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 Sohnesliebe

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Toons
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BeitragThema: Sohnesliebe
So 02 Sep 2018, 19:16    © Toons
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Hallo zusammen,
viel Erfahrung habe ich ja noch nicht im Umgang mit Demenzkranken. Ich versorge jetzt seit einem halben Jahr meine Mutter. Ich bin jeden Tag bei ihr. Sie ist einerseits noch ziemlich selbstständig was Haus- und Gartenarbeit angeht. Andererseits bringt sie Dinger, die spotten jeder Beschreibung. Sie hat ihre Alltagskompetenz in Bezug auf sehr Vieles verloren. Aber das Schlimmste ist für mich ihre Unkooperativität im Verbund mit einer geradezu sagenhaften Sturheit. Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass das Krankheitsfolgen sind und keineswegs Details ihres Persönlichkeitsinventares.

JETZT sind sie aber mittlerweile Teil ihres Persönlichkeitsinventares. 

Ich habe aber nicht soviel Distanz, dass diese ihre zahlreichen Abstrusitäten mich nicht tangieren. Im Gegenteil, sie machen mich wütend. Ich merke, dass ich aggressiv gegenüber meiner Mutter werde. Meine gesamte Einstellung meiner Mutter gegenüber hat sich geändert, nicht zum Guten. Die Sohnesliebe ist futsch. Ich schreibe das Folgende ganz bewusst und hoffe, dass das niemand in den falschen Hals bekommt: Meine Mutter ist für mich nur noch die Alte, die zunehmend gaga wird und die gegen mich und meine gutgemeinten Maßnahmen agiert.

Sie hatte schon einmal einen leichten Herzinfarkt. Ihr braucht sicherlich nicht allzu viel Phantasie um zu erahnen, welche Gedanken mir im Kopf herumgehen.

Manchmal wünsche ich mir, dass es noch einmal einen Infarkt gibt und dass es dann eben vorbei ist. Ich hoffe allerdings, dass nicht ich es bin, der diesen Infarkt bekommt.

Bis denn

Toons
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soda1964
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
So 02 Sep 2018, 20:29    © soda1964
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Hallo Toons

es ist unsagbar schwer, die Veränderungen einer Person, die an Demenz erkrankt ist, anzunehmen und auszuhalten. 
Vieles läuft nicht mehr bewusst ab, auch wenn es sich in der Situation als bewusste Handlung/Äusserung anfühlt.
Toons schrieb:
Meine Mutter ist für mich nur noch die Alte, die zunehmend gaga wird und die gegen mich und meine gutgemeinten Maßnahmen agiert.

Das sind harte Worte. Hier findest du viele Informationen und Berichte, die dir helfen können, die Demenz besser zu verstehen und ein bisschen zu lernen, "Distanz" zu wahren... Nicht leicht, ich weiss ...

Und viele kennen das Gefühl und den leisen Wunsch, es möchte doch einfach ein Ereignis eintreten, das dem ganzen "Horror" ein Ende macht...

Schreib einfach hier, wenn dir danach ist. Das hilft die Gedanken zu sortieren. Du bist nicht allein mit deinem Erleben.

Liebe Grüsse






Therese

Die wichtigsten Dinge im Leben sind keine Dinge.
unbekannt



Die wahre Lebenskunst besteht darin, im alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
Pearl s. Buck
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Toons
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
So 02 Sep 2018, 20:59    © Toons
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Zitat :
Das sind harte Worte.
In der Tat - und ich hätte noch vor sechs Monaten nicht geglaubt, dass ich zu so einem Wort in Bezug auf meine Mutter fähig wäre.
Zitat :
"Distanz" zu wahren...
Ja, Distanz wahren einerseits, Distanz zu allem, was ihr erkranktes Gehirn so alles ausbrütet. Aber bitte keine Distanz zur Person, es ist meine Mutter, die Verantwortung bleibt mir erhalten.

Zitat :
Und viele kennen das Gefühl und den leisen Wunsch, es möchte doch einfach ein Ereignis eintreten, das dem ganzen "Horror" ein Ende macht...
Danke für diesen Kommentar! Schön zu sehen, dass so etwas nicht nur in meinem Kopf herumspukt.

Bis denn,
Toons
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Belle
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
Mo 03 Sep 2018, 19:59    © Belle
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Lieber Toons!

Eine schlimm anstrengende Zeit und Herausforderung in der du da kopfüber drinnen steckst. Es wird nicht besser werden, aber diese besagte Distanz kann aufgebaut werden. Eben diese Distanz die dir hilft, all diese Unzulänglichkeiten gelassener zu sehen. Es ist kaum vorstellbar, vor allem nicht in der Phase des Zorns, denn da ist die Emotion an erster Stelle und nichts, aber auch garnichts kann dich dann besänftigen. Ich fühlte mich zeitweise auch wie ein brodelnder Kochtopf und dieser ständige Druck bereitet auch tatsächlich Schmerzen. Daher finde ein Ventil, schreie, mach irgendetwas um den Druck abzubauen. Es hilft wirklich, die Distanz zum "Horror" wird größer und dann bemerkst du auch die Möglichkeiten, die sich dir eventuell bieten um erstens deiner Mutter in ihrer Situation zu helfen, aber auch dir Unterstützung in deiner Lage bieten. Jede Hilfe ist entlastend. Jede, auch wenn sie noch so unbedeutend scheint. Jener eine Moment wo diese Hilfestellung das Wichtigste für dich und deine Mutter sein wird, kommt. Es ist immer schwierig irgenwelchen Rat zu geben, dazu sind all unsere Situationen zu speziell, zu individuell, aber eines ist ganz sicher - hier bist du nie alleine - und auch das hilft sehr viel!!!! Hau hier alles rein, denn nur wer in der pflegenden Situation steckt, kann Verständnis für diese immense Schwierigkeit aufbringen und den Wahnsinn verstehen. Weil wir alle diesen Wahnsinn auch leben. 
Alles Liebe, Belle
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greenwood.66
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BeitragThema: Liebe und Hass!
Mi 05 Sep 2018, 09:51    © greenwood.66
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Liebe und Hass stehen sich sehr näher,als viele Menschen denken und ich habe gelernt,das der Umgang mit demenziell erkrankten Menschen bedingungslose Liebe erfordert,die eigentlich zwischen erwachsenen Menschen nichts zu suchen hat.
Darum halte ich Angehörige oft für die falschen Pflegenden,es sei denn,sie sind bereit,zu lernen.
Ich habe oft ?"Ohnmachtssituationen" erlebt,wenn meine Mutter sich selbst gefährdet,jede Hilfe verweigert,jeden Rat ablehnt.
Ich kniete weinend vor ihr,flehte sie an,ihr Asthmaspray zu benutzen,machte es vor,hatte Angst ,sie würde kollabieren,bettelte,forderte,versuchte,zu verführen,!!bedrohte,nötigte,übte Gewalt aus ,sass heulend vor Entsetzen über mich in unserer Küche,wollte unser beider Leben beenden.


Es ist für Angehörige schwerer,diesen Menschen zu begleiten,als für Profis,da man nur begleiten ,tolerieren,unterstützen und beschützen kann,aber nicht fordern,erziehen oder erklären .

Aber ich bin diesen Weg bis zum Ende mitgegangen und meine Mutter ist in meiner Wertschätzung noch gestiegen, hat mich in die Lehre genommen und mir sehr viel gegeben.

Erkenne deine Grenzen, suche  Hilfe und auch die Entscheidung:"Ich schaffe,kann das nicht",ist nicht verwerflich,sondern sehr menschlich.
greenwood.66
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Belle
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
Mi 05 Sep 2018, 19:17    © Belle
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greenwood.66 schrieb:
bedingungslose Liebe erfordert,die eigentlich zwischen erwachsenen Menschen nichts zu suchen hat.
Warst du denn nie über beide Ohren verliebt????? scratch
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greenwood.66
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BeitragThema: Bedingungslose Liebe!
Do 06 Sep 2018, 07:34    © greenwood.66
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Lies:Erich Fromm,"Die Kunst des Liebens",deine Antwort ist abs.Quatsch,für einen erw.Menschen.
A.Grünewald
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Toons
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
Do 06 Sep 2018, 19:27    © Toons
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Zitat :
übte Gewalt aus
Das ist auch so etwas, was mir im Kopf herumgeht. Kann oder darf oder sollte man sogar Demente zu ihrem eigenen Schutz mit Gewalt zu etwas zwingen? Hat hier schon einmal jemand seine eigene Mutter geschlagen, um sie von irgend etwas höchst Gefährlichem - Feuerzeug, Strom o. Ä. - abzuhalten oder wegzubringen?

Toons
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greenwood.66
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BeitragThema: Gewalt!
Do 06 Sep 2018, 21:09    © greenwood.66
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Nein,man darf keine Gewalt ausüben,in keinster Form,das ist ein Verbrechen!
Man muss schützen,betreuen,helfen,ertragen und sich rechtzeitig distanzieren.
Für jede Form der "Nötigung " muss ein Arzt die vielleicht notwendigen Entscheidungen treffen.
z.B.:der Kranke will das verschmutzte Bett nicht verlassen,sich nicht waschen ,verweigert alles.
Dann muss man sehr viele Wege gehen,um ihn vielleicht doch zu bewegen ,kann sehr lange dauern,aber letztendlich sollte ein Arzt entscheiden,wann man Gewalt anwenden muss und jemanden gegen seinen Willen aus dem Bett zu ziehen ,ist eine Gewalttat,die strafrechtliche Konsequenzen haben sollte.
Ich habe Gewalt angewendet,ich war entsetzt über mich selbst und habe gelernt,es waren immer meine Fehler,die zu einer Eskalation führten.
Ich habe meine Mutter einfach nicht verstanden!
greenwood.66
P.S.Man muss aber auch lernen mit Gewalt umzugehen.
Ein Mensch,der sein ganzes Leben mit Gewalt zu tun hatte,wird im Alter kein besserer Mensch ,oder er meint ,sich wehren zu müssen.Man kann damit umgehen.Auch ein Faustschlag eines 80jährigen kann man einstecken,das tut nicht weh,sollte man kein Drama draus machen,eher überlegen,warum er meint,sich wehren zu müssen.
Wenn man mit Dementen zu tun hat,muss man lernen einzustecken,aber nicht,auszuteilen!!!!!!!!
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Belle
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
Fr 07 Sep 2018, 06:42    © Belle
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greenwood.66 schrieb:
Lies:Erich Fromm,"Die Kunst des Liebens",deine Antwort ist abs.Quatsch,für einen erw.Menschen.
A.Grünewald

Um ein Thema genügend reflektieren zu können bedarf es ausgedehnterer Lektüre als eines Werkes. Vorallem sollte man speziell das von dir empfohlene immer auch im Kontext der Zeit sehen in der es entstanden ist. Im Grunde müsste man da die extremen Ansätze von Freud ebenso dagegenhalten.
Über den "absoluten Quatsch" sehe ich hinweg, denn beleidigend gehen wir hier nicht miteinander um. Wir kommunizieren auf Augenhöhe und respektieren unterschiedliche Ansichten. Daraus entsteht der Mehrwert des Forums. Einander stützen, einander zuhören, einander respektieren, schätzen, helfen, auffangen.
Alles Gute, Belle
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
So 09 Sep 2018, 12:26    © kamia
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Hallo Toons,


Zitat :
die gegen mich und meine gutgemeinten Maßnahmen agiert.

....ich muß nach 10 jähriger Erfahrung sagen.....

DICH und DEINE und WIR sind mein Schlüssel, nicht immer, aber oft. Besonders zu Beginn der Erkrankung


Gruß
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Toons
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
So 09 Sep 2018, 15:12    © Toons
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Hallo Kamia, ich habe Deine Antwort zwar gelesen, aber nicht kapiert. Vielleicht könntest Du sie mir noch einmal erläutern?

Vielen Dank,
Toons
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gisela
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
So 09 Sep 2018, 16:04    © gisela
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lieber toons
Zitat :
Kann oder darf oder sollte man sogar Demente zu ihrem eigenen Schutz mit Gewalt zu etwas zwingen?

die frage ist, von welcher art der gewalt wir hier sprechen.
ich persönlich empfinde gewalt gegenüber anderen menschen egal ob dement
oder nicht ehrlich gesagt schrecklich.
was nicht heisst, dass ich nicht auch ärgerlich werde, und es viele Situationen gibt,
wo ich leise bis 10 zählen muss.
körperliche gewalt lehne ich aber rigoros ab.
gewalt erzeugt immer Gegengewalt , und ich glaube, das möchte niemand.






    lieben gruß

                           gisela                        


mein Vorbild ?....der Löwenzahn...wenn er es schafft durch Asphalt zu wachsen...kann auch ich scheinbar unmögliches schaffen
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kamia
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BeitragThema: Re: Sohnesliebe
So 09 Sep 2018, 16:41    © kamia
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wenn du den Demenzcode, herausgegeben von der Stiftung Würde liest, wirst du verstehen was ich meine.

https://www.demenzforum.net/t7427-demenz-code

Gruß
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Sohnesliebe

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