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 Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?

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Kathra
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BeitragThema: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Di 15 Dez 2015, 14:30    © Kathra
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Hallo,

nach dem ich mich schon vorgestellt habe, möchte ich nun gerne hier weiter schreiben.

Meine Mutter, die von sich aus den Demenz-Test in die Wege geleitet hat ("Ich werde dir beweisen, das ich nicht bekloppt bin"), hat den Test bestanden und freut sich natürlich riesig darüber.
Bei mir tun sich nun Fragezeichen auf, zu mal ich nicht weiß wie ich mit meiner Mutter umzugehen habe.

Das was ihrer Meinung nach passiert ist, ist so passiert und der Test hätte das ja wohl somit bewiesen!

- Ich soll heimlich in ihrer Wohnung gewesen sein und hätte Fotos zerrissen
- Ich hätte wichtige Unterlagen (u.a. das Scheidungsurteil meiner Eltern von 1995) vernichtet
- Meine Tochter und ich hätten sie beklaut
... und ganz vieles mehr...

Die ganzen anderen Sachen die mich so belasten sind erfundene Geschichten, die sie erzählt. Ich will mich dann darüber gar nicht aufregen aber manchmal haut sie Sachen raus, da könnte ich platzen!!!!!!!!

Wie soll ich denn nun mit dieser Situation umgehen? Meine Mutter freut sich wie Bolle und stellt das Geschehende kein Stück in Frage!
Ich war das und Basta, sagt sie.

Mit dem Arzt kann ich nicht darüber sprechen -  Meine Mutter besteht auf absolute Schweigepflicht

Vielen Dank erstmal
Kathra
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gisela
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Di 15 Dez 2015, 18:20    © gisela
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liebe kathra
viele demente, besonders im Anfangsstadium kriegen bei den demenztests wie z.b. dem minimental recht gute werte.
es sind recht einfache fragen und auch meine Mama hat anfänglich wenig Probleme gehabt.
oftmal reagieren demente menschen bei solchen tests durchaus angemessen (weil sie sich vor Autoritäten wie ärzten immer noch gut zusammen reissen können)............zeigen dann aber im alltäglichen leben doch ihre Auffälligkeiten.
durch ihre "erfundenen" Geschichten (für sie selbst sind sie oftmals nicht erfunden sondern Realität) kompensieren sie ihre eigenen Unzulänglichkeiten.....(weil es eben einfacher ist jemand anderen verantwortlich zu machen für die "seltsamen" dinge, die im hause geschehen).
ich würd sie erstmal machen lassen..........(ist nicht einfach, ich weiss)...........ihre Geschichten erzählen lassen und am besten nur benicken oder einfach sagen, ja du hast recht tut mir leid.....(ja ich weiss, auch das ist echt schwer)............und platzen dann im stillen Kämmerlein(so mach ich das auch ) oder eben hier, denn wir wissen alle wovon du sprichst.

lieben gruß
gisela






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Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Di 15 Dez 2015, 21:48    © Kathra
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Ich danke dir, liebe Gisela, für deine Antwort.

Ja, du hast recht. Ich werde sie erstmal machen lassen...und lernen alles nicht so an mich rankommen zu lassen.

Aber das ist schwer, so so schwer.... aber das weißt du ja.


Ganz liebe Grüße und alles Gute
Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mi 16 Dez 2015, 08:41    © Kathra
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Hallo,

ich habe eine andere Frage...

Das Thema mit meiner Mutter bespreche ich u.a. auch in meiner Selbsthilfegruppe (Krebs) und alle sind der Meinung, das ich auf mich aufpassen, also mich schützen, soll.
Ja, da gebe ich meiner Gruppe natürlich recht .... aber die Art und Weise, wie ich auf mich aufpassen, also mich schützen soll, das schaffe ich nicht.

Ich möchte mich am Liebsten jetzt, jetzt wo meine Mutter noch meist klar/umgänglich/normal ist, fast täglich bei ihr melden. Ich würde gerne noch mal mit ihr verreisen oder sie nun öfters zu mir einladen oder sie besuchen.

Jetzt, wo ich mich hier ein bisschen eingelesen habe und weiß, das sie für ihre Anschuldigungen/Beschuldigungen und Anklagen nichts kann, müsste es doch möglich sein das alles nicht nahe an mich rankommen zu lassen.

Nun habe ich ja mein eigenes Schicksal zu tragen und meine Gruppe ist sehr sehr besorgt um mich. Sie raten mir mich völlig zurückzuziehen und meinten ich solle mir eine Ausrede einfallen lassen um nur selten oder kaum erreichbar für meine Mutter zu sein. 

Bisher haben Mutter und ich mindestens 2x die Woche zusammen telefoniert und haben uns 4 - 6x im Moant gesehen. Und nein... es ging mir nie wirklich gut damit (muss ich leider zugeben). Mutter ist von Hause aus sehr herrisch - also wenn es nicht nach ihrem Kopf geht, wird es sehr unangenehm :-(
Das weiß meine Gruppe natürlich alles von uns und gerade deswegen sind sie der Meinung, das ich mich zurückziehen muss.

Ich fühle mich aber lieblos wenn ich das tue und das bin ich einfach nicht und will das auch nicht sein.

Was könnt ihr mir zu meinem Gefühlscaos schreiben? Ich würde es so gerne lesen....

Vielen Dank erstmal und liebe Grüße
Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mi 16 Dez 2015, 09:44    © lucky
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Deine Selbsthilfegruppe hat vollkommen Recht. 2 Telefonate die Woche und ein Besuch, den Rhythmus solltest Du beibehalten.

Du bist die Hauptperson, die auf ihre Gesundheit achten muss. 

Deine Mutter möchte Dich ja gar nicht umfangreicher in ihr Leben einbeziehen. 

Hat sie weitere Bezugspersonen?

Oder ist sie eh Einzelgänger?
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Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mi 16 Dez 2015, 11:49    © Kathra
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Meine Mutter hat zwei gute Freundinnen, sie steht also glücklicherweise nicht alleine da.
Und aus der Familie hat sie nur noch zu mir Kontakt. - Ich habe noch 2 Geschwister -

Ein Teil der Selbsthilfe-Gruppe rät mir zum völligen Kontaktabbruch und der anderen Teil rät mir, das ich mich viel viel seltener bei ihr melde.
Zwei Telefonate und ein wöchentlicher Besuch wären also zuviel.
Tut mir leid, wenn ich mich nicht klar ausgedrückt habe....

Ein massiver Rückzug kommt nicht in Frage, das wäre tatsächlich sehr lieblos

Ganz liebe Grüße
Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mi 16 Dez 2015, 12:15    © Admin
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Liebe Kathra

Ich möchte mal versuchen dir beim Gedankenkarrussell etwas zu helfen. Bitte korrigiere mich wenn ich mit irgend einer Vermutung dabei falsch liegen sollte. Ich möchte nun erstmal nur versuchen aktuelle Begebenheiten zusammen zu fassen.


  1. Deine Mutter hat den Demenztest bestanden. Auch wenn hier nur die reine Beweisende - also "ihre" Motivation bei Diesem, für den Augenblick die notwendige Konzentration gegeben hat. So zeigt sie dir damit aber jetzt erst recht, dass sie keine echte Hilfe will, geschweige noch von dir bekommen möchte...
  2. Rein offiziell gesehen hat sie durch das aktuelle Testergebnis auch keine Demenz und bleibt somit auch voll "Geschäftsfähig" wie man das so nennt. Selbst wenn du sie persönlich anders erlebst und wahrnimmst - wie es übrigens schon Vielen hier in der Anfangszeit ging. So bleibt dies für den Moment ein offizieller Fakt.
  3. Scheint sie mir eine herrische Art an sich zu haben, die als Gegenpol dein Schuldgefühl (vermutlich schon viele Jahre) für sich benutzt hat.
  4. Scheinst du nun gerade selber einen Kampf in Bezug auf deine Gesundheit zu haben, wo dich enorm viel Kraft brauchen wird und Diese folgedessen auch ganz genau eingeteilt werden muss.....


Und jetzt komme ich zum Thema wo aus meiner Sicht der Unterschied zwischen  Sinn und Unsinn liegt:


  1. Egal wie begrenzt wir Alle dabei sind, so können wir immer nur soviel helfen, wie wir auch die Kraft dazu haben. Manchmal müssen dabei unsere Grenzen dazu ganz klar neu definiert werden, um für das wirklich Wichtige aktiv zu sein. Nicht selten sogar in Bezug auf unsere Eltern - und manchmal sogar zum ersten mal in unserem Leben....
  2. Denn so wie es bis anhin war scheint mir auch bei dir nicht mehr möglich zu sein.
  3. Dies setzt also automatisch auch eine möglichst genaue Einteilung unserer eigenen Kräfte voraus, auch wenn wir diese noch so gerne unbegrenzt hätten. Denn wir können (egal um was es sich dabei handelt) immer nur die Kraft für Andere verwenden, die wir selber bei uns auch gepflegt und zur Hand haben.
  4. Im Augenblick will und braucht deine Mutter deine Hilfe nicht. Und ja, auch wenn eine Demenz vieles an Verhalten entschuldigt, so scheint mir deine Mutter noch ganz viel Energie zur "Normalität" zu haben, wenn es für sie ganz Persönlich notwendig erscheint.
  5. Folgedessen würde ich meinen, das du im Augenblick durchaus Dich auf deine eigene Genesung voll konzentrieren darfst. Um dann, wenn es wirklich soweit ist und deine Mutter von dir auch Hilfe annehmen kann und (echt) braucht, du ihr von deiner gesammelten Kraft etwas abgeben kannst.


Wir Menschen neigen dazu, wenn wir ein Problem wahrnehmen dieses direkt angehen und lösen zu wollen. Leider vergessen wir dabei aber auch viel zu oft, das sich manchmal der Zeit einfach nicht vorgreifen lässt, sondern ein geduldiges Warten auf den richtigen Moment abverlangt. Zumindest wenn wir keine unnötige Energie verbrauchen wollen, wo auf andere Art dringender gebraucht wird.


Kurz gesagt liebe Kathra. Egal wie ich es drehe und wende, so hat deine Selbsthilfegruppe hier vollkommen recht. Nutze die Zeit wo deine Mutter jeden Test noch besteht, um an deiner eigener Gesundheit zu arbeiten. Ziehe dich dazu zurück solange deine Mutter noch jeden Test bestehen wird und dich nur als (böse gesagt) Sandsack nutzen möchte um ihre Eigeneinsicht weiter verdrängen zu dürfen. Lerne, dich als eigene Person soweit ernst zu nehmen, das du deine Mutter weniger von der rein emotionalen Sicht, sondern auch aus der Vernunftsicht betrachten kannst. Ich weiss, ein schwerer Prozess, an dem ich selber gerade am mühsamen lernen bin. Halte dir dabei auch eines ganz klar vor Augen: Nämlich, wirklich liebende Eltern würden niemals wollen, das wir uns selber zur ihren Gunsten aufgeben und auf der Strecke bleiben würden. Tun sie das jedoch nicht, dann wird es auch wichtig unseren Selbstschutz einbeziehen zu dürfen/müssen.

Wieweit ich dir nun in deinem persönlichen Gedankengewirre helfen konnte....Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe von Herzen, dass ich dir wenigstens ein paar hilfreiche Inputs geben durfte.






Liebe Grüsse
 

"Trauer ist ein Teil des Lebens, aber sie darf nicht das ganze Leben werden."
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Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mi 16 Dez 2015, 13:19    © Kathra
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Liebe Ursula,

vielen vielen Dank für deine Antwort.
Unfassbar, wie viel Zeit du dir für mich genommen hast...

Ich fühle mich durch deine Worte wirklich angesprochen und werde mir das ganz oft durchlesen, denn sie tun so gut!

Vielen Dank für deine wirklich hilfreiche und zeitintensive Antwort.

Ganz liebe Grüße
Kathra (fühl dich bitte gedrückt)
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Quintilia
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Fr 18 Dez 2015, 19:32    © Quintilia
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Hallo, liebe Kathra,

von mir erstmal ein herzliches Willkommen im Forum. Da ich mich (und meine Mama) so sehr in deinem Beitrag wiederfinde, möchte ich versuchen, dir zu antworten.

Erstens: Auch meine Mama hat den Demenztest nahezu immer bestanden. Beim letzten Mal hatte sie gar 27 von 30 Punkten, gilt also demnach als "normal". Das finde ich angesichts meiner Erfahrungen mit ihr so völlig absurd, dass ich seitdem keinen Termin mehr mit ihr beim Neurologen wahrgenommen und daher auch kein neueres Testergebnis mehr habe. Ich brauche keins - ich weiß, was los ist. Und dass sie noch nicht soweit ist, dass sie ihren Namen, ihr Geburtsdatum, ihren Wohnort etc. nicht mehr kennt - nein, so weit ist Mama gottlob noch nicht.

Auch meine Mutter ist ein sehr herrischer Mensch und unser Verhältnis war - wie wohl auch das eure - nie das Allerbeste. Nun, das macht es nicht leichter.

Auch ich bin zu Beginn von Mutters Erkrankung (zumindest dem offiziellen) selbst sehr krank gewesen: Ich litt unter sehr schweren Depressionen, war fast ein halbes Jahr krank geschrieben und konnte mit Mutters Ausbrüchen, Anschuldigungen, dominantem Verhalten... überhaupt nicht mehr umgehen. Ich wäre wirklich fast vor die Hunde gegangen.

Ich wollte mich so sehr mehr um sie kümmern, für sie da sein, eine liebevolle Tochter sein, diesen Weg aus tiefstem Herzen und mit dem liebevollsten Engagement mit ihr gemeinsam gehen. Doch das war SO nicht möglich. Sie hätte mich in den Wahnsinn bzw. den Selbstmord getrieben, zumal ich mir alles, was sie gegen mich vorbrachte, ungeheuerlich zu Herzen nahm.

Heute habe ich verstanden, was hinter meinem Verhalten steckte: Jetzt, da es ihr "schlecht" ging, da wollte ich ihr endlich mal beweisen, was für eine gute Tochter sie eigentlich hat, ich wollte, dass sie nach über 43 Jahren mal sieht, was sie an mir hat, dass wir dadurch endlich wirklich zueinander finden, so wie ich es mir mein ganzes Leben lang tief in meiner Seele gewünscht habe. Ich wollte die letzten 43 Jahre gut machen. Zumal uns ja nun durch die Krankheit die Zeit davon läuft, nicht wahr?

Vielleicht geht es Dir da ähnlich, liebe Kathra.

Inzwischen (nach zwei Jahren) habe ich einsehen müssen, dass es nichts mehr gutzumachen gibt, liebe Kathra. Ich kann tun und lassen was ich möchte - wirklich recht ist es nie. Zumindest nicht vor den Augen meiner Mutter.

Als ich die immer wiederkehrenden Beschuldigungen (Geld gestohlen etc.) endlich Leid war und sie nicht mehr aushalten konnte, da habe ich mich - so weit ich es mit meinem Gewissen vereinbaren konnte - zurückgezogen. Das ist bei uns nicht so einfach, denn wir wohnen im selben Haus. Aber du weißt vielleicht, was ich meine: Ich hab ihr ganz viel wieder selber überlassen, z.B. sich irgendetwas zu essen zurecht zu "basteln". Vorher bin ich täglich von der Arbeit heimgehetzt, um uns gemeinsam was zu kochen, hab mit ihr gegessen - auch wenn es mir bis unter die Augenbrauen stand, dann noch Kaffee mit ihr getrunken usw. Heute tue ich das nur, wenn ich Lust dazu habe. Und siehe da: Das klappt auch! Sie schlägt sich wacker so einigermaßen durchs Leben und mir geht es viel viel viel viel besser.

Der einzige sinnvolle Satz, den dieser Neurologe je zu mir gesagt hat, war der: "Schonen Sie Ihre Nerven, das Leben ihrer Mutter ist am Ende, sie haben dagegen noch viele Jahre vor sich, die es zu bewältigen gibt."

Und diesen Gedankenanstoß möchte ich hiermit an dich weitergeben, liebe Kathra:

Schau auf DICH, du hast eine schwere Erkrankung zu bewältigen! Leb' DEIN Leben - deine Mutter hat ihres gelebt. Es ist wahrscheinlich nichts mehr "gut" zu machen zwischen euch. Absurde Geschichten, Misstrauen, etc., das wird bleiben, das wird nicht besser, nur weil du sie aufopfernd begleitest. Eher im Gegenteil!

Ursula hat es so schon geschrieben: Sie will bzw. braucht deine Anwesenheit und Unterstützung jetzt (noch) nicht. Schone dich, spare dir deine Kräfte für die Zeit, wenn du sie benötigst. Denn die wird kommen.

Fühle deswegen ganz genau hin, wieviel du jetzt im Augenblick geben kannst und willst, aber grenze dich ab gegen ihre Angriffe, wenn sie dich so mitnehmen. Das ist nicht lieblos. Das ist verantwortungsvoll. Das muss ja nicht heißen, dass du den Kontakt total abbrichst (das hab ich auch nur ein paar Wochen geschafft). Aber spüre ehrlich in dich hinein, was du aushalten kannst, denn du hilfst niemandem, wenn du jetzt zugrunde gehst.

Ganz liebe, mitfühlende Grüße
Petra

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Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Sa 19 Dez 2015, 13:37    © Kathra
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Liebe Ursula,

ich möchte mich nochmal für deine Antwort herzlich bedanken.
Und ja, du hast recht...so recht. Du hast das alles so auf den Punkt gebracht und ich konnte auch schon mit guten Gewissen (naja nicht sooo ganz) meiner Mutter zwischenzeitlich Grenzen stecken.
Ich werde mich zukünftig noch besser UM MICH kümmern und Mutter einfach erstmal machen lassen.

Ganz liebe Grüße
Kathra

Liebe Petra,

auch dir möchte ich ganz herzlich für deine Antwort danken.
Mir ist es auch mittlerweile sowas von egal geworden (!), ob meine Mutter die (vielleicht) künftigen Tests besteht oder nicht besteht. Ich weiß auch so was los ist, wie du ja leider auch - und was kommen kann..........

Auch ich erkenne mich in deinem Beitrag wieder, liebe Petra und danke dir für deinen Gedankenanstoß, der, wie von Ursula auch, mich weiter bringen wird! Ich werde jedenfalls daran arbeiten!

Liebe Petra, pass weiterhin gut auf dich auf. Aber so wie ich das lese, machst du das ganz prima!

Ganz liebe Grüße
Kathra
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Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
So 15 Mai 2016, 17:00    © Kathra
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Ihr Lieben,

nach reiflicher Überlegung und schlaflosen Nächten habe ich mich nun entschlossen, den Kontakt zu meiner Mutter ganz und gar abzubrechen.

In den vergangenden Monaten habe ich meine Mutter immer 1x wöchentlich besucht und/oder mit ihr telefoniert.
Wenn ich dann bei ihr war spürte ich immer eine eisige Kälte die von ihr ausging und auf Nachfrage, was ich denn für sie tun könnte oder was sie denn genau für ein Problem mit mir hätte, ging es los....

Um es kurz zu machen: Ich sage, tue und mache in ihren Augen alles falsch. "Du bist kein guter Mensch" und " Du machst immer Fehler".

Das Fass ist nun vorgestern übergelaufen:
Meine Mutter und mein Sohn brauchten mich als Fahrer für die Pflanzen, die für meinen Sohn besorgt werden sollten (ein Geburtstagsgeschenk von meiner Mutter) und natürlich half ich gerne, keine Frage.
Mein Sohn und ich holten also Oma ab und schon die Begrüßung fiel sowas von unpersönlich aus. Mir reichte sie die Hand mit einem Gesicht, als ob ich die Krätze hätte. Ehrlich wahr!! Meinen Sohn dagegen riss sie in ihre Arme und herzte ihn sehr. Gut, dachte ich...das kann ja jetzt spannend werden...

Auf dem Weg zum Blumencenter war ich Luft. Ein Gespräch zwischen mir und meinen Sohn erstickte meine Mutter im Keim. Wir tolerierten ihr Verhalten und zwinkerten uns nur zu. Im Blumencenter ließ ich die Zwei alleine machen, da ich mir total überflüssig vorkam. So kümmerte ich mich um meine eigenen Pflanzen und half den Beiden zum Schluss alles in mein Auto einzuladen.
Auf der Fahrt zu meinem Sohn fing dann meine Mutter an mit mir zu stänkern...Sie ließ da Sachen ab, die ich nicht nachvollziehen konnte. Auf Nachfrage wurde sie lauter bis mein Sohn sagte, das sie mich doch endlich mal in Ruhe lassen sollte und das er das nicht ertragen könnte.
Mir schossen die Tränen in die Augen und betete jetzt nur nicht weinen zu müssen....später aber nicht jetzt!
Bei meinem Sohn angekommen half ich die Pflanzen in den Fahrstuhl zu schaffen und sagte dann, das ich lieber jetzt nach Hause fahren wollte. Er drückte und küsste mich und sagte, das er es verstehen könne und das er sich melden würde. Meiner Mutter hauchte ich einen Kuss auf die Wange und wünschte ihr noch einen schönen Tag...und weg war ich.

Mir reicht es jetzt! Solange meine Mutter jeden Demenz-Test besteht, ihren Haushalt selbst führen kann und ihre Freundinnen hat, bin ich weg!
Ich will nicht länger ihr Blitzableiter sein...


Und nun mein älterer Bruder:
Er ist als Jugendlicher zum Amt und hat um eine Heimunterbringung gebeten und bekommen. Wir stehen im unregelmäßigen Kontakt und er lobt den lieben Gott weit, ganz weit weg, wohnen zu dürfen... Und er wäre aber sehr froh zu wissen, das sich wenigstens einer um unsere Mutter, da unser mittlerer Bruder den Kontakt zu ihr abgebrochen hat, kümmern würde.

Von meinem Rückzug-Entschluss ist er nun gar nicht begeistert und sagt, das sich wenigstens einer kümmern muss!
Nein, sagte ich, nicht auf Kosten meiner Gesundheit...ich könne einfach nicht mehr und im Moment würde sie ja auch prima allein zurecht kommen?
Dazu sagte er nichts und wechselte das Thema.

Ja, so sieht es bei mir aus.
Es tut mir unendlich weh wie meine Mutter mit mir umgeht und das ich ihre Vorwürfe nicht verstehen oder nachvollziehen kann. Ihre beste Freundin, bei der ich mir Rat/Tipps geholte habe, kann mir auch nicht helfen. Sie meint, meine Mutter wäre verbohrt, irgendwie käme sie da auch nicht mit und könne auch nicht vermitteln. Sie ist, genauso wie mein Sohn, ihren Wutausbrüchen gegen mich und meiner Tochter, die leider auch betroffen ist, sozusagen ausgeliefert und kämen nur durch ein rigeroses Themawechsel aus der Situation raus.

Ich wollte euch damit auf dem Laufendem halten... und bleibe aber trotzdem hier bei euch winke

Schöne Pfingsten wünsche ich euch und viele Grüße
Kathra
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Ulli
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
So 15 Mai 2016, 19:03    © Ulli
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Liebe Kathra,

es tut mir für dich unendlich leid, dass du von deiner Mutter so behandelt wirst.
Man kann nicht alles mit Krankheit  entschuldigen.
Du kannst doch nicht immer nur Rücksicht nehmen !

Sieh es so ........ sie will weder dich noch deine Hilfe und da du in ihren Augen eh alles falsch machst ist es besser du ziehst dich zurück.
Du mußt für dich die Reißleine ziehen. Was zu viel ist - ist einfach zuviel.
(aus der Ferne kannst du ja immer noch beobachten zwinker )

Laß dich mal drücken - liebe Grüße - Ulli
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mo 16 Mai 2016, 00:33    © Marie
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Liebe Kathra,

ich kann Dich gut verstehen.  Als die Demenz meiner Mutter offensichtlich wurde habe ich glücklicherweise einige hundert km entfernt gewohnt. Ich hätte mich gar nicht kümmern können. Wenn ich doch mal an einem WE da war, dann nur, um meinem Vater etwas zu helfen. Hier ins Forum bin ich erst durch die Demenz meines Vaters gekommen (und nach seinem Tod vor über 3 Jahren geblieben). Da war die Situation ganz anders. Ich wohnte wieder in der gleichen Stadt und mußte nicht mehr arbeiten. Da ist mir wirklich nichts zu viel geworden. Hatte ich doch zu ihm stets ein ganz anderes und viel besseres Verhältnis.

Ich denke, daß man sich nicht zwingen muß, für Vater oder Mutter da zu sein, wenn man das nicht möchte. Es gibt genügend Hilfsmöglichkeiten, die man organisieren kann. Etwas, wozu man sich immer wieder zwingen muß, kann am Ende nicht gut werden. Wenn auch Deine Brüder sich nicht kümmern können/wollen, dann gibt es die Möglichkeit, daß das Gericht jemanden bestimmt, der sich kümmert - wenn es denn unbedingt nötig ist.

umarmung






von Marie
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mo 16 Mai 2016, 15:20    © gisela
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liebe kathra

wie sehr kann ich deine Gefühle nachempfinden.
ich bin in den augen meiner Mama auch die schlechteste tochter der welt.
meine Mama ist auch zu jedem freundlich, ausser zu mir.
SIE hat zwar eine Demenz, dass macht es aber auch nicht leichter zu ertragen.
ich kann verstehen, dass du dich zurückziehst.
umarmung

lieben gruß
gisela






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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mo 16 Mai 2016, 17:10    © Kathra
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Liebe Marie, liebe Ulli, liebe Gisela

vielen Dank für eure Antworten I love you

Wenn es irgendwann einmal so kommt, das meine Mutter wirklich nicht mehr kann, kann ich mir immer noch überlegen wie es weiter gehen soll.
Aber im Moment ist es wirklich besser für mich erstmal zu gehen.

Was ich mich aber zur Zeit frage ist, was fällt in ihrem Verhalten unter Demenz und was nicht?
Wären keine Dinge verschwunden bzw. sie mich und meine Tochter nicht beschuldigt hätte sie bestohlen und meinen Neffen ihren Laptop absichtlich vertauscht zu haben, dann würde ich meinen, sie hätte ein ganz anderes krankhaftes Problem.

Die langjährige Freundin meiner Mutter, zu der ich einen sehr freundlichen Kontakt habe, beschreibt meine Mutter als kompromissbereit, um- und zugänglich... nur bei einem Thema nicht: Mutters Familie (mein Vater, meine Geschwister, meine Tochter und ich).

Mein Sohn beschreibt seine Oma als sehr liebevoll aber auch als herrisch, engstirnig und daher auch als sehr anstrendend. Leider, so sagt er, bringt sie das Thema Familie immer wieder auf den Tisch (Bei mir lädt sie alles ab..). Ein vernünftiges Gespräch über ihr Problem mit uns wäre nie möglich, da hat er aufgegeben.

Meine Tochter sagt Oma wäre bösartig zu ihr, weshalb sie sich nicht mehr bei ihr blicken ließe oder nur noch im Beisein einer weiteren Person. Alleine nie wieder, sagt sie.

Meine Mutter übt eine ehrenamtliche Beschäftigung aus, wo sie sich um eine ältere Dame kümmert. Die Familie der älteren Dame ist von meiner Mutter sehr angetan das zur Folge hat, das meine Mutter auf Familienausflüge und -feiern mitgenommen wird.

Ich kann das alles nicht nachvollziehen...

Ich rufe entweder zu selten an oder zu oft (1x die Woche, also immer regelmäßig)
Gehe ich sie besuchen, komme ich immer unpassend (obwohl verabredet)
Bringe ich Brötchen mit, sind es zu wenig. Bringe ich dann mehr mit, sind es zu viele.
Will ich sie zum Bummeln/Kaffeetrinken einladen weil es ihr Wunsch ist von mir abgeholt zu werden, sagt sie ab, weil ich eh zu wenig Zeit hätte (Hä?)

Alles, alles ist verkehrt was ich mache und tue während die Freundin meiner Mutter solche Probleme nicht kennen würde. Merkwürdig, oder?

Ich drücke euch auch umarmung 
Liebe Grüße
Kathra
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Quintilia
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Fr 20 Mai 2016, 18:50    © Quintilia
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Kathra schrieb:
Von meinem Rückzug-Entschluss ist er nun gar nicht begeistert und sagt, das sich wenigstens einer kümmern muss!

Mad Unglaublich, wie sich unsere Geschichten ähneln. Wenn ich hier bei dir lese, so ist es mir, als würde ich mein eigenes Tagebuch nochmal lesen. So einen Bruder habe ich auch - der zweite hat jeden Kontakt abgebrochen.  Wie gibt's das bloß?

Schön, dass sie immer alle wissen, was sein "muss" - Hauptsache sie sind nicht davon betroffen!  wut Mein Bruder ist aktuell grad wieder in Urlaub. Den Sommer verbringt er 4 Wochen am Stück in Norwegen. Ist ja alles kein Problem. Einer muss sich kümmern (der Nachsatz lautet leider: Und das bist du!)

Nein, Kathra, du MUSST gar nichts, WIR müssen gar nichts - außer auf dich (uns) aufpassen. Du machst das schon richtig! 

Ganz liebe, mitfühlende Grüße
von Petra (die gottlob schon ein ganzes Stück weiter aus der Sache raus ist wie du. Vielleicht macht dir das Hoffnung: Man kann da rauskommen!)
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Sa 21 Mai 2016, 13:04    © Kathra
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Liebe Petra,

vielen Dank für deine Antwort I love you 

Ich habe schon angefangen in deinem Tagebuch zu lesen und wirklich... unsere Geschichten ähneln sich sehr!
Und passend dazu... ich heiße auch Petra Wink

Nein, wir müssen nichts, da hast du recht!

Ich drück dich ganz doll
Petra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Sa 21 Mai 2016, 15:09    © Quintilia
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Kathra schrieb:
Ich habe schon angefangen in deinem Tagebuch zu lesen ....

Ich hab's vor zwei Nächten auch nochmal komplett durchgelesen und zweifle daran, dass überhaupt herüberkommt, wie fertig ich in den ersten beiden Jahren mit den Nerven war. Jede Konfrontation, jede übellaunige Äußerung hat mich für Tage komplett aus der Bahn geworfen und auch dazwischen war ich wie 24-Stunden-unter-Dauerstrom. Es war, als hätte mich Tag und Nacht jemand an den Haaren.

Wenn's dir nicht zu viel wird, lies es dir ruhig ganz durch. Ich kann selber kaum glauben, dass ich mich aus dieser tiefen emotionalen Krise so weit befreien konnte. Wie das ging, das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr, ich hab's einfach geschafft, mich innerlich irgendwie mehr zu distanzieren. In diesen ersten beiden Krisenjahren da lag unsere (Mamas und meine) komplette katastrophale Lebensbeziehung völlig mit drin: Mein ganzer lebenslanger Schmerz, Frustration, Trauer, Wut, Sehnsucht.... nach einer liebevollen Mutter, die mich liebt und anerkennt und respektiert so wie ich bin.

Wie ich dir schon mal geschrieben habe: Es ging mir ab dem Zeitpunkt besser, als ich den Gedanken zulassen konnte, dass das ein Umstand in meinem Leben ist, der niemals wieder gut zu machen ist. Es ist vorbei. Ich bin nicht mehr das Kind, die Jugendliche... die unter der fehlenden Liebe ihrer Mutter leiden muss. Das ist Vergangenheit. Jetzt bin ich erwachsen. Es ist nicht mehr zu ändern. Als ich das loslassen und zulassen konnte, da ging's mir auch besser irgendwie. 

Nicht, dass sie es nicht schafft, mich nach wie vor gelegentlich mit einer Äußerung tief zu treffen. Aber es ist lange nicht mehr so existenziell. Jetzt muss ich ihr mich nicht mehr aufdrängen, ihr nichts mehr beweisen. Wenn sie mal wieder ausfällig wird, mache ich schweigend die Tür hinter mir zu und lass sie links liegen, bis es wieder besser wird. Ich tue nicht mehr mehr als nötig. Wenn man so sagen will: Ich bin im Hintergrund da, übernehme, was zu übernehmen ist und lasse sie im Großen und Ganzen machen. Vieles klappt ja noch ganz gut. Und wenn es nicht so gut klappt, sie es aber so in Ordnung findet, nun gut, dann soll es eben so sein. Wenn sie um Hilfe bittet, bin ich sowieso jederzeit bereit zu helfen. Wenn sie mich braucht, dann bin ich da. Das ist meine Mutter, egal was war. Ansonsten leiste ich keinen vorauseilenden Gehorsam mehr. Das spart unendlich viel Kraft. 

Lies ruhig weiter mein Tagebuch. Vielleicht hilft es dir zurück zu deinem Seelenfrieden! Ich wünsch es dir von Herzen.

Ganz ganz liebe Grüße
Petra
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Aphrodite
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
So 22 Mai 2016, 11:39    © Aphrodite
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Hallo Kathra

Ich kann dir das gut nachempfinden. Ich habe das seit zwei Jahren mit meiner Mutter hinter mir.
Wir hatten eine sehr enge Beziehung die an der Demenz zerbrochen ist.  Sie veränderte sich
total für mich. Mein Mann und ich sind beide behindert. Das schwerste für uns war auf einmal
die Umstellung. Das wir fast ihr Leben übernehmen mussten. Meine Mutter war früher eine
sehr starke Frau.
Ich bin transplantiert. Meine Ärzte rieten mir mich von meiner Mutter abzugrenzen. Ich kenne
auch die Beschuldigungen. Sehr geholfen hat mir hier das Forum einen anderen Umgang mit
ihr aufzubauen. Heute kann ich mich abgrenzen und kommen Beschuldigungen was durchaus
passiert dann lege ich Beziehungspause ein.
Das schlechte Gewissen hatte ich in der ersten Zeit auch. Das konnte ich jedoch erfolgreich
runter fahren. Ich bin inzwischen soweit das ich mein Leben wieder in vollen Zügen genießen
kann. Ich bin ein Stück für meine Mutter da. Doch lasse ich mich nicht mehr völlig von ihr
runter ziehen. Sie versucht es noch doch sie schafft es nicht mehr.
Ich glaube auch das sie inzwischen Respekt vor mir hat. Ich kann ihr Ansagen machen.
Mache dies aber immer auf die Höfliche Art. Das klappt am besten.
Wenn du weiter machen willst suche dir bitte einen Weg dich von deiner Mutter abzugrenzen.
Das ist unendlich wichtig für dich. Wichtig ist auch das du dich in deinem Leben wohlfühlst
wieder ohne schlechtes Gewissen. Um so besser kann dein Körper arbeiten. Du bist schon
auf dem richtigen Weg. Ich kann dir das nur raten mit allem anderen kommst du nicht weiter.
Da spreche ich aus Erfahrung. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut für dich selber.
Erst kommst du und dann deine Mutter. Das ist eine Umstellung aber sie lohnt sich.
Liebe Grüße Aphrodite
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Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mo 23 Mai 2016, 13:38    © Kathra
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Liebe Petra, liebe Aphrodite,

die Beziehungs-Pause zu meiner Mutter tut mir grad sehr sehr gut und werde, wenn sie sich melden sollte, bis dahin viel Kraft getankt haben.

Ich bedanke mich für eure Antworten und nehme mir diese sehr zu Herzen! I love you

Ganz liebe Grüße
Kathra
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mo 23 Mai 2016, 15:39    © Quintilia
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Guuuuuuuut gemacht, liebe Kathra.

Komm, lass dich mal fest drücken. 
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Aphrodite
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BeitragThema: Re: Mutter hat den Demenz-Test bestanden - und nun?
Mi 25 Mai 2016, 11:32    © Aphrodite
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Hallo Kathra

Hier möchte ich mich auch noch mal zu Wort melden. All das was du mit
deiner Mutter erlebst gehört zur Demenz. Ich habe Ähnliches mit meiner
Mutter erlebt. Zum Beispiel habe ich im ersten Jahr bösen Streit mit ihr
gehabt. Ich bin fast wahnsinnig geworden. Weil ich das von ihr überhaupt
nicht kannte. Erst heute weiß ich durch das Forum warum.
Ich habe eine Freundin im Kloster. Die hat mir geholfen meiner Mutter
zu verzeihen. Und zwar alles was schief gelaufen ist die letzten Jahre.
Und da ist eine Menge schief gelaufen durch die Erkrankung.
Dieses Los Lassen von den Negativ Erlebnissen haben mein Leben
wieder lebenswert gemacht. Wieder ohne Druck leben zu können.
Dafür wirst du noch eine Weile brauchen doch du gehst den richtigen
Weg. Ich brauchte den Kontakt zu meiner Mutter nicht abbrechen.
Was mir hilft ist der Abstand zu ihr. Und sie auch machen zu lassen.
Bei meiner Mutter fehlt die Krankheitseinsicht. Das sehe ich auch bei
deiner. Meine Mutter kann nicht erkennen wie krank sie wirklich ist.
Und deshalb reagiert sie auch so. Das hat gedauert eh ich das begreifen
konnte. Ich habe das inzwischen für mich akzeptiert. Es dauert aber eh
man an den Punkt kommt.
Erhole dich erst mal und siehe zu das du irgendwie zur Ruhe kommen
kannst. Du bist ja nicht allein.

Liebe Grüße Aphrodite
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