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 Ich entscheide, nicht das Heim

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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 09 Jan 2018, 09:39    © Aggi
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20180109 Dienstagmorgen:
 
Nachdem Mutti sich gestern so schwer aufrecht sitzend halte konnte, hab ich was Neues überlegt. Ich kann sie unmöglich gleichzeitig mit dem rechten Arm stützen und dann noch das Essen anreichen. Da ihr ausserdem immer schon beim Aufsetzen schwindelig wird, dachte ich: Hochfahren. Benutz das Bett.
 
Keine Ahnung. Ich muss mir alles selber beibringen, bin keine geschulte Pflegeschwester, aber es hat funktioniert und ich bin stolz wie Oskar ^^
 
Erstmal heut früh wie immer zu Mutti und klönen. Mir fällt immer was Neues ein. Heute war es die Geschichte um „die Tannenbäume werden rausgeräumt“, im Pflegeheim wurde gestern abgebaut, konnte Mutti sich noch daran erinnern. Und so kam ich auf die TV-Sendungen, wo Zoo-Tiere noch gute Weihnachtsbäume bekommen. Mal eine andere Futterquelle und wie die Pfleger dann dieses besondere Leckerli oft noch als Beschäftigungstherapie z.B. hängend servieren, damit die Tiere sich das Grünzeug „erarbeiten“ müssen. Mutti also in Geschichtenform den Zoo, die Tiere, die Tannenbäume, das Knabbern und wie süss es ist, wenn dann die Tierkinder „nur“ mit dem Essen spielen nahe gebracht. Mutti hört dann ganz andächtig zu, ist mit mir zusammen „im Zoo“.
 
Dann auch gleich die Überleitung zum Frühstück: „Ay, Mutti, jetzt red ich in einer Tour vom Essen. Hast Du jetzt nicht auch Lust auf Frühstück?“ – Und ob!
 
Heuer gab’s Handwerker-Frühstück: Neben der Scheibe Brot auch ein Frühstücksei plus Vanille-Sahne-Jogurt plus Milchreis-Schale. Ich war dann am scherzen, dass die Schwestern Mutti heut bestimmt zum Fensterputzen einteilen wollen, weil’s sooooo viel gibt. So süß, wie Mutti dann am Grinsen ist.
 
Dann das Kopfteil (nach Ansage) langsam auf volle Pulle hochgefahren: „Geht’s auch, Mutti?“ (Sie wirkte entspannt.) Mutti fragt mich, was sie denn sagen soll. Sag ich, wenn dir was wehtut, sag einfach laut „Menno“ oder zieh ne Schnute (ihr ne Schnute gezogen). Sie lächelte.
 
Nun war sie schon mal hochkant. Jetzt gingen die Beine ohne Angst oder Schmerz locker über die Bettkante, Wolldecke drüber, Mutti seitlich ans Kopfteil gelehnt: Ihr müsst Euch das klassische Bild der Königin von Saba vorstellen! Ich lobte Mutti, wie vornehm sie aussieht. Bei dergl wehrt sie immer ab. Aber das kenn ich. Seit meiner Geburt ^^ Und sie musste selber grinsen bei „Königin von Saba“.
 
Das Ei hat sie genossen, hab ich ihr natürlich aus der Schale gepult und Teelöffelweise gereicht. Wie eine echte Königin von Saba machte sie dann erstmal nur den Mund auf und zeigte mir so, dass ich ihr auch die Brotstücken so einfach in den Mund stecken sollte. „Nee, Mutti, die nimm man schön selbst in die Hand.“ Kein Problem, ich sag das liebevoll und zärtlich. Hielt ihr den Brotteller dann immer wieder hin, sie hat bis auf 3 kleine Stücken alles gegessen, dann war sie satt. Und fast den ganzen Kaffeebecher, dann sagte sie selbst: „Nun ist gut.“
 
Ich ging dann lächelnd. Glücklich. Mutti hat mich wieder: „Du bist doch ein Spinner.“ genannt. Hab ich grinsend gesagt: „Und man muss mich einfach lieb haben.“ Sagt sie: „Ja.“ – „Ich hab Dich auch lieb, Mutti.“






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 10 Jan 2018, 13:43    © Aggi
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20180109 Dienstagmittag:
 
Wieder ist das Bettgitter am Kopfende halb hoch (steht dann so schräg runter). Nützt doch nix und: Was soll das? Ich ärger mich und mach es, Mutti fröhlich begrüssend, erstmal wieder runter.
 
Dann kommt Sr. L., ich erzähl Mutti grad was und Mutti macht passend zu meiner Geschichte „Oje“-Geräusche (ich erzähl von Flauschvorhang in saudreckig-Badewasser und machte selber „Pui pui“), da äfft Sr. L. Mutti nach, als ob Mutti jammern würde, ich erzähl noch lauter zu Ende (vielleicht schnallt sie ja was) und Sr. L. beugt sich dann lächelnd zu Mutti, sie wolle erstmal „Hallo“ sagen, war ja ne Woche nicht da. (Ich denk nur, schon wieder ne Schwester, die nix vonwegen Bitte-kein-Bettgitter weiss?!).
 
Was soll so ein nach-äffen? War jedenfalls nicht witzig. Sollte es wohl sein.
 
Ich erklär Sr. L., dass ich mich ums Mittagessen kümmer, scherze mit ihr, sie mit mir. Nichts-anmerken lassen. Diese Lektion lernt man schon als Hundehalter, wenn man ein‘ Angsthund hat.
 
Mutti ist heut mittag schlapp. Also doch nicht Bettkante, zurück ins Bett, füttern. Ich fühle, wann sie satt ist. Eine Sekunde drauf sagt sie, nu ist aber gut. Biete ihr noch Nachttisch an. (Lasse sie dran riechen, wenn sie will.) Sie riecht und zieht dann gleich die Augenbrauen hoch. Das ist auch ein Nein. Sagt sie dann auch mit Worten.
 
Wir klönen noch, nachdem ich ihren Kopfteil dann wieder runtergefahren hab. Sie ist aber schon sehr schläfrig. Heut mittag nicht so lange. Mutti ist nach schlafen. Ist in Ordnung. Es geht ihr gut, ausser schlapp.
 
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
 
20180110 Mittwoch:
 
Bin nach dem Termin morgens beim Landkreis erst 10 nach 9 mit meinem Bruder bei Mutti. Wieder das Bettgitter am Kopfende so halbhoch und dann schräg runter. Wozu und warum? Mutti kann da locker rüber rollen. Ausserdem dachte ich, ich hätte das klargemacht. Menno!
 
Mutti liegt klein, mit spitzem Gesicht, blass und mit roten Flecken im Gesicht im Bett. Freut sich aber total über unseren Besuch!!!
 
Einen Augenblick später kommt Sr. G. mit dem Frühstückstablett. (Jetzt erst?!? – Ist jetzt viertel nach neun?!?).
 
Ich übernehme lächelnd und Sr. G. freut sich total. Mit einem Blick registrier ich die Tilidin bei den Medis. (Ich brülle innerlich sinngemäss was mit … ARSCH OFFEN????). Äußerlich unberührt mach ich das Tablett klar: „Mutti, ich mach erstmal die Folie vom Teller und guck mal, ob der Kaffee nicht zu heiss ist.“ – Mutti liegt erwartungsfroh lächelnd im Bett. Meinem Bruder zeig ich unaufällig die Tilidin und steck sie in meine Jackentasche. Probier den Kaffee und verbrenn mir die Zunge. „Autsch, Mutti, der ist aber heiss. Guck ma, meine Zunge brennt.“ Mutti lacht und ist einverstanden, dass ich da erstmal kalt Wasser dazu gebe.
 
Und dann haben wir drei ein super-gemütliches Frühstück. Ich helfe Mutti auf der Bettkante sitzend beim Essen. Bruder erzählt schöne Sachen (sonore Stimme, sehr beruhigend und Mutti wirkt, als wirft sie sich heuer für ihn extra in die Brust – ich freu mich so!!!).
 
Wir verbringen eine ausgelassen-gemütliche gemeinsame Stunde. Als wir schon beim Verabschieden sind, kommt Sr. G. mit einer Praktikantin, die Mutti vorgestellt werden soll (ich denk noch: Wer ist hilfloser, diese Praktikantin oder Mutti?) und eil dann Sr. G. hinterher, um sie auf die Tilidin anzusprechen.
 
Ich weiss, dass Sr. G. die nicht da drauf getan hat, aber ich muss im Heim immer nehmen, wen ich kriegen kann. Sr. G. überlegt, ob es die oder die war, wär aber heute so schwer, weil eine Prüfung im Haus. Seh ich dann im weitergehen selbst. Sonst um die Zeit ist der Flur noch leer. Jetzt wuschi-wuschi, am Stützpunkt eine Schwester am PC, daneben ein Prüfer. Auf den Gesichtern der andern Schwester schon das typische Lächeln, heuer aber angespannt.
 
Mein Bruder sagt beim Rausgehen zu mir: „Das Gute ist, dass Du die Tablette gesehen hast und entfernen konntest.“
 
Jo. Und dann klingelt noch beim Rausgehen mein Handy. Wieso ist heut der ganze Flur voll mit Bewohnern? Und wieso nur mit Bewohnern, die hören können? Alle drehen sich zu mir um, während ich in meinen Brusttaschen suche, aus welcher die Musik kommt.
 
Ich bin kein Handymensch. Nur für Notfälle. Seit Mutti im Pflegeheim ist, klingelt es öfter. Anfangs hab ich nicht mal auf den Klingelton reagiert, weil ich Anrufe kaum gewohnt bin. Tjä, diesmal kündigt sich das nächste Beratungsgespräch an. Schon um elf. Das ist gut. Nachmittags bin ich schon müde.
 

Also weiter geht’s. Atempausen ist was für Atem-Pausler, nicht für mich ^^






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 11 Jan 2018, 14:31    © Aggi
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20180111 Donnerstagmorgen:
 
Als ich ca. viertel vor acht zu Mutti komme, ist grade die Schwester mit der Wäsche-im-Bett durch. Die Schwester erzählt mir, dass Muttis Haare (glatt, schulterlang) jetzt so verfilzen, ob der Friseur sie nicht auf Kinnlänge kürzen könne. Ich sag ruhig, erstmal schaun, nicht so schnell.
 
Später frag ich Mutti und Mutti meint, das liegt auch an dem Shampoo (Mutti nicht so klar, aber mit Rückfragen dann, das das Shampoo wohl nicht gründlich genug ausgewaschen wird und Mutti ist das ganze Waschen sowieso viel zu oft). Mutti sagt, diese Schwester spricht immer von Haareschneiden.

… hmmm … ist das nun zum Wohl des Heims oder der Betroffenen?!
 
Ich sag, ich bring mittags mal nen Zackenkamm mit. Frühstücken geht ansonsten wieder wie die Königin von Saba: Kopfteil hochfahren, dann immerhin die Füsse über die Bettkante, bis zum Damen-Reitersitz und das Mutti bequem sitzt. Sie isst eine Scheibe Brot und trinkt den ganzen Kaffee. Ich freu mich so!
 
Danach weiter mit der Rechnung von der Apotheke zur Apotheke, bezahlen. 30 Euro Rezeptgebühren. Neben Tilidin steht das Datum 20.12.2017 … hmmm, so spät erst? Der Sturz war am 10.12.??? Und binnen 10 Tagen eine Flasche 500 ml Novalgin, dann schon die nächste. Da würd ich auch halluzinieren. 
 
Ich fahr weiter und kauf noch einen Kamm, weil ich nicht genau weiss, wo mein Ersatzkamm zuhause ist.
 
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
 
20180111 Donnerstagmittag:
 
Ca. zwanzig nach elf im Heim, so kann ich Mutti vor dem Mittagessen überreden, sich zum Kämmen nochmal hinzusetzen. Beim Betreten des Raumes riecht es nach Urin. Ich lüfte durch.
 
Mutti kann keine 5 Minuten mehr sitzen. Ich stehe hinter ihr hinter dem Bett. Mit dem stinknormalen Zackenkamm komm ich gut durch das verfilzte Haar. Muss ich sie als nächstes auch noch waschen???
 
Aber sehr schnell kippt Mutti immer weiter nach hinten. Liegt dann auf meiner linken Hand, damit das hintere Bettgitter nicht stört. Ich kämme noch kurz mit rechts weiter. Irgendwie gleichzeitig schön und traurig.
 
Dann helf ich ihr wieder zurück aufs Kopfkissen (ist gar nicht so einfach, aber ich hab scheinbar wirklich ein Bullterrier-Gen: Aufgeben iss nich!). Mutti kann kaum noch was mitmachen.
 
Dann kommt das Mittagessen. Auch diese Schwester freut sich, dass ich übernehme. Und ich freu mich, wie sie sich freut!
 
Kopfteil hochfahren. Mutti darf liegenbleiben. Wir kichern, weil dabei immer das Bett am Quietschen ist. Ich muss mal ne Ölkanne mitbringen ^^
 
Suppe bis Mutti anfängt zu hüsteln. Die Suppe hatten wir gestern schon. Löst Hustreiz aus, ist aber lecker. Wasser anreichen.
 
Also weiter mit Menü, aber Mutti kaut, als ob sie einen Marathon laufen muss. Aber da steht ein unglaublich köstlicher schneeweisser Quark oder Joghurt mit ganz viel Erdbeersoße. Sowas, was andere sogar für ihren FB-Account fotografieren! Die Schüssel schafft Mutti fasst komplett und dann noch wieder gut getrunken, fast einen ganzen Becher. Sie schläft mir fast beim Essen ein und hat heut so rot geränderte Augen. Ich sag zu ihr: „Ist heut alles ganz schön anstrengend, nich?!“ – Mutti: „Ja, heut ist anstrengend.“
 
Wieder zuhause ist die Pflegeheim-Rechnung da. Abrechnungstag. Checken, sich wundern, einscannen und weiter ans Sozialamt. Der Eigenanteil ist wieder höher geworden. Warum eigentlich? Egal. Ich versteh auch nicht, warum Mutti im Dezember Fuss-/Nagelpflege hatte für 15 Euro. Später google ich das. O.K., ich konnte das zuhaus immer nur mit vorher Einweichen: „Frau Tilly: Sie baden gerade Ihre Hände darin!“ – Das können die Schwestern gar nicht reissen und kriegen nix dafür. Versteh einer das System. Bei der ambulanten Pflege gilt es nicht mal als Pflegezeit … tse, krieg ich jetzt rückwirkend zig-mal 15 Euro vom Staat???? … ich bin müde, aber noch eine weitere Mail ans Sozialamt (ich trenn die Mails jetzt nach Themen, damit ich selbst den Überblick nicht verliere).
 
Jo, Pflichtteil für heute erledigt. Ich muss noch einige Schreiben verschicken und Einzugsermächtigungen kündigen. Aber nicht heute. Morgen ist auch noch ein Tag. Muttis Konto wird zu Monatsende aufgelöst. Ich bin grad auch ganz aufgelöst.
 
Notiz an mich selbst: Rechnungen machen schlechte Laune, aber so what. Dafür hat doch einer Schokolade erfunden. Schokolade fragt nicht. Schokolade versteht!






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 11 Jan 2018, 14:50    © gisela
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liebe Aggi
Zitat :
Und binnen 10 Tagen eine Flasche 500 ml Novalgin
kann es sein, dass du dich da vertan hast?
meines wissens gibt es keine 500 ml flaschen von novaminsulvon.
steht vielleicht 500 mg/ml auf dem Fläschchen?
gängig sind 50 oder 100 ml flaschen






    lieben gruß

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Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.


Ralph Waldo Emerson, US-amerik. Philosoph, 1803 – 1882
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 11 Jan 2018, 14:57    © kamia
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Zitat :
Notiz an mich selbst: Rechnungen machen schlechte Laune, aber so what. Dafür hat doch einer Schokolade erfunden. Schokolade fragt nicht. Schokolade versteht!

scharmant-zwinkernd nur bei richtiger Anwendung!

1. 1 Tafel Schokolade
2. Rechnung öffnen + prüfen
3. Aber nicht heute. Morgen ist auch noch ein Tag. rose

Zitat :
100 ml flaschen

ja, N3...... ehrlich Giesela,....ich finde sogar 100ml in 10 Tagen extrem viel







Liebe Grüße
Karin




Mein Herz erkennt dich......
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 11 Jan 2018, 15:51    © gisela
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kamia schrieb:
ja, N3...... ehrlich Giesela,....ich finde sogar 100ml in 10 Tagen extrem viel
ja, das find ich auch, ich wollte ja nur die relation korrigieren.
wenns ne 100 ml flasche wäre, und Aggis Mama 3x 30 tropfen täglich bekommen hat,
dürften nach 10 tagen aus dieser flasche nur 45 ml fehlen (nun weiss ich ja nicht,
wieoft sie das noch als bedarf bekommen hat.
kann man sich als angehöriger immer ganz leicht ausrechnen. 20 tropfen von irgendwas sind 1 ml.

aggi schrieb:
Danach weiter mit der Rechnung von der Apotheke zur Apotheke, bezahlen. 30 Euro Rezeptgebühren.
ich an deiner stelle würd bei der kasse einen befreiungsausweis beantragen. als sozialhilfeempfänger
kriegt deine Mama garantiert einen. wird für ein jahr ausgestellt.
ich zahl anfang des jahres für meine Mama einen fixbetrag von 49 euro, dafür hab ich das ganze jahr
ruhe vor rezeptgebühren, eigenanteilen für kg oder Kompressionsstrümpfen.
lohnt sich






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 12 Jan 2018, 04:25    © Aggi
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Liebe kamia, liebe gisela,

wenn ich Euch nicht hätte, könnt ich Euch nicht mal erfinden,
weil ich vorher nicht mehr geglaubt hab, dass es so wunderbare
Menschen wie Euch beide gibt!  I love you

gisela schrieb:
kann es sein, dass du dich da vertan hast?
(...)
gängig sind 50 oder 100 ml flaschen

Natürlich habt ihr recht, ich hab mich vertippt, auf der Rechnung ist bei Novalgin erst die "500 mg" Angabe aufgeführt, in der übernächsten Spalte dann die 100 ml, hat mein Kopf dann beim Tippen gemischt, sry!

kamia schrieb:
ja, N3...... ehrlich Giesela,....ich finde sogar 100ml in 10 Tagen extrem viel

Jo. Ich geh davon aus, dass mit dem Datum vor den Medis immer das Datum des Rezepteingangs bei der Apo gemeint ist:
11.12.17 - 1 Novaminsulfon 500 mg/100 ml
20.12.17 - 1 Tilidin 50 mg/50 St. (Sturz war am 10.12. ... wieso jetzt noch Tilidin, Mutti ging es langsam besser??)
21.12.17 - 1 Novaminsulfon 500mg/100 ml

Ich nehme selber Novalgin und komme mit einer 100 ml Flasche über ein Jahr hin. Mutti hat vorher nie Schmerzmittel genommen. Auf ihrem Medikamentenplan steht unverändert seit Aufnahme, dass eine Dosiserhöhung bei Ramipril und Metoprolol zu Verwirrtheit und Schwindel führt. Kombiniere:

"Die anderen Patienten vertragen das auch."

Theoretisch hätte ich mir längst mal Kopien der Pflegedokumentation geben lassen können. Aber das Kind ist im ja schon im Brunnen gewesen und wichtiger ist, das sich das nicht wiederholt. Weshalb ich jetzt so oft es geht da bin und versuche, den Schwestern zu helfen.

Meine Lieblingsmethode: Freundlichkeit. Da macht keiner was mit Vorsatz oder böser Absicht! So wie ich mich hier vertippt hab.

Wie der Hausarzt sagte: Als Angehöriger immer hellwach bleiben. DAS ist Aufgabe genug, weil das ist (sry) verflucht schwer.

gisela schrieb:
ich an deiner stelle würd bei der kasse einen befreiungsausweis beantragen. als sozialhilfeempfänger
kriegt deine Mama garantiert einen. wird für ein jahr ausgestellt.
ich zahl anfang des jahres für meine Mama einen fixbetrag von 49 euro, dafür hab ich das ganze jahr
ruhe vor rezeptgebühren, eigenanteilen für kg oder Kompressionsstrümpfen.
lohnt sich

Wusste ich nicht. Bislang war Mutti immer zu "reich" (muhahaha Sad Auch wenn Deine Rente gepfändet wird, gilt's Du als vermögend, weil da dann egal ist, dass Du gar nicht alles ausgezahlt bekommst.).

Guter Tipp, Gisela. Ich schreib heut noch die Krankenkasse an! DANKE!  sunny


kamia schrieb:
(...) Schokolade (...)

scharmant-zwinkernd nur bei richtiger Anwendung!

lachen

(bin heut morgen mit Zahn- und Bauchschmerzen aufgewacht,
o.k., da muss ich wohl noch üben *gg*)

Hab Euch lieb!

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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 12 Jan 2018, 14:41    © Aggi
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20180112 Freitagmorgen:
 
Bin früh im Heim, ca. 20 vor acht, ist heut morgen so nebelig, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Vor Muttis Zimmer brennt die gelbe Lampe, also ist die Morgenwäsche noch in Gange. Ich klopfe und grüsse schon freundlich von der Tür aus.
 
Wieder eine andere Schwester, die sich lieb um Mutti kümmert. Ich trete gleich fröhlich mit ans Bett, nehm Muttis Hand, mach kleine Handreichungen und entschuldige mich, dass ich heuer wg. des Nebels so früh da bin. Alles gut.
 
Erzähl der Schwester, dass ich seit gestern einen Zackenkamm in Muttis Nachttischschublade gelegt hab und ihr gleich gern noch die Haare kämme und beim Frühstück helfe. Das sei besser, als Haare schneiden. Die Schwester wollte Mutti grad noch kämmen, freut sich, das ich helfe und sagt, sie bringt gleich das Frühstück. Die Magentablette geb ich Mutti auch, sie trinkt dazu dann durstig erstmal ein paar Schluck Wasser. Zuhause hat sie pro Nacht von alleine immer ein grosses Glas Wasser über Nacht getrunken, teilweise hatte ich ihr auch 2 Glas hingestellt. Ich glaub, jetzt trinkt sie nachts gar nichts mehr. Teilweise wundert sie sich immer öfter, wenn ich ihr ihren Trinkbecher zeige, als hätte sie ihn noch nie gesehen.  Sad
 
Diesmal ist Zucker im Kaffee … pui pui, ich schmeck ja vorher immer, weil der immer zu heiss ist und erst noch ausm Bad ein Schluck kalt Wasser bei kommt. Nicht mein Geschmack. Ich warne Mutti vorsorglich vor.
 
Heut mag Mutti sich nicht aufsetzen. Also Kopfteil hoch und Tisch über den Bauch fahren. Sie greift selber zu, aber auch das wird schon schwieriger (dies zielstrebig daneben greifen häuft sich, auch wenn ich die kleingeschnittenen Brotstücke schon so auseinander schiebe, dass ich hoffe, sie sind besser zu erkennen).
 
Aber mit meiner Hilfe und Unterhaltung schafft sie die Scheibe Brot, die letzten Stücken mit Füttern (ich frag immer vorher, sie wirkt jetzt immer mehr, als wenn sie jetzt auch beim Essen das Essen vergisst).
 
Zwischendurch Kaffee anbieten mit den andern Tabletten. Blöd, das da Zucker drin ist. Zum Ende mag sie nicht mehr.
 
Aber Quark mag sie noch. Fütternd. Mutti da so liegend sehen wie sie bereitwillig den Mund aufmacht ist noch neu für mich. Und immer wieder fragen, bis sie meist tief Luft holt (dann weiss ich schon) und meist noch selber sagt, nu is gut.
Nach dem Essen kann ich ihr liegend noch ein bisschen Haare kämen, die seitlich rausgucken, von einer Seite, von der andern. Den Hinterkopf dann heut mittag. Der Zackenkamm ist gut!
 
Wie so oft sag ich dann zu Mutti, ich komm heut mittag wieder. Wie meist sagt Mutti, ich muss aber nicht kommen. Wie immer sag ich dann, ich komm aber gern, ich bin so gern bei Dir. Sagt Mutti: „Das freut mich.“ Und lächelt.
 
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
 
20180112 Freitagmittag:
 
Als ich kurz vor halb zwölf bei Mutti ankomme, ist dieselbe Schwester von heut morgen schon da, Mittagessen auch und die Schwester hat Mutti schon auf die Bettkante gesetzt.
 
Ich grüss fröhlich. Die Schwester strahlt mich dankbar an, dass ich übernehme. Ich freu mich darüber!
 
Mutti schafft es aber nur einen Löffel lang, den ich ihr fütternd reiche, zu sitzen, dann kippt sie wieder nach hinten. Kein Problem, Mutti, ich helf Dir.
 
(Wie schnell sie jetzt abbaut…)
 
Liegend isst sie dann allerdings auch nicht viel, obwohl es lecker Spinat mit Rührei und Tomatensoße gibt, will sagen, sie mag das gerne und muss auch nicht schwer kauen. Noch zwei Löffelchen Quarknachspeise, dann ist sie schon satt. Zwei Schluck getrunken. Das war’s schon.
 
Äusserlich lass ich mir nix anmerken.
 
Da Mutti sichtlich müde ist und zwischendurch noch mein Handy klingelte („Ich ruf Sie gleich zurück!“), geh ich heut mittag schon nach einer knappen halben Stunde.
 
Nicht ohne Mutti mehrfach zum Lachen gebracht zu haben. Heut mittag sorgt sie sich, ich würd mein‘ Mann vernachlässigen. Ich erklär ihr (scherzend – sie kennt mein Kerl dann ja doch genau), er würd drauf bestehen, dass ich sie täglich besuche, damit er in der Zeit nackend durch die Wohnung laufen kann. Das geht ja nich, wenn ich da bin. – Es ist soooo schön, Mutti bei sowas lachen zu sehen!
 
Im Auto die Nummer zurückgerufen. Ich weiss nicht mal, wer es war. Nur das es wie immer behördlich ist.
 
Ist nochmal die liebe Dame von der Betreuungsstelle. Der Wunschanwalt wird es nicht. Der hat doch glatt in der Vergangenheit meinen Vater vertreten – Interessenskonflikt, auch wenn Vattern schon seit 2007 tot ist.
 
Aber die Dame von der Betreuungsstelle hat eine „Ersatzfrau“, mit der telefoniert, und die freut sich schon über einen Betreuungsfall, wo die Angehörigen so gut mitarbeiten.
 
Es müsse dann nur zusätzlich zum Aufgabenkreis „Hausverkauf“ auch noch die Vermögenssorge für sie beantragt werden und dass sie mit allen zuständigen Behörden telefonieren/reden darf. Damit hab ich kein Problem. – O.K., dann geht der Antrag heute ans Amtsgericht. Den haben die dann Montag. Wenn dann diese Frau vom Gericht dafür akzeptiert wird, muss ich mich später mit der zusammensetzen.
 
Also statt weiter einkaufen fahren schnell doch nochmal nachhause, ich hab heut kein Notizblock in der Tasche und muss eine Gesprächsnotiz davon schreiben. Nach dem Einkaufen hab ich das wichtigste vergessen. Lieber gleich erledigen.
 
Danach erst einkaufen. Und jetzt, seit 14 Uhr zuhause, bin ICH erledigt. Diese Müdigkeit spricht Bände!
 
Eigentlich wär ich am liebsten sogar heut noch ein drittes Mal zum Heim gefahren, um den Schwestern nach der Mittagshektik und der Dienstbesprechung in der Nachmittagsschicht zu erklären, dass Mutti gar nicht mehr auf der Bettkante sitzen kann.
 
Aber ich bin dann direkt nachhause. Fühl mich wie E.T. … nachhause telefonieren …






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 13 Jan 2018, 15:31    © Aggi
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20180113 Samstagmorgen:

Hab heut früh extra darauf geachtet, nicht zu früh loszufahren, um die Schwestern nicht bei der morgendlichen Wäsche zu stören.

Bin 10 vor acht im Heim. Mutti liegt mit glänzendem Gesicht und roten, hektischen Flecken flach ausgerichtet im Bett. Die perfekte DIN-Norm. Sie strahlt mich an. Ich strahl zurück.

Innerlich tobe ich. Das Bettgitter ist komplett hochgestellt. Auf der Seite zur Wand ist das kein Problem, aber bitte nicht nach vorne, ich dachte, ich hätte das geklärt?!

Immerhin der Tisch über Muttis Bauch geschoben, dadrauf ihr Trinkbecher.

Bin wütend, stinkwütend. Aber lasse mir Mutti gegenüber nix anmerken.

Sie erzählt, die Schwester heut morgen war eine von der schnellen Sorte. Aber Schnellwäsche wäre auch o.k. Ich frag, ob denn was wehgetan hätte. Nein.

Wir klönen gemütlich (also ich erzähle) und ich bürste ihr noch die Haare. Sind aber auch kaum verfilzt, die Schwester hat gute Arbeit geleistet. Mutti setzt sich dazu sogar freiwillig mit meiner Hilfe auf die Bettkante. Will es selber. Für den Moment Haarekämmen geht das super.

Dann wieder hinlegen. Und ich sag an, dass ich mal schau, ob das Frühstück schon da ist. (Mutti sagt später unvemittelt: „Die lassen dir ganz schön freie Hand.“).

Für’s Essen der einen Scheibe Brot, halb Marmelade, halb Gouda, ich schneide die Stücken noch kleiner, braucht Mutti etwas über eine halbe Stunde. Aber sie isst alles auf und fragt mich wieder unvermittelt, warum ich mir das antue. Sag ich ihr, wie gerne ich bei ihr bin. Wie sehr ich das geniesse. Wie schön das für mich ist, bei ihr zu sein. Bis sie lächeln muss.

Auch den Becher Kaffee schafft sie heute ganz und noch ein paar Schluck Wasser. Danach ist sie schläfrig. Ca. 10 vor 9 geh ich wieder.

Jetzt muss ich was unternehmen … Bettgitter … „mehr als nur satt und sauber“ … „Das Gefühl wird nicht dement“ …

Die Sicherheit des Heims kann nicht über das Wohl des Betroffenen gestellt werden.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180113 Samstagmittag:

In der Zeit zwischen dem Besuch morgens bei Mutti und jetzt mittags zuhause 2 Briefe an das Pflegeheim aufgesetzt. Der eine ist die Bitte (als Vorsorgebevollmächtigte) um umfassende Einsicht in die Pflegedokumentation meiner Mutter. In Kopie gegen Bezahlung. Der andere ist die Bitte (als Tochter) in Sachen Bettgitter, selbiges wegzulassen. Dieser Brief ist ausführlicher, geht über 2 Seiten mit dem Hinweis, dass ich mich ansonsten an das Betreuungsgericht wenden werde.

Bei Mutti angekommen, strahlt Mutti mich an. Das ist so schön! Ich erzähle und bringe sie zum Lachen. Etwas später kommt Sr. N. und bringt das Mittagessen. Fragt mich, ob sie mir schon ein frohes Neues Jahr gewünscht hat. Ich denke „Ja“ und bleibe freundlich. Irgendwie ist das so aufgesetzt. Ich sag, dass ich mich um das Mittagessen kümmer. Sr. N. drapiert Mutti sitzend auf die Bettkante, obwohl ich ihr sage, dass schafft Mutti gar nicht mehr. Ich helfe und stell schon mal Muttis Kopfteil ganz hoch, was müssig ist, weil Mutti dank Sr. N. jetzt zu weit weg sitzt. Aber Sr. N. strahlt und sagt, das macht sie auch immer. Ich setz mich direkt neben Mutti und sie fragt, ob ich Mutti helfe.

Heute schwer von Kapee? – Später erfahre ich, dass morgens eine Bewohnerin beim Frühstück gestorben ist. Erzählt mir eine Bewohnerin, mit der ich öfter klöne. Das erklärt einiges.

Mutti schafft drei Löffel von dem Eintopf selber, dann kippt (sinkt … ist ein Sinken in Zeitlupe) sie wieder nach hinten. Ruht mit dem Kopf auf dem hinteren Bettgitter und ist matt. Will noch weiter auf der Bettkante essen. Noch ein Löffel, dann ist zuviel.

Als ich ihr zurück zum Liegen geholfen hab, was leichter gewesen wäre, hätte ich sie aufgesetzt, jetzt ist sie zu weit weg vom Kopfteil (ich ärger mich), will sie keinen Eintopf mehr.

Aber Quark geht noch. Ungefähr ein Drittel aus der Schale. Und Trinken. (Immer nur, wenn ich auch angeboten hab.) Sie trinkt gut, scheint Durst zu haben.

Dann kommt noch wieder eine Schwester, die ich auch noch nicht kenne. Sie staunt mich an. Ist nett und freundlich und lieb zu Mutti.

Vor Aufnahme war mir gesagt worden, Mutti hätte eine feste Bezugsperson … hmmm, war wohl „pro Schicht“ gemeint?! Und nachher kommt Sr. Name-hab-ich-auch-noch-nicht gehört. Wo werden die ganzen Schwestern eigentlich produziert?

Nachher draussen setz ich mich auf den Stuhl beim Pflegestützpunkt. Viertel nach 12 im Heim muss ich warten, bis eine Schwester kommt, damit ich die Briefe abgeben kann.

Währenddessen beobachte ich eine Praktikantin, die in ein Zimmer geht, ein Essenstablett holt, das Tablett wegbringt. Dann kommt sie wieder, geht ins nächste Zimmer, kommt mit dem nächsten Tablett und entdeckt, dass auf dem Flur der Tablettwagen steht. Geht also diesmal nicht mit dem einzelnen Tablett den langen Weg Richtung wo-das-dann-hinkommt, sondern schiebt mit dem Tablettwagen. Unterwegs ruft ihr von um-die-Ecke eine Schwester was zu. Nach nur drei Ansätzen hat die Praktikantin das verstanden und getan … man, bin ich heut kritisch!

Dann kommt Sr. N. und ich kann ihr die Briefe überreichen. Sie sagt beim Blick drauf (A4 für alle lesbar in Klarsichthülle, ein Schelm, wer Böses dabei denkt), die seien wohl für die Pflegedienstleitung. Ich sag ja und verabschiede mich.

Und nein. Dergl fällt mir nicht leicht. Und lustig ist es auch nicht. Lieber wär ich wieder gegangen, ohne was zu unternehmen. Aber es geht nicht um mich, es geht um Mutti.

Zuhause liegt dann die nächste Post, die bearbeitet werden muss. Abgabenbescheid für Muttis Haus. 166 Euro nochwas im Quartal. Wie gut, dass ich keine Hobbys hab ... Mail ans Sozialamt und an die Stadt ... schreibt sich hier schnell, ging mir aber schwer von der Hand: Rechnungen nicht bezahlen zu können fällt mir schwer.......






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 14 Jan 2018, 09:59    © Aggi
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20180114 Sonntagmorgen:

 
Fahre mit Angst zum Pflegeheim. Wie wird mir heuer begegnet, nachdem ich gestern die beiden Briefe abgegeben hab wg. Bettgitter und Pflegedokumentation? Mein Hirn läuft Paranoia, ich werd noch Hausverbot kriegen. Sag zu mir selbst, Aggi, Du hast Angst.
 
… tse, usen Aggi …  zungensmile
 
10 vor acht im Heim werde ich total freundlich schon auf dem Flur von Sr. L. begrüsst. Ich grüss fröhlich zurück und erzähl ihr, dass ich ja jetzt immer 2x komme und Mutti bei Frühstück und Mittag helfe. Sr. L. strahlt mich an, ja, das hat sie auch schon gehört. Sie erzählt mir, wie sie gestern nachmittag bei Mutti gesessen und sich mit ihr über ihre (Muttis) Krankenschwesterzeit unterhalten hat. Wo sie gelernt hat usw. Mutti hätte schön erzählt, auch wenn sie die späteren Orte, wo sie noch gearbeitet hat, nicht mehr benennen konnte. Ich sag Sr. L., dass war die schönste Zeit in Muttis Leben.
 
Dann kommt Sr. S. dazu. Fröhlich, freut sich auch, mich zu sehen und das ich helfe. Sie sagt, Mutti hätt heut früh beim Waschen so viel geredet, einfach nur schön!
 
(Jo, in dem Maß, indem jetzt die Schmerzmittel ihren Körper verlassen konnte, wird Mutti für ihre Verhältnisse wieder klarer!)
 
Ich freu mich über diese schöne Begegnung mit den Schwestern. Versicher noch, dass ich mich auch gleich um das Frühstück kümmer. Drei Frauen strahlen, eine davon bin ich.
 
Weiter zu Mutti. Wieder ist das Bettgitter oben, heute die halbe Version, also nur am Kopfteil hoch, hinten nicht. Das bringt nix. Sr. S. hat gewaschen… gestern erzählte sie mir, sie ist eigentlich im andern Haus, woher soll sie wissen … woher sollen Schwestern überhaupt wissen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, solange Schema F funktioniert. Ich mach das Bettgitter runter.
 
Mutti sagt auf meine Frage, sie hat gut geschlafen. Vorher zuhause hatte sie so viele schlechte Nächte, wo sie völlig orientierungslos vor Angst nicht weiter wusste, aber auch nicht wusste, dass sie nach mir klingeln kann. Neuerdings erzählt sie mir öfter, dass sie gut geschlafen habe!
 
Sie weiss auch noch, was ich ihr gestern erzählt habe. Zum Frühstück mach ich es dann wieder auf meine Weise. Mutti liegend das Kopfteil hochfahren (in Etappen, bei halber Strecke sagt sie immer erstmal, das reicht jetzt). Kaffee mit kalt Wasser, Folie vom Teller, Wolldecke parat legen. Mutti fragen, ob sie die Beine über der Bettkante haben will? Ja. Gut, dann fahr ich dich noch ein Stück höher. Ja. So sitzt sie dann wie Königin von Saba, kann nicht umkippen. Ist es auch bequem? Ja. Sie greift heute von alleine selber zu. Greift nicht daneben und auch beim Trinken aus dem Schnabelbecher heute nicht das vorher mit dem Finger abtasten, wo der Schnabel ist. Ein guter Tag!
 
Sie schafft die ganze Scheibe Brot, den Becher Kaffee, zwischendurch die Tabletten. Ist satt und zufrieden. Ich häng noch aus den Schubladen die Nachthemden aus der Wäsche auf Bügel, dann können die Schwestern morgens auf einen Blick entscheiden, welches Nachthemd Mutti anbekommt.
 
Kämmen mach ich heut mittag, Mutti ist grad so zufrieden. Bis heut mittag. Du musst nicht kommen. Ich komm doch gern. Ich bin so gern bei Dir. Sie lächelt. Ich hab Dich lieb, Mutti. Sie sagt, ich soll vorsichtig fahren und meinen Mann grüssen.
 

Ich gehe glücklich.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 14 Jan 2018, 13:12    © Aggi
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20180114 Sonntagmittag:

Ca. fünf vor halb zwölf im Heim. Mutti schläft. Ich beug mich zu ihr: „Hallo Mutti, ich bins. Die Aggi.“ Sie lächelt.

Ich erzähl, bring sie zum Lachen, notfalls müssen Geschichten um meinen Mann herhalten, dessen Humor sie liebt. Oder wie ich grad beim Bett-wieder-Zusammenbauen beinahe alles falsch gemacht hab, was nur möglich ist. Ich spreche inzwischen langsamer, deutlicher, mit kurzen Sinnpausen zum Verarbeiten. Geht gut.

Unvermittelt sagt Mutti, meine grosse Schwester war vorhin zu Besuch. (Mein Verhältnis zu der ist dasselbe wie zu Fußpilz  Mad  ). Mutti guckt aber bei ihren eigenen Worten, als wär das nix Schönes gewesen. Frag ich, was sie denn Neues zu erzählen hatte (war kurz vor Weihnachten das letzte Mal da). Mutti überlegt und sagt: „Nix.“ Ausdruckslos. Wenn sie von meinem kleinen Bruder erzählt, strahlt sie immer. Von meiner kleinen Schwester hat Mutti mal gesagt, sie könne auf ihre Besuche auch verzichten. Jetzt auch die Grosse? – Ich sag, das sei doch schön, dass sie sie besucht hat. Mutti stimmt zu. Um zu wissen, ob Mutti das auch nicht geträumt hat, frag ich nach, ob die grosse Schwester denn nix von ihrem Weihnachtsfest bei ihrer Tochter erzählt hat. Mutti meint, nee, hat nur von der Tochter grüssen lassen. Ausdruckslos. Und fügt hinzu, sie (Mutti selbst) hätte ja nichts, was sie erzählen könnte.

(Ich schreibe eine Notiz an mich selbst: Nix an meiner Meinung zur grossen Schwester ändern, tse...).

Dann kommt Sr. L. und bringt das Mittagessen. Strahlt mich an und geht ums Bett zu Mutti, beugt sich zärtlich zu Mutti und begrüsst sie: „Hallo, Frau …., wir haben uns ja heute noch gar nicht gesehen, heut morgen war ja Sr. S. bei Ihnen.“ Nimmt dabei auch Muttis Hand. Ich mag Sr. L. …

(… und denk in meiner Parallelwelt: O.K., kommt also nur morgens eine zum Waschen und mittags eine zum Essen …  Crying or Very sad ).

Sr. L. schäkert mit Mutti und sagt, wie toll ich mich kümmern würde und eigentlich dafür bezahlt werden müsste. Ich freu mich und sag schnell, wie gerne ich das tue und das eher ich dafür bezahlen müsste, das ich kommen darf. Sr. L. bietet (immer mit Blickkontakt zu Mutti – ganz lieb!) an, ich solle morgens doch auch ein Kännchen Kaffee bekommen. Find ich lieb, ist aber gar nicht nötig. Sag ich auch und bedanke mich.

Sr. L. sieht noch, dass Mutti höher liegen könnte und wir ziehen Mutti gemeinsam höher (zu zweit geht das super – ich freu mich). Dann überlässt sie mir alles Weitere, weil sie sieht, dass Mutti und ich gut klar kommen.

Wie immer ist Mutti mittags schlapper als morgens. Essen fütternderweis, jeder Löffel mit Ansage. Trinken mit Aufforderung, aber alles geht gut, auch wenn es längst nicht mehr die Mengen sind, die sie zuhause verspeist hatte. Wie oft hat sie zuhause von sich behauptet, sie sei ein Vielfraß  Very Happy  . Dabei hatte sie einfach immer nur einen gesunden Appetit. Jetzt halt so viel wie geht. Und Mutti sagt, wann gut ist.

Wenn ich morgens eine gute Stunde bei ihr bin, ist es mittags eher eine halbe bis dreiviertel, weil sie dann so müde ist.

Das ist doch gar nicht viel, aber für Mutti bedeutet es die Welt –
und für mich genauso.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 15 Jan 2018, 10:36    © Aggi
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20180115 Montagmorgen:

Heut früh beinah „verpennt“, rechtzeitig loszufahren. Hatte hier am Laptop noch wieder wie eine Ertrinkende gelesen, mir Notizen gemacht in der ewigen Hoffnung, die Welt wird eines Tages besser, als ich auf die Uhr sehe – fünf vor halb acht. „Oh Scheisse!“

Katzenwäsche und zu Mutti. Bin 10 vor acht im Heim. Denk bei der Fahrt noch, hab bloss nie einen Autounfall – absolutes NoGo! Dann kann ich nicht zu Mutti…

Schon beim Eintreten sehe ich, dass Muttis Bett viel zu hoch steht. Kein Bettgitter, aber Bügeltischhöhe. Ich strahle Mutti an, hallo ersma, und frag sie, während ich noch meine Jacke auszieh: „Wie fühlst Du Dich in luftiger Höhe?“

Mutti ist klarer denn je. Sie sagt, ach, heut war chaotisch. Und fügt hinzu: „Ich hab mich aber darauf verlassen, dass Du kommst und mich erlöst.“ (wortwörtlich!)

Sie meint, die Schwester (vom Waschen) hätte gesagt, so könne Mutti besser essen. (Weil die Luft da oben besser ist??? … tse…)

Als ich gestern morgen kam, lagen auf dem Fussboden noch 2 nasse Waschlappen, die ich dann ins Bad brachte. Die Schwestern können nur in Hektik arbeiten. Wie lange soll das gut gehen?

Mutti bring ich erstmal auf Augenhöhe. Sie lacht als ich sag, ich hab Angst, Du schaust sonst auf mich herab. Jede Veränderung der Bettstellung IMMER mit Ansage. Am liebsten scherzend.

Mutti  erzählt dann noch (kommt immer unvermittelt), dass die Schwester heut morgen zum Waschen eine Ausländerin war. (Ich weiss nur, sie will auf was hinaus und nicke zustimmend). Mutti erzählt dann von alleine weiter, diese Schwester habe  sie morgens doch dreimal mit verkehrtem Namen angesprochen hat. Beim ersten Mal hat Mutti sich gesagt, o.k., kann vorkommen. Beim zweiten Mal gefiel es ihr schon nicht mehr. Beim dritten Mal hätte sie dann aber doch der Schwester gesagt, wie sie wirklich heisst. Ich spüre, dass Mutti das nicht gefallen hast. Ich fühle mit ihr. Mei, die Namen der Bewohner stehen gross vor jeder Tür. Ich frag Mutti, was die Schwester denn dann gesagt hat. Die Schwester hat sich entschuldigt.

Gefühle werden nicht dement. Und Pflegenotstand hin und her – wenn wie bei Mutti permanent andere Schwestern kommen, wie soll da individuell auf Betroffene eingegangen werden?

Würde es Wege geben, mehr Angehörige wie mich einzubinden, wäre das eine Lösung? – Aber ständig lese ich, dass Fälle wie ich die Ausnahme sind oder das es eher typisch ist, dass sich trotz vieler Geschwister immer nur maximal eines kümmert.

Was kann man tun, um das Bewusstsein für diese Probleme zu ändern?

Das Frühstück erst sitzend, dann liegend ohne besondere Vorkommnisse. Ich fühl mich beim Tablettholen schon völlig wie zuhause. Eine ganze Scheibe Brot und den ganzen Becher Kaffee geschafft. Mittendrin kommt eine Schwester, lieb, freut sich, dass ich schon da bin. Sagt Mutti, sie kommt später wieder. Das ist schön.

Als ich gehe legt Mutti nicht mal ihre typischen Einwände dagegen ein, dass ich mittags wieder komme. Kein „Das brauchst Du aber nicht.“ Stattdessen lächelt sie.

Draussen vor der Eingangstür steht eine liebe Bewohnerin, mit der ich jetzt schon öfter beim Kommen oder Gehen geklönt habe. Als sie mir letztes Mal ihren Namen nannte, hätte ich beinah meine Zunge verschluckt: Vom ersten Tag an habe ich sie für einen männlichen Bewohner gehalten. Schmal, keine weiblichen Attribute, extremer Kurzhaarschnitt, dunkle Stimme, starker Raucher. Und dann sagte sie mir neulich ihren Namen – Frau Soundso … Natürlich hab ich mir nichts anmerken lassen, aber ich hab mich total geschämt………………

Diese Bewohnerin gehört zu den mobilsten des Heimes und mir war längst aufgefallen, dass sie sich rührend auch um die Mitbewohner kümmert. Heute erzählt sie mir, dass sie gleich zu ihrem Mann geht, um ihm beim Frühstück zu helfen. So gut die Schwestern das auch machen würden, aber bei ihr/mit ihrer Hilfe würde er doch mehr essen. (Ich wusste gar nicht, dass ihr Mann auch da ist….).

Fragt mich, ob Mutti Bananen mag. Hat an ihrem Gehwagen eine Tasche hängen, zieht zwei leckere Bananen raus. So liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieb!

Erzählt, dass sie für Mitbewohnerin Frau (Name) immer eine Schale mit Obst schneidet, jetzt habe aber ihr Sohn erzählt, dass es diese guten Birnen im Moment gar nicht gibt. Sonst lässt sie sich immer gleich zehn Stück mitbringen, legt sie bei sich auf die Fensterbank, damit sie schön reif werden und schnibbelt dann für andere Obstteller. Und diese Sorte Birnen ist nicht so kernig, die können die meisten gut essen.

Ich strahle sie an und sag ihr, dass sie die gute Seele des Hauses ist. Sie grinst verlegen und wehrt ab, sie würde doch gerne helfen. Heut morgen um halb sieben wär schon Mitbewohnerin Frau (Name) zu ihr ins Zimmer gekommen, warum es noch kein Frühstück gäbe, es sei doch schon Abend. Der habe sie dann erklärt, dass es noch eine Stunde dauern würde, ob sie solange noch in ihrem eigenen Zimmer warten mag, dann würde sie ihr auch wie immer helfen. Das wollte die Frau dann auch.

Und dann dreht sie sich um, sieht im Haus eine Mitbewohnerin im Rollstuhl sitzen und sagt, ach ja, und (diese) Frau (Name) ist ja auch gleich dran. – Eine Bewohnerin, die ich immer nur apathisch, lethargisch im Rollstuhl sehe, ohne jede Regung. Und jetzt weiss ich, diese gute Seele des Hauses hilft auch der. Nach ihren Möglichkeiten. Und weiss auch ihren Namen.

Sie selbst ist schmal, zierlich, darf auf keinen Fall wieder stürzen, lebt doch selbst in diesem Heim, und tut und kümmert sich um so viele andere und kann kaum ein Lob akzeptieren, das sei doch selbstverständlich.

Für mich sind Menschen wie diese Dame ein Wunder! Wenn ich gross bin, möchte ich genauso sein!






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 16 Jan 2018, 03:09    © Aggi
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20180115 Montagmittag:
 
Mutti am schlafen, als ich komme. Ich habe ihr heute endlich den Kakao mitgebracht (Müllermilch, sämig, lecker, kalorienhaltig). Auf ihrem Nachttisch steht gar kein Trinkbecher. Auch zum Mittagessen (auf dem Tablett) kein Wasserbecher. Wie gut, das ich den Kakao dabei hab.
 
Sowas wie Pichelsteiner-Eintopf und Rote Grütze mit Vanillehaube. Mutti schafft den halben Teller mit meiner Hilfe, die meisten Löffel fütternd. Von der Roten Grütze ein viertel. Dazu aber anderthalb Glas von der Müllermilch. Trinkt sie durstig, scheint zu schmecken. Ganz Mutti sagt sie mir am Ende, dass müsse sie aber nicht jeden Tag trinken. – Klar, wer mag schon jeden Tag Nutella?!
 
Aber ich mach den Vollidiot-Fehler-des Tages, muss lernen, mein Handy während der Mutti-Besuche auf Stumm zu schalten, damit bin ich hoffnungslos überfordert. Dachte bislang, ich muss es immer anlassen, um für alle Ämter und Behörden jederzeit erreichbar zu sein. Aber heute passiert, was nicht passieren darf. Ich sitz grad vollkonzentriert bei Mutti. Mein Handy klingelt. Ich entschuldige mich, geh in die Ecke zu meinen Jacken, als ich endlich mein Handy hab, seh ich, dass mein Bruder anruft (der gute) und sag dann die Worte zu ihm: „Ich ruf gleich zurück. Ich fütter grade Mutti.“
 
Ich fütter grade Mutti… jetzt komm ich in die Hölle. Mir ist schlagartig schlecht. Mutti scheint nichts gemerkt zu haben. Aber Mutti würde sich auch nichts anmerken lassen und sie fühlt weit weit aus mehr, als sie sich anmerken lässt.
 
Später zuhause erledige ich noch die nötigen Dinge. Muss ja noch meinen Bruder zurückrufen, wir erledigen ja vieles gemeinsam, er wird morgen das Bankkonto kümmern, wir treffen uns dann im Heimatort. Und ich hab morgen dort noch einen Hausarzttermin für ein Perspektivgespräch wg. Mutti. Und dort noch zur Apotheke wg. Zuzahlungsbefreiung.
 
Mit jeder Minute steigen meine Kopfschmerzen. „Ich fütter grade Mutti.“ Wie konnte ich nur so gedankenlos daher reden. Viertel nach drei am nachmittag geh ich ins Bett, mein Kopf hämmert und ich weiss: Wär ich jetzt nicht inzwischen zuhause sondern immernoch bei Mutti daheim und würde sie dort pflegen, könnte ich auch trotz Kopfschmerzen noch weitermachen. Stattdessen ertrinke ich in Selbstvorwürfen, Selbstmitleid und finde, die Kopfschmerzen habe ich verdient.
 
Aber kritisch über andere denken. Und selbst so einen Fehler machen…
 
… heut nicht mehr … morgen starte ich einen neuen Versuch, ein guter Mensch zu sein … Mutti, ich hab mich nach dem Telefonat mehrfach bei Dir entschuldigt – nur nicht für die Worte, in der Hoffnung, Du hast Sie nicht gehört…






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 16 Jan 2018, 09:43    © Aggi
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20180116 Dienstagmorgen:
 
Bin ca. 10 vor acht im Heim und seh schon, dass bei Mutti vor der Tür noch die gelbe Lampe brennt. Klopfe und rufe ruhig und freundlich „Guten Morgen!“. Mutti liegt mit Vorlagenwindelhose ansonsten nackt im Bett, die Wäsche hat grade angefangen. Ich rede fröhlich und extra ruhig, um sowohl Mutti als auch die Schwester zu beruhigen, Jacke aus, gehe auf die Wandseite, nehme Muttis Hand und fixier sie durch liebe Unterhaltung auf mich. Helfe beim Nachthemd über den Kopf ziehen, Mutti bleibt in einem Ärmel stecken, die Fingernägel werden schon wieder zu lang. Ich bring die beiden zum Lachen, indem ich sag, dass sei meine Schuld, das Nachthemd hab ich gekauft, es sei wunderschön aber auch ganz schön eng. Während Muttis Wäsche noch weitergeht, erzähl ich Mutti, um sie abzulenken. Geht alles gut und als die Schwester am Ende noch versucht, Muttis Haare, während Mutti liegt, zu Bürsten, sag ich, dass mach ich gern nachher beim Frühstück mit dem Zackenkamm.
 
Mutti ist nach der Wäsche sichtlich geschafft, aber ich glaub und hoffe, es war nicht schlimm für die Schwester, ich hab mich schier bei ihr entschuldigt und erklärt, weshalb ich so früh da bin. Sie lächelte wenigstens tapfer und sagte, es wäre alles in Ordnung.
 
Arbeiten „unter Kontrolle“ der Angehörigen stelle ich mir selber blöde vor. Ich versuch’s halt mit möglichst helfen, wo ich kann, nicht im Weg stehen und viel Freundlichkeit.
 
Hab der Schwester noch gesagt, Muttis Magentablette, die noch auf dem Nachttisch lag, würde ich Mutti auch gern noch vor dem Frühstück geben. „Sie haben doch so viel zu tun.“ Aber da meinte sie, Mutti hätte die schon von ihr, die auf dem Nachttisch hätte in Muttis Bett gelegen.
 
(Hat wohl beim Abendbrot, da bekommt Mutti auch noch eine, nicht geklappt. Mutti kann die kleinen Tabletten kaum noch sehen oder greifen und führt manchmal die leere Hand zum Mund, weil sie gar nicht merkt, dass die kleinen Dinger schon rausgefallen sind.)
 
Nach einer Verschnaufpause für Mutti geh ich Frühstück holen. Begrüss auf dem Flur Sr. N. – sie strahlt: „Ach, auch schon da?!“ Weiter im Dienstzimmer steht Sr. K. – ich fühl mich wie ein Eindringling, sag ihr das auch, sie sagt, alles gut, ich könne auch gern eine Tasse Kaffee haben. Sag ich dankend, würd ich zuviel Kaffee trinken, bräucht ich einen Arzt. Das war lieb von ihr!
 
Mutti will zum Frühstück sitzen. Kippt nach zwei Bissen wieder langsam nach hinten. Wenn ich mein, es passt, helf ich ihr wieder hoch. Nach dem dritten Mal frag ich sie, ob sie auch lieber wieder liegen möchte. Sagt Mutti: „Nein, sonst werde ich zu sehr verpäppelt!“ Ich grinse. Nach dem vierten Umkippen finden wir gemeinsam, dass sie lang genug gesessen hat.
 
Liegend die Scheibe Brot noch zuende. Mutti schnauft zum Schluss oft wie nach einem Marathonlauf. Den Becher Kaffee schafft sie fast ganz. Wackel- oder Vanillepudding möchte sie nicht mehr.
 
Mitten während des Frühstücks erzählt Mutti unvermittelt: „(Name der Freundin, Vor- und Nachname) ist tot.“ – Ich bin baff. Es liegt nirgends Post, aus der das hervorgeht und Mutti hat kein Telefon. Ich frag, von wem Mutti das denn gehört hat. Sagt Mutti (wie schon öfter), sie hätte doch mit (Heimatort ihrer Mutter) telefoniert.
 
Ich bin perplex. Sogar gewillt zu glauben, dass es stimmt. Nicht das Telefonat. Sondern das die liebe Freundin gestorben ist … hmm … vielleicht war auch wer zu Besuch und nur die Info ist hängengeblieben … aber ein echter Fall von hmmm … Mutti weiss noch, dass die Freundin ein Jahr älter war als sie … hmm …
 
Als ich dann gehe, bekomme ich im Vorbeigehen am Pflegestützpunkt noch mit, wie Sr. N. dort laut telefoniert: „Ich rufe an, weil die Vorhaut von Herrn (Name) nicht mehr zurückgeht. Ich habe schon alles versucht. Sieht nach einer starken Entzündung aus…“ dann bin ich zu weit weg. Raus.
 

… hmmm … auch ein echter Fall von hmmm … o.k., ich bin Sternzeichen Krebs und Krebse sind nicht nachtragend. Sie können bloss nix vergessen.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 16 Jan 2018, 14:24    © Aggi
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20180116 Dienstagmittag:

Mutti ist wieder schlapp. Und fragt wieder erstaunt, dass ich schon wieder da bin: „Ist es schon so spät?“

Hat gar keine Lust auf Mittagessen. Am liebsten weiterschlafen. Aber dann gibt es lecker Bratkartoffeln mit Rührei, dazu drei saure Gurkenscheiben, frischer Salat mit Sosse und zwei Mandarinenstücken – sieht richtig super köstlich aus. Erstmal von der Vorsuppe bis Mutti nicht mehr mag. Dann Hauptmenue, bis Mutti die Augen verdreht. Noch 2 Teelöffel Nachtisch. An dem, was über bleibt, könnte ich mich locker satt essen, aber besser als nichts. Dazu nach und nach immerhin einen ganzen Becher Wasser, teils mit sichtbarem Durst. Am Ende zeigt Mutti (sie durfte liegen bleiben) mit der Hand hoch über ihren Bauch: „So satt bin ich.“  Smile

Zwischendurch konnte ich noch Sr. K. wg. Mutti’s Fingernägeln fragen, ob da nochmal ein Termin gemacht werden kann, weil Mutti ja schon im Nachthemd hängengeblieben ist. Sr. K. meint, Fingernägel machen die Schwestern, hätten sie gestern erst bei Mutti. (Quatsch.) Nur für die Fussnägel käme die Fusspflegerin, das dürften sie nicht. (Ich erweiter meine Liste um Maniküre bei Mutti.) Und sag aber fröhlich, ich hätt Mutti grad so einen Haken abgeschnitten, sei ja immer so blöd, dass man ausgerechnet an so einem einzigen Haken immer hängenbleibt. (Morgen Muttis Fingernägel feilen, die sind fast alle hakelig, heute ist Mutti zu müde).

(Eigene Nagelfeile mitbringen, die in Muttis Etui ist auch nicht mehr die Beste.)






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 17 Jan 2018, 13:13    © Aggi
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20180117 Mittwochmorgen:
 
Nach einer schlecht geschlafenen Nacht mit Migräneanfall entsprechend gerädert zu Mutti, mir aber nichts anmerken lassen. Mutti freut sich, mich zu sehen und sagt gleich: „Es hat geschneit!“ Jo, hat es und ich freu mich, Mutti „kommt klarer“ Very Happy .
 
Wir klönen, dann hol ich das Frühstückstablett. Wunder mich, dass für Mutti heut ein Porzellankännchen und Porzellantasse mit Unterteller da stehen. Aber entweder hab ich dazugelernt oder resigniert, müssig zu fragen.
 
Mutti sitzt heut erstaunlich lange, kippt erst nach über dreiviertel der Scheibe Brot und bewältigt die Porzellantasse „locker“. Probiert heut sogar drei Teelöffel Vanillepudding. Fragt: „Wieso ist der denn warm?“ – „Der wird extra frisch zubereitet.“ Nach dem dritten Löffel verzieht sie das Gesicht. Nu ist gut.
 
Wir klönen noch (also ich erzähl und bring Mutti zum Schmunzeln), da kommt die ich-weiss-nicht-wie-das-heisst Frau, die öfter die Tabletts abräumt (Küchenfachkraft?), die schon öfter nett mit uns geplaudert hat. Sie fragt mich direkt, wieso Mutti heut denn keinen Schnabelbecher hat. Ob das nicht besser sei? Ich sag ehrlich, dass ich keine Ahnung hab, aber wir wüssten uns schon zu helfen. Meint sie, es sei gut, wenn die Tochter kommt. Ich freu mich. Sie will dafür sorgen, dass Mutti wieder den Schnabelbecher bekommt. (Ist auch besser, heut ist Ausnahmetag, oft hat Mutti gar nicht mehr die Kraft oder Kontrolle, eine Porzellantasse zu halten).
 
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
 
20180117 Mittwochmittag:
 
Ich glaub, ich krieg die Erkältung von meinem Mann – blöd blöd! – Mit dem heutigen Schneematsch werd ich unterwegs aufgehalten und komm bei Mutti an, als die nette Praktikantin Mutti schon das Essenstablett ins Zimmer gebracht hat. Die Praktikantin sieht mich den Flur hochkommen und strahlt: „Ach da bist Du ja!“ Ich freu mich!
 
Mutti möchte heut mittag liegen bleiben. Kein Problem. Beim Essen erzählt sie dann unvermittelt, heute war eine Frau bei ihr zur Befragung. Hätte ihr eine Frage nach der andern gestellt. Nach der dritten Frage hätte Mutti ihr gesagt, was diese Personalbefragung soll? Hätte die Frau gesagt, sie müssten doch wissen, wie über das Personal gedacht wird. Da hat Mutti ihr gesagt, das geht doch nicht, dafür die Patienten zu befragen!  Laughing
 
Hab ich zu Mutti gesagt: „Ich bin stolz auf Dich! Richtig, wenn Du Dich wehrst.“ Hat Mutti gegrinst. DAS hat ihr nämlich überhaupt nicht gefallen. Kommt da einfach wer bei ihr rein und befragt sie ungefragt. Also neeeeeeeee ^^
 
Viel schafft Mutti heut nicht zu esssen. Eher kaum was. Aber noch getrunken und dann kommt nochmal die liebe Praktikantin rein und verabschiedet sich. Ich bin ganz traurig. Ihr Halbjahrespraktikum ist um. Wir werden sie vermissen. Mutti: „Die ist eine von den Guten!“
 
Mit schlechtem Gewissen geh ich nach einer halben Stunde, aber Mutti ist versorgt und schläfrig. Ich krieg Halsschmerzen und muss mir Grippemittel holen. Nach 2 Jahren Abwesenheit stehen in unserm Medizinschrank nur noch Sachen von vor dem 1. Weltkrieg….
 
Erstmal einkaufen, verarzten, Notizen aufschreiben, bevor mein Kopf den Geist aufgibt und dann den A4-Umschlag lesen, der im Heim für mich auf Muttis Tisch gelegt wurde. Hoffentlich die Pflegedokumentation.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 20 Jan 2018, 06:34    © Aggi
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20180118:
 
Zu der Migräne gestern gesellte sich dann noch eine beginnende Erkältung mit kratzenden Halsschmerzen, weshalb ich das hier erst heute morgen schreibe:
 
Habe gestern nachmittag dann noch den A4-Umschlag v. Pflegeheim geöffnet, drauf stand „Aggi Dunkel“. Ein Brief v. Frau R. (PDL) dabei, dass sie zu meinem Beschwerdebrief (Bettgitter) nach einer Fallbesprechung (gestern) gerne noch ein Gespräch mit mir führen würde. Ja, besser ist das.
 
Dann lese ich die umfangreichen Unterlagen der Pflegedokumentation und bin von Seite zu Seite entsetzter. So sieht also eine „geschönte“ Pflegedokumentation aus. Es bräuchte Stunden, um festzuhalten, was dort alles falsch aufgeführt ist. Vorzugsweise zugunsten des Pflegeheims.
 
Eine taktisch wertvolle Verdrehung der Tatsachen. Nicht einmal der Punkt mit der Buttermilch ist korrekt wiedergegeben.
 
Nachdem ich alle Seiten gelesen habe, bin ich schockiert und frage mich, ob ich Mutti aus dem Heim nehmen sollte. Wenn bei Dingen wie zwei Stürzen, Schmerzmittelmedikation und Bettgitter schon so fahrlässig gehandelt und an der Wahrheit vorbei dokumentiert wird, was ist dann erst, wenn es Mutti richtig schlecht geht?
 
Andererseits habe ich immer betont, ich will den kooperativen Weg. Woher weiss ich, dass es im nächsten Heim besser wäre? Ist Mutti ein Umzug zuzumuten? Was kann ich tun? Was sollte ich tun? Wie geht das jetzt weiter?
 
Vom ersten Tag an bin ich täglich einmal bei Mutti im Heim, inzwischen sogar zweimal täglich und kann behaupten, diejenige zu sein, die am meisten Zeit mit Mutti verbringt. Meine Notizen sind unwiderlegbar. Aber wenn ich auf unserem „Recht“ bestehe, läuft es auf so viele ärgerliche Umstände hinaus, dass ich Muttis Situation im Heim verschlechtern könnte.
 
Das Unterbewusstsein pflegt auch mit. Und ich spüre bei einigen Schwestern jetzt schon die ersten Vorbehalte gegen mich aufgrund meiner „Einmischungen“.
 
Offensichtlich ist im Pflegeheim L. eine Angehörige/Vorsorgebevollmächtigte, die täglich so oft und lange vor Ort ist und dann auch noch kontrolliert bislang noch nicht dagewesen.
 
Wenn ich nicht behutsam vorgehe, kann das böses Blut geben und Mutti wäre die Leidtragende.
 
Also sollte ich mir anhören, was die PDL mir noch zu sagen hat, unverbindlich bleiben, inzwischen hat sich ja in Bezug auf das Bettgitter die Situation gebessert: Das Bettgitter wird inzwischen seit Anfang der Woche weggelassen. Was nachts geschieht, sehe ich nicht.
 
Und ansonsten hellwach bleiben. Und öfter die Pflegedokumentation kontrollieren. Und im Gespräch bleiben. Und unverändert zweimal am Tag zu Mutti fahren – was nämlich nicht gelogen ist: Diese Hilfe kommt nicht nur Mutti zugute, ich selbst möchte die Stunden mit ihr nicht missen und die Schwestern freuen sich wirklich, dass ich helfe.
 
Wenn ich wem einen Vorwurf machen müsste, dann doch nur dem System, aber nicht den Menschen, die wie das Pflegeheim L. mit seinem wirklich guten Personal versucht, alten Menschen zu helfen, wenn es zuhause nicht mehr geht.
 
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20180118 Donnerstagmorgen:
 
Sturmtief Friederike soll aufziehen. Als ich 10 vor acht bei Mutti bin, hab ich gleich wieder ein Gesprächsthema ^^.
 
Bei Mutti im Zimmer ist bis auf die Nachtlampe im Flur noch alles dunkel und es muffelt. War noch keiner zum Waschen da? Mutti weiss es nicht. Ist weit weg. Desorientiert. Trägt aber noch das Nachthemd von gestern.
 
Ich lass die Jalousien hoch und lüfte einmal durch. Mutti fragt mich, in welchem Gebäudeteil sie ist. Ich sag, Du bist im Seniorenzentrum. Und das hier ist Dein Zimmer. Sie weiß nicht, wo sie ist, ist ganz schön schlapp. Ich munter sie mit den neusten Nachrichten zu Sturmtief Friederike auf. Kurz nach acht kommt Sr. S., geht direkt zu Mutti und beugt sich zärtlich zu ihr. Entschuldigt sich, dass sie jetzt erst kommt, weil sie heute noch so viele andere Bewohner geduscht hat. Alles sehr lieb, ohne Hektik. Ich sag, ich geh mal ne Weile raus, um nicht zu stören (tatsächlich hab ich Probleme, mich mit meiner Erkältung auf den Beinen zu halten – und natürlich halt ich heute Abstand zu Mutti!).
 
Kann draussen auch nicht lange stehen. Bin nach fünf Minuten doch wieder da und helfe noch mit. Sr. S. sagt kurzentschlossen, dann können wir ja noch das Bett neu beziehen. Während sie noch Mutti die Beine eincremt, krempel ich schon das neue Betttuch um und fang schon an, die Decke einzuziehen. Sr. S. lächelnd zu Mutti: „Wir müssen Ihrer Tochter noch einen weissen Kittel besorgen!“ Wehr ich lachend ab, ich sei ja eh schon irgendwie eine Schwester, weil ich doch einen Bruder hab ^^. Wir lachen zu dritt. Alles gut und Frühstück übernehme ich dann.
 
Mutti möchte auf der Bettkante sitzen. Klappt jeden Tag einen Millimeter länger, seit die Schmerzmittel aus ihrem Körper sind. Nur die letzten zwei kleinen Stücken von der Scheibe Brot dann wieder liegend. Super!
 
Schon kommt die neue Praktikantin, ach, sie sind noch beim Essen? – Moment. Mutti, magst Du noch Vanillepudding? Mutti mag nicht, schüttelt den Kopf. Praktikantin darf das Tablett mitnehmen, wir scherzen noch rum. Ich bring gern alle zum Lachen.
 
Nachher sag ich Mutti, wenn der Sturm es zulässt, komm ich heut mittag wieder. Sagt Mutti wie so oft, ich muss nicht kommen. „Die füttern mich hier doch auch gut.“ (wortwörtlich)
 
Ich gehe mit dem guten Gefühl, dass Mutti im Pflegeheim gut aufgehoben ist. Nur das zählt. Weiter zur Apotheke, gegen meine Einstellung WickDayMed, weil ich heut mittag wohl das ausstehende Gespräch mit der Pflegedienstleitung hab und dabei nicht umkippen möchte.
 
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20180118 ca. 10:25 Uhr:
 
Anruf v. Frau R., Pflegedienstleitung auf meinem Handy: Sie würde gerne noch ein Gespräch mit mir führen. Hätte mich heute morgen noch von hinten gesehen, da wäre ich aber schon am Gehen gewesen. – Ich erkläre ihr, dass ich ja weiss, dass Sie morgens immer noch in der Pflege zu tun hat und ich deshalb vor hatte, heute mittag das Gespräch mit ihr zu suchen. Ob es ihr passt, wenn ich heut mittag erst zu Mutti gehe, ich komme ja inzwischen zweimal am Tag und danach so ca. gegen zwölf zu ihr käme? Ich würde auch warten. – Sie möchte, dass Sr. N. dazu kommt, weil die ja einiges über Mutti sagen könnte, weiss nicht, ob Sr. N. dann frei hat. Ist zögerlich, stimmt aber zu. Ich versicher ihr, dass Mutti mir heut morgen noch gesagt hat, als ich scherzend sage, dass ich wg. des Sturmes nicht weiss, ob ich mittags komme oder weggeweht werde, sie würde hier auch von den anderen Schwestern gut gefüttert werden. Ich betone ausdrücklich, dass ich weiss, dass Mutti in Pflegeheim in guten Händen ist. Frau R. Stimme bleibt zögerlich, sie möchte das nicht am Telefon, lieber persönlich besprechen und sehen, dass Sr. N. dabei ist. – Auf jeden Fall sind sie und ich jetzt zu heut mittag verabredet. Die Anwesenheit von Sr. N. sollte ich ablehnen, sonst steht nachher in der Pflegedokumentation wieder etwas, was diesmal dann angeblich sogar zwei Zeugen des Pflegeheims „erlebt“ haben. Merkwürdiger Anruf. Frau R. war nicht wohl dabei und hat sich hörbar nicht über mein Lob gefreut. Wie soll ich da auf Augenhöhe mit ihr reden? – Abwarten und Ruhe bewahren.
 
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20180118 ca. 12 Uhr:
 
Nach dem Mittagessen bei Mutti gutes, ausführliches Gespräch mit Frau R., Pflegedienstleitung und Sr. N.
 
 Mein Brief hat grosse Besorgnis ausgelöst, schon weil ich ihn an „Sehr geehrte Damen und Herren“ gerichtet hab und Frau R. in Sorge war, ob sie den Brief weiterleiten muss. Ferner wg. dem Hinweis auf das Betreuungsgericht. Überhaupt waren die dort enthaltenen „Vorwürfe“ für beide nur schwer nachvollziehbar.
 
Von Anfang an habe ich festgestellt, dass ich nicht an der Wahl des Pflegeheim zweifel, spez. dass Sr. N. anwesend sei sei gut, weil grade sie in der ersten Woche, als Mutti dort war, für mich nur ein herrliches Beispiel für die Güte des Pflegeheims ist. Als ich dort einmal eintrat und sah, wie eine Bewohnerin im Rollstuhl von einer anderen Pflegefachkraft gerade um die Ecke geschoben wurde und Sr. N. den Flur weiter runter die Arme weit ausbreitete, lachte und wie bei „Wer-kommt-in-meine-Arme“ mit der Bewohnerin herrlich spasste. Und ich dann weiter zu Mutti ging: Hier bist Du richtig!
 
Sr. N. hat sich sichtlich darüber gefreut. Wir konnten (hoffentlich) klären, dass sich das mit dem Bettgitter nicht wiederholt. Sr. N. und Frau R. versicherten glaubhaft, dass sie nach dem letzten Gespräch mit mir und Frau R. davon ausgegangen waren, dass sei bereits geklärt und wirklich nicht wussten, dass das Bettgitter doch noch wieder hochgezogen war.
 
Frau R. erklärte, es bliebe leider ein Problem, dass immer wieder Hilfskräfte beschäftigt werden müssten, was leider nicht anders ginge. Dazu die (Weihnachts-)Feiertage etc. Auch die Angelegenheit um die Schmerzmittel wäre zu keiner Zeit Absicht gewesen.
 
Ich habe in allen Bereichen signalisiert, dass es für mich mit diesem Gespräch erledigt ist und obigen Brief angeboten, zu zerreissen. Frau R. gab ihn mir dann sichtlich erleichtert wieder mit. Und ich habe mich mehrfach entschuldigt, wenn ich mit diesem Brief unnötig Aufruhr verursacht habe. Die Härsche des Tons war mir nicht bewusst, aber vielleicht bin ich auch selbst überlastet und sah in diesem Weg die letzte Chance, das alles zu klären. Was uns heute hoffentlich auch gelungen ist.
 
In zukünftige Medikation soll ich mit einbezogen werden. Und auch das Thema Magensonde, lebensverlängernde Massnahmen konnte ich am Ende noch ansprechen: Frau R. und Sr. N. lehnen dergl ab und würden nichts in der Richtung unternehmen, ohne die Angehörigen zu fragen. Dann lieber in Würde sterben mit Hilfen wie Mund befeuchten und höchstens Schmerzmitteln zur Erleichterung.
 
Frau R. riet mir, mich ansonsten am besten immer direkt an Sie oder eine der Fachkräfte zu wenden und das sind ausschliesslich Sr. N., Sr. V., Sr. L. und Sr. D. Dazu merkte Sr. N. noch an, dass sie als Fachkraft leider oft als letzte und damit zu spät informiert würde, was auch ein Problem sei.
 
Diese Info (bei den vielen Schwestern) fand ich sehr hilfreich!
 
Frau R. und Sr. N. legten mir noch nahe, dass ich wirklich nicht jeden Tag zweimal kommen müsse, ich könne ruhig auch einmal einen Tag pausieren, was mir ja gut tun könnte. Ehrlich gesagt war ich an dem Punkt erleichtert, als auch das Thema „loslassen-können“ angesprochen wurde.
 
Vielleicht sollte ich mir das in Anbetracht dieses sehr positiven Gespräches und meiner Erkältung wirklich einmal zu Herzen nehmen, zumal Mutti mir beim Abschied auch noch einmal MIT ERHOBENEM ZEIGEFINGER sagte, ich müsse nicht jeden Tag kommen. ^^
 
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20180120 03:20 Uhr:
 
Seit (?) Tagen jetzt tolle Erkältung, bin gestern morgen dank WickDayMed aber noch zu meinem Facharzt nach Clp. gekommen, weil ich dringend ein Folgerezept benötige für mich selbst. Auf dem Rückweg doch noch kurz im Heim vorbei. Eigentlich wollte ich heute einmal aussetzen, um mich auszukurieren und Mutti nicht anzustecken, aber ich wollte Mutti noch eine Flasche mit Bananensaft vorbeibringen, die sie evt. mag und vom Magen her verträgt. Bananen kauen geht nicht so gut, vielleicht aber trinken?
 
Ausserdem kaufe ich unterwegs für die Schwestern noch eine grosse Packung MERCI (Schokolade) als Dankeschön.
Im Heim in Muttis Zimmer dann das rührende Bild, dass ich am liebsten fotografiert hätte: Sr. K. und Mutti nebeneinander wie Mutter und Tochter auf der Bettkante sitzend beim Frühstück. Ich freu mich so und sag beiden, ich würd am liebsten ein Foto machen, wär nur schwer zu sagen, welche von beiden denn schöner ist? ^^
 
Bleib aber heute nicht lange, bin wacklig auf den Beinen, aber Mutti hat sich über meinen Besuch gefreut. Hat sie mit Worten gesagt. Und die Schwestern über die Schokolade. Ich hab sie erst Mutti gezeigt und erklärt, dass wir beide die den Schwestern schenken und draufgeschrieben: „Für die „blauen“ Engel J“ (mit Muttis und meinem Namen).
 
Zuhause nur noch Sofa. Mein Kopf fühlt sich an wie ein Fesselballon, aber wenigstens kein Grübeln mehr …. Gegen 13 Uhr sag ich zu meinem Mann, ich geh ins Bett, geh aber noch am Briefkasten vorbei … und das Grübeln geht wieder los:
 
Das Amtsgericht schreibt lapidar, dass es Mutti kommenden Freitag um 8:30 Uhr im Heim in der Betreuungssache befragen wird.
 
Hallooooo? – Da gibt’s das ärztliche Attest, in dem nicht zu Unrecht steht, dass eine Befragung Muttis Gesundheit abträglich ist, auch in Gegenwart einer ihr bekannten Person. Hallo-Hallo?
 
Der zweite Brief ist die erstmals erste Antwort vom Sozialamt. Wischiwaschi, aber sie soll wohl Sozialhilfe kriegen, dafür soll ich bis 2. Februar die nächste Einverständniserklärung unterschreiben, da Dings und Bums und Trallalla, u.a. sind ja Muttis Vermögenswerte noch nicht geklärt.
 
Haaaaallloooooooooooooooooooooo? Hab ich den Termin mit all meinen Unterlagen, einen ganzen Aktenordner voller Kopien fürs Sozialamt nur geträumt und all die Emails, die sie in Folge incl. Kopien der Kontoauszüge erhalten haben?
 
Von ich-lieg-grad-vor-Erkältung-im-Sterben bin ich jetzt gepuscht auf über-Tempolimit. Muss wohl echt fertig ausgesehen haben. Mein Mann sieht mich an und sagt: „Schiess dich ab und geh ins Bett.“
 
Jo, hab ich auch gemacht. Wie gut, dass es Pillen gibt. Trotzdem hab ich wieder scheisse geschlafen und das liegt nicht an der Erkältung.

Tagesordnung für heute also:
 
Wieder Frühstück mit Mutti aufnehmen. Ich musste sie auch in den 2 Jahren zuhause mit Erkältung pflegen und habe sie nicht angesteckt. Und wichtiger ist, dass sie bei mir doch mehr isst als bei den Schwestern. – Und dafür können die Schwestern nix, das ist einfach so.
 
Und heute ein Fax ans Amtsgericht, meine Bedenken anmelden. Und eine Email an den Betreuungsverein, ob die Einverständniserklärung vom Sozialamt koscher ist, weil die sich so liest, als ob ich mich persönlich verpflichte, haftbar mache.
 
Und nicht in Ohnmacht fallen.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 20 Jan 2018, 12:58    © Aggi
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20180120 Samstagmorgen:

Bin kurz vor acht im Heim. Mutti liegt (frisch gewaschen) im Bett und strahlt mich an: „Ich freu mich über Deinen Besuch.“ Sag ich, wie sehr mich ihre Worte freuen. Fragt sie doch glatt, ob sie mir so etwas zu selten sagen würde. Ich bin ganz platt – gerührt, sag aber sofort: „Nein, Mutti, das ist wie mit Schokolade, davon kann ich einfach nicht genug bekommen.“ Wir lachen zusammen.

Erst wird geklönt. Mutti meint felsenfest, sie hat den Bananen-Nektar schon probiert, ich soll ihn wieder mitnehmen, er schmeckt ihr nicht. Die Flasche ist noch fest verschlossen. Unberührt. Sag ich ihr, guck mal Dein Trinkbecher ist nur halbleer, ich füll mal mit dem Bananensaft auf, vielleicht haben die Schwestern Dir gestern was anderes angeboten?“ Erzähl ihr von dem Vorschlag mit Kakao mit Sahnehaube und singe ihr Udo-Jürgens „Aber-bitte-mit-Sahne“ vor. Sie lacht und ist einverstanden, den verdünnten Bananensaft mal zu probieren. Nicht gleich.

Als ich das Frühstück hole, steht diesmal Kakao im Schnabelbecher. Klar, gestern mochte Mutti keinen Kaffee. Sr. K. hatte sie gefragt, ob Mutti auch mal Kakao möchte. Wollte Mutti. Heut zum Frühstück nach dem ersten Schluck Kakao ist Mutti entsetzt, wie die Schwestern ihr das nur anbieten können. ^^

Kein Problem, Mutti, ich hol Dir Kaffee.

Und heute schafft sie auch wieder die ganze Scheibe Brot und fast den ganzen Becher Kaffee. Danach, als sie wieder liegt, fängt Mutti von sich aus an zu erzählen. Fragt mich, ob ich weiss, wie das ist, wenn Strassen, die man kennt, nicht mehr so sind, wie sie mal waren. Man nur noch aufgrund der Breite erkennt und dann steht sie vor ihrem halbabgerissenen Elternhaus und ganz oben steht Mutti (also ihre Mutter) und dirigiert von da oben den Abriss. Und (meine) Mutti fragt mich, ob ich das kenne, wie schrecklich das ist? So gequält. Und sagt, es sei noch weiter gegangen, aber zwischendurch hätte die Krankenschwester dazwischen gesprochen. Merkt an, das es ein Traum war. Aber so traurig. Ich pflichte ihr bei, das das so traurig ist. Wenn man so hilflos zusehen muss und nichts machen kann. „Ja“, sagt Mutti, „ich konnte nichts machen.“ Und ist wieder bei ihrer Freundin, von der sie neulich erzählte, die ihrer Meinung nach gestorben ist und jetzt zu wissen, dass sie selbst, Mutti, ihr bald folgen wird. Sag ich zu Mutti, mich würde der Gedanke trösten, dass ich weiss, dass Oma und Opa jetzt im Himmel zusammen sind und Oma, auf einer Wolke sitzend, BARFUSS die Beine von der Wolke baumeln lässt.

Barfuss. Da muss Mutti lächeln. Das Bild gefällt ihr. Barfuss bei Oma ist wichtig! Und die Vorstellung, dass Muttis Muddi und Vaddi da oben auf sie warten gefällt ihr auch. Sie meint, es sei albern, darüber zu reden. Aber ich sag ihr ganz ruhig, das sei gar nicht albern. Man hat doch in seinem Herzen den schönsten Fotografen und diese Erinnerungen kann Dir keiner nehmen, Mutti.

So miteinander haben wir früher nie gesprochen. Ich fühle mich wie geadelt!

Nach ca. einer Stunde gehe ich. Lege noch einen Zettel auf das Essenstablett mit der Bitte, ab morgen für Mutti doch wieder Kaffee und Milch und herzlichen Dank. Warte dann noch am Pflegestützpunkt, bis eine Schwester Zeit hat.

Schlaf da beinah ein, Erkältung ist ein Killer, den man vergisst, sobald man nicht mehr erkältet ist. Dann kommt Sr. V. den Flur runter, grüsst mich schon von weitem: „Ich bin gleich da!“

Kann dann mit ihr besprechen, dass das Amtsgericht diese blöde Anhörung entgegen ärztlichen Rat angesetzt hat. Findet auch Sr. V. überhaupt nicht gut, notiert sich das aber vorsorglich, falls der Termin tatsächlich stattfindet und es Mutti danach schlechter geht. Ich schreib natürlich gleich noch ein Fax in der Hoffnung, dass abzubiegen…

Und beichte Sr. V. noch, dass ich aus dem Dienstzimmer wg. dem Kaffee für Mutti Milch „geklaut“ hab. Das Mutti gestern für heute Kakao wollte und heute nicht versteht, wieso sie denn Kakao kriegt. Wir schmunzeln beide. Für Sr. V. kein Problem. Ich mag Sr. V.!






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 21 Jan 2018, 10:10    © Aggi
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20180121 Sonntagmorgen:
 
Gleich vorweg: Ich merke auf Erkältung etwas Seltsames! Ich vermisse den Körperkontakt mit Mutti! – Wird ich auf meine alten Tage noch ein menschlicher Mensch? ^^ - In meinen Kindheitserinnerungen war sie nie die zärtliche Mutti, die rumschmust. Ich weiß noch, wie ich einmal ins Wohnzimmer kam und sah, dass meine kleine Schwester (Nachzügler) bei Mutti auf dem Schoß saß und ich dachte nur: „Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa..? DAS GEHT?“ – Ich war nicht eifersüchtig. Einfach nur perplex. Diese merkwürdige Art Schlüsselerlebnis, wenn Du in jungen Jahren etwas über Dich selber lernst… und jetzt ertappe ich mich dabei, das es mich traurig macht, mit Erkältung nicht mit Mutti Händchen halten zu können und vermisse den Abschiedskuss beim Gehen…
 
Menschen sind doch seltsame Tiere!
 
Komm ich heuer also ca. zehn vor acht zu Mutti ins Zimmer. Waschen war noch nicht. Jalousien sind noch unten. Halt Sonntag im Heim. Mutti ist weit weg. Versucht mir zu erzählen, dass die Kleine da war. Kommt nicht auf den Namen. Ich versuche, mit Namen auszuhelfen. Auch gemeinsam kommen wir nicht drauf. Ich frag: „Hattest Du Besuch?“ – Mutti: „Nein, ich hatte kein Besuch.“ Es ärgert sie, dass sie nicht drauf kommt, was sie sagen will. Und ich kann’s nicht erraten. Damit sie sich nicht länger quält, sag ich, ist doch viel zu früh, wer mag schon vor dem Frühstückskaffee denken? Das bringt sie zum Lächeln. Dann ist gut. Ich hab keine Ahnung, was sie erzählen wollte, aber wichtiger, dass sie am Ende lächelt. Spontan setzt sie sich selber auf. DAS hat sie schon lange nicht mehr vor mir gemacht. Bleibt sitzen, ist gut drauf und ich kämm ihr erstmal die Haare und hol dann Frühstück. Alles immer mit Ansage. Vorher noch die Magentablette mit Bananennektar. Den mag sie nicht, hat aber seit gestern scheinbar einiges (vielleicht ein halbes Glas) davon getrunken. Oki, Mutti, nehm ich wieder mit. Ist sie erleichtert.
 
Heut gibt’s Frühstücksei. Yammi! Die zitternden Finger hab ich heute. Erkältung lässt noch grüssen. Nach für Mutti-Verhältnisse gutem Frühstück kippt sie wieder nach hinten, ich seh schon, das war’s mit sitzen. Frag sie, ob sie liegen möchte. „Ich weiss nicht.“ (sagt sie meist, auch heute). Ich helf ihr zum Liegen. Da gehen dann noch zwei kleine Stücken Brot und etwas Kaffee.
 
Dazwischen hatte ich ihr erzählt, dass ich gestern mit meinem Cousin telefoniert hab, der jetzt in Schleswig-Holstein in ihrem alten Elternhaus wohnt. Er lässt grüssen – das Haus steht noch! Mutti ist sichtlich erleichtert. Und freut sich zu hören, dass er auf der Beerdigung der alten Freundin war. Das scheint sie nachträglich zu beruhigen. Das wann undCo. lass ich weg – ist doch egal. Später fragt Mutti beim Frühstück unvermittelt, woher denn das Foto von dem abgrissenen (Eltern-)Haus kommt? Ich sag ruhig, „Keine Ahnung, Mutti. Manchmal träumt man auch nur.“ Sie stimmt zu. Ist wieder beruhigt. Das beschäftigt sie doch arg. Für sie ist es real. Später fragt sie nochmal nach und da passt dann die Antwort, ist doch gut, dass der Cousin ausrichten lässt, das Haus steht noch. Da atmet sie richtig erleichtert auf.
 
Gestern kam ich mir noch halb albern vor, den Cousin anzurufen, ob das Haus noch steht. Heute bin ich glücklich, dass ich es gemacht hab!
 
So kann ich noch ein bißchen mehr mit Mutti in guten Erinnerungen schwelgen und hoffentlich die bösen Gedanken vertreiben.
 
Beim Gehen sag ich noch einer sichtlich angespannten Sr. D. Bescheid, dass Mutti schon Frühstück hatte. Sr. D. bedankt sich und ich hab das mulmige Gefühl, dass wieder etwas Trauriges im Heim geschehen ist. Liegt morgen wieder das Trauerbuch aus?
 
Dann fahr ich weiter in die Kreisstadt, das Schreiben an das Amtsgericht in den Nachtbriefkasten werfen. Hab die 3 Seiten gestern zwar schon gefaxt, aber leider geht das nicht so einfach, wie es in der Onlinebeschreibung stand, hab 2 Fehlermeldungen. Und wenn mein Brief hilft, die persönliche Anhörung von Mutti kommenden Freitag abzubiegen, fahr ich dafür auch ein paar Kilometer.
 
Und heut morgen schon eine Email an den Betreuungsverein, weil sich die neue Einverständniserklärung vom Sozialamt so liest, als ob ich dann für alle Kosten persönlich haften würde. Ich will ja wohl für Mutti durch’s Feuer gehen, aber ich unterzeichne nichts, ohne vorher zu wissen, was es bedeutet und hier brauch ich fachliche Beratung. So langsam geht mir dieser ewige Papierkram auf die ... No






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 21 Jan 2018, 14:54    © kamia
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Zitat :
Und wenn mein Brief hilft, die persönliche Anhörung von Mutti kommenden Freitag abzubiegen, fahr ich dafür auch ein paar Kilometer.

Hallo Aggi,

ich meine irgendwo gelesen zu haben: Der Richter muß sich in jedem Fall ein eigenes Bild machen....was ich, ehrlich gesagt, auch richtig finde.....







Liebe Grüße
Karin




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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 21 Jan 2018, 17:38    © felixx
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Hallo Aggi,
der Amtsrichter kommt auch in die Pflegeeinrichtung, das ist völlig normal und als Richter am Familiengericht auch an der Tagesordnung. Bei all den wahnsinnig hohen Gebühren, der Richter schlug ( mit Anfahrt) nur 80€ zu Buche!
Der Termin wird natürlich festgesetzt, aber das sollte ja kein Problem sein.

Viele Grüße
Felixx






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 22 Jan 2018, 03:27    © Aggi
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Liebe kamia und liebe Felixx,

ich freu mich über Euer Mitdenken - es macht mich noch wahnsinnig ... ich weiss ja, dass es im Prinzip auch richtig ist, sonst könnte da ja sogar "Schindluder" betrieben werden. 

Aber ich kenne ja auch meine Mutti und hab den Brief des Gutachters/Hausarztes im Original erhalten, Auszüge daraus:

"Es gibt bei der Patientin keine Behandlungs- oder Rehabilitationsmöglichkeiten, da hier keine Besserung in Sicht ist."

"Die Krankheit wird auf Dauer fortbestehen. Hier ist keine Besserung oder Heilung in Sicht."

„Von einer persönlichen Anhörung der Betroffenen durch das Gericht sind Nachteile für ihre Gesundheit zu befürchten. Die Besorgnis ggf. durch eine Anwesenheit einer anderen Person kann nicht ausgeräumt werden.“

"Ebenso ist von der Bekanntmachung der Entscheidungsgründe abzusehen."

Wenn dann DENNOCH diese Formularbriefe nach Schema F kommen, MUSS ich reagieren. Am 19.Januar ging einer an mich, einer an Mutti ins Heim. Den haben die Schwestern beiseite gelegt mit Notizzettel: "Ihrer Tochter mitgeben!!".

Allein, dass sogar die Schwester längst wissen, dass Mutti "keine Post" mehr kann, spricht doch Bände. Abgesehen davon, dass ich mich mit den Schwestern schon oft über diesen Behördenkampf unterhalten hab. Das Heim muss bis zu einem dreiviertel Jahr warten, bis es Geld vom Sozialamt bekommt. Das ist ja der Rattenschwanz, der dahinter hängt. Und es geht bei diesem Hausverkauf nicht um Geld, das zu erben ist, sondern um Schulden, die sich weiter anhäufen, solange meine Mutter noch für dieses leerstehende, abrissreife Haus Unterhalt zahlen muss und ihre Rente weiter zu einem Drittel an die Gläubiger geht. Der Hausverkauf wird vermutlich nicht einmal die vorhandenen Schulden decken - ausser dem Sozialamt ist jeder davon überzeugt, nur das Sozialamt glaubt noch, da sei noch was zu holen...

Und all das, nachdem ich eine Woche vorher bei der Betreuungsstelle alles bereits besprochen hatte... wobei das dann wohl "irrelevant" ist und nur weitergeleitet wird, dass ein Verfahrenspfleger bestellt werden soll - das ist aber dann echte Zeit- und Geldverschwendung.

Und geht auf Kosten von Mutti.

Ich habe in meinem Brief ans Amtsgericht geschrieben, dass ich bereit bin, dass Amtsgericht zu verklagen, sollte Mutti aufgrund der persönlichen Anhörung Schaden erleiden (ausgeführt auf 3 Seiten)... 

Nein, ich fühle mich nicht wohl dabei. Aber bei allem Verständnis für was normalerweise nach Schema-F besser wäre: Dieser Fall ist kein Schema F und ich MUSS alles tun, was in meiner Macht steht, um dass auch diesen starren Behördlichkeiten klar zu machen.

Nein, ich fühle mich nicht wohl dabei. Aber es geht um Demenz. Und die Würde des Menschen. Und wenn schon die Dame von der Betreuungsstelle sagte, wie gut, dass sie von ihrem angedachten Besuch bei Mutti abgesehen hat, dann muss ich auch ans Amtsgericht schreiben.

GOSH - ich decke ÜBERALL immer meine Karten auf, dass Mutti von alldem nichts weiss, weil es sie umbringen würde, wüsste sie, dass sie kein Geld mehr hat etc. etc. etc. - Meistenteils weiss sie gar nicht mehr, wo sie überhaupt ist, aber fragte im Dezember so lieb die Friseurin, ob sie den überhaupt Geld in der Handtasche hat, um sie zu bezahlen. All diese Sorgen halte ich von ihr fern. "Mach Dir keine Sorgen, Mutti!"

Vorgestern noch telefonierte ich mit meinem Cousin, der auch glaubte, das Gute an Demenz sei, man hätte was-auch-immer ja eh im nächsten Moment vergessen. DAS IST FALSCH. Was weh tut, bleibt - trotz Demenz. In Form von Angst. Bis hin zu körperlichen Beschwerden. 

Und darum mach ich mich notfalls auch zum Affen ...  Sad






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 22 Jan 2018, 09:45    © Aggi
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20180122:
 
Mutti sagte gestern einmal erstaunt zu mir: "Ich wusste gar nicht, dass Sonntags das Personal auch arbeitet."
 
Von "Personal" hat sie, als ich sie noch zuhause gepflegt hat, oft gesprochen. Das "Personal" hätte ja schon gefragt oder würde sich ja kümmern... Mutti selbst hat nie Personal gehabt, ich weiss bis heute nicht, woher das kommt. In ihrer tiefsten Kindheit in Pommern hat ihr Vater als Förster für den Gutsherrn gearbeitet. Die hatten auch Personal … kommt das aus dieser Ecke? …
 
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
 
20180122 Montagmorgen:
 
Ca. 10 vor acht im Pflegeheim. Mutti ist gut drauf. Ich seh gleich, Wäsche war schon durch, vielleicht mobilisiert sie das ja auch? „Wie geht es Dir heute, Mutti?“ – „Och, ich bin frisch gewaschen und bebügelt.“ lächelt sie mich an.
 
Seit dem offiziellen Gespräch mit der Pflegedienstleitung und Sr. N. beobachte ich, dass jetzt auch immer Mutti’s Rollator am Bett steht statt wie vorher unerreichbar an der Wand. Beim Frühstück sind nur die nötigen Medis da, ich wünsche mir so sehr, dass meine Einflussnahme vielleicht auch ein weiteres Umdenken auch zugunsten anderer Heimbewohner erzielen mag. Keine Ahnung.
 
Mutti ist heute gut gelaunt und das zählt! Während des Frühstücks kommt die neue Praktikantin und bringt schüchtern einen Topf mit Milchsuppe. (Hab ich immer für warmen Vanillepudding gehalten, riecht jedenfalls so, wabbelig weissgelblich). Mochte Mutti, seit sie da ist, bislang nur einmal morgens drei halbe Löffel voll. Ich versuch, die schüchterne Praktikantin zu ermutigen und Mutti zu beruhigen, die schon wieder unwirsch guckt. Kann hinterher mit Mutti darüber reden, wie schwer es ist, wenn man irgendwo ganz neu ist. Ob sie sich noch erinnert, als sie ihre Ausbildung als Krankenschwester angefangen hat. Da strahlt sie. An diese Zeit erinnert sie sich gerne.
 
Nach fast der Scheibe Brot – Mutti ist das zweite Mal nach hinten gekippt, kommt die nette Frau, die sich um die Tabletts kümmert rein und fragt, ob Mutti die Milchsuppe mag. Sie sei hochkalorisch, wenn Mutti nur ein paar Löffel schaffen würde, wär das schon gut. Und wie schön es ist, dass die Tochter da ist.
 
Einerseits bin ich gerührt, das ist ehrliche Anteilnahme, andererseits blöde Situation, Mutti liegt grad platt aufm Rücken (ich darf ihr nicht zu oft hoch helfen, sonst macht sie bald nix mehr selber) – kriegt nix richtig mit und hatte vorhin ja schon bei der Praktikantin gesagt, sie mag keine Milchsuppe…
 
Wer sein Leben lang morgens keine Milchsuppe aß … hmmm… gut gemeint ist nicht immer gut … ein Drahtseilakt …
Hinterher fragt Mutti mich, was die Frau wollte. Erklärbärt, wie gut es so viele hier mit ihr meinen. „Aber Du bist der Boss.“ ^^
 
Mutti hat die ganze Scheibe Brot geschafft, das letzte Stück halt liegend und fast den ganzen Becher Kaffee und das ist viel und gut so.
 
Ich bin eher immer erstaunt, wie rasch wer kommt und bald jeden Tag erstaunt ist, dass Mutti noch nicht fertig ist. „Doch, wir kennen uns mit Demenz aus.“ … hmmm … vielleicht, wie man das Wort schreibt …
 
Nach dem Essen klingelt mein Handy. Amtsgericht. „Wir haben von Ihnen ein unvollständiges Fax erhalten.“ (Ich grins von einem Ohr zum andern.) – Erklärt, dass ich zum ersten Mal gefaxt hab und dann den Brief gestern im Original in den Nachtbriefkasten eingeworfen hab. – O.k., dann kriegt er den ja noch.
 
Und jetzt zuhaus ruft die Betreuungsstelle an. Ich kann das Formular getrost unterschreiben. Ist normal bei „erweiterter Hilfe“ durch das Sozialamt, wenn evt. noch Geld vielleicht durch einen Hausverkauf zu holen ist. Und ich soll mir keine Sorgen wg. der Anhörung machen. Und die Dame, die das Betreuungsgericht vorgeschlagen hat, ist dann wohl ein Betreuer und ein Verfahrenspfleger fehlt noch.
 
Mein Kopf macht nur noch „Waa-uu-waaa-uu-waaaa“ … o.k., ich hab mir gemerkt: „Machen Sie sich keine Sorgen.“ Und das ich das unterschreiben darf.
 

Heute kommt der ganze Schnodder meiner Erkältung aus mir raus, ich glaub, ich brauch mildernde Umstände…………………………………  Crying or Very sad






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 22 Jan 2018, 12:19    © kamia
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Hallo liebe Aggi,

Zitat :
Von einer persönlichen Anhörung der Betroffenen durch das Gericht sind Nachteile für ihre Gesundheit zu befürchten. Die Besorgnis ggf. durch eine Anwesenheit einer anderen Person kann nicht ausgeräumt werden.“

seltsame Formulierung, wie ich finde..... im Pflegeheim muß die Mutti ja auch andere Personen aushalten...

In unserer Demenzgruppe wurde immer sehr positiv vom Einfühlungsvermögen der Richter gesprochen. Mach dir also bitte keine so großen Sorgen.

....und dir wünsche ich weiterhin .... gutebesserung schildersmilies und schau nicht bei jeder Kleinigkeit "hinter den Busch und suche mit der Waffe den Mörder"
Fällt sehr schwer (ich weiß das nur zu gut) schont die Nerven, und man stellt fest, es gibt auch Menschen die meinen es gut, obwohl sie anderer Meinung sind.
tschuldigung, bin immer so direkt..... aus Zeitmangel

Ps. wird Mutti in irgend einer Weise mobilisiert? Hab ich es überlesen?







Liebe Grüße
Karin




Mein Herz erkennt dich......


Zuletzt von kamia am Mo 22 Jan 2018, 21:35 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 22 Jan 2018, 13:59    © Aggi
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Liebe Kamia,

ich freu mich total über Deine Antwort!  Smile

kamia schrieb:
In unserer Demenzgruppe wurde immer sehr positiv vom Einfühlungsvermögen der Richter gesprochen. Mach dir also bitte keine so großen Sorgen.

Jo, hab ich inzwischen auch gehört... viel wichtiger aber noch sind Deine folgenden Worte:

kamia schrieb:
(...) und schau nicht bei jeder Kleinigkeit "hinter den Busch und suche mit der Waffe den Mörder"

Kamia, Du hast Recht. Ich bin unterwegs überskeptisch geworden. Und das tut niemandem gut. - Kamia, Du hast das Herz am rechten Fleck und mich mal durchzurütteln hat noch nie geschadet!

danke

kamia schrieb:
Ps. wird Mutti in irgend einer Weise mobilisiert? Hab ich es überlesen?

In der Pflegedokumentation wird behauptet, es geschieht nach dem Waschen. Bewegungsübungen im Bett. Ich glaub nicht dran. Weshalb ich ja selber angefangen hatte, zweimal täglich zu kommen, damit sie wieder anfängt, zu sitzen undCo. - Im Moment mit meiner Erkältung kann ich aber nur einmal, heute morgen tat mir nach einer dreiviertel Stunde der Hals so weh, dass ich gehen musste (wollte Mutti nicht das Zimmer voll Husten).

Ach Kamia, ich bin Dir so dankbar ... irgendwie versuch ich immer alles alleine zu lösen und verzettel mich unterwegs ... blöde Angewohnheit ... peinlich

Ganz lieben Gruss,
Aggi






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Ich entscheide, nicht das Heim

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