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 Lebenszeichen Teil 1

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ExDennis
Gast



BeitragThema: Lebenszeichen Teil 1
Mo 08 Jul 2013, 10:22    © ExDennis
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Hallo miteinander.

Ich hab grad an Euch, die Zeit wo ich - Dennis, der Typ mit Ecken und Kanten Wink  - hier angemeldet war gedacht und so vor mich hingemurmelz: "Du könntest mal n Lebenszeichen von Dir geben".

Mittlerweile sind es 2 Jahre her das meine Mutter, 86 Jahre alt, aus ihrem Haus in dem sie 50 Jahre lebte ausgezogen und in ein Altenpflegeheim umgezogen ist. Das erste Jahr war für sie die Hölle. Sie konnte und wollte es nicht verstehen das sie nicht mehr in ihrem Haus, das für sie und ihren Mann der 2001 verstorben ist, der Lebensmittelpunkt war, wo alles sie an ihren Mann, meinen Vater erinnerte, leben konnte. Sie wollte wie ihr Mann, in ihrem Bett, in ihrem Haus sterben.

Das das Gesparte im Laufe der Jahre immer weniger wurde, das konnte sie auf Grund ihrer Krankheit, beginnender Demenz, langsam verlaufender MS, Inkontinenz nicht mehr verstehen, nachvollziehen. Für sie kostet ein Brötchen immer noch 10 Pfennige und der Liter Heizöl 20 Pfennige.
 
"Was soll ich hier in diesem Kabuff"
sagte sie immer wieder. "Das hier ist ein Loch. Ich will nach Hause, in mein Haus". Ihre ganze Wut, ihren Ärger darüber das ich sie in ein Heim abschob: "Der bringt mein Geld durch" - erzählte sie den Pflegerinnen und anderen alten Damen auf dem Flur, ließ sie an mir aus wenn ich sie besuchte. Zu sehen wie es ihr emotional ging, ihre Wut und Trauer über den Verlust nicht mehr an dem Ort leben zu können den sie liebte, zu sehen wie sie leidet, das war für mich schwer auszuhalten. Ich bekam bei meinen regelmäßigen Besuchen immer die volle Breitseite ab. Aushalten  . . . das ist leicht gechrieben und noch leichter gesagt.

Mittlerweile hat sich das geändert. Wenn man mir damals gesagt hätte das meine Mutter in ihrem Rollstuhl durch die Flure des Wohnbereiches in dem sie lebt rollen wird, sich die Blumen in den Töpfen und Vasen die auf den Fensterbänken stehen, betrachtet, diese "zurechtrückt", sich mit anderen Damen in dem Wohnbereich unterhalten wird und wenn sie Lust hat im Speisesaal gemeinsam mit anderen BewohnerInnen ihre Mahlzeiten einnehmen werden wird, ich hätte mir im Geist an den Kopf gegriffen und gedacht: "Und wovon träumst Du Nachts?". Eine Freundin und ich wir besuchen meine Mutter jede Woche. Mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt das sich meine Mutter mit mir nicht über alles was ihr am Herzen liegt unterhält. In jeder Familie gibt es manchmal "Family Affairs" die ungeklärt bleiben, über die zu Reden nicht möglich ist. Da ist es gut wenn es Menschen, Freunde gibt die zuhören, mit denen man über alles reden kann.

Es hat ne Weile gedauert bis ich mit den Pflegerinnen und Pflegern klar kam. Nach einem "offenen Brief" Bis hierhin und nicht weiter auf meinem Blog alivenkickn (das ich Namen weggelassen habe versteht sich von selbst) und einem anschließenden "klärenden Gesprächr" ist jetzt alles im grünen Bereich wie man so sagt.

Wenn ich heute meine Mutter besuche freut sie sich. Wir sitzen zusammen, unterhalten uns über Gott und die Welt und lachen viel. Manchmal fragt sie mich "ob im Haus alles ok ist". Vor 1 1/2 Jahren habe ich das Haus verkaufen müssen. Das ich meiner Mutter davon schon im Vorfeld erzählt habe, warum das Haus verkauft wird, das das Amtsgericht mir als Betreuer einen Rechtsanwalt zur Seite stellt, es gab und gibt Tage da versteht meine Mutter was ich sage. Und dann gibt es wieder Zeiten wo sie mich nur ungläubig anschaut, Tage an denen sie in einer Welt lebt die mir fremd ist. Vor dem Tag - ich hoffe das er niemals kommen wird - an dem meine Mutter mich nicht mehr erkennt, mich für einen Fremden hält, davor habe ich ehrlich gesagt Angst. Keine Ahnung wie ich damit umgehen werde.

Das meine Mutter eine Weg gefunden hat mit ihrer Situation, das sie jetzt in einem Heim lebt, zurecht kommt, ist für mich eine große Erleichterung. Das es mal so kommen würde hätte ich nicht geglaubt.

Natürlich bricht sich ihre Trauer darüber nicht mehr in ihrem Haus wohnen zu können - dürfen immer wieder mal Bahn. Nicht umsonst sagt man das man einen alten Baum nicht verpflanzt.

Was mich betrifft - ich habe zur Zeit "Rücken" und bin deshalb ausgeknockt. Laufen ohne Hilfe - links und rechts n Arm in den ich mich einhängen kann - geht gar nicht. Ich hoffe das ich um eine Bandscheiben OP rumkomme. Am Mittwoch muß ich noch mal in ein KH wo man mir eine CT-PRT verabreicht. Die Erste hat gut funktioniert d.h. ich habe weniger Schmerzen. Wenn die 2. auch funktioniert dann werde ich ab nächster Woche in der Lage sein meine Physio wieder aufzunehmen und meine Mutter wieder besuchen können.


Das Demenzforum ist schon ne gute Sache. Es ist die menschliche Qualität die das Forum auszeichnet und zu etwas besonderem macht. Denjenigen die das Form aufsuchen um um Holfe und Rat zu finden, wünsche ich das ihr für Eure Angehörigen Lösungen findet die stimmig sind. Für Eure Mütter, Väter, EhepartnerInnen und für Euch selbst.

LG Dennis aka Wolfgang
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Lebenszeichen Teil 1

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