rose


Und liebe felixx,

felixx schrieb:
Hörgeräte, schwieriges Thema in Pflegeheimen.

Jau, in Elisabeths Fall aber zum Glück nur das Einkaufen. Sie ist ja ansonsten geistig fitter als ich!  Laughing

felixx schrieb:
Und bei den Hörgeräte Spezialisten sind die Batterien so teuer, als ob die sie Von der Mafia beziehen!
Hast du genau richtig gemacht, im Internet zu bestellen.

Jau, das war auch meine Denke. Hab jetzt 10 x 6 Stück für 16,38 Euro bestellt und das waren die teuersten. Die auch nur, weil ich gegooglet hatte, das Duracell und Powerone in welchem Test auch immer am besten abgeschnitten hatten. Elisabeth hatte mir eine 6er Schachtel von Panasonic mitgegeben, damit ich weiß, was sie braucht und Panasonic hatte nur ein "befriedigend" in diesem Test.  achselzucken

Drück mir die Daumen, dass ich keine Montagscharge erwischt hab ... Elisabeth ist ja tag und nacht mit ihrem Küchenmesser bewaffnet ... pale

*gg*

War jedenfalls mein erster Ausflug in dieses Thema, wieder was gelernt, wenn das so weitergeht, komm ich im August vielleicht in die nächste Klasse?!  hops

Euch beiden einen schönen Dienstag,
Aggi






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 24 Apr 2018, 12:44    © Aggi
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20180424 Dienstagmorgen:
 
Kurz vor acht im Heim leg ich noch rasch meinen Brief für Elisabeth in ihr Postfach – echt mal ein Tag, ohne dass ich meine gute Seele sehe. Aber im Brief steht, dass ihre Hörgerätebatterien unterwegs sind. Elisabeth weiß dann schon Bescheid.
 
Bei Mutti ist die Wäsche schon durch. Mutti wirkt matt heute Morgen. Aber meint, ihre Nacht war gut. Sie wacht halt immer früh ein, weil sie auch früh einschläft. „Geht mir doch genauso, Mutti.“ Ich bring sie zum Lächeln, indem ich erzähle, dass mein Mann sich immer noch wundert, dass ich so früh aufstehe, obwohl er doch weiß, wie früh ich ins Bett gehe. Und Mutti hat gut geschlafen. „Hast Du heute wohl Deinen Montag!“ Ja, stimmt Mutti lächelnd zu.
 
Als ich wegen Frühstück frage, meint sie mal wieder, ob das nicht schon dagewesen sei. Aber kein Problem, dass ich mal gucken gehe. Manchmal zuckt mir durch den Kopf, böse Menschen könnten demente Angehörige so einfach verhungern lassen… einfach zustimmen und bestätigen, ja, Du hattest ja schon Frühstück … Notiz an mich selbst: Nicht so viele Horror-Filme gucken!
 
Heute gibt’s eine Scheibe Brot, die Mutti nur mit Schwierigkeiten schafft. Die Koordination fällt ihr heute sehr schwer und bei den letzten fünf Stücken muss ich bei jedem Stück erinnern und fast bei jedem Stück weiß Mutti nicht so recht, ob sie überhaupt noch mag. Da sie dann aber doch noch den Mund aufmacht, fütter ich halt die letzten Stücke. Immer mit abwarten, ob sie auch wirklich will.
 
Mutti hustet heute aber auch arg. Als ich komme, noch vor dem Frühstück schon eine Attacke, wo sie dann auch ganz rot im Gesicht ist, einen Moment hab ich sogar Angst, dann ist aber gut.
 
Und während und nach dem Frühstück. Darum biete ich ihr mal wieder eine Lakritzscheibe an. Auch dazu hat Mutti keine richtige Meinung wie sonst. Also klapper ich mal mit dem Glas, beschreib die Scheiben und dann nimmt sie auch eine in die Hand und in den Mund. Die helfen eigentlich immer ganz gut.
 
Auch der Schwester, die reinkommt, das Tablett abholen, fällt gleich auf, dass Mutti heute müde ist. Ich häng noch wieder Nachthemden auf Bügel und lasse Mutti dann ruhen. Vielleicht liegt es ja auch nur am Wetterumschwung, keine Ahnung. Die Batterien für Elisabeth sollen heut Mittag kommen, dann fahr ich heut Nachmittag nochmal ins Heim.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 25 Apr 2018, 12:15    © Aggi
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20180425 Mittwochmorgen:
 
Gestern war ich nachmittags zur Kaffeezeit nochmal im Heim, Elisabeth die Batterien bringen. Sie hat sich so gefreut und als ich scherzte, ich hätte schon Angst, diese jetzt taugen auch nichts: „Wo ich doch weiß, dass Du ein Küchenmesser hast!“ grinst Elisabeth: „Ich hab sogar mehrere!“ Cool
 
Elisabeth hat mich dann noch gefragt, ob ich ihr heute Abend ausnahmsweise mal eine Pommes Rot/Weiß für ihren Mann mitbringen kann, er könne das Brot schon nicht mehr sehen. Ich kann nicht nein sagen – ihr Mann ist so krank und bettlägrig, ich an ihrer Stelle würde mich auch dumm und dusselig freuen, täte mir einer so einen Gefallen.
 
Hab bei Mutti dann noch die Kaffeezeit verbracht, die sich sicher war, die sei schon gewesen. Aber dann kam eine Schwester mit einem schönen Tablett mit einem Stück Streuselkuchen und leckerem Milchkaffee, so hatten wir noch eine schöne Kaffeezeit.
 
Heut früh kann ich Elisabeth dann auch sagen, dass ich einen Laden im Dorf gefunden hab, wo es noch Pommes gibt – echt, wo sind die guten alten Pommesbuden hin?! achselzucken
 
Und weiter zu Mutti, die heute etwas klarer ist. Weil der Himmel bedeckt ist, kann ich mal wieder alle Gardinen aufziehen und Mutti von meinen Plänen im Garten berichten. Mit dem Regen heute und morgen kann ich jetzt die kahlen Rasenstellen nachsähen und die Büsche umpflanzen, darauf freue ich mich schon. Bringe Mutti dann zum Lachen, indem ich ihr vormache, wie ich vermutlich nach einer Stunde aussehe – das heulende Elend: „Rööööbääääh! Ich bin nicht die Tochter meiner Mutter, ich hab keine Ausdauer…“.
 
Zum Frühstück meint Mutti auch wieder, da war doch schon wer los und versucht, sich zu erinnern, aber bevor das zu anstrengend wird, kann ich sie wieder ablenken, ich würde halt mal gucken gehen.
 
Heute gibt’s anderthalb Scheiben Brot, aber zu groß geschnitten, ich schneide noch mundgerecht nach. Mutti braucht immer länger zum Essen, schafft aber den ganzen Teller. Danach kämme ich ihr noch die Haare, weil ich so viele Vogelnester sehe und Mutti lächelt am Ende, sie würde immer noch mit mir Reden – trotz Kämmen! Ich glaub sogar, sie geniesst es, ich kämm ja nicht nur, hat irgendwie was von Streicheleinheiten.
 
Süß auch die Momente, wo ich sie mit lustigen Geschichten von meinem Mann zum Lachen bringe, wie sie dann sogar wie ein kleines Mädchen lachend ihr Gesicht im Kissen versteckt – einfach nur herrlich! Laughing
 
Natürlich hab ich Mutti auch gefragt, ob sie heut abend auch Pommes (oder was anderes) mitgebracht haben möchte, aber sie wehrt gleich ab, dergl sei ihr zu scharf. Aber ich sag, ich schau dann heut Abend nochmal rein und Mutti wie so oft: „Wenn Du aber was anderes vorhast, musst Du nicht kommen.“ – Wie immer kann ich lachend abwehren. „Oder hast Du genug von mir?“ Da muss Mutti richtig lachen, nein, so nun auch nicht. Und da bin ich dann ja beruhigt! schweissabwisch






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 26 Apr 2018, 10:48    © Aggi
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20180426 Donnerstagmorgen:
 
Was man morgens bei Ankunft am Heim gar nicht sehen möchte: Wie der Rettungswagen eintrifft, im Gefolge der Notarzt und alle eilig den Flur zur eigenen Mutter hochmarschieren…
 
Meine Herzklopfen werden dann auch nicht weniger, als ich sehe, dass sie nicht zu Mutti sondern gegenüber zu Frau H. gehen … mein Gott, die Arme, was ist da nur los?!
 
Mutti hat von alldem nichts mitbekommen und freut sich, mich zu sehen. Und ich quassel erstmal wie ein Wasserfall – merke ich am Ende selbst. Hat mich ja doch sehr aufgewühlt, das morgendliche Blaulicht. Erzähl ich auch Mutti, auch, warum ich heute so quassel, aber Mutti ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Sie lächelt mich an - mein Fels in der Brandung! I love you
 
Mutti freut sich erstmal aufs Frühstück. Anderthalb Scheiben Brot und ein Waldmeister-Wackelpudding mit Vanillesoße. Während Mutti ihr Frühstück genießt, erzähl ich ausführlich, wie ich gestern erfolgreich bei uns die Büsche versetzt und die Rasensaat ausgebracht hab. „Und als ich grad fertig war und die Gartengeräte verstaute, da setzte der der erste Regenschauer ein. Wie bestellt, besser ging’s gar nicht!“ Mutti freut sich mit mir und meint, aus mir wird nochmal ein richtiger Gärtner. Ich setze das Gärtnern dann auch gleich bei ihr fort. Die Schnittblumenvase hält sich jetzt seit ich glaube zweieinhalb Wochen. Das muss daran liegen, dass die Blumen nur Mineralwasser bekommen, einfach unglaublich. Ich stell die Vase immer zu Mutti auf den Esstisch, damit sie zuschauen kann. Und dann die Topfblume, die inzwischen so hohe neue Triebe hat, dass ich Mutti frag, was sie davon hält, den Topfrosen die Freiheit zu schenken. „Du könntest die Pflanze dem Heim stiften, dann könnte die draußen im Garten noch ein schönes Leben führen?!“ Das findet Mutti eine gute Idee. Sonst müsste ich noch ein Rankgestänge besorgen, so hoch schießen die neuen Triebe inzwischen.
 
Und die ganze Zeit frage ich mich, was ist jetzt mit Frau H.? Ich mach mir ernsthaft Sorgen, die lieben Leute hier im Haus sind mir richtig ans Herz gewachsen und von Frau H. weiß ich, dass sie niemanden hat, der sich kümmert…
 
Mehr als die anderthalb Scheiben Brot schafft Mutti aber nicht. Ich biete wie immer auch den Wackelpudding an, aber Mutti verzieht gleich das Gesicht. Nachher kommt die Küchenkraft und meint von sich aus, als sie das Tablett abholt, den Wackelpudding könne man wohl auch weglassen. Wäre natürlich gut wegen der Flüssigkeitsaufnahme... Jo, sag ich, aber funktioniert morgens nicht. Sei aber lieb gemeint.

Dann nehm ich noch mal das Haaröl zur Hand, Mutti hat wieder ein hartnäckiges Vogelnest im Haar, mit dem Öl krieg ich das mit den Fingern gut entzuselt und Mutti stressfrei gekämmt. Am Ende frag ich sie, ob sie noch mit mir spricht (als Rückversicherung, dass das Kämmen nicht schlimm war). Mutti grinst von einem Ohr zum andern, natürlich spricht sie noch mit mir! Laughing
 
Nach unserer Stunde klopfe ich noch bei Muttis Zimmernachbar an, gestern hatte ich ungewollt mitbekommen, dass der Neffe, der fast täglich kommt, heute Geburtstag hat. Ich will wenigstens gratulieren. Wir sitzen ja alle im gleichen Boot und diesem Neffen begegne ich ja auch andauernd und sein Onkel ist so ein lieber. Also „Klopf, Klopf“ und beider Männer sind bass erstaunt über meinen Besuch und dann freut sich der Neffe total und sein Onkel erinnert sich gleich, dass Mutti ihm zu seinem Geburtstag auch was geschenkt hat. Er weiß auch noch, dass Mutti ihr Zimmer nicht verlassen kann. Beide fragen nach, wie es Mutti geht. Der Besuch dauert gar nicht lange, hat mir aber selbst auch Spaß gemacht. Man muss gar nichts schenken, um eine Freude zu machen.
 
Zum Schluss noch in den Frühstücksraum für die dementen Bewohner, da treffe ich Sr. A., die ich gesucht hatte. Mit am Tisch sitzen zwei ganz junge Mädels. Ich scherze: „Die Angestellten werden aber auch immer jünger.“ Und Sr. A. scherzt zurück: „Ja, die kann man ja auch nicht früh genug anlernen.“ Den Vorschlag, Muttis Topfrosen im Garten einzupflanzen findet Sr. A. gut, hat gleich schon eine Idee, wo und wie. Freut sich.
 
Und dann zuhause ruft noch eine Nachbarin aus dem Heimatort an, möchte Mutti heute besuchen, ob es wohl passt. „Und ob, Mutti wird sich sehr freuen!“ – Whow, nach dem Schreck in der Morgenstunde entwickelt sich alles so schön, eigentlich könnte ich jetzt ins Bett gehen, besser kann der Tag ja gar nicht mehr werden. ^^






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 26 Apr 2018, 22:26    © Amelu
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Liebe Aggi,

immer wenn ich Deine Beiträge über die zauberhaften Stunden von Dir und Deiner Mutter lese (und dabei das so liebenswerte Foto Deiner Mutti vor Augen habe), kommt ein heller und warmer Sonnenstrahl in mein Herz. 

Carpe diem - Carpe horam! 

Das ist das Vermächtnis meiner Mutter an alle hier und meinen Gefühl nach besonders an Euch Beide!



Eva
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