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 Schock - ich habe nichts gemerkt...

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Elli73
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BeitragThema: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Mi 03 Feb 2016, 11:55    © Elli73
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Hallo liebes Forum,

ich bin ganz neu hier und natürlich aus aktuellem Anlass. Meine Mutter (80) rief mich am 24.12. vormittags an, dass sie nicht weiß, wo sie ist. Sie war in der Stadt und nun in einer unbekannten Wohnung und hätte mit fremden Menschen und auch mir auf der Straße gesprochen. Ich fuhr sofort zu ihr und mit dem Sanka ins Krankenhaus. Ich dachte an einen Schlaganfall. Der war es nicht - sie schickten uns wieder nach Hause. Ich blieb über Nacht bei ihr und sie erkannte ihre Wohnung nach 40 Jahren nicht wieder und auch ich war plötzlich eine Fremde, die ganze Nacht lief sie umher und öffnete Schränke und Türen und lachte sich kaputt über meine Bemühungen sie ins Bett zu bekommen. Ich dachte mich tritt ein Pferd. Also nochmals in die Klinik - dort wurde sie dann aufgenommen und mir wurde nach einigen Tagen mitgeteilt, dass meinen Mutter an vaskulärer Demenz und Alzheimer erkrankt ist und sich die Erkrankung ungefähr im Mittel befindet. Sie könne nicht mehr alleine leben und so weiter. Ich organisierte ein Pflegeheim mit Demenzstation und sie zog dort ein. Zwischendurch musste sie aufgrund eines sehr hohen Blutdrucks und enormer Verwirrtheit nochmal ins Krankenhaus. Danach erkannte sie das Pflegeheim auch nicht mehr wieder und wusste nicht, dass sie schon mal dort war. Meine Familie und mich erkannte sie schnell wieder, aber es gibt Bereiche, wie ihre alte Wohnung, die sind völlig verloren. Ich komme mit all dem sehr schlecht zurecht, ich frage mich, wie sie all das verheimlichen konnte.. ich besuchte sie 2x wöchentlich und wir telefonierten jeden Tag - aber sie erzählte mir immer glaubwürdige Geschichten, was sie alles getan hätte und gegessen hätte usw. Beim Ausräumen der Wohnung fielen mir schon lange abgelaufene Lebensmittel auf, und ich erinnerte mich, dass auch ihr hygienischer Zustand in letzter Zeit nachgelassen hatte. Sie hatte lange die gleichen Sachen an und müffelte ab und zu ordentlich. Aber wenn ich etwas sagte, war ich die Böse und sie hätte sich schließlich gewaschen. In der Wäschetruhe war Kleidung, die definitiv nicht mehr "waschbar" war und auch ihr Bett schien monatelang nicht mehr frisch bezogen.
Sie ist nun auf einer Berg- und Talfahrt. Manche Tage findet sie es toll, dass es 4 x Essen gibt im Heim, wo alle zusammensitzen usw. und manchmal ist sie nur schlecht drauf und jammert über Schmerzen an allen möglichen Körperteilen und dass sie einfach sterben will. Mich verwundert, dass sie niemals das Heim bzw. ihr neues Zimmer in Frage stellt, oder fragt, warum oder wo bin ich hier... oder gar "ich will nach Hause" sagt. Realisiert sie das gar nicht wirklich? Ich fühle mich so verantwortlich und habe soviel Mitgefühl mit ihr, dass ich seit 24.12. jeden Tag bei ihr bin - Krankenhaus oder Heim... ich habe selbst einen Job, Familie und eine 9-jährige Tochter. Ich kann das bald nicht mehr aufrechterhalten und kann doch nicht aus meiner emotionalen Haut. Ich habe den Eindruck, dass die Demenz sehr schnell fortschreitet.. Sie kann zeitlich und räumlich nicht mehr viel behalten.. sie versteckt Schmutzwäsche, weigert sich Einlagen zu verwenden, aber wechselt jeden Tag ihren Schlafanzug... will sich nicht waschen lassen, weil das hat sie schließlich schon selbst gemacht usw. Sie erscheint mir so hilflos in der Situation, weiß gar nicht recht, was mit ihr los ist ... einmal hatte sie einen klaren Augenblick und fragte mich, warum sie im Krankenhaus gewesen wäre und warum sie nun im Heim ist... ich habe ihr die Wahrheit gesagt und sie war erschüttert.. seitdem weiß sie es aber nicht mehr... Im Heim wird sie sehr gut und liebevoll versorgt, aber ich mache mir ständig Sorgen und habe Angst vor jedem Tag, an dem mich evtl. wieder eine Katastrophe erwartet.. Ich befinde mich immer noch im Schockzustand und kann bald nicht mehr...

Danke fürs Lesen, es musste mal raus
Elli
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Rita
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BeitragThema: Re: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Mi 03 Feb 2016, 18:14    © Rita
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LIebe Elli,

erstmal herzlich willkommen im Forum.

ohje, da kommt ja grad sehr viel auf ein mal zusammen mit deiner Mama.
Ist schon recht "krass" wie es so plötzlich kommt.
Es kommt ja oft in Schüben, da hat sie aber einen grossen gehabt.
Kann ich gut verstehen dass du langsam am Ende bist mit der Kraft.

Weisst du, gegen dein schlechtes Gewissen kan ich dir folgendes sagen : du musst nicht jeden Tag für deine Mama da sein und jeden Tag hin. Nimm dir auch mal "Mama-Freie" Tage.
Als Papa ins Heim kam (das kam auch überraschend nach einer OP), sagten sie uns wir sollen bloss nicht jeden Tag hin, sonst wartet er drauf und nimmt nicht am Leben im Heim teil.
Ist natürlich nicht immer einfach mit dem Geissen damit klar zu kommen. Aber sie haben da absolut recht.

Also : mach dir einfach fixe Tage aus wo du zur Mama gehst, dazwischen hat es Mama-Freie Tage, und wenn was sein sollte rufen sie dich schon an. Am Anfang, um dich zu beruhigen, kannst du sonst auch einfach die Pflegerinnen anrufen und nach ihrem Befinden fragen.

Hast du dich schon mal mit ihrem Arzt unterhalten ob was machbar ist? Ob es irgendwas gibt was ihr helfen kann?

Es ist schon nicht immer einfach mit den Patienten um zu gehen, aber meist haben sie nach kurzer Zeit einen guten Draht und wissen wie sie die Leutchen nehmen müssen damit sie das tun was sie sollen, oder es zu lassen dass sie z.b. gewaschen werden.

Berg und Talfahrt, das kennen wir wahrscheinlich alle. Bei mir allerdings war es sehr milde. Mama war absolut "pflegeleicht".
Ich weiss, es ist blöd zu sagen "lass es dir nicht zu nahe gehen wenn es ihr mal nicht so gut geht", es geht einem eben doch nahe, da kann man machen was man will.

Einen guten Rat kann ich dir noch geben : vergiss nicht, ob all der Liebe und Fürsorge die du der Mama entgegen bringst, dass du selber auch noch ein Leben hast. Das darf nicht dabei unter gehen. Mach auch mal was für dich, schalte ab.
Es ist nicht einfach mit der Mama und es wird nicht besser werden. Da brauchst du noch einen langen Atem, und den kannst du dir erhalten wenn du auf dich acht gibst.

umarmung  ich schick dir paar Kraftpakete rüber.

Rita
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Ann
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BeitragThema: Re: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Mi 03 Feb 2016, 18:18    © Ann
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Liebe Elli,

nochmal herzlich Willkommen in unserer Runde. rose

Da hast du ja ein anständiges Päckchen getragen in den letzten Wochen! trösten 


Zitat :
Ich fühle mich so verantwortlich und habe soviel Mitgefühl mit ihr, dass ich seit 24.12. jeden Tag bei ihr bin - Krankenhaus oder Heim... ich habe selbst einen Job, Familie und eine 9-jährige Tochter. Ich kann das bald nicht mehr aufrechterhalten und kann doch nicht aus meiner emotionalen Haut.
Im Heim wird sie sehr gut und liebevoll versorgt, aber ich mache mir ständig Sorgen und habe Angst vor jedem Tag, an dem mich evtl. wieder eine Katastrophe erwartet..
Ich befinde mich immer noch im Schockzustand und kann bald nicht mehr...

Ich kann das gut verstehen, liebe Elli, uns ging und geht es auch heute, nach über 5 Jahren auch noch, oft so.

Aber ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, wie du das auf Dauer stemmen könntest, ohne selber krank zu werden.

Ich weiß, es ist wahnsinnig schwer aber kannst du nicht versuchen dir kleine Auszeiten zu nehmen?
Vielleicht als Anfang einen Mama-freien Tag in der Woche?
Hast du mal mit dem Pflegepersonal darüber gesprochen ? Gibt es vielleicht eine Angehörigengruppe in eurem Heim?

Weißt du, meiner Familie und mir ging es ähnlich. Wir waren so in diesem "Hamsterrad" von schlechten Gewissen und Mitgefühl gefangen, dass wir selber alle krank geworden sind und uns therapeutische Hilfe gesucht haben.
Dort haben wir dann gelernt, dass es meinem Vater nicht hilft wenn wir alle auf dem Zahnfleisch gehen.
Nur wenn es uns einigermaßen gut geht, können wir auch eine Hilfe für andere sein.

Ich hoffe, dir hilft es ein wenig hier in unserer Runde zu sein. Auch wenn die Krankheit in vielen Facetten auftritt, sind die Sorgen und Nöte der Angehörigen doch oft ähnlich!

Pass gut auf dich auf!! umarmung






Liebe Grüße
 
Ann 


                                      Leben heißt nicht zu warten, dass der Sturm vorüber zieht, sondern zu lernen im Regen zu tanzen.   
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Elli73
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BeitragThema: Re: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Do 04 Feb 2016, 16:14    © Elli73
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Lieben Dank für Eure Antworten... mal wieder musste ich weinen. Aber ich weiß dass Ihr Recht habt und ich mich langsam mal schonen sollte. Ich arbeite daran.. ;-)
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soda1964
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BeitragThema: Re: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Do 04 Feb 2016, 22:03    © soda1964
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Liebe Elli

wie gut hast du dich hingesetzt, im Netz nach Informationen gesucht - und das Forum hier gefunden. Auch wenn du weinen musst, dich hilflos fühlst und dir der Schock noch tief sitzt wirst du sehen: du bist nicht allein. Es tut gut hier zu lesen, es tut gut, seine Gedanken in Worte zu fassen.

Elli schrieb:
Sie erscheint mir so hilflos in der Situation, weiß gar nicht recht, was mit ihr los ist ... einmal hatte sie einen klaren Augenblick und fragte mich, warum sie im Krankenhaus gewesen wäre und warum sie nun im Heim ist... ich habe ihr die Wahrheit gesagt und sie war erschüttert.. seitdem weiß sie es aber nicht mehr... Im Heim wird sie sehr gut und liebevoll versorgt, aber ich mache mir ständig Sorgen und habe Angst vor jedem Tag, an dem mich evtl. wieder eine Katastrophe erwartet.. Ich befinde mich immer noch im Schockzustand und kann bald nicht mehr...

Ganz viele hier kennen diese "Wechselbäder der Gefühle", diese Achterbahnfahrten. Helle Momente, Verständnislosigkeit, Ohnmacht wechseln sich ab. Mit der Zeit verliert die Krankheit von ihrem Schrecken, auch wenn man es sich am Anfang kaum vorstellen kann... Es tut weh, miterleben zu müssen, wie sich eine vertraute Person verändert.
Doch im Herzen ist und bleibt sie deine Mutter - und du ihre Tochter. Das bleibt immer so, auch wenn sich "das Drumrum" verändert.

Alles Gute und liebe Grüsse






Therese

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Die wahre Lebenskunst besteht darin, im alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
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Trine
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BeitragThema: Re: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Di 09 Feb 2016, 14:46    © Trine
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Liebe Elli,

mich hat Dein Beitrag gerade total berührt und so will ich nicht einfach wegklicken !
Bin auch ganz neu hier und werde unsere Geschichte mal aufschreiben, aber dadurch verstehe und fühle ich Deinen Schockzustand total nach.


Mach Dir keine Vorwürfe bezgl des "nicht gemerkt" habens,
zu Anfang der Krankheit legen sich die meisten Betroffenden so gute Strategien zurecht
Und wenn man dann nicht zusammenlebt, dann ist das nicht einfach zu entdecken.
Selbst wenn man viel telefoniert oder sich sieht!
Bei uns war es der Schwiegervater der alles mit gedeckt hat, ja den ganzen Alltag geregelt hat.
Da dachten wir ach die Mutter ist nur ein wenig tüddelig und vergißt halt mal Termine, auch als es ein wenig mehr wurde dachte ich noch, oh mal im Auge behalten. Aber zu dem Zeitpunkt wußten wir halt auch nicht, was sie nicht mehr kann oder was alles der Schwiegervater regelt. Als im Sept. eine Krebs Diagnose bekam wo klar war, er hat leider nicht mehr lang zu leben ist das Gerüst zusammengestürzt und dazu bei ihr durch den Schock ein Schub ausgelöst worden Surprised(
und jetzt stehen wir auch recht ratlos da.

Ich lass Dir ganz liebe Grüße da und wünsch Dir Kraft
Trine
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Gregor
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BeitragThema: Re: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Di 09 Feb 2016, 15:48    © Gregor
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Hallo Elli, schön das Du geschrieben hast. Hier im Forum, hat wohl jeder schon erlebt, "von einem Pferd" getreten worden zu sein. Leider ist dein Erleben die bittere Realietät.
Elli, hir bist Du richtig, wir verstehen deine Sorgen und Ängste. Es ist hald wie es ist.
Wünsch Dir alle Kraft. Laß nochmal von Dir hören, falsch, lesen.
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Elli73
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BeitragThema: Re: Schock - ich habe nichts gemerkt...
Do 18 Feb 2016, 15:45    © Elli73
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Danke Euch allen! Es tat einfach schon sehr gut alles einmal aufzuschreiben und rauszulassen und dann noch Eure lieben Antworten haben mich etwas aufgerichtet. Es ist gut nicht allein zu sein. Danke!
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Schock - ich habe nichts gemerkt...

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