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 Wieso ich bei meiner Oma lebe

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VivoBonn
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BeitragThema: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Di 26 Mai 2015, 11:23    © VivoBonn
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Hallo,
nachdem ich schon so freundlich hier aufgenommen wurde, hier nun mein erstes Thema, dass ich gerne nutzen würde um euch das Leben mit meiner Oma zu schildern.

Aber wo fange ich da an? Ich würde am liebsten alles so positiv wie nur möglich schreiben, doch wie ihr alle wisst, ist das Leben mit einer Demenz erkrankten Person nicht immer heiter Sonnenschein, teilweise sogar ganz im Gegenteil.
Als wir klein waren, haben wir sehr viel Zeit bei Oma, oder Oma bei uns verbracht. Sie hat uns z.B. oft aus dem Kindergarten abgeholt, wenn Mama arbeiten musste oder wartete bereits mit warmen Mittagessen nach der Schule auf uns. Wenn wir krank waren und unsere Eltern arbeiten mussten, wurden wir zu Oma gebracht, die uns den ganzen Tag verwöhnt und gepflegt hat. Später, als wir auf dem Gymnasium waren, sind wir nach der Schule dann zu Oma gegangen. Sie kochte immer das leckerste Essen Smile und vor allem hatte sie immer Süßigkeiten im Haus. Smile Wir hatten Fahrräder und Tretroller hier, Spielsachen und Wechselkleidung. Man könnte also fast sagen, bei Oma war es wie in einem zweiten Zuhause. Denn so haben wir uns auch immer gefühlt.
Mein Onkel lebte auch bei Oma, mit dem konnten wir immer Quatsch machen. Und Ausflüge waren auch regelmäßig möglich. So waren wir z.B. 2 mal im Jahr im Phantasialand oder mal im Schwimmbad, Kino oder sonstiges.
Wie man lesen kann, es war TOLL! Auf Oma war immer verlass!
Später fing ich dann an meinem Onkel beim Zeitungsaustragen zu helfen um mir ein kleines Taschengeld zu verdienen. Und wer war immer dabei? Meine Oma. Sie half wir wo sie nur konnte und war dabei nie fordernd was eigene Belange anging. Sie gab und gab und gab, vor allem Liebe!

Dann fing sie an immer vergesslicher zu werden, die meisten kennen den Krankheitsverlauf ja selber. 
Mein Onkel blieb bei Oma und kümmerte sich um sie. Er kümmerte sich um die ihre Tabletten, um die Insulinspritzen, den Haushalt, er machte einfach alles, doch dann wurde er Krank. Er bekam Krebs und er kämpfte unentwegt und nebenbei kümmerte er sich weiter um meine Oma. Einige werden jetzt denken: Wieso hatte er keine Hilfe? Nunja... die wollte er partou nicht. Wenn man ihm Hilfe anbot wurde er direkt grummelig und so ließen wir ihn machen und versuchten ihn zu entlasten, in dem wir Oma immer mal zu uns holten, wenigstens für ein paar Stunden.
Seine Freundin half ihm auch immer mal, aber wie erwähnt, er wollte keine Hilfe... sie stritten sich oft deswegen. Oma bekam alles mit, bekam aber zum Glück nicht mit, dass die Streitereien oft um sie gingen.
Er bekämpfte den Krebs, doch er kam wieder.. so ging das einige Jahre. Er war sehr tapfer!
2013 ging es ihm wieder schlechter, sehr schlecht. Er musste ins Krankenhaus, doch er konnte den Gedanken einfach nicht ertragen dort untätig zu liegen, während Oma Zuhause war. Er wusste zwar dass seine Freundin und wir da waren, doch entlies sich selber gegen den Rat der Ärzte. Wieder zuhause verschlimmerte sich seine Lage zunehmend. Mittwochs war ich noch da um ihn zu entlasten, so dass er im bett liegen konnte, doch in der Nacht zum Freitag verstarb er dann. Er ist friedlich eingeschlafen. 
oma verstand das nicht, vergaß immer wieder dass mein Onkel nicht mehr da ist. Seine Freundin nahm im am Sterbebett das versprechen ab sich um Oma zu kümmern.
Doch begannen unsere Probleme.
Dankbar einerseits darüber, dass sie Oma pflegte, wütend andererseits darüber, dass sie Wertgegenstände mit der Aussage "er hat mir versprochen, dass ich das nehmen kann" aus dem Haus schleppte. Wir sagten immer wieder, das sind Sachen die wir verkaufen können um die Beerdigung zu zahlen. All das interessierte sie nicht, doch wir waren angewiesen auf diese Hilfe. 
Ich noch mitten im Studium, meine Mutter und Tante beschäftigt mit ihrer Arbeit und mein Bruder mitten in der Ausbildung.
Von Anfang an sagte sie zu uns "Wenn meine Enkel Ferien haben, hole ich sie zu mir!" Das Klappte zu Beginn auch, doch schnell wurde es meiner Oma zu viel. 3 kleine Kinder sie im Haus rumtobten, hielten ihre Nerven einfach nicht mehr aus.

Also fingen wir an die Ferien mit meinem Bruder zu überbrücken, da er da selber Ferien hatte und sich gerne etwas Geld dazuverdienen wollte.

Die Freundin meines Onkels, nennen wir sie mal Agnes (Name geändert), fand immer öfter Gründe, wieso sie nicht bei Oma sein konnte. Lies sie zunächst ohne unseren Wissens Stundenlang alleine, kaufte von dem Haushaltsgeld (100€ die Woche) mehr für sich, als für Oma und wir wurden immer unzufriedener.

Es gab immer mal Zeiten in denen sich das wieder besserte und Zeiten in denen es richtig schlimm war. Meine Oma und Agnes stritten sich sehr oft und waren genervt voneinander. 
Wir sagten Agnes immer wieder, wenn sie das nicht mehr machen will, sei das verständlich, wir müssten es aber früh genug wissen um nach einer Alternative zu suchen.
Immer wieder beteuerte sie aber, nein sie habe es meinem Onkel versprochen und wird das noch eine Weile machen.

Dann im März verstarb Agnes Mutter und wir gaben ihr erneut die Möglichkeit zu sagen, dass sie aufhören kann um sich um ihren Vater zu kümmern, doch wieder sagte sie, dass sie nicht aufhören wird und das Jahr noch zu ende machen will.
Im April, keine 2 Wochen nach dieser Aussage, erfuhren wir von einer Nachbarin(!!!), dass Agnes aufhören wird. Dass sie den Mai und Juni zwar noch machen wird, aber wir uns zu Beginn der Sommerferien eine andere Lösung einfallen lassen müssen.
Wir sprachen sie zunächst nicht drauf an, denn Nachbarn erzählen ja manchmal seltsame Dinge und wir wollten ihr die Möglichkeit geben es selber zur Sprache zu bringen. 
Tat sie nicht, sie erzählte, dass sie im Mai und Juni jeweils 2 Wochen nicht bei Oma sein könnte wegen anderen Jobs. Daraufhin sprachen wir sie dann an was nach den Sommerferien sein wird. 
Sie teilte uns dann mit ja, ich will mir einen anderen Job suchen, dann kann ich mich nicht mehr um sie kümmern.

Mein Bruder mitten im Anerkennungsjahr zum Erzieher, ich mitten in meiner Abschlussarbeit.... Meine Mutter und Tante schlossen uns von vorneherein aus, da es ihnen wichtig ist, dass wir unsere Ausbildung/Studium abschließen. Sie suchten also nach Heimen, Kurszeitpflgemöglichkeiten, 24h Betreuung und verzweifelten immer mehr, weil es ihnen unmöglich schien so schnell eine Ausweichmöglichkeit zu finden.
Ich sagte ihnen, ich mache das!! Ich schaffe das schon, aber sie wollten es mir zunächst nicht zumuten.

Eines Tages kam meine Mutter dann zu mir ins Zimmer und fragte mich, ob ich das wirklich machen würde.

Tja das war dann der Tag an dem feststand: "Ich ziehe zu Oma und kümmer mich um sie!"
Natürlich habe ich immer wieder hin und her überlegt ob ich das wirklich schaffe, ob ich das will, ob ich das durchhalte...
Aber das sind alles Fragen die mich niemals davon abgehalten hätten mich um meine Oma zu kümmern.

Und nun sitze ich hier an einem provisorischen Schreibtisch, aber in meinem eigenen Zimmer bei meiner Oma und schreibe euch das alles. 
Es ist viel text, aber vielleicht hat der ein oder andere zeit gehabt es zu lesen.
Ich möchte dieses Thema dazu nutzen alles von mir zu schreiben, all meine Ängste, Sorgen und auch meine Ärgernisse, denn auf Agnes habe ich eine unglaubliche Wut! Nicht weil sie sich nicht mehr um meine Oma kümmern wollte, sondern wegen dem WIE sie es gemacht hat, dass sie uns so lange im Glauben gelassen hat, dass sie es noch weiter macht und uns dann so einen Stress, der sich auch auf Oma auswirkte, aussetzt.

Ich bin der Meinung, dass man über alles Reden kann, man muss es nur tun!!! Und das hat sie nicht, das hat sie nie! 

LG Vivian
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Di 26 Mai 2015, 12:19    © gisela
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liebe vivian
es hat mich sehr berührt was du, und vor allem wie du es geschrieben hast.
sehr viel gefühl liegt in deinem text.
ich hatte auch so eine tolle Oma, die aber leider schon verstarb als ich klein war.
vivian schrieb:
Tja das war dann der Tag an dem feststand: "Ich ziehe zu Oma und kümmer mich um sie!"
Natürlich habe ich immer wieder hin und her überlegt ob ich das wirklich schaffe, ob ich das will, ob ich das durchhalte...
diese fragen werden immer mal wieder auftauchen,je nachdem wie die Demenz sich entwickelt .manchmal kommt man einfach an seine grenzen, das ist völlig normal

vivian schrieb:
Ich möchte dieses Thema dazu nutzen alles von mir zu schreiben, all meine Ängste, Sorgen und auch meine Ärgernisse
und genau dazu eignet sich dieses Forum hervorragend.
jeder hier versteht dich, weil jeder von uns die Schwierigkeit einen demenzkranken angehörigen zu pflegen und zu betreuen kennt.
mir tut es auch immer sehr gut mir hier alles von der seele zu schreiben

lieben gruß
gisela
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Di 26 Mai 2015, 13:27    © VivoBonn
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Gerade war meine Cousine mit ihrer kleinen Tochter (2,5 Jahre alt) da und hat uns Kuchen vorbei gebracht! 
So süß! Meine Oma freut sich immer so wenn die kleine hier ist. Und die kleine ist auch immer total fixiert auf unsere Oma dann. Sie räumt alles mögliche dann aus den regalen und bringt es Oma als "Geschenk". Oma lacht dann immer so herzlich und man merkt rein garnichts von ihrer Demenz. Wenn sie sonst alle paar Minuten das gleiche fragt, erzählt sie der Kleinen Geschichten über Geschichten, an die nicht mal ich mich erinner. Z.B. davon wie meine Cousine hingefallen ist oder sowas. Es ist einfach schön mit anzusehen wie die beiden miteinander interagieren, wo doch über 80 jahre zwischen ihnen liegen.
Oma ist zwar manchmal echt grummelig und mosert über alles mögliche rum, wie zum Beispiel wenn draußen Kinder laut am Spielen sind, aber wenn die kleine da ist blüht sie total auf. Smile
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Di 26 Mai 2015, 13:42    © VivoBonn
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Ich habe da eine Frage, die mich schon ne Weile beschäftigt:

Weiß ein Demenz-Patient eigentlich, dass er Demenz hat? Ich habe immer wieder das Bedürfnis mit meiner Oma darüber zu sprechen, sie zu fragen, wie viel sie davon weiß, habe aber Angst ihr damit weh zu tun.
Ich weiß ja, sie ist kein rohes Ei, aber dennoch möchte ich sie mit meinen Fragen oder Themen nicht verletzen.
Also in wie weit, verstehen solche Menschen ihre Krankheit selber?
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Di 26 Mai 2015, 14:00    © Marie
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Liebe Vivian,

ich glaube, daß das Wissen um die Krankheit ganz unterschiedlich ist. Mein Vater wußte es ganz sicher nicht. Wir haben den Begriff auch nie erwähnt. Er selbst hat seine Vergeßlichkeit von Anfang an - auch als von Demenz noch gar keine Rede war - auf sein Alter geschoben. Wir haben es dabei belassen. Wie man aus Veröffentlichungen weiß, erkennen Betroffene zum Teil ihre Defizite als Krankheit. Ich würde die Oma nicht direkt darauf ansprechen. Welche Defizite sie hat und wie schnell diese zunehmen, merkst Du von allein. Laß' sie einfach noch tun, was sie möchte und nimm' ihr nicht alles ab, auch wenn es mal schief geht.






von Marie
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Di 26 Mai 2015, 15:07    © VivoBonn
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Marie schrieb:
 Laß' sie einfach noch tun, was sie möchte und nimm' ihr nicht alles ab, auch wenn es mal schief geht.

ja das mache ich. Wenn ich Kartoffeln koche, lasse ich sie diese schälen. Einkaufslisten schreibe ich auch immer mit ihr zusammen. 
Sie will auch helfen, das merke ich immer wenn ich z.B. am kochen bin, dann kommt sie und rührt die Soße oder schmeckt ab oder ähnliches. Und natürlich geht da immer mal was schief, aber das bin ich durch meine Arbeit im Kinderheim bereits gewöhnt und daher ist mir das egal, solange sie sich nicht verbrennt Smile und selbst dann lachen wir beide zusammen drüber, weil ich dann immer sage "pusten Oma, PUSTEN!" und sie sagt dann immer "Puste du doch", aber alles mit einem Lächeln. 
Generell ist das sehr harmonisch mit uns beiden, weil ich alles versuche mit einem Lächeln zu betrachten und wir uns gegenseitig immer mal zanken. Smile
Wenn meine Mutter oder Tante auch oft grimmig gucken wenn ich meine Oma mal veräppel, aber sie ist und bleibt kein rohes Ei, also veränder ich auch unsere Art miteinander nicht. Ich habe immer das Gefühl, dass sie genau das an mir schätzt, weil ich sie eben nicht so bemutter wie die anderen. Ich bin ja trotzdem immer noch liebevoll zu ihr, wie man eben zu einer Oma sein sollte.
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Di 26 Mai 2015, 21:46    © Ulli
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Liebe Vivian,

wirklich - Hut ab vor deiner Leistung !

Wie du in deinen jungen Jahren damit umgehst ist bemerkens- und lobenswert.

Vergiss aber darüber nicht auf dich selber zu achten.
Früher oder später wirst du Hilfe brauchen. Zögere dann nicht, diese anzunehmen.

Deine Oma kann sich glücklich schätzen so eine Enkelin zu haben.

Liebe Grüße - Ulli
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Do 28 Mai 2015, 10:21    © VivoBonn
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Liebe Ulli,

keine Angst, ich sorge mich auch um mich selber. Ich habe im Moment zb eine leichte Grippe und lag gestern demnach sehr viel im Bett, Ich hatte  zwar ständig ein schlechtes Gewissen Oma gegenüber, weil sie dadurch so viel alleine vorm TV saß, aber immer wenn ich mich zu ihr gesetzt habe sagte sie "Um Gotten willen, Kind, geh  wieder ins Bett, du siehst schrecklich aus!" 
Und hat mir dann Tee gebracht. Smile 
Sie ist immer so unglaublich lieb zu mir Smile Mir kommen immer die Tränen (im positiven sinne) wenn ich an sie denke. Smile
Gestern hat sie sich auch selber das Brot gemacht... "einfach nur butter drauf, das ist lecker!" sagte sie Very Happy Und ich mache ihr immer kleine Meisterwerke... na wenn ich das früher gewusst hätte Very Happy dabei frage ich sie morgens immer was sie drauf haben will.

Gleich fahre ich in die Stadt um mir paar Deko sachen für mein Zimmer zu holen, ihr bringe ich dann auch was hübsches mit. Sie freut sich dann immer so Very Happy
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Fr 26 Jun 2015, 08:06    © krebs57
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Guten Morgen Vivian,

jetzt habe ich deine Geschichte hier gelesen und ich muss ganz ehrlich sagen, ich bewundere dich, du bist ein ganz toller Mensch.

Wie du das machst ist für mich einfach nur Klasse.

Meine Mutti hat Demenz und ich glaube schon in einem sehr fortgeschrittenem Stadium. Und doch merkt sie das sie Vieles nicht mehr kann. Sie sagt dann immer "ich hab doch früher alles gemacht und war doch nicht so blöd". Ich nehme sie dann in den Arm und sage: Du bist doch nicht blöd, du bist einfach nur mal krank. Ich weiss nicht was ich sonst machen könnte.
Und deshalb denke ich das sie schon merkt wie sie sich verändert.

Ganz schlimm ist es, wenn sie mir helfen will z.B. beim Abtrocknen, Geschirr wegräumen oder auch mal Staub saugen. Ich lasse sie das dann auch machen, nur kann sie es nicht mehr. Sie hält den Staubsauger in der Hand und weiss nicht wie er angeht. Sie möchte das Besteck wegräumen und weiss nicht wohin es gehört. Selbst wenn ich dann den Besteckkasten aufmache, kann sie kleine Löffel nicht mehr den kleinen Löffeln zuordnen. Nach dem Baden gebe ich ihr alle Sachen einzeln und sage ihr wo sie hingehören. Wenn ich nicht aufpasse, zieht sie den Pulli über die Beine. Dann sagt sie: oh das ist aber jetzt falsch...

Mutti weint dann sehr oft, weil sie es nicht mehr kann.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und nochmal: Einfach nur toll wie du dich um deine Oma kümmerst.. Hut ab !

Liebe Grüße Petra
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Fr 08 Jan 2016, 12:46    © VivoBonn
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Hallo ihr Lieben,
es sind Monate vergangen und ich habe mich so in der Abschlussarbeit verfangen, dass ich das Forum total vergessen hatte.
Letztens habe ich dann doch wieder dran gedacht und nun... hier bin ich.

An alle die sich immer Sorgen gemacht haben wegen Abschlussarbeit schreiben und Oma pflegen: Ich habe bestanden!! Sogar recht gut mit 2,3 Very Happy  Ich bin jetzt also stattlich anerkannte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin. Ist das nicht toll? Ich bin unglaublich stolz auf mich. Darauf, dass ich trotz allem nicht aufgegeben habe. Dass ich die Abschlussarbeit NICHT verschoben habe und es einfach durchgezogen hab.

Ich weiß nicht mehr genau ob ich erzählt habe, dass ich eigentlich nur bis ende August, Anfang September bei Oma sein sollte... Naja.. jedenfalls war das so geplant.. Meine Mutter und Tante wollten sich bis dahin darum kümmern wie es mit Oma weiter geht. Und jetzt dürft ihr drei mal raten wo ich immer noch sitze?!
Richtig! Bei Oma! Seit mittlerweile 7 Monaten bin ich hier "gefangen" und es ist immernoch kein Ende in Sicht.
Alle sagen immer "bewirb dich endlich um einen Job!"  Aber ich frage euch: Wie soll ich das denn, wenn ich nicht weiß wie es mit Oma weiter geht? Ich würde es mit meinem Gewissen nicht ausmachen können, sie im Stich zu lassen. Dann würde ich mir denken "wofür habe ich mir dann so den Arsch aufgerissen die letzten 7 Monate???"
Irgendwie versteht das nur keiner. Sad

Seit August habe ich einen neuen, unglaublich tollen, Freund. Er ist wirklich super! Aber die Beziehung leidet so extrem unter der Situation. Sad Am Anfang war er dann viel hier. Kam mit der Situation super zurecht, aber irgendwann wurde es MIR dann zu viel. Ständig diese Kommentare von meiner Oma "Was will der hier? Hat der kein eigenes Zuhause? Schlafen darf er hier aber nicht!"
Das war mir irgendwann einfach nur noch unangenehm weil sie das alles in seinem beisein gesagt hat. Er meinte zwar es sei okay für ihn, er versteht das. Nimmt es sich nicht zu herzen, aber ich tue es! Für mich ist das purer stress.
Das schlimmste war einmal als er vorbei kam um mich abzuholen.
(Kurze zwischeninfo: Meine Tante ist mit einem Mann "zusammen" der nicht viel davon hält nur eine Frau zu haben, er will begehrt sein.. aber das thema gehört hier nicht weiter rein)
Mein Freund war dann da, sagt meiner Oma hallo und sie meint ernsthaft zu ihm " Na, biste wieder Fremdgegangen?"
Oma sagt dann zwar immer "ist doch nur spaß" aber nein das ist es in dem Moment nicht, wenn sie solche Sachen von sich gibt.
Desweiteren weigert sie sich immer mehr sich anzuziehen oder sich waschen zu lassen. Ein Punkt mehr, wieso ich meinen Freund nicht mehr hierher einlade. Mir ist das einfach unangenehm und peinlich.
Das klingt alles irgendwie so herzlos von mir und gemein, dass ich Oma irgendwie die Schuld dafür gebe, dass die Beziehung echt auf der Kippe steht, aber humpf Sad
Ich bewundere euch, dass ihr das alle schon soooo lange mitmacht, Dass ihr die Kraft habt weiter zu machen. Ich bin einfach nur ausgelaugt. ich will mein leben wieder Leben! Es soll sich nicht mehr alles um Oma drehen. Ich habe es einfach satt meine Freunde ständig zu vertrösten weil ich keine Nacht-Vertretung finde, wenn sie feiern gehen. ich habe es satt dass ich mit 28 Jahren hier rumhocken muss und nicht mal nachts abschalten kann weil ich permanent lausche ob es Oma gut geht, sie versucht aus der Tür rauszugehen oder sonst was. :'(
Ich hätte mich einfach niemals dazu bereit erklären sollen die (eigentlich auf 3 Monate beschrenkte) Pflege und Betreuung zu übernehmen. :'(
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Fr 08 Jan 2016, 14:14    © gisela
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liebe vivian

erstmal herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Examen.
haste super gemacht

deine gemischten Gefühle wegen deiner Oma versteht hier glaub ich jeder und auch deine zweifel
ob es richtig war zur Oma zu ziehen.
ja, du hast recht. man gibt sehr viel von seinem leben her für einen demenzkranken. für eine frische Beziehung eine wahre zerreissprobe.
ich würde dringend raten nochmals den Familienrat einzuberufen um nach einer für euch alle geeigneten lösung
zu suchen.

lieben gruß
gisela






    lieben gruß

                           gisela                        


mein Vorbild ?....der Löwenzahn...wenn er es schafft durch Asphalt zu wachsen...kann auch ich scheinbar unmögliches schaffen
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Fr 08 Jan 2016, 15:33    © VivoBonn
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Hallo Gisela,
nun mein Aufenthalt bei Oma war ja eigentlich auf eine begrenzte Zeit ausgelegt. Sad Mittlerweile sind aus den Ursprünglich geplanten 3 Monaten 7 Monate geworden.
Das Problem ist glaube ich meine Tante. Sie hat nur ihren (Sorry) Idioten im Kopf... "P. hier, P. da" und vergisst dabei total dass ich auch gerne mein Leben wieder Leben würde. Wenn ich zb sage, dass ich meinen Freund nur noch sehr sehr ungerne hier her einlade, versteht sie das überhaupt nicht und sagt "Du musst den Stress einfach ausschalten, der dann hoch kommt." Ähm ja... wow... super Tipp... wut
Sie lässt meine Mutter damit total alleine! Mal meine andere Tante (Berlin) und meinem Onkel (Alkoholiker) ausen vor gelassen. Die scheren sich nämlich auch keinen Dreck darum wie es mit Oma weiter geht.
Zu meiner Tante in Berlin hatte ich eigentlich immer ein gutes, liebevolles Verhältnis. Haben öfter mal telefoniert. Als ich im Oktober Geburtstag hatte, habe ich mir einfach nur Urlaub gewünscht. Da meine Berliner Tante im Mai bereits zu mir sagte, dass sie im Sommer nicht kommen kann (Darum hatte ich sie damals gebeten, damit ich wenigstens eine Woche in ruhe an meiner Abschlussarbeit schreiben kann), dafür aber im November kommen würde, riefen wir sie an und fragten nochmal nach, damit ich wegfahren kann.
Und oha überraschung, überraschung.. "ja nein, mir fehlt leider das Geld. das Auto ist kaputt.. blablabla." Meine Mutter (die mich wirklich SEHR unterstützt) meinte dann zu ihr "Ja kann ich verstehen, hör zu, ich schenke dir das Zugticket hin und zurück von Berlin nach Bonn."   meine Tante meinte dann "ja aber... ich weiß nicht... das klappt so nicht... ich muss dadrüber nachdenken..."  Long Story short: Sie kam natürlich NICHT!
So viel zu ihren Aussagen immer "Ach wenn ich nur könnte, dann würde ich zu Oma (bzw Mama) kommen und euch unterstützen blablabla..."
Im Endefekt hat meine Mutter ihre Augen-OP so gelegt, dass sie mich die eine Woche vertreten kann.
Und genau solche Menschen, die nicht mal den kleinen Finger krumm machen, sind es nachher die heulend vor einem stehen und getröstet werden wollen. Aber da bin ich ziemlich hart. Bei mir brauchen die alle nicht ankommen.

Ich werde jetzt einfach Bewerbungen schreiben und abschicken. Auch wenn das alles mit einem schlechten Gewissen Oma gegenüber geschieht. Denn sie kann am wenigsten etwas für den ganzen (sorry) scheiß.
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Fussel
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Sa 09 Jan 2016, 09:26    © Fussel
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Liebe Vivian!

Man kann niemanden zur Pflege zwingen und es sind auch nicht
alle Menschen dafür geeignet.

Es macht auch keinen Sinn, wenn Du auf eine Arbeit verzichtest, denn
ohne Berufserfahrung kannst Du nach einiger Zeit mit jeglicher Ausbildung
nichts anfangen.
Sofern Du wenigstens als Pflegeperson eingetragen bist, bist Du warscheinlich
immerhin schon Rentenversichert. Wie das mit der Krankenversicherung ausschaut,
wirst Du sicher geregelt haben.

Ich würde Oma in verschiedenen Pflegeheimen anmelden. Auch dort kannst
Du die Oma fleißig besuchen und Dich um sie kümmern, aber ohne das eigene
Leben aufzugeben.
Aber nicht nur die Oma wird älter, auch Deine Mutter und Deine Tante...
Wieso muß denn jemand aus der Familie seine eigene Familie aufgeben
um die Oma zu versorgen?

Das würde ich gar nicht haben wollen, weder von meinen Kindern noch von
meinem Enkelkind.

Es reicht doch aus, wenn die mich fröhlich besuchen, ab und zu mal
abholen oder mit mir spazieren gehen.

In einem guten Pflegeheim hat die Oma zu jedem Zeitpunkt Beschäftigung
und Menschen um sich.
Sie hat ihr Essen und eine saubere Umgebung. Alles wird für sie übernommen.
Es wird mit ihr gesungen, gebastelt und Beschäftigung angeboten, die für
sie passend sein könnte.

Sicher hat man keine alleinige Rund-um-die Uhr Person für sich zur Verfügung
und man muß auch warten, bis man an der Reihe ist.

Meine Mutter wird wenn sie will von morgens bis abends beschäftigt und bespielt.
Wenn ich komme ist sie bei irgendeinem Event oder in irgendeiner Gruppe,
beim Masseur, beim Singen, Handarbeiten oder Turnen.
Das heißt wenn ich sie besuche, muß ich sie erst einmal aufstöbern, oder sie ist
gerade unterwegs zu einer Feierlichkeit, zum Kaffeeklatsch usw.
Natürlich ist das immer noch zu "wenig" für meine Mutter, die die ganze Zeit überlegt,
was man ihr in den nächsten Minuten anbieten könnte.

Natürlich ist es "doof" und eine großer Schritt, wenn man seine gewohnte Umgebung
aufgeben muß.
Es sollte aber nicht so sein, daß die Familie rundum ihr Leben aufgeben muß.
Bei vielen ginge das auch überhaupt nicht, sofern die berufstätig sind,
denn es macht auch keinen Sinn in seine eigene Altersversorgung ein solches
"Loch" zu reißen.

Mein ältester Bruder hat meine Mutter bis 2010 versorgt. Die folgenden Jahre
bis letzten Oktober habe ich das mit Hilfe von Pflegediensten usw. übernommen.
Mein Bruder starb früher als meine Mutter, weil sein Gesundheitszustand
viel angeschlagener war, als der meiner Mutter.
Wenn wir das reihum machen wollten, dann würde sich einer nach dem anderen
früher "verabschieden", nur meine Mutter wäre gesund genug um über 100 Jahre
alt zu werden.

Das was man als Mutter oder Oma seinen Kindern und Enkeln Gutes tut, ist
nicht so gedacht, daß man das im Alter zurück erhalten muß. Das gibt die nächste
Generation an eine Kinder und seine Enkel zurück.
Auch wenn man seine Kinder jahrelang getragen, gewickelt und betreut hat, ist
das nicht dasselbe, als wenn man einen erwachsenen alten Menschen jahrelang
wickeln, betreuen und begleiten muß.
Das Kind wird größer und selbstständiger. Bei den Senioren geht es in die andere
Richtung und es macht nicht dieselbe Freude, als wenn man einen jungen Menschen
aufwachsen sieht.
Ein Baby oder Kleinkind wiegt nicht viel.
Das wird mit jedem Jahr selbstständiger. Beim Pflegefall geht es in die andere Richtung.

Sicherlich hat man dabei auch schöne aufbauende Momente. Das hält sich aber nicht
die Waage. Und beim Kind kann man nach einer gewissen Zeit und auch nebenher noch
seinen Hobbys und seinem eigenen Leben nachgehen. Das existiert daneben auch noch.

Es ist schön, daß Du das alles für die Oma übernommen hast.
Aber wenn sie vor 7 Monaten schon keiner gefunden hat, der das aus der Familie
übernehmen wollte/konnte, dann wirst Du in 100 Jahren dafür keinen rekrutieren können.
Auch muß das Verhältnis das die anderen Familienmitglieder haben, nicht so aussehen
wie das Verhältnis, daß Du zur Oma hattest.

Die Oma kann auch positiv zu Eurem Leben gehören und eingebunden werden, wenn
sie in einem Pflegeheim wohnen würde.

Wenn meine Kinder mir sagen:" Du kommst in kein Heim. Wir pflegen Dich", dann
sage ich denen: "Mach so etwas bloß nicht ! Bringt mich in ein Pflegeheim und kommt
mich fröhlich besuchen. "

Liebe Grüße Christina
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Marie
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Sa 09 Jan 2016, 10:59    © Marie
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Liebe Vivian,

ich kann Christina nur völlig zustimmen. Als ich (von Anfang an mit Hilfe eines Pflegedienstes, der im letzten Jahr 5x täglich kam) meinen Vater gepflegt habe, war ich schon am Ende meines Berufslebens. Trotzdem war es so, daß ich ein Jahr langvieles aufgeben mußte, was mein Leben zuvor ausgemacht hatte. Ich war jede Nacht bei ihm im Haus. Aber auch das habe ich mir so gut es ging erleichtert. Schau mal hier:
https://www.demenzforum.net/f15-tipp-lexikon-fur-die-pflege-nicht-fur-diskussionen-gedacht
unter "Klingelmatte für nächtliche Bettflucht". Dazu hatte ich in zwei Räumen Webcams und in meinem Schlafzimmer einen Laptop. Tagsüber konnte ich die Webcams auch von zu Hause aus nutzen. 5 Wochen war er in Kurzzeitpflege und ich im Urlaub im Ausland.

Trotzdem meine ich, Du solltest Dir so schnell wie möglich Pflegeheime ansehen und Deine Oma anmelden. In guten Pflegeheimen gibt es oft lange Wartezeiten. Du kannst den Beginn Deines Arbeitslebens nicht hinausschieben. Das fehlt Dir am Ende und nicht nur finanziell. Du weißt ja nicht ob es für Dich auch mal eine pflegende Enkelin geben wird. Auf die Verwandtschaft kannst Du Dich offensichtlich schon heute nicht wirklich verlassen.

Ich habe schon festgelegt, daß mein Sohn mal ein Heim in seiner Nähe (jetzt leben wir 300 km voneinander entfernt) suchen muß, wenn ich - warum auch immer - nicht mehr allein zurecht kommen kann.

Nimm' Dir die Zeit, darüber nachzudenken.  umarmung






von Marie
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
So 10 Jan 2016, 19:25    © VivoBonn
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Fussel schrieb:

Es ist schön, daß Du das alles für die Oma übernommen hast.
Aber wenn sie vor 7 Monaten schon keiner gefunden hat, der das aus der Familie
übernehmen wollte/konnte, dann wirst Du in 100 Jahren dafür keinen rekrutieren können.
Auch muß das Verhältnis das die anderen Familienmitglieder haben, nicht so aussehen
wie das Verhältnis, daß Du zur Oma hattest.

Liebe Christina, das hast du falsch verstanden.
Es soll eben keiner aus der Familie machen. Wir suchen eine 24h Betreuung.
Oma ins Heim zugeben wäre wie ein Todesurteil für sie. Sie war nie die Person die gerne mal woanders war, man musste sie schon immer "zwingen", auch vor der Demenz.
Sie lebt seit über 50 Jahren hier in der Wohnung. Ich würde es nicht ertragen sie in ein Pflegeheim zu geben, auch weil sie immer wieder sagt "Ich will hier bleiben." (Und wenn es nur darum geht Abends woanders zu essen oder so.)

Aber natürlich danke ich dir für deine lange, mitfühlende Nachricht. Es bedeutet mir wirklich viel, dass ihr mich alle so gut verstehen könnt und dass ihr wisst wie viel Arbeit es ist.
Danke.
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BeitragThema: Re: Wieso ich bei meiner Oma lebe
Mo 11 Jan 2016, 04:03    © Fussel
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Liebe Vivian!

Eine 24 Stunden Betreuung könnte man innerhalb 4 Tagen organisieren.
Mit ca 2000 €  pro Monat ist das möglich, sofern man das Geld für eine lange Zeit
zu den laufenden Kosten aufbringen kann.

Die Angebote sehen auf den ersten Blick alle etwas günstiger aus, sind sie
aber unter dem Strich nicht.

Unter dieser Summe ist kaum etwas möglich, daß ungefährlich und nicht ungesetzlich ist.

2000 € sind dabei recht knapp bemessen, weil man die zusätzlichen Lebenshaltungskosten
einrechnen muß und einige andere Kosten noch hinzu kommen.


http://www.bmg.bund.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2015-3/pflege-mindestlohn.html

Zu Beachten wäre für eine 24 Stunden Betreuung auch noch das Gesetz über Scheinselbstständigkeit
und Pausenablösungen usw.

Auch 24 Stunden für die 24 Stunden Haushaltshilfen benötigt man eine Pausenablösung und eine Lösung
für die freien Tage die man gewähren muß.

Wenn man mit diese Summe zur Verfügung steht, ist es nicht unrealistisch eine 24 Stundenbetreuung oder
Haushaltshilfe zu bekommen. Darunter ist leider kaum etwas möglich.  Zu dem ist es nicht
"ohne" denn auch an eine fremde Person im Haushalt muß sich gewöhnt werden.
Nicht alle akzeptieren eine solche Pflege und lassen zu, daß sie durch eine fremde Person 24 Std. täglich
gepflegt werden.

Ist das Geld nicht da, wäre es sicher sinnvoll, wenn man die Oma langsam über eine Tagespflege
an ein Pflegeheim gewöhnen könnte.

Es nutzt ja alles nichts, denn irgendwas muß organisiert werden, vor allem wenn man eine 24
Stundenpflege zwingend benötigt.

Ich hatte für die Schwiegereltern eine 24 Stundenpflege. Das war obwohl die Dame ein Goldstück
war nicht unproblematisch.
Als der Schwiegervater starb, konnte ich diese Lösung finanziell nicht aufrecht erhalten, denn
die Witwenrente der Schwiegermutter war bedeutend geringer und die 2. Sachleistung
in Höhe von 440 € fiel plötzlich weg.
Für meine Mutter hatte ich zeitweilig eine andere private Lösung, die auf den ersten Blick
möglich erschien, aber von Mutter nicht tolleriert wurde, weil sie ganz einfach
die Summe nicht aufbringen wolle und das was vereinbart war auch SO nicht eingehalten
wurde von dem privaten Pflegeberater der das organisiert hatte.

Meine Mutter benötigte jemanden der morgens von 8 bis 12 bei ihr war, ihr Mittagessen
bereitete und abends eine weitere Betreuung für das Abendessen und zum Ausziehen.

Das kostete ca 1200€ pro Monat.

Oftmals gingen die Damen nach dem Waschen nachhause, stellten Mutter eine Konserve hin und
gingen wieder. An manchen Tage erschien gar keiner.
Wenn nicht ausreichend Personal bei einer solchen Organisation zur Verfügung steht, kippt
das ganze. So eine "Mini-Firma" benötigt mindestens 6 Angestellte, die sich abwechseln.

Damit bekommt man keine Demenz versorgt, wobei meine Mutter etwas senil ist, aber nicht
unter Demenz leidet wie die Schwiegereltern und eigentlich leichter zu versorgen war.
Für die Schwiegermutter hätte man eine ausgebildete Kraft wegen der Unfallfolgen benötigt.

Andererseits war sie nicht invasiv beatmet, benötigte also "nur " 24 Stunden Sauerstoff, der
aber nicht abgenommen werden durfte. Wäre sie voll beatmet gewesen, hätte man
über die Krankenkasse abrechnen können. Eine solche Pflege kostet pro Monat 25000 bis 30000 €.

Meißtens scheitert so eine Organisation am finanziellen Aspekt.

Ehrlich, Vivian...
Es war erst gangbar als wir eine stationäre Pflege organisiert hatten, und die ganzen
Zwischenschritte hätte ich mir sparen können.

Die Schwiegereltern und auch meine Mutter hatten sich natürlich auch gewünscht
zuhause versorgt zu werden. Dazu hätten die aber auch bereit sein müssen,
diese Pflege zu akzeptieren und zu zu lassen.
Es funktionierte nicht, daß sich alle um die Pflegefälle herum drapieren und keiner
der Pflegefälle einen Schritt auf diese Organisation zu machen.

Sicherlich ist das oftmals nicht möglich, weil die Pflegefälle das einfach nicht mehr können.

Das ist ja nicht bösartig von denen.
Versteh mich bitte nicht falsch: Aber nur:" Ich will zuhause bleiben," ist einfach zu wenig.

Ich war froh als meine Mutter sagte: " ich will jetzt in ein Pflegeheim." Dabei hätte man gerade
sie noch lange ambulant versorgen lassen können.

Das wäre noch nicht nötig gewesen. 

Es ist schade, daß die Familien nicht mehr so aussehen, daß jemand rund um die Uhr in
der Familie ist.
Früher war das Familienbild ein anderes. Meißtens war die Mutter zuhause kümmerte sich
um die Kinder. Die ältere Generation tat das was sie noch konnte, gehört aber in den Ablauf,
kümmerte sich um die Enkel usw.

Heute nach der Kindererziehung wird oft erst einmal aufgeatmet und "Party" gemacht.
Wenn dann die Pflege ansteht, hat diese Generation 20 bis 30 Jahre alles andere zu tun gehabt,
als ein Teil dieser Familie zu sein.
Das ist nicht negativ gemeint, trifft auch natürlich nicht auf alle zu.
Aber wenn Du dich mal umhörst, und fragst wie die Planung für das Rentenalter ausschaut,
dann schwebt den meißten diese Werbung vor in denen die alten Menschen aktiv durch
die Gegend reisen und alles mögliche erleben. Die wenigsten möchten sich in der Familie engagieren,
sondern ihr Leben genießen. Sicherlich gehört die Familie mit Enkeln auch schon mal dazu,
aber immer nur dann, wenn gerade "Pause" zwischen den Reisen und Unternehmungen ist.
Dann wird nicht der Alltag mit gelebt, sondern es ist eine Art " Event".

Plötzlich ist man dann alt und kann nicht mehr und die Familien sollen einen Weg finden
den alten Menschen in ihren Alltag einzubinden, und das klappt dann in den seltensten
Fällen, weil das Leben einfach in der Zwischenzeit anders weitergelaufen ist, ohne das man
es bemerkt hat und zur Kenntnis nimmt. Dann plan das mal in einen Lebensablauf plötzlich hinein
und die Menge der Pflege und Zeit, die man aufbringen muß wird nicht weniger sondern mehr.

Keiner kann einfach mit 50 seinen Job aufgeben. Der bekommt nie wieder eine Anstellung.
Oftmals liegen in dem Alter auch schon die ersten Erkrankungen und eigenen Alterserscheinungen
vor. Das paßt einfach hinten und vorne nicht....
will sagen: unsere Art in der wir in Deutschland leben und wie wir Familie definieren ist nicht
auf die Pflege alter Menschen ausgerichtet und entspricht nicht dem Bedürfnissen.

Das hätte ich mir auch nicht SO vorgestellt.

Liebe Grüße Christina
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Wieso ich bei meiner Oma lebe

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