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 Unterschiedliche Ausprägungen bei der Diagnose Demenz

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peruzzi
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BeitragThema: Unterschiedliche Ausprägungen bei der Diagnose Demenz
Mi 10 Feb 2016, 09:49    © peruzzi
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Hallo liebe Forenbesucher,

nachdem ich den Tod meines Vaters ein wenig verarbeitet habe hätte ich bezüglich der Demenz und der Ausprägungen ein paar Fragen.

Mein Vater litt an einer vaskulären Demenz. Im Vorstellungsthread habe ich die damit verbundene Odysee ausgiebig geschildert.
Er war schon früher sehr herrschsüchtig was scheinbar bei der Demenz immer stärker zum Ausbruch kam.
In unserer Einliegerwohnung lebt meine Schwiegermutter. Sie hat schon wesentlich länger zumindest die Diagnose Demenz bekommen ist aber das Gegenteil meines Vaters. Sie ist lieb und dankbar, aber mit leider allen Symptomen der Vergesslichkeit.

Während mein Vater aber immer viel Durcheinander und wenig Zusammenhängendes redete, misstrauisch gegenüber jedem war konnte er sich aber oftmals an Dinge aus der nahen Vergangenheit erinnern.

Meine Schwiegermutter dagegen redet absolut normal und man merkt es ihr kaum an. Fragen darf man ihr aber nicht stellen und im Gegensatz zu meinem Vater kann sie sich kaum noch an etwas erinnern, was 1 Stunde und länger zurückliegt außer an die Dinge, die im Langzeitgedächtnis abgelegt sind.

Die Diagnose Demenz wurde bei ihr schon vor 5 Jahren gestellt. Blicke ich auf den Anfang zurück, so muss ich sagen hat es sich nicht gravierend verschlechtert. Sie kann alleine im Haushalt leben, stellt nichts an und hat keinerlei Weglauftendenz.

Bei meinem Vater ging alles rasend schnell Diagnose vor einem Jahr und danach extremer Abbau der geistigen Fähigkeiten bis zum Nichterkennen seiner Kinder.

Meine Schwiegermutter nimmt seit bekannt ist, dass sie daran erkrankt ist, regelmäßig Tabletten. Diese wurden im Einvernehmen mit ihrem Sohn, der Arzt mit Spezialgebiet Psychologie ist, ausgesucht (Memantime).

Können die Demenzen so unterschiedlich verlaufen? Verläuft jede Demenz im Endstadium so wie bei meinem Vater oder habe ich berechtigte Hoffnungen, dass meine Schwiegermutter die pflegeleichte Person bleibt, mit der man auch jetzt noch über alles reden kann. Sie sagt z.B. ständig, dass sie Angst hat uns immer mehr auf die Nerven zu gehen. Sie redet im Beisein vieler anderen Menschen nichts mehr, weil sie Angst etwas doppelt zu sagen. Sie würde sich sogar freuen später einen Pflegeperson im Haus zu haben. Sie hatte die Pflegeperson meines Vaters, die er nur attakierte, sofort ins Herz geschlossen und gesagt, wenn sie so jemand bekommen würde wäre sie glücklich. Sie weiß um ihre Defizite und kann dies auch verbal ausdrücken.

Bei ihr könnte ich mir zumindest im Moment überhaupt keine Heimunterbringung vorstellen.

Der Arzt sagt auch, dass sie mehr ein Gedächtnisproblem anstatt einer schweren Demenz hätte. Dennoch habe ich Angst vor der Zukunft, da ich durch meinen Vater und dessen äußerst aggressives Verhalten gebrantmarkt  bin.

Vielleicht kann jemand von euch zu dem Thema, welches mich seit dem Tod meines Vaters sehr beschäftigt, dazu schreiben.

Liebe Grüße und eine schöne Woche

Werner
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Marie
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BeitragThema: Re: Unterschiedliche Ausprägungen bei der Diagnose Demenz
Mi 10 Feb 2016, 12:57    © Marie
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Lieber Werner,

ich denke schon, daß Demenz bei jedem etwas anders verläuft. Während es bei meiner Mutter auch sehr schnell ging, daß sie nicht mehr gesprochen hat, hat sich mein Vater zwar öfter unverständlich, zuletzt aber auch noch deutlich äußern können. Meine Mutter war zunächst recht aggressiv, wenn ich mal zu Besuch kam und versuchte, den Haushalt ein bißchen auf Vordermann zu bringen. Mein Vater hat sich dann immer gleich verzogen, um mal etwas Ruhe zu haben. Anfangs wurde die Demenz auch nicht si bemerkt, weil sie war wie immer schon - nur schlimmer (weil sie nicht mehr in der Lage war, sich angepaßt zu verhalten. Hat auch jede Hilfe abgelehnt.

Mein Vater war bis zum letzten Tag geduldig und freundlich - es sei denn man riß ihn aus dem Schlaf und verlangte, daß er sofort aufstehen sollte. Er hat von Anfang an Hilfe akzeptiert, teilweise sogar darum gebeten.

So wie ich es erlebt habe, haben sich meine Eltern in ihrem Verhalten durch die Demenz (die nie von einem Arzt festgestellt wurde) nicht wesentlich verändert. Bei meiner Mutter habe ich es allerdings mehr aus der Ferne erlebt.

Verlaß' Dich einfach mal darauf, daß Deine Mutter friedlich und freundlich bleiben wird.






von Marie
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Babsi55
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BeitragThema: Re: Unterschiedliche Ausprägungen bei der Diagnose Demenz
Mi 10 Feb 2016, 15:38    © Babsi55
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Bei meiner Schwiegermutter verläuft die Demenz auch sehr langsam. Die Diagnose wurde 2009 gestellt und sie konnte noch bis Ende 2014 zu Hause leben mit Unterstützung der Familie. Seitdem lebt sie in einem Heim und ist auch sehr umgänglich. Ganz im Gegensatz zu früher.

Sie unterhält sich ganz normal mit uns, weiß vieles von früher zu erzählen, aber was vor ein paar Stunden oder Tage war weiß sie nicht mehr. Auch kann sie nicht mehr einem Arztgespräch folgen, schnappt dann ein paar Brocken auf und reimt sich dann ihr eigenes Krankheitsbild zusammen. Sie ist bei jedem Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt total aus dem Häuschen. Wer sie wann besucht hat weiß sie auch nicht mehr und jammert dann, dass sie total vergessen wird und keiner mehr kommt.

Schlimmer ist ihr körperlicher Zustand. Sie kann kaum mehr laufen, sitzt dadurch viel, aus Langeweile wird genascht was das Zeug hält und bei den Mahlzeiten langt sie auch ordentlich zu. Sie hat sehr viel Gewicht zugelegt und das macht ihr auch zu schaffen. Wir bringen ihr jetzt nur noch Äpfel zum Naschen mit, was hart ist und sie bekommt momentan Diätkost. Das macht sie wütend, aber letztendlich akzeptiert sie es. Wichtig ist doch, dass sie noch länger ein bisschen mobil bleibt. Sie ist 89 Jahre alt.

Jede Demenz verläuft anders, man muss damit leben und das Beste daraus machen- Alles Gute für Euch.
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Beethoven
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BeitragThema: Re: Unterschiedliche Ausprägungen bei der Diagnose Demenz
Mi 10 Feb 2016, 16:35    © Beethoven
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Hallo Werner, 

diese Frage kann dir sicher keiner hundertprozentig beantworten.
Ich habe mal gelesen, wer einen Demenzpatienten kennt, der kennt auch nur 
EINEN.
Was soviel heißt, alle haben die Diagnose Demenz und doch verläuft es bei jedem unterschiedlich.
Mach dir nicht so viele Gedanken. Laß es auf dich zukommen.  Dann ist immer noch Zeit zum Handeln.
Du kannst nicht für alle Eventualitäten Vorsorge treffen.






Jutta




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BeitragThema: Re: Unterschiedliche Ausprägungen bei der Diagnose Demenz
Mi 10 Feb 2016, 18:49    © Admin
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Lieber Werner

Durchaus gibt es recht grosse Unterschiede der verschiedenen Demenzen, genauso wie es auch verschiedene Diagnosen dazu gibt.

Wärend bei einer vaskulären Demenz die Symptome sich in erster Linie gerade durch Persönlichkeitsveränderungen zeigen, ist es bei einer Alzheimer-Demenz eher die Vergesslichkeit wo Dominiert. Der Unterschied liegt einerseits auch in dessen unterschiedlichen Ursachen. Wärend eine vaskuläre Demenz gefässbedingt (also durch meist gesundheitliche Vorgeschichten wie z.B Übergewicht, Bluthochdruck oder Herzprobleme u.s.w) zu Gefässversschlüssen führt, ist es bei einer Alzheimerdemenz so, das durch Ablagerungen von Plaks die Hirnzellen langsam erstickt werden.

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Demenzen liegen aber auch darin, welche Bereiche des Hirns anfänglich vorwiegend betroffen sind. Aber mit Sicherheit spielen im Ganzen auch noch zusätzlich, die durchs Leben geprägten unterschiedlichen Charaktären eine gewisse Rolle, in dessen Ausprägung am Verhalten in Bezug auf die zunehmenden Defizite.

Ich denke, dass auch folgende Bilder zusätzlich etwas besser verstehen lassen, wieso die Unterschiede im direkten Umgang so markant verschieden sein können. Denn unser Hirn ist in verschiedene Aufgabenbereiche unterteilt. Folgedessen sind je nach betroffenem Areal auch dessen verschiedenen Auswirkungen für uns besser verständlich. Erst recht im Umgang mit unseren Lieben, aber auch im Umgang mit unseren eigenen Sorgen und Probleme wo sich daraus ergeben.








Liebe Grüsse
 

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