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 Ich entscheide, nicht das Heim

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BeitragThema: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 03 Jan 2018, 07:31    © Aggi
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(20180103, Mittwoch, aus dem Gedächtnis)
 
Nach meiner Errinnerung war es Sonntag, der 10. Dezember, 2. Advent – der Tag von Muttis 2. Sturz im Pflegeheim seit ihrer Ankunft dort am 13. Oktober 2017.
 
An diesem Sonntag war ich wie so oft mittags bei Mutti und nach ca. einer halben Stunde, Mutti hatte inzwischen ihr Mittagessen aufgegessen, wobei ich wie immer geholfen hatte, kam meine grosse Schwester noch dazu. Ich erinner mich noch sehr gut, weil wir inzwischen zerstritten sind, ich mir Mutti zuliebe aber nichts anmerken liess. Es ging dabei noch darum, dass meine grosse Schwester feststellte, dass Mutti neue Lammfellhausschuhe hat und mich fragte, ob ich die Mutti zu Nikolaus geschenkt hätte. Ich antwortete wahrheitsgemäss, die seien nicht zu Nikolaus gewesen, sondern ein Geschenk zum 8. Dezember.
 
Das weiss ich noch genau, weil ich die Lammfellhausschuhe am 7.12.17 bei Lidl gekauft hab, weil Mutti im Pflegeheim immer kalte Füsse hat (zuhause war es wärmer bzw. ich hab immer dafür gesorgt, dass sie zugedeckt ist und/oder sitzend Hausschuhe trägt). Weil ich den Donnerstag dann aber noch eine ganze Wagenladung Müll (Hausräumung) gefahren hab, waren mir die Schuhe im zugepackten Auto entgangen, weshalb Mutti sie erst am Freitag, den 8. Dezember von mir bekam. Wir hatten noch gescherzt, dass sie so herrlich zu ihrem Nachtstuhl passen (grau-in-grau). Eben Mutti zum Lachen bringen!
 
Am nächsten Tag (ich besuche Mutti täglich) begrüsste mich am Pflegestützpunkt gleich eine kleinlaute Sr. V., ob ich angerufen worden sei, dass Mutti gestern (also am Sonntag) gestürzt war. – Ich war nicht angerufen worden. Sr. V. sagte mir, es sei nichts schlimmes passiert ausser einem blauen Fleck. Sie würden aber auch noch bei Dr. B. anrufen, was ich o.k. fand.
 
Mutti erzählte mir dann, wie der Sturz passiert ist: Nachmittags oder abends (ihre Zeitangaben sind sehr ungenau) sei eine Schwester in ihr Zimmer gekommen, habe gesagt, jemand hätte Pralinen für Mutti abgegeben und legte die Pralinenschachtel auf den grossen Tisch in der Zimmerecke, statt ihn in Muttis Reichweite auf ihren Nachttisch zu legen. Mutti ist immobil, bettlägrig, auf ihren Rollator angewiesen, schafft es aber kaum noch von der Bettkante zum Nachtstuhl am Fussende. Dazu dement, seit der Aufnahme im Pflegeheim noch wieder schlimmer. Phasenweise sehr klar, dann wieder völlig konfus. Und schwer herzkrank, Herzklappenverengung. Und der Magen. Und und und…
 
Mutti sagte mir dazu, die Schwestern seien immer viel zu schnell wieder raus, als dass sie noch eine Frage stellen könnte und da ist sie eben selbst aufgestanden, um sich die Pralinen aus der Zimmerecke zu holen. So kam es zu dem Sturz.
 
Was ich nicht weiss: War mal wieder der Rollator NICHT bei ihr am Bett wie so oft? Musste sie deshalb freihändig gehen und ist deshalb gestürzt? Nach meiner Erfahrung steht in 95 % meiner täglichen Besuche bei ihr ihr Rollator NICHT in Reichweite bei ihr am Bett oder wenn, sind die Bremsen festgestellt, die Mutti nicht lösen kann.
 
Viel öfter steht von den Mahlzeiten immernoch der Tisch vor ihre Bettkante geschoben. Bislang hatte ich nie etwas dazu gesagt, obwohl ich das Thema Rollator schriftlich in der Notfallmappe fixiert hatte (immer griffbereit am Bett mit gelösten Bremsen etc.) und bei Ankunft auch besprochen hatte. Das war offensichtlich nicht genug von mir. Mein Fehler?! Immer, wenn ich gehe, stelle ich ihr den Rollator griffbereit ans Bett und die Schlappen daneben, korrigier notfalls auch die Betthöhe auf niedrigste Stufe. Hätte ich früher etwas sagen müssen, statt mich in Sicherheit zu wiegen?
 
Jedenfalls wurde Mutti seitdem mit Schmerzmitteln medikamentiert, was ich auch richtig fand, weil Mutti eine ganze Woche nach dem Sturz noch heftige Steissbeinschmerzen hatte. Aber nach anderthalb bis zwei Wochen war das vorbei und ab da hätten die Schmerzmittel längst schon abgesetzt werden müssen – stattdessen wurde bis einschliesslich GESTERN, 02.01.2018 behauptet, Mutti würde an starken Schmerzen leiden. Das ist nicht wahr!
 
Chronik der Ereignisse um die Absetzung der Medikamente
 
20171228, Donnerstag:
Sr. D. spricht mich darauf an, dass Mutti einen stark erhöhten Blutdruck von 165 hat, obwohl Mutti nur liegt. Mir selbst ist schon aufgefallen, dass Mutti jeden Tag immer schlapper wird. Ich bespreche mit Sr. D., dass endlich die Schmerzmittel abgesetzt werden müssen. Hatte ich vorher bei einer anderen Schwester (Sr. K.) schon mal versucht, die hatte aber nur den Kopf geschüttelt und ich hab gedacht, die wissen schon, was sie tun. Der Sturz war ca. am 6. Dezember (Sr. D. nennt das Datum „Nikolaus“). Das sind jetzt bald 3 Wochen Schmerzmittel wg. Steißbeinsturz. Die belasten Muttis Kreislauf viel zu stark.
 
Sr. D. sagt, dass Problem sei, Dr. B. habe jetzt Urlaub, sie habe schon versucht, ihn zu erreichen. Stimmt zu, dass die Schmerzmittel abgesetzt werden sollen. Spricht ferner an, dass Mutti es nicht mehr alleine zum Nachtstuhl schafft. Ihre Vorlagenhosen seien immer nass und eine Schwester alleine schaffe das nicht, müsse eine zweite Schwester zur Hilfe holen, um Mutti zu versorgen. Deshalb würden sie gerne grössere Vorlagenhosen legen und dass Mutti evt. die zweite Bettseite hochgestellt werden soll, damit Mutti nicht aus dem Bett fallen kann. Ich dränge nochmal darauf, dass vor allem die Schmerzmittel abgesetzt werden müssen. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur von den Novalgin-Tropfen mittags und nun auch davon, dass Mutti je morgens und abends noch eine Schmerztablette erhält.
 
Von Sr. D. weiss ich, dass sie nur noch diesen Tag da ist und dann erstmal ein paar Tage Urlaub hat.
 
20171229, Freitag:
Sr. V. gefragt, warum Mutti mittags immernoch die Novalgin-Tropfen bekommt. Sr. V. weiss von nichts, sie habe Sr. D. nicht gesprochen. Will sich darum kümmern, dass die Schmerzmittel abgesetzt werden, wusste das nicht. Aber bei Mutti im Zimmer ist jetzt Muttis eigener Nachtstuhl weg, der vorher immer am Bettende stand und Mutti trägt eine (zu grosse) Vorlagenhose. – Also können sie das eine ändern und das andere nicht? Werde ich verarscht?
 
Mutti ist inzwischen nicht mehr sie selbst, sie halluziniert und fragt mich, wer der Mann im Zimmer ist. Hat Mühe einen klaren Satz zu bilden. Ist wie auf Droge. So hab ich sie zuletzt erlebt, als sie 2015 bei ihrer grossen OP übermedikamentiert worden ist. – Sr. V. habe ich noch gesagt, dass Mutti inzwischen halluziniert. Davon wusste Sr. V. offensichtlich nichts, schien sie interessanterweise aber auch nicht weiter zu belasten. Ich hätte auch sagen können, Mutti ist ein Fingernagel abgebrochen. Was ist da los?
 
Dafür soll Mutti ein Tropf angelegt werden, weil sie inzwischen dehydriert. Ich stimme zu, weil Mutti so weit weg ist, dass sie nichts mehr mag und zielstrebig an Messer und Gabel ganz weit vorbeigreift. Nur noch müde und schlapp. Klar ist sie dehydriert. Weil sie so zugedröhnt ist, dass sie weder essen noch trinken mag und Mutti hat IMMER gern gegessen!
 
Wieder fällt ein Wort wie „Tecerizin“ – mein googlen findet nix. Was für Tabletten bekommt Mutti eigentlich? Leider bin ich immer zu Zeiten da, wo alle Schwestern grad unterwegs sind und ich keine erwische, um mir den Medikamentenplan zeigen zu lassen. Dazu kommt, dass mich Muttis schlimmer Zustand schwer belastet, ich verliere an Ruhe, um da noch eine Stunde abzuwarten, bis ich wen erwische…
 
20171230, Samstag:
Mutti ist noch weiter weg. Sie fragt mich, wo das ganze Stroh im Zimmer herkommt. Sie grinst über das ganze Gesicht und erzählt von „roten Strohhalmen“. Voll-stoned! Tatsächlich überlege ich den Bruchteil einer Sekunde, ob so ein Zustand nicht wünschenswert ist: Nichts mehr fühlen, wissen, wollen, einfach nur noch breit sein?! – Aber nein, was kommt als nächstes, erst Tropf, dann Sondenernährung???? Nein, das ist falsch-falsch-falsch!
 
Darum setze ich mich auf den Stuhl vor den Pflegestützpunkt und warte, bis jemand Zeit für mich hat. Schliesslich kommt Sr. K. und fragt, ob sie mir helfen kann. Ich frage nach, ob die Schmerzmittel jetzt abgesetzt sind. Sr. K. erklärt mir, das geht nicht, weil das Pflegepersonal an die Anweisung des Arztes gebunden ist. Auf meine Frage, ob ich als Vorsorgebevollmächtigte nichts zu sagen hätte, schüttelt sie den Kopf.
 
Ich fühle mich total verarscht.
 
Sr. K. verweist mich an Sr. L., hört sich so an, als habe die das Sagen. Sr. L. versorgt noch einen Patienten, aber ich darf dort im Aufenthaltsraum auf sie warten. Dann erklärt mir Sr. L., dass das Tilidin nicht abrupt abgesetzt werden darf. (Ich hab keine Ahnung, was Tilidin ist.) Wir einigen uns auf, die abendliche Tablette weglassen, nur noch die morgens, weil Mutti inzwischen schon halluziniert und nicht mehr sie selbst ist. Und das Novalgin mittags ganz weglassen. Ausserdem bekommt Mutti heute den Tropf.
 
Mittags bin ich wieder da. Auch Sr. K. versichert mir, dass das Novalgin mittags jetzt weggelassen wird. Bevor sie ins Zimmer kommt, stehen auf dem Mittagessentablett für Mutti noch ihre Tabletten von morgens. Hat Mutti morgens nicht genommen, weil sie nix mochte. Was für eine Verarsche, wo die Tilidin doch sooooooo wichtig sind. Ich nehm die Tilidin an mich und geb Mutti die halbe Metoprolol und die halbe Ramipril. Später kommt noch Sr. L. rein und sagt mir nochmal, dass die Tilidin abends und das Novalgin jetzt weggelassen wird und ich ab jetzt immer informiert werde.
 
Bevor ich gehe, schenke ich den Schwestern Pralinen. Goodwill. Mutti ist in ihren Händen. Sr. L. freut sich und sagt: Nervennahrung ist immer gut!
 
Zuhause google ich Tilidin: mittelstarkes Opiat, 50 mg, eine morgens eine abends, für eine Frau wie Mutti, die dergl nicht gewohnt ist und auf nahezu alle Pillen krass reagiert schon heftig. Plus Novalgin, schätzungsweise 25 Tropfen mittags, hmmm… O.k., sie hatte starke Schmerzen. Für 2 Wochen zu rechtfertigen. Für länger auf keinen Fall.
 
Aber: Wenn Tilidin sooooo wichtig ist, wieso kann dann die Früh-Medikation einfach ausgelassen werden? Dieser Widerspruch steht in Widerspruch zu den ganzen Widersprüchen, denen ich hier nach und nach begegne und inzwischen ärgert mich auch, dass Mutti das Essen nicht mundgerecht (z.B. das Fleisch mittags kleingeschnitten) bekommt.
 
Werde ich jetzt kleinlich oder werde ich wach? Auch das mit dem Essen hatte ich bei Aufnahme angesprochen, steht in meinen schriftlichen Ergänzungen in der Notfallmappe, die tagelang vorne für alle einsehbar im Pflegestützpunkt stand und war nochmal von mir nachgefordert worden bei einem Abendessen, wo das Brot nur geviertelt war. Die Antwort der Schwester war gewesen, Mutti hätte bislang alles aufgegessen, aber sie würde die Anweisung weiter an die Küche geben. Wieso geht das nicht beim Mittagessen und muss ich jetzt ALLE Mahlzeiten kontrollieren?
 
Himmelhilf – ich will doch nicht paranoid werden, aber der Wurm, der jetzt in mir nagt, ist nicht von mir gesetzt worden, sondern durch diese vertrackte Geschichte mit der viel zu langen Medikamentierung!
 
20171231, Sonntag:
Mutti geht es einen Tick besser. Immerhin redet sie etwas mehr, wenn auch noch reichlich Kauderwelsch – Wortsalat. Aber sie wirkt schon einen ganzen Schritt klarer, auch wenn sie keinen ganzen Satz korrekt bilden kann!
 
20171801, Montag:
Ich komme mittags, das Essen wird gebracht und auf dem Tablett steht: Der Becher mit den Novalgintropfen. Ich glaub, ich spinne.
 
Als Sr. N. kommt, frage ich sie, wieso Mutti mittags noch Novalgin bekommt: Es ist doch nur Bedarfsmedikation, die Mutti nur nehmen soll, wenn sie Schmerzen hat.
 
Sr. N. findet es offensichtlich normal, einer dementen, immer noch schwerst verwirrten Bewohnerin einen Becher Tropfen aufs Essenstablett zu stellen und ihr die Entscheidung selbst zu überlassen, denn mit dem Essen wird Mutti allein gelassen. Oder notfalls von den Schwestern gefragt, warum sie ihre Tropfen noch nicht genommen hat. – Mutti schluckt inzwischen brav alles, was ihr hingestellt wird, wenn ihr nicht gerade schlecht ist oder sie zu schlapp ist, überhaupt zu sitzen. Das ist nicht meine Mutter!
 
Ich muss fahren, raus hier, sonst schrei ich den ganzen Laden zusammen. Vorher habe ich Sr. N. gesagt, dass ich morgen mit Dr. B. spreche.
 
Und dem muss ich erklären, dass Bedarfsmedikation nicht geht – zuviel freie Hand für die Schwestern. Nur noch minutiöse Anweisungen auf Muttis Bedarf und Verträglichkeit.
 
WIE BLÖD KANN MAN SEIN, MEINER MUTTER DIESEN BECHER HINZUSTELLEN UND ZU GLAUBEN, SIE KÖNNE DAS NOCH SELBST ENTSCHEIDEN? BEKOMMEN ALS NÄCHSTES AUCH DIE KINDER IM KINDERGARTEN NOVALGIN-BECHER MIT DEM SCHILD „BEDARFSMEDIKATION“???? ICH GLAUB ICH SPINNE!!!!!!!!!!!!!!!!!!
 
Bedarfsmedikation zur Ruhigstellung. Der Verdacht ist naheliegend. Denn Mutti ist jetzt pflegeleicht wie noch nie. Ausserdem  die ersten freiheitsentziehenden Massnahmen wie Entzug von Rollator, Bettgitter bis hin zur Wirkung der sedierenden Opiate.
 
Und mir erklären, das Pflegeheim kann nichts daran ändern, weil es nur auf ärztliche Anordnung reagieren darf, würde bedeuten, dass meine Mutter noch bis einschliesslich heute, den 03.01.2018 Volldosis Schmerzmittel bekäme für einen Sturz auf ihr Steissbein, der überhaupt nicht mehr weh tut.
 
Körperverletzung.
 
Bis gestern wusste ich nicht einmal, dass „Bettgitter“ zu den freiheitsentziehenden Massnahmen gehört. Das hat mir nicht das Heim erklärt, das hat mir Google erklärt.
 
Sr. D. sprach davon, dass eine Schwester alleine Mutti nicht mehr versorgen kann – geht es darum? Wird eine „sedierte“ Mutti pflegeleichter, weil man sonst zu zweit zu ihr muss?
 
Mein Bruder und ich sind uns einig, dass Mutti spätestens seit Weihnachten keine Schmerzmittel mehr benötigt. Aber bislang hatten wir hier bei den Schwestern auf Granit gebissen.
 
Warum?
 
Also hab ich gestern, am ersten Arbeitstag nach den Feiertagen, den Hausarzt erreichen wollen. Zu dem stehe ich in sehr gutem Kontakt. Aber leider hat der noch bis einschliesslich heute Urlaub.
 
Also wand ich mich telefonisch an den Betreuungsverein, um wenigstens zu erfahren, ob ich überhaupt Rechte hab. Dort wurde mir erklärt, dass ich aufgrund meiner Vorsorgevollmacht das Recht habe, die ärztliche Verordnung zu ändern.
 
Und dann habe ich bis halb elf, viertel vor elf gewartet, bis die Pflegedienstleitung tel. erreichbar ist. Vorher war ich morgens bei Mutti. Sie wusste nicht, ob sie schon Frühstück hatte, dachte, es sei schon mittag (morgens um viertel vor 8 war es noch dunkel) und ich lenkte sie auf „Drachen bauen“. Da strahlte sie und sagte: „Wir haben Drachen gebaut … auf dem Tisch … Drachen … ähh … Geschirrspülmaschine …“.
 
Immernoch gaga, aber ich kann sie immernoch zum Lächeln bringen und wenn ich ihr sage, ich hab dich lieb, sagt sie mir, ich hab dich auch lieb!
 
Vormittags dann tel. ans Pflegeheim gewandt, die Pflegedienstleitung hat noch bis einschliesslich heute Urlaub. – O.k. Wer ist ihre Vertretung? Frau G., die ist aber auch nicht zu erreichen. Und wer ist deren Vertretung? – Das bin dann ich, Sr. D.
 
Und dann hat mir Sr. D. auf mein Nachfragen erzählt, dass sie o.g. besagten Donnerstag einen grossen Bericht abgegeben hätte, wo alles dringestanden hat mit Nachtstuhl raus, grossen Vorlagehosen, Mutti nur noch im Bett versorgen, Bettgitter hochstellen… – Ich fragte Sr. D., ob auch dringestanden hat, dass die Schmerzmittel abgesetzt werden sollen und sie sagte: Ja.
 
Und wieso wusste Sr. V. dann von nichts?
 
Also beschrieb ich Sr. D., was während ihres Urlaubs gewesen ist. Sie versuchte es zwischendurch mit dem beliebt-bewährten: „Ich war ja nicht da.“ – was ich nicht gelten liess. Schliesslich gibt es Pflegedokumentation. Dann deckte sie mir auf, dass Mutti zusätzlich zu den 1-0-1 50 mg Tilidin noch 3 x tgl. 30 Tropfen Novalgin PLUS bei Bedarf Novalgin erhält.
 
An dem Punkt bin ich laut geworden! Nicht ohne Sr. D. permanent zu versichern, dass mein Wutanfall nur 5 Minuten dauert und nicht sie persönlich betrifft, aber HALLO?????
 
3 x TÄGLICH 30 Tropfen NOVALGIN PLUS bei Bedarf
sind wieviel Novalgintropfen für meine immobile, herzkranke, bettlägrige Mutter,
die inzwischen halluziniert, sichtlich abgemagert und schon dehydriert ist
 
UND KEINER WILL DIE MEDIKATION ÄNDERN????????????????????????
 
(Plus die Tilidin, von denen wohl die abends jetzt wirklich abgesetzt wurde … hoffe ich, heute werde ich mir den Medikamentenplan zeigen lassen)
 
Sr. D. begründete diese Medikation mit Muttis „starken“ Schmerzen. Das ist Bullshit!
 
Wahlweise berufen sich die Schwestern hier auf: Ich war ja nicht da, davon wusste ich nichts – um dann haargenau zu wissen, dass Mutti „starke“ Schmerzen hat? Was ist das für ein Halbwissen?
 
Ich habe nicht mehr kleinbeigegeben.
 
Ich habe Sr. D. angewiesen, dass Novalgin komplett abzusetzen, die Tilidin morgens noch bis Donnerstag beizubehalten, ich würde mit dem Arzt reden, weitere Gespräche würden folgen.
 
Auch hier gab ich mir allergrösste Mühe, mich höflich von Sr. D. zu verabschieden in der Hoffnung, dass mein Wutausbruch nicht falsch verstanden wird sondern Ausdruck berechtigter Sorge einer Tochter ist, die Angst um ihre Mutter hat.
 
Als nächstes rief ich die Vertretung der Pflegedienstleitung an. Die hatte gestern aber Urlaub. – O.K., wer ist deren Vertretung? (Anderer Ort, deshalb dort auch noch angerufen). Das war Sr. M., der ich die ganze Geschichte erzählte. Reaktion Sr. M.: „Oje.“ – Sr. M. sagte mir, sie könne dazu nichts machen, weil sie ja den anderen Ort vertrete, würde aber für mich die Pflegedienstleitung Sr. Soundso verständigen (hä? Wer ist das denn?), die mich gleich zurückrufen würde. – O.K.
 
Zurückgerufen hat dann eine halbe Stunde später aus dem Urlaub meine Pflegedienstleiterin Frau R. mit kleinlauter aber freundlicher Stimme, was denn los sei, wie sie helfen könne. – Erklärbärt. – AUCH SIE versuchte die Nummer mit: „Wir können eigentlich nur auf ärztliche Anordnung…“.
 
Liess ich nicht gelten. Sach mal, gibt es Kurse in dieser Hartnäckigkeit?
 
Ihr auch die Anweisung gegeben: Kein Novalgin mehr. Nur noch morgens eine Tilidin. Ich spreche Donnerstag mit Dr. B.. Und ab jetzt werde ich über JEDE Medikation informiert. Ferner setzen sie und ich uns Donnerstag auch noch mal zusammen.
 
(Dann werde ich auch über die anderen Dinge wie mundgerechte Ernährung, Inkontinenz, Rollator etc. sprechen und fragen, warum das nicht berücksichtigt wurde.)
 
Ein ansonsten – bis auf meine innere Sprachlosigkeit zu der chronischen Wiederholung von „wir dürfen nur auf ärztliche Anordnung“ – gutes Gespräch mit freundlichem Ausgang. Frau R. meinte, sie hätte vollste Verständnis auch dafür, dass ich mich aufgeregt hätte. Nur würden andere Bewohner eine solche Medikation (3 x tgl. 30 Tropfen Novalgin) durchaus vertragen.
 
UND WENN ALLE AUS DEM FENSTER SPRINGEN IST DAS KEIN GRUND, SELBER AUCH ZU SPRINGEN. Hab ich aber nur gedacht und nicht gesagt. Mutti soll nicht pauschal medikamentiert werden und ich werde noch klären müssen, wer diese Höhe angeordnet hat, um dergl für die Zukunft zu verhindern. Nur: Wie kann man so gnadenlos Schwachsinn reden – andere vertragen das doch auch? Ist man durch Aufnahme ins Pflegeheim kein Individuum mehr???????
 
Was ich trotzalledem hoffe:
 
Ich möchte glauben, dass man Missverständnisse beheben und derartiges im Gespräch und direkten Kontakt ändern kann. Und wenn ich dazu zu einer achtarmigen Krake werden muss, dann ist das eben mein Weg. Für mich selbst könnte ich das nicht. Aber für Mutti kann ich das.
 
Ich rief kurz nach zwölf dann nochmal beim Betreuungsverein an, weil es mir keine Ruhe liess, wie Gebetsmühlenartig hier im Pflegeheim immerzu wiederholt wird: „nur auf ärztliche Anordnung“.
 
Mir wurde gesagt, wenn das Pflegeheim Mutti jetzt weiter Medikamente gibt, die ich untersagt habe, machen die sich strafbar (Körperverletzung).
 
Ich will niemanden anzeigen! Eigentlich hatte mir dies Pflegeheim vom ersten Tag an gut gefallen. Ich will hier nur Mutti’s Rechts auf Selbstbestimmung durchsetzen. Und dergl Sätze helfen mir, selbstbewusst aufzutreten.
 
Wenn man so müde geworden ist unterwegs wie ich es grad bin, wird jeder Kampf zu einem Akt, der … keine Ahnung … ich ertappe mich bei Wunschgedanken, ach wär sie doch nicht mehr … so müde bin ich geworden, und das ist nicht gut!
 
Darum fahre ich jeden Tag zu ihr, so schmerzhaft es manchmal ist: Wenn ich sie wieder lächeln sehe, weiss ich, wie wichtig jeder noch so kleine „Kampf“ um und für sie ist. Ich kann sie zum Lachen bringen. Gerne auf meine Kosten! Ich lache mit ihr. Irgendwann ist das vorbei – aber bitte auf ganz natürlichem Wege!
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 03 Jan 2018, 14:47    © Aggi
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20180103, Mittwoch:
Ca. 9:05 Uhr zu Mutti. Im Flur noch Sr. D. getroffen, die schwer beschäftigt sagt, sie käme gleich zu uns. Um diese Uhrzeit haben alle Schwestern viel zu tun. Ausser Sr. D. sehe ich ansonsten auf dem Flur nur die Putzfrau, die grad bei Mutti geputzt hat.
 
Bei Mutti im Zimmer steht vor ihr steht noch der Tisch mit dem Frühstück. Mutti liegt schlapp, die Beine von der Bettkante hängend, schräg auf dem Bett. Die Füsse noch in den Pantoffeln, die Wolldecke über den Beinen verrutscht, der halbe Oberschenkel blank bis zum Po. Ein einziges Bild des Jammers!
 
Mutti weiss nix von Frühstück, ist ganz weit weg. Ich möchte sie animieren, noch aufzuessen. Als ich (mit Ansage) nur vorsichtig ihre Hände ohne Druck in meine Hände nehme, verzieht sie schon schmerzverzerrt das Gesicht. Ich frag sie, was weh tut, aber sie sagt, noch tut nix weh. (Sie hat Schmerz erwartet – ich hatte noch gar nix gemacht, ausser ihre Hände zu berühren. Sie hat Angst!)
 
Beim langsamen Aufhelfen sehe ich, dass ihr dabei wie immer schwindelig wird. Das Herz – der Kreislauf. Bei den Schwestern hatte ich schon beobachtet, dass sie Mutti regelrecht hochgerissen hatten. Es muss langsam gehen. Auch im Pflegeheim muss so viel Zeit sein. Nicht die Mutti kaputt machen!
 
Aber Mutti sagt mir, als sie sitzt, noch einmal, dass sie (noch) keine Schmerzen hat.
 
Auf dem Frühstückstablett stehen noch die beiden Tablettenbecher, einer mit der Magentablette, der andere mit der ½ Ramipril, ½ Metoprolol und die 50 mg Tilidin. Immerhin kein Novalgin. Die Kaffeetasse ist noch voll und auf dem Teller liegen noch zwei viertel Wurst- und ein viertel Marmeladenbrot.
 
Es gelingt mir, Mutti zu animieren, bis auf ein achtel Wurstbrot alles aufzuessen und zu trinken samt Tabletten. Zwischendrin kommt die Tablett-Abräum-Frau und ist erstaunt: Immernoch nicht fertig? – O.k., dann komm ich später. Wäre ich nicht gekommen, hätte Mutti weiter gelegen und der Frau gesagt, sie will  nix essen.
 
Am Ende ihres Frühstücks sackt Mutti immer öfter nach rechts weg. Nun tut ihr auch der Rücken weh. Länger sitzen geht schon länger nicht mehr. Liegen, ihr Körper will liegen. Und so, wie sie es will. Nicht so, wie die Pflegeschwestern es in einem Kurs gelernt haben. Man muss doch auch im Alter das Recht haben, schief im Bett liegen zu dürfen, wenn sonst alles weh tut.
 
Nicht Mutti, sondern ihr Körper sagt mir, dass sie wieder liegen will. Sie sagt mir, sie weiss nicht. Ich helfe ihr ins Bett zurück und freu mich, dass sie gegessen und getrunken hat.
 
Wir klönen noch eine Weile. Ich stell ihr Fragen zu Opa, ihrem Vater. Der war Förster. Davon erzählt sie gern. Ganze Sätze, vor allem bis zu Ende wollen immer noch nicht gehen, aber ich bringe sie auf schöne Gedanken und lasse sie dann schlafen.
 
Während ich auf Sr. D. warte. Warten. Am liebsten würde ich gehen. Tjä, aber am liebsten hätte ich auch 6 Richtige im Lotto, um Mutti einen schönen Lebensabend zu kaufen. Also bleib ich und warte mal wieder. Pfui, Aggi, Selbstmitleid geht aber gar nicht J
 
Ca. Viertel nach 10 verabschiede ich mich von Mutti: Ich hab Dich lieb, meine Mutti. – Ich hab Dich auch lieb, meine Aggi. Das macht mich glücklich!
 
Vorne am Pflegestützpunkt frag ich, ob ich den Medikamentenplan haben kann. Kein Problem. Hab ich jetzt. Ich Honk war so naiv zu glauben, das wäre eine Liste all dessen, was bisher gegeben worden ist. Stattdessen der Stand ab heute. Ohne Novalgin. Mit einmal Tilidin. Und Kürzeln, die ich nicht verstehe. Ich sollte mich freuen, auf dem Papier habe ich erreicht, was ich wollte. Ich freu mich nicht. Morgen mit dem Arzt reden. Und eine Fortsetzung des Gesprächs mit der Pflegeleitung.
 
Es ist jetzt kurz vor zwölf am Mittag und ich würde am liebsten mit 1000 Kilo Walnusseis ins Bett gehen, bis ich vor Bauchschmerzen nicht mehr denken kann.
 
Vielleicht sollte ich morgen den Arzt fragen, ob ICH nicht Muttis Medis kriegen kann.
 

Oder ich hör auf zu jammern. Jammern ist ein Arschloch ^^
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 03 Jan 2018, 21:20    © gisela
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liebe Aggi
als besorgte tochter kann ich dich wirklich sehr gut verstehen, auch, weil ich da ähnlich gestrickt bin,
aber ein paar vielleicht erklärende Bemerkungen möchte ich dann doch hinzufügen.
Zitat :
stattdessen wurde bis einschliesslich GESTERN, 02.01.2018 behauptet, Mutti würde an starken Schmerzen leiden. Das ist nicht wahr!
in vielen heimen sind schmerzeinschätzungsinstrumente wie z.b. ankreuzskalen die regel. da werden schmerzen
bei dementen menschen in ruhe und in Aktivität eingeschätzt. die sind eigentlich recht zuverlässig, gerade, wenn ein
dementer mensch nicht mehr verbalisieren kann das er schmerzen hat. du kannst dir diese ausdrucken lassen und einsehen.
Zitat :
 Ich frage nach, ob die Schmerzmittel jetzt abgesetzt sind. Sr. K. erklärt mir, das geht nicht, weil das Pflegepersonal an die Anweisung des Arztes gebunden ist. Auf meine Frage, ob ich als Vorsorgebevollmächtigte nichts zu sagen hätte, schüttelt sie den Kopf.
das das Pflegepersonal in heimen Medikamente nur nach einer gültigen arztverordnung geben oder absetzen kann
ist nicht unüblich, da es Vorschriften gibt. natürlich bist du als vorsorgebevollmächtigte berechtigt das absetzen von medikamenten
einzufordern, aber........solange ein medikament nicht von einem Arzt abgesetzt ist, ist eine pflegekraft verpflichtet
Medikamente auszugeben, ausser sie trägt z.b. im berichtsblatt ein, "der Bewohner wirkt überdosiert, ist kaum ansprechbar, vitalzeichen wurden ermittelt, das oder das medikament wurde nicht verabreicht.
ist dann der Hausarzt nicht erreichbar, muss der vertretungsarzt das medikament absetzen, gibt es keinen, hat das personal
aber auch du die Möglichkeit einen kv-Arzt zu rufen, der das medikament absetzt.
Zitat :
Hat Mutti morgens nicht genommen, weil sie nix mochte. Was für eine Verarsche, wo die Tilidin doch sooooooo wichtig sind.
natürlich gibt es Bewohner, die Medikamente verweigern. was will man da als pflegekraft machen.
wenn es mit gutem zureden, ggf mit mörsern unter etwas wohlschmeckendes und zeitversetztem anbieten nicht
funktioniert, wird es einen eintrag im berichtsblatt geben, dass der Bewohner seine Medikamente nicht genommen hat trotz den oder den versuchen, und es geht eine fax-info an den Hausarzt raus.
Zitat :
Und dem muss ich erklären, dass Bedarfsmedikation nicht geht – zuviel freie Hand für die Schwestern
ein Hausarzt MUSS, wenn er eine bedarfsmedikation ansetzt im medikamentenblatt GENAU beschreiben, wann diese zum einsatz
kommen darf. z.b. darf er nicht schreiben, bei schmerzen, sondern muss eintragen, bei welchen schmerzen.kopf,rücken,zähne.
wird nun vom personal die bedarfsmedi gegeben, muss im berichtsblatt stehen, Bewohner klagte über z.b.Kopfschmerzen, vitaldaten wurden erhoben, erhielt nach avo die bedarfsmedikation.klagt nun ein Bewohner über Rückenschmerzen, der nur eine bvo für Kopfschmerzen hat, darf das personal keine bvo geben, sondern muss einen kv-Arzt rufen, je nach stärke der schmerzen.so viel freie Hand hat das personal da also nicht.

Zitat :
Ich habe Sr. D. angewiesen, dass Novalgin komplett abzusetzen, die Tilidin morgens noch bis Donnerstag beizubehalten
egal ob bevollmächtigter oder gesetzlicher betreuer.........in medizinischen belangen untersteht das personal dem Arzt.
was du hättest machen können wäre darauf zu bestehen, dass ein kv-Arzt gerufen wird.
Zitat :
Nicht so, wie die Pflegeschwestern es in einem Kurs gelernt haben. Man muss doch auch im Alter das Recht haben, schief im Bett liegen zu dürfen, wenn sonst alles weh tut.
ja..........das recht hat ein Bewohner natürlich, aber........es besteht bei kontinuierlich falscher lage immer die gefahr
dass sich z.b. ein decubitus bildet, wenn die lage nicht verändert wird.

ich mein es wirklich nicht böse, und ich verstehe deine sorge sehr sehr gut. weisst, meine Mama ist jetzt seit 1 1/2 jahren im heim.übrigens in dem heim, in dem ich auch selbst arbeite. und ich bin auf beiden seiten zuhause. ich bin pflegekraft und auch angehörige.
und als pflegekraft hab ich viele angehörige, die z.b. ihre Schuldgefühle aufs personal übertragen.
als angehörige finde ich auch nicht alles prima, weil ich aber auch weiss, das es das ideale heim nicht gibt habe ich versucht
für Mama das beste rauszuholen und bin wirklich zufrieden.
darf ich zum schluss noch fragen, nach welchen Kriterien du das heim für deine Mama ausgesucht hast?






    lieben gruß

                           gisela                        

Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.


Ralph Waldo Emerson, US-amerik. Philosoph, 1803 – 1882
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Amelu
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 03 Jan 2018, 22:37    © Amelu
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Eine Geschichte des Jammers, mir dreht sich das Herz im Leibe, wenn ich das alles lese!

Aber ganz wichtig! Antidepressiva nicht hurtig absetzen, sondern wirklich laaaaangsam ausschleichen, die Dosis pro Monat um ca 10 % verringern! Schneller könnte zu schnell sein und wer zu schnell absetzt, hat die Hölle auf Erden, in der Tat!

 Mach Dich mal dazu ein bissel kundig in diesem Forum: http://adfd.org/austausch/index.php?sid=9f3328879b8be0bed98dde335bdb9669


Ich habe mit Vollmacht ausgestattet sehr wohl über Medikation für Mutter entscheiden können, ich habe auch angeordnet, was von dem Essen für Mutter serviert wird und was nicht. Ich habe Geländer am Bett angeordnet und das mußte auf jeden Fall beachtet werden, wurde es auch.



Amelu
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 03 Jan 2018, 23:38    © Ulli
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Für ein Bettgitter benötigt man eine gerichtliche Erlaubnis. (freiheitsentziehende Maßnahme)

Ulli
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 04 Jan 2018, 02:58    © Aggi
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Whow ihr drei ... gisela, Amelu und Ulli ...

erstmal bin ich überwältigt ... ich sitze hier und mir schiessen die Tränen in die Augen...

vielleicht brauch ich zuerst mal ne Runde heulen, weiss nicht, wann ich das das letzte Mal gemacht hab,
aber ich freu mich so über Eure Anregungen.

Ich schreib nachher ausführlicher. Die sonst so obertaffe Aggi geht mal ne Runde weinen -
aber es sind glückliche Tränen,
ehrlich!

Danke!
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 04 Jan 2018, 06:49    © Aggi
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Liebe Gisela,
 
Du hast mir mit Deiner langen ausführlichen Antwort viele gute Anregungen gegeben. Hier im Forum hab ich schon einiges von Dir gelesen und bin Dir über Dein Feedback sehr dankbar, weil ich noch sehr viel zu lernen hab!
 
Z.B. muss ich noch um Einblick in die Pflegedokumentation bitten, heute stehen zwei Termine an: 1) Hausarzt 2) Pflegedienstleitung

Scheinbar muss ich noch lernen, wie man richtig darum bittet. 
 
Vielleicht habe ich deshalb diesen "provokanten" Threadtitel gewählt: Weil ich mir selber Mut machen muss. Mut auf mein und Muttis Recht.

Das das Pflegepersonal sich bei der Medikamentegabe an Vorschriften halten muss ist gut, richtig und wichtig. Das aber eine Pflegekraft nur auf ärztliche Anordnung absetzen darf, entgegen der Anweisung des Vorsorgebevollmächtigten, ist auch falsch.
 
Gehe ich von einer heilen Welt aus, in der alles gut und richtig läuft, unterschreibe ich jedes Wort von Dir.
 
Aber nur mal angenommen, es läuft etwas schief. Keine böse Absicht unterstellt! Sag ich mal, Mutti bekommt 2 Wochen lang berechtigterweise Medikamente, die ihr helfen. Danach aber kippt die Wirkung der Medikamente in Nebenwirkungen, die die Wirkung aufheben: Mutti isst kaum noch, trinkt kaum noch, sie dehydriert, ihr Blutdruck schiesst in die Höhe und sie ist jenseits von Gut und Böse.
 
An dieser Stelle fordert die Vorsorgebevollmächtigte zu Recht, dass die Medikation aufgehoben werden muss.
 
Anstelle eines: „Nein, das geht nur auf ärztliche Anordnung und der Arzt hat leider Urlaub.“ MUSS das Pflegeheim handeln.
 
Warum dauerte der Tropf stattdessen noch 2 Tage? Die Medikamentenreduzierung auch noch 2 Tage? Stattdessen bekam meine Mutter prompt am selben Tag grössere Vorlagenhosen, der Nachtstuhl wurde vom Bett entfernt, das Bettgitter halb hochgezogen und Anweisung, Mutti wird ab jetzt im Bett liegend gepflegt. Sonst nischt.
 
Nur auf mein hartnäckiges Drängen hin wurde nach 2 Tagen dann immerhin das Tilidin reduziert.
 
Vom Novalgin in dieser Monsterhöhe erfahre ich erst weitere Tage später und auch da wird noch versucht, sich auf die ärztliche Anordnung zu berufen, weil der Arzt erst heute wieder da ist.
 
Theoretisch, in einer heilen Welt, hast Du Recht, Gisela. Ich habe nicht vor, den Arzt zu ersetzen.
 
Aber eine Fehlmedikation ist auch eine Fehlmedikation, wenn Medis zu lange gegeben werden. Und die Begründung, andere Bewohner vertragen diese Dosis ist einfach nur gefährlich, denn es geht nicht um einen jungen, 30-jährigen ansonsten gesunden Mann, sondern um eine Frau, multimorbid, dement, 87 Jahre alt, herzkrank, mit Vermerk im Mediplan, dass die Erhöhung der Dosis ihrer Blutdruckmedis zu Verwirrtheit und Schwindel führt. 
 
Generell: Die Aufnahme in ein Pflegeheim setzt nicht die Patientenrechte ausser Kraft.
 
Ich betone: Es ist ein heikles Thema und darf nicht willkürlich missbraucht werden, sonst könnte wer wolle kommen und dem Pflegepersonal „Anweisungen“ erteilen. Aber hier in diesem ganz speziellen Fall, wo eine Frau bereits halluziniert und dehydriert ist, mit der im Vorfeld „geschimpft“ wurde, wenn sie nicht genug getrunken hat …. Gisela, der Vorsorgebevollmächtigte MUSS sogar kontrollieren. Es macht keinen Spass und oft wünsche ich mir, ich könnte Muttis Medis kriegen und einfach nix mehr wissen, wollen, werden und sein, ich bin so müde. Aber notfalls muss ich sogar überlegen, die Einrichtung zu wechseln.
 
Alles ging so schnell, eigentlich sollte Mutti nur zur Kurzzeitpflege und das Heim machte einen so hellen, freundlichen, kompetenten Eindruck und lag so nah bei. Mir war versichert worden, dass sie sich mit dementen Menschen auskennen. … Mutti sollte ja nur in Kurzzeitpflege, weil ich am Zusammenbrechen war. Ich hab nicht geahnt, dass sie nicht mehr zurückkommt in ihr zuhause. Hatte mir das Heim vor Ort angesehen und fand das irgendwie zu gross. Guckte mir das jetzt an, was auch nah bei mir liegt, fand es aber vor allem vom ersten Schritt da rein sehr freundlich, die Schwestern alle so nett, scherzten mit den Bewohnern, mein Herz sagte auf der Stelle ja. Wenn mir das erste Heim dunkel vorgekommen war, fand ich das zweite hell und strahlend. Und sie sagten mir glaubhaft, sie kennen sich gut mit Menschen mit Demenz aus. Und das Mutti eine feste Betreuerin hätte. Und das alles, was ich anbrachte (Rollator am Bett, Nachtstuhl im Zimmer, mundgerechtes Essen etc.) kein Problem sei. Ich hatte extra eine Notfallmappe gekauft und Muttis besonderen Spezifitäten auf Extrablättern schriftlich fixiert. Erst später zeigte sich, dass es wohl doch nicht so leicht ist…
 
Bis Mutti „Schimpfe“ bekam, weil ihre Hose wieder nass war, warum sie nicht solange auf dem Nachtstuhl bliebe, bis die Blase richtig leer sei?? ... auch da noch riss ich mich zusammen, suchte sofort das direkte Gespräch mit den Schwestern: Schimpfen geht gar nicht! - Sorry, wir wissen leider, dass solche Ausrutscher mal passieren, finden wir auch nicht gut ... hmmm...
 
Egal was war, ich ging immer sofort zu den Schwestern, direkt mit Ihnen reden. Hab sie bald jeden Tag gelobt für den guten Job, den sie machen ... und jetzt frag ich mich, ob ich notfalls die Einrichtung wechseln muss oder einfach nur, nachdem ich seit Jahren keine Pause hatte, nur kaputtgegangen bin...
 
Gisela, Deine Aussage, dass das Personal in med. Belangen dem Arzt untersteht, ist Paradebeispiel für die Arzthörigkeit in Pflegeheimen.
 
Möchtest Du, dass über Deinen Kopf hinweg entschieden wird, welche Medikamente in welcher Höhe für wie lange Du einzunehmen hast?
 
Worauf ich hinaus will: Patientenrechte. – Bewohner im Pflegeheim sind inbezug auf med. Belange Patienten, die dieselben Patientenrechte haben, wie jeder andere Mensch auch. Das Pflegeheim ist kein gesetzesfreier Raum, in dem die Patientenrechte aufgehoben wurden, bloss weil die Bewohner dort „Bewohner“ und nicht „Patienten“ heissen.
 
Bekommt ein „Bewohner“ auch nur eine Aspirin, ist er ein Patient, der medikamentiert wird. Und hat als Patient das Recht, zu entscheiden, ob er die Aspirin will oder nicht.
 
Ist der Bewohner dement und kann notfalls nicht mehr entscheiden, obliegt die Entscheidung dem Pflegepersonal, die in med. Belangen dem Arzt untersteht. Wohl dem Bewohner, der im richtigen Heim liegt und den richtigen Arzt hat.
 
Ist der Bewohner dement, kann notfalls nicht mehr selbst entscheiden, hat aber einen für die Gesundheitssorge und Pflegebedürftigkeit Bevollmächtigten, muss dieser in die med. Belange in Form von Aufklärung involviert werden. Weiter: Falls dieser Bevollmächtigte berechtigte, begründete Einwände gegen z.B. eine Fortsetzung einlegt und um Absetzung und/oder Reduktion der Medikation bittet, muss diese Anweisung befolgt werden.

Handelt das Pflegeheim dem zuwider, macht es sich strafbar. Immer unter der Prämisse, es geschieht wirklich zum Wohl des Patienten. Es wird durchaus Fälle geben, wo das Pflegepersonal die bessere Entscheidung zu treffen vermag als der Bevollmächtigte. Umgekehrt aber genauso. Aber auf keinen, auf gar keinen Fall pauschal behaupten, das Pflegeheim hat vor dem Bevollmächtigten Entscheidungsgewalt!
 
In meinem und Muttis spez. Fall war auch nie die Rede davon, den Arzt von der Entscheidung auszuschliessen, sondern es war Gefahr in Verzug, weil der Arzt am 28. Dezember noch bis zum einschl. 3. Januar Urlaub hatte. Mutti ging es sichtlich schlecht, das wusste auch die Schwester und stimmte mir zu. Stattdessen wurden Mutti 2 Tage lang nur dickere Vorlagenhosen gelegt und sie wurde direkt oder indirekt am Bett fixiert: Eh schon sediert durch die zu hohe Medikamentendosis plus Bettgitter und Anweisung, Pflege nur noch im Bett liegend.
 
Heute fahr ich zum Arzt, um zu klären, was er verordnet hatte und um für die Zukunft zu vermeiden, dass Medikation falsch laufen kann. Danach rede ich mit der Pflegedienstleitung ausführlich und lasse mir dann auch die Pflegedokumentation zeigen. Ich hoffe und wünsche mir nichts mehr, als dass alles im Gütlichen geeinigt werden kann! Nobody’s perfect – but you can try!
 
Mir selber werfe ich vor, zu gutgläubig gewesen zu sein. Bis zu dieser Schmerzmedikation war ich im Vorfeld schon gefragt worden, was Mutti verträgt und hatte die Schwestern anhand der Notfallmappe für Mutti erklären können, welches Antibiotikum sie nicht verträgt. Damals hätte ich schon stutzen müssen, warum meine Notizen nicht in Muttis Patientenakte eingeflossen sind.
 
Ich habe nicht mehr das Gefühl, das die Schwestern dort viel Ahnung von einem multimorbiden Bewohner mit Demenz wie meiner Mutter haben. Vielleicht kommt das Gefühl zurück.
 
Aber ich hab immer noch im Ohr, wie Mutti mir nach dem Sturz sagte, die Schwester seien immer so schnell wieder raus, sie könne gar nicht fragen.
 
Und was Schwestern dort mit ihr besprechen, versteht sie nicht. Sie sagte mir mal, da war eine Frau mit dem Parteiprogramm. Unaufgefordert erzählen mir die Schwestern nur in Extremfällen was.
 
Aber als mal der Hausarzt da war (noch vor den Schmerzmedis) hatte ihr das SEHR gut gefallen. Auch wenn der gute Doktor nachher mit den Namen der Kinder echt durcheinander gekommen ist. Ich musste so lachen. Hab den Doc nachher gefragt, ob ich für ihn eine Betreuung beantragen soll. Er lachte und fragte mich, ob Mutti meiner Meinung nach wirklich dement ist, sie sei so klar gewesen den Tag. Ich erzählte ihm, dass sie mir lange und ausführlich von seinem Besuch – ganz begeistert! – erzählt hatte, um dann unvermittelt zu fragen, wann ich Vattern das letzte Mal gesprochen hab.
 
(Mein Vater / Ihr Mann ist seit 2007 tot.)
 
Aha, meinte der Doc, On/Off. – Die Umschreibung gefiel mir. Zu der Zeit war Mutti On/Off, mal superklar, mal weit weit weg. Seit Weihnachten und den Medis ist Mutti nur noch Off. Sie merkt selbst, dass sie nicht mehr klar reden kann, versucht es mit Gewalt und findet die Worte nicht. Es quält sie. Das ist doch unnötig. Vorher, vor den Medis, war das keine Qual.
 
Ich hätte besser aufpassen müssen!

hmmm... es ist so schwer, ein guter Mensch zu sein!

Weisste Gisela, versteh mich nicht falsch: Ich bin Dir dankbar und ich hoffe und wünsche mir, dass Du verstehst, dass ich hier vor allen Dingen um mein eigenes Selbstvertrauen kämpfe, um den Kampf um meine Mutti auf dem richtigen Weg zu bestehen.

Mein Ziel ist, dass sie in diesem Heim bleiben kann, denn Fehler werden überall gemacht. Ich hatte mal einen Hausarzt, der zuerst richtig kacke war. Er mochte mich nicht. Ich mochte ihn nicht. Unterwegs wurden wir, sofern das überhaupt geht, "Freunde". Ich kämpfe da, wo alle sagen, das kann man nicht ändern.

Wenigstens hab ich jetzt herausgefunden, wie sauer ich auf mich selber bin,
auch schon was wert. 
Smile

LG
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 04 Jan 2018, 07:29    © Aggi
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Liebe Amelu,
 
Du bist sehr mitfühlend – das tut einfach nur gut!
 
Aber keine Sorge, es geht bei Mutti nicht um Antidepressiva.
 
Standardmässig bekommt sie morgens und abends je 20 mg Pantoprazol (Magengeschwür in der Vorgeschichte), ferner morgens je eine halbe 5 mg Ramipril und 47,5 mg Metoprolol wg. des hohen Blutdrucks. Ramipril und Metoprolol mit Vermerk: „Höhere Dosierung führt zu Verwirrtheit und Schwindel“. Ausserdem dann noch wg. Grünem Star morgens Augentropfen (Latanoprost).
 
Mehr nicht.
 
Aufgrund ihres Sturzes wurden dann diese Schmerzmittel verordnet: 
Morgens und abends je 1 Tb. 50 mg Tilidin, das ist ein mittelstarkes Opiat.
Dazu 3 x tgl. 30 Tropfen Novalgin. Plus Novalgin bei Bedarf. Keine Ahnung wie oft.
 
Für meine Mutti eine extrem hohe Schmerzmitteldosierung, die ich mit guten Willen für 2 Wochen gelten lassen möchte, aber dann ist gut.
 
Nicht nur ich, auch mein Bruder hat bestätigt, dass es Mutti längst wieder besser ging nach ihrem Sturz. Das sie daneben immobil ist, chronische Schmerzen in den Knien, Füssen, Rücken, Armen, Händen, Schulter hat, ist ein ganz anderes Thema, wofür sie aber nie Schmerzmittel haben wollte, im Gegenteil, sie hat Schmerzmittel immer abgelehnt. Hierfür reichte es immer, sie behutsam zu bewegen und sie selbst entscheiden zu lassen, wie sie sich im Bett lagern darf (Wundliegen ausgeschlossen!).
 
Ich selbst kenne mich aufgrund meiner eigenen Erkrankungen gar nicht schlecht mit so einigen Medikamenten aus. Weiss auch sehr gut, dass jeder individuell verschieden auf alles mögliche reagiert. Was für mich gut ist, kann für Dich fatal sein.
 
Weshalb für mich die Aussage der Pflegedienstleiterin, andere Bewohner würden diese Dosis gut vertragen, einfach nur gefährlich klingt: 
Bekäme ich die Narkose, die mein Bruder benötigt, wäre ich tot und bekäme er die Narkose, die bei mir ausreicht, könnte er während seiner OP noch Sudoku spielen. Und Mutti reagiert schon auf minimalste Dosen von egal-was sehr sehr heftig. Bei ihrer Herzerkrankung für mich kein Wunder.
 
Ach menno, ich werde heute schlauer sein, wenn ich mit dem Arzt gesprochen hab….
 
LG
 

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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 04 Jan 2018, 07:47    © Aggi
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Ulli schrieb:
Für ein Bettgitter benötigt man eine gerichtliche Erlaubnis. (freiheitsentziehende Maßnahme)

Ulli
Liebe Ulli,

bis vor ca. 2 Tagen wusste ich nicht einmal, dass Bettgitter zu freiheitsentziehenden Massnahmen gehört. In Muttis Vorsorgevollmacht ist das der einzige Punkt, den wir nicht mit "Ja" angekreuzt haben, weil freiheitsentziehende Massnahmen nicht infrage kommen (ausserdem schwante mir damals schon, das das eh nicht so einfach ist).

Die Schwester hatte mir das angetragen unter der Prämisse, damit Mutti nicht aus dem Bett fällt. Mutti ging es sichtlich schlecht. Ich war hochgradig alarmiert - klar hab ich das in dem Moment o.k. gefunden und zugestimmt.

Auf der einen Bettseite hatte Mutti das Gitter eh immer hoch, weil sie es selber wollte, damit sie nicht zu der Seite rausfallen kann (vorher hatte da die zweite Ehebetthälfte gestanden), konnte ja zuhause immer und jederzeit nach vorne raus.

Was zeigt, wie schwer es ohne richtige Aufklärung ist, die richtige Entscheidung zu treffen. 

Den Tag selbst war ich in Panik. Definitiv. In Panik um Mutti. Erst Tage später las ich durch googlen, dass sogar das unter Freiheitsentzug fällt und fing an, immer mehr zu hinterfragen. Wurde deshalb immer der Tisch vor ihrer Bettseite stehengelassen? Damit sie nicht aufstehen kann? Stand deshalb der Rollator meist unerreichbar an der Wand?

Ich wünsche mir nichts mehr, als das ich einfach nur übermüdet und z.Z. deshalb paranoid bin, denn das wäre die beste Lösung. Weil ich noch die Reserven hab, mich wieder zu berappeln.

Manchmal denk ich auch, wozu überhaupt noch alt werden, lohnt unter solchen Vorzeichen doch eh nicht?

Früher hab ich immer gedacht, alt werden ist schön! Mich drauf gefreut! Ich kenne nicht Gedanken wie, ach wär ich wieder jung. (Eher: OMG, bloss nicht wieder jung sein ^^). - Doch jetzt bin ich so weit, dass ich Angst vorm Alter hab. Ich hab keine Aggi, die sich um mich kümmern wird... wer kämpft dann für mich beim Sozialamt, wo die mir schon gesagt haben, die sind doch nicht von der Wohlfahrt?!?

Genau, die Finanzen muss ich diesen Monat auch noch regeln. Bzw. das, was ab Monatsende "nu-is-Mutti-pleite" heisst. 

Also zurück zu hier und jetzt: Ein Schritt nach dem andern. Heute erstmal Arzt und Pflegedienst.
Morgen ist auch noch ein Tag und schlimmer geht immer.

röööbäääh, ich hasse es, wenn ich so drauf bin,
bitte bitte bitte lasst mich zwischendurch knatschen,
ich weiss sonst nicht, wo ich das kann!

LG
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 04 Jan 2018, 07:49    © Amelu
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Gegen die Knochen- und Gelenkschmerzen würde ich Homöopathie einsetzen, kann ich mit gutem Gewissen empfehlen, weil es bei mir wunderbar geholfen hat (ich habe Osteoporose in schwerem Stadium schreiweinend )

Tilidin ist ein starkes  Schmerzmittel und kann zur Abhängigkeit führen, auch deswegen langsam ausschleichen!


Amelu
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 04 Jan 2018, 09:03    © gisela
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aggi schrieb:
Aber nur mal angenommen, es läuft etwas schief. Keine böse Absicht unterstellt! Sag ich mal, Mutti bekommt 2 Wochen lang berechtigterweise Medikamente, die ihr helfen. Danach aber kippt die Wirkung der Medikamente in Nebenwirkungen, die die Wirkung aufheben: Mutti isst kaum noch, trinkt kaum noch, sie dehydriert, ihr Blutdruck schiesst in die Höhe und sie ist jenseits von Gut und Böse.
 
An dieser Stelle fordert die Vorsorgebevollmächtigte zu Recht, dass die Medikation aufgehoben werden muss.
ich sags mal so.......in guten heimen, mit kompetenten personal ,würde das personal von selbst
auf Auffälligkeiten die auf Medikamente zurückzuführen sind , reagieren, und umgehend einen
Arzt kontaktieren (mit info an den betreuer, dass eben diese maßahme eingeleitet wurde).
wie gesagt.............es gibt IMMER die Möglichkeit einen Arzt zu kontaktieren, notfalls einen von der kassenärztlichen Vereinigung (innerhalb von 2 std sind diese Ärzte Vorort)
was mich auch ein bissl wundert ist, dass ein Hausarzt Urlaub hat und keine Vertretung hat.
Zitat :
Gisela, Deine Aussage, dass das Personal in med. Belangen dem Arzt untersteht, ist Paradebeispiel für die Arzthörigkeit in Pflegeheimen.
nun.......ich würde nicht zwingend von arzthörigkeit sprechen, sondern davon, dass personal sich in
einigen dingen auch absichern muss.
wenn es jetzt bei z.b. sofortigem absetzen von btm´s zu Entzugserscheinungen kommt, habe ich ehrlich gesagt
nur selten erlebt, dass ein betreuer als erstes seinen finger hob und sagte, ja super, das war meine Idee.
vielmehr wird dann gerne die Verantwortung ans personal weiter gereicht.

Zitat :
Gisela, der Vorsorgebevollmächtigte MUSS sogar kontrollieren.
völlig richtig, das mache ich bei meiner Mama als Betreuerin auch.
würde nun meine Mama halluzinierend und kaum ansprechbar im zimmer liegen, und das
personal würde nicht auf meine sorge reagieren, würde ICH z.b. einen rtw rufen.






    lieben gruß

                           gisela                        

Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.


Ralph Waldo Emerson, US-amerik. Philosoph, 1803 – 1882
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 05 Jan 2018, 03:12    © Aggi
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Amelu schrieb:
Gegen die Knochen- und Gelenkschmerzen würde ich Homöopathie einsetzen, kann ich mit gutem Gewissen empfehlen, weil es bei mir wunderbar geholfen hat (ich habe Osteoporose in schwerem Stadium schreiweinend )

Liebe Amelu,
ich begleite Mutti intensiv ja schon seit Anfang 2014. Vorher wohnten wir noch in NRW und konnten erst zu Ende 2013 nach Niedersachsen umziehen, damit ich mich um Mutti kümmern kann.

Mutti hat ihr Leben lang jede Medikation, wenn nicht SUPERDRINGENDNÖTIG war, abgelehnt. Sie selbst ist gelernte Krankenschwester, aber einfach "hart im nehmen".

In den Jahren habe ich viele Versuche mit pflanzlichen Mitteln gestartet, die allesamt im Sande verlaufen sind, weil Mutti nie davon überzeugt war und auch nie die Geduld hatte, abzuwarten, dass dergl Mittel ihre Wirkung entfalten konnten.

Dahinter steht nach meinem Dafürhalten auch eine krasse Angstprägung: Ihre Schwester starb auf mysteriöse Umstände in der "Steinzeit" der Psychiatrie nach Aufenthalt in derselben... Die Art und Weise, wie sie mir nur einmal in meinem Leben sagte: "Werd bloss nie psychisch krank." habe ich nie vergessen - Angst essen Seele auf!


Amelu schrieb:
Tilidin ist ein starkes  Schmerzmittel und kann zur Abhängigkeit führen, auch deswegen langsam ausschleichen!

Selbstverständlich! - Zunächst war ich ja nicht einmal informiert worden, was Mutti überhaupt bekommt. Ich hatte ja auch nicht nachgefragt. Dann wurde mir der Medikamentenname erzählt (ich hörte nur "Tecerizin" und fand nix bei Google), aber nicht, dass es sich um ein Opiat handelt. Erst 2 Tage, nachdem es Mutti schon ober-übel ging, deckte mir dann ja die vierte Schwester erst auf, dass dieses Medikament nicht abrupt abgesetzt werden darf, sondern ausgeschlichen werden muss.

Das es sich um ein Opiat handelt, habe ich dann zuhause gegooglet.

Das ein Medikament erst ausgeschlichen werden muss - auch damit hatte ich kein Problem und hatte das Ausschleichen an diesem Samstag, nachdem es Mutti bereits seit Donnerstag so übel ging, mit der Schwester besprochen.

Das auch das Novalgin mittags abgesetzt werden sollte, sah die Schwester als kein Problem und stimmte zu.

OHNE mir gegenüber zu erwähnen/aufzudecken, dass Mutti insgesamt 3 x täglich Novalgin bekommt.

Und wie gesagt: Mutti war inzwischen am halluzienieren, dehydriert, mochte nicht mehr essen und quasi am Bett fixiert. Als direkte Nebenwirkung der zu langen zu hohen Medikation.

Und bekam dann weitere 2 Tage später mittags wieder Novalgin, angeblich, als Bedarf, von einer Schwester, die frisch aus dem Urlaub kam. Das war der Punkt, wo ich kurz davor war, den Laden zusammenzubrüllen.

Stattdessen ging ich raus. Aber hier war mächtig mächtig etwas schief gelaufen. Was zu ändern war.

Amelu, ich freu mich, wie Du mitdenkst - mir hilft jeder Gedankenanstoss!

LG

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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 05 Jan 2018, 04:58    © Aggi
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Liebe Gisela,
 
nach allem, was ich bislang von Dir gelesen hab, wünsche ich mir manchmal, Mutti wäre bei Euch untergebracht - versteh mich nicht falsch, ich lächel bei dem Gedanken, nur ein frommer Wunsch!
 
Und ich las von Dir einen Beitrag, wo Deine Mutter mal vorwurfsvoll gegen Dich war, wo Du Gefühle beschrieben hast, als würdest Du über mich schreiben.
 
Mutti ist das Gegenteil von einer aggressiven Dementen: Einzige Ausnahmen in den zwei intensiven Jahren bei ihr zuhause, als ich sie 24-Stunden am Tag versorgte, waren vielleicht gesamt fünfmal ihr Ärger, weil sie glaubte, kein Frühstück bekommen zu haben.
 
Mutti und kein Frühstück ist wie Dagobert Duck und kein Gold - absolutes NoGo! :-)
 
Sie schimpfte gegen "das Personal", nicht einmal gegen mich - aber ich dachte, ich sterbe vor Schmerz! Binnen einer Nanosekunde schossen mir die Tränen in die Augen und egal, was mein Mann und mein Bruder später dazu sagten, DA lernte ich, das Theorie und Praxis zwei völlig verschiedene Paar Schuhe sind.
 
Natürlich gelang es mir in der Situation, Mutti behutsam darauf zu lenken, "Weisst Du noch, wie wir über dies/das gescherzt haben?" - oder "Da ist doch noch das-und-das passiert." und ihr fiel dann immer wieder ein, dass sie doch Frühstück hatte und sie musste lachen, wenn ich ihr erklärte, dass ich morgens oft nicht mal weiss, ob ich mir überhaupt schon die Zähne geputzt hab.
 
Sie hat oft zu mir gesagt, ich hätte eine schöne Art, in allem was Gutes zu sehen.
 
Das darf ich nicht vergessen.
 
Kiek, und nu weiss ich von Dir auch, was Du mit KV-Arzt gemeint hattest - ich kann nicht immer alle Abkürzungen ^^
 
Einen anderen Arzt zu rufen unter diesen Umständen habe ich instinktiv ausgeschlossen. Von der ersten Sekunde war zu spüren, das hier was im Argen liegt und notfalls wäre es darin gemündet, dass den Schwestern die Überdosierung bestätigt worden sei. Denn die behaupteten standhaft, Mutti habe starke Schmerzen.
 
Rettungswagen: Mutti will nie wieder ins Krankenhaus. Nach ihrer letzten OP sagte sie mir und meinem Bruder, bevor sie wieder ins Krankenhaus muss, sollen wir sie lieber im Strassengraben liegen lassen. So übel war es für sie dort gewesen. Dort (2015) hatten sie keine Ahnung von dementen Menschen, Mutti war bis ins Delir medikamentiert worden. Nur durch meine Intervention dort bis hin zum Chefarzt wurde es minimal besser. Der Entlassungsbericht und der tatsächliche IST-Zustand von Mutti bei Entlassung (bettlägrig und unfähig zu gehen) standen in krassem Widerspruch.
 
Alles Dinge, die ich bedenken muss.
 
Dein Einwand, dass sich das Pflegepersonal auch absichern muss, ist absolut berechtigt! Sehr wichtig!
 
Aber mei, wir leben in Deutschland, wo bis vor nicht allzulanger Zeit sogar noch die Vergewaltigung in der Ehe per Gesetz legitimiert war und wo es für jeden Sch…. ein Formular gibt: 
Es ist kein Hindernis, den Betreuer oder Bevollmächtigten in so einem Fall einen Vordruck unterschreiben zu lassen, der er/sie die Order gegeben hat. So wie z.B. bei Selbstentscheid auf Entlassung aus dem Krankenhaus „gegen den Willen des Pflegepersonals“.
 
Mei, ich bin kein Jurist und kann und will das nicht formulieren, aber keiner kann mir erzählen, dass das keine praktikable Lösung zur Absicherung des Pflegeheims wäre. Stattdessen pauschal auf Stur zu Schalten und sich hinter Pflegeheimvorschriften zu verstecken, ist einfach nicht richtig.
 
Ich recherchier hierzu weiter. Denn es geht auch nicht an, dass es von Heim zu Heim mal so und mal so gehandelt wird. Das ist bedauerlicherweise eine echte Grauzone…
 
Ersteinmal war ich gestern mittag zum Hausarzt, nachdem ich Mutti morgens besucht hatte. Sie ist immernoch sehr schlapp, mochte kaum frühstücken oder trinken. Es sieht nicht gut aus.
 
Mittags zum Arzt. Erster Tag nach seinem Urlaub, zu um 12 Uhr den Termin. Ich wusste, ich muss mindestens eine Stunde warten. Um 13:35 war ich wieder raus.
 
In der Praxis war bis zu einem Rettungswagennotfall soviel los gewesen, dass ich als allerletzte einen sichtlich geschafften Arzt vorfand.
 
Er erklärte mir, dass er auf Anruf des Pflegeheims (Sturz, starke Schmerzen) durchaus vertreten kann, Tilidin in Kombination mit Novalgin zu verschreiben. Ich wiederum erklärte ihm, dass es mir nicht um Schuldfindung, sondern um Verhinderung ähnlicher "Unglücke" für die Zukunft geht. Gegen die Medikation an sich hatte ich nichts, nur, gegen die Dauer, nachdem die Schmerzen nachgelassen hatten.
 
Der Doc meinte, da ist er unbedingt auf die Kontrolle und das Feedback des Pflegeheims angewiesen und ich fragte ihn, was ich denn mache könne, um dergl in Zukunft zu vermeiden?
 
Er holte aus und meinte, wir könnten uns stundenlang über die Überlastung in der Pflege, die Zeitnot, Missstände etc. unterhalten, würden das hier und heute aber gewiss nicht ändern. Er selbst als Arzt hätte haargenau dasselbe mit seinem Vater (auch Arzt) erlebt, wo er intervenieren musste, weil sein Vater inzwischen Probleme hatte.
 
Einzige Lösung sei, dass man als Angehöriger immer hellwach bleibt. Und wehe denen, die keine Aggi haben, die sich kümmert.
 
In der Sekunde habe ich begriffen, dass es um nur eines geht: Ich muss einen klaren Kopf behalten und einen langen Atem haben.
 
Eigentlich hatte ich noch ganz andere Fragen stellen wollen, aber ich liess es dabei. Müssig. Ich muss jetzt nach vorne sehen.
 
Mutti noch wieder in ein anderes Heim verlegen bedeutet für Mutti garantiert den nächsten Demenzschub, so wie sie bereits bei Einlieferung zur Kurzzeitpflege schon nach einer Woche sichtlich schlechter drauf war und ich entscheiden musste, dass die Fortsetzung der Pflege zuhause nicht mehr geht.
 
Also fuhr ich vom Arzt weiter zum Heim, wie ich es mit denen morgens besprochen hatte. Konnte direkt zur Pflegedienstleitung. Ein offenes Gespräch, in dem mir versichert wurde, dass sie vollstes Verständnis für meine Sorge hat - ihr wäre es genauso gegangen, schliesslich geht es um meine Mutter. Leider sei über die Feiertage, auch noch durch ständig wechselndes Personal viel schief gelaufen. Sie habe bereits Anweisung erteilt, dass ich ab jetzt über jede Behandlung informiert werde, mit einbezogen werde.
 
Ich erklärte die „Schmerzen“ meiner Mutter, dass sie durchaus die ersten anderthalb Wochen starke Steissbeinschmerzen vom Sturz hatte, ansonsten aber DANEBEN auch an den anderen chronischen Schmerzen in allen Gelenken leidet. Die Beschreibung, wie ich nur Muttis Hände anfasste und Mutti nur in Erwartung von Schmerz schon das Gesicht verzog, fand die Pflegedienstleiterin interessant. Sie sagte selbst, dass ich Mutti am besten kenne und ab jetzt besser einbezogen werden soll.
 
Umgekehrt habe ich versucht, mich zu entschuldigen, falls ich mich im Ton vergriffen hab. Sie sagte erstaunt, dass sei nicht nötig. Weder sie noch die Schwestern hätten mich so verstanden, sondern nur als besorgte Tochter. Als sie Mittwoch Bescheid bekam, dass es um mich ginge, habe sie sofort reagiert, weil gerade ich mich sonst ja nie melde. Sie meinte, viele andere Angehörige seien da ganz anders. Sie beschrieb, das Schwestern sehr oft via Klingel gerufen werden und dann ist aber gar nichts, was leider auch zu einer Art „Ärger“ oder auch „Abstumpfen“ führen kann. Meine Mutter dagegen sei das Gegenteil, was vielleicht das Problem hier sei: Mutti würde überhaupt nie etwas fordern und evt. ist sie dadurch etwas untergegangen, was sie sehr bedauert hat. Sie meinte, Mutti würde immer so lieb und freundlich da liegen.
 
Ich besprach mit ihr, dass ich ab jetzt immer mittags da bin, um Mutti beim Essen zu helfen, was die Schwestern ja auch entlastet. (Es soll mein Signal sein, ich helfe Euch.)
 
Ferner brauche ich einen klaren Kopf und strukturiere damit gleichzeitig auch meinen eigenen Tag.
 
Und Mutti tut es genauso gut, wenn ich immer zu selben Zeit komme. Sonst war sie schon mal erstaunt.
 
Wegen der Tilidin morgens schlug die Pflegedienstleiterin vor, den Arzt anzurufen und zu fragen, wie die am besten ausgeschlichen werden darf. Diesmal fand ich es selber übertrieben, darauf zu bestehen, dass ich das entscheiden darf und stimmte gleich zu. Sie wusste nämlich wirklich nicht, wie man ein Opiat absetzen darf.
 
Und ich drucke heute noch einmal zusätzlich die Notfallkarte aus, auf der steht, dass Mutti eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht hat und im Notfall ich zu verständigen bin und hänge sie im Zimmer an die Schrankwand. Da hängt eh schon der Zettel mit der Anweisung für die Augentropfen. Dann haben alle Schwestern meine Handy-Nummer immer parat. Mein Handy nehm ich auch nachts mit ans Bett, damit ich im Notfall auch nachts zu erreichen bin.
 
Alles in kleinen Schritten, es geht nicht mit Gewalt.
 
Wenn mir einer erklärt, warum ich keine Signatur kann, würd ich mir eine erstellen wo drin steht, egal worum es geht, es muss immer Humor mit dabei sein.
 
Am liebsten erreiche ich alles mit einem Lächeln.
Leider muss ich manchmal meine Feldwebelstimme benutzen.
Aber das mach ich nicht gerne! - Lieber mit Humor!
 
LG

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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 05 Jan 2018, 10:35    © gisela
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liebe Aggi
es freut mich, dass durch gute Kommunikation  eine nun augenscheinlich
für alle beteiligten zufriedenstellende Situation entstanden ist.






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 05 Jan 2018, 14:04    © soda1964
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Liebe Aggi

mit Interesse habe ich nun in Ruhe hier deine Einträge gelesen, nachdem ich sie gestern am Handy kurz überflogen habe.

Viele hier können nachempfinden was du gerade erlebst und durchmachst. Wie gut, hast du dich hingesetzt, unser Forum gefunden und dir so mal alles "von der Seele geschrieben". Das hilft die Gedanken zu sortieren, sich noch mal einen Überblick zu verschaffen und klarer zu sehen, was als nächstes angegangen werden kann.

Aggi schrieb:
In der Sekunde habe ich begriffen, dass es um nur eines geht: Ich muss einen klaren Kopf behalten und einen langen Atem haben.

Genau so ist es. Deine Mutter braucht dich "als Stütze an ihrer Seite" für all die Dinge, die sie nicht mehr selber kommunizieren kann.

Meine Schwiegermama war, nach dem ich sie viele Jahre zu Hause betreut habe, noch 15 Monate in der Gerontopsychiatrie und im Pflegeheim, bis sie im Alter von fast 91 Jahren dann die Augen für immer schliessen konnte. Ich kenne beide Seiten: die Seite als Angehörige und die Seite als Pflegende (ich arbeite im Krankenhaus, allerdings nicht in der Alterspflege) ...

Schreib einfach, wenn dir danach ist. Du bist nicht allein, wir Forumsteilnehmer sind an deiner Seite.

Liebe Grüsse aus der Schweiz






Therese

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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 05 Jan 2018, 14:24    © Aggi
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Liebe Gisela,

... augenscheinlich ... find ich gut ^^

Aber Mutti baut zusehends ab. Als ich heut mittag kam, wurde ich leider durch eine Amtsnotiz aus ihrem Zimmer genötigt und musste noch telefonieren. Als ich wiederkam, stand Sr. D. bei Mutti am Bett und fütterte Mutti, Mutti liegend im Bett. Vorher konnte sie noch auf der Bettkante sitzen. Mutti hat kaum noch Apetitt. Ich hab Sr. D. dann abgelöst, aber es ist spatzenhaft, was Mutti jetzt noch isst und trinkt. Sie wird zusehends immer weniger.

Der Kampf ist gewonnen, aber die Schlacht hab ich verloren ... 

Interessanterweise sprach mich Sr. D. noch darauf an, wie es jetzt mit dem Tilidin weitergeht. Ich sagte ihr, darum wollte sich die Pflegedienstleiterin gestern kümmern. Hatte sie aber nicht und Sr. D. hat heute auch nichts erreicht. 

Ich wies darauf hin, dass die Pflegedienstleiterin nicht mal gewusst hatte, dass man die Tilidin nicht halbieren darf. Nein, das darf man auch nicht, stimmte Sr. D. mir zu. Also sagte ich, gängige Praxis ist, dergl dann einen um den anderen Tag, d.h. nur noch jeden 2. Tag auszuschleichen. Sr. D. stimmte zu und schlug vor, noch bis zum 15ten. O.k.

Wenn hier durch gute Kommunikation augenscheinlich eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Situation entstanden ist, bleibt Mutti leider aussen vor.

Und das ist die Crux. Es geht ja nicht darum, dass es mir leichter gemacht wird. Es geht immer nur darum, dass das Richtige für Mutti getan wird.

Und hier ist zuviel falsch gelaufen. Und Mutti baut jetzt viel schneller viel massiver ab, als es normalerweise wäre.

Nicht gut!

Gisela, ich marter mich gegen alle Vernunft, ich hätte früher reagieren müssen!

LG
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 05 Jan 2018, 14:29    © Aggi
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soda1964 schrieb:
Wie gut, hast du dich hingesetzt, unser Forum gefunden und dir so mal alles "von der Seele geschrieben". Das hilft die Gedanken zu sortieren, sich noch mal einen Überblick zu verschaffen und klarer zu sehen, was als nächstes angegangen werden kann.
(...)

Schreib einfach, wenn dir danach ist. Du bist nicht allein, wir Forumsteilnehmer sind an deiner Seite.

Auch hier nochmal, Danke, Therese ...
manchmal hab ich schon Angst, ich wär nicht normal, wenn ich seh, wieviele Worte im Moment nur so aus mir raussprudeln und ehrlich: Ich schreib hier immer nur die Kurzversion der Gedanken-Tsunamis aus meinem Kopf! :-)

LG
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 05 Jan 2018, 16:23    © gisela
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liebe Aggi
das tut mir sehr leid zu lesen, dass es deiner Mama weiterhin so schlecht geht.
Zitat :
Gisela, ich marter mich gegen alle Vernunft, ich hätte früher reagieren müssen!
ich glaube, diesen satz habe ich auch schon mal gesagt. und zwar, als ich meine mama
von der strasse weg in die psychiatrie habe fahren lassen müssen.
damals fingen fast alle meine sätze mit "hätte ich doch" an. meine selbstvorwürfe haben
mich fast zerfressen, und ich glaubte, fast alles falsch gemacht zu haben.
es gibt Situationen, da entscheidet man aus dem bauch heraus, intuitiv, ohne lange zu überlegen.
das kann einen fehler hervorrufen, kann aber auch eine richtige Entscheidung sein.
man weiss es leider immer erst hinterher.
es ist nicht einfach Verantwortung für einen menschen zu haben, den man liebt, und den man
vor allem beschützen möchte. man möchte alles richtig machen, weiss aber manchmal gar nicht,
was das richtige ist. umarmung schwer ist es manchmal..........verdammt schwer.


was ich gerade nochmal so überlegt hab..........
kann es sein, dass deine Mama sich bei dem sturz ärger verletzt hat, als es vielleicht
den anschein gemacht hat? war sie nach dem sturz zum röntgen oder hat man ihr das btm
nur auf verdacht gegeben? hat sie sich vielleicht doch etwas angebrochen/gebrochen?
beckenring, Schambein,oberschenkel?
vielleicht hat sie doch irgendwo starke schmerzen, die ihr den Appetit nehmen und sie zum liegen zwingen?






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 06 Jan 2018, 03:21    © Aggi
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gisela schrieb:
liebe Aggi
das tut mir sehr leid zu lesen, dass es deiner Mama weiterhin so schlecht geht.

Liebe Gisela,

ich hab hier schon Angst, Dich zu überfordern, aber Deine Antworten hier sind im Moment mein "Anker". Bin schon wieder viel zu früh wach geworden, bin schon seit über einer Stunde auf ... weil es Mutti weiterhin so schlecht geht. 

Gisela, nur, um das mal gesagt zu haben: So sehr Du mir grad hilfst, denk aber auch immer an Dich selbst. Notfalls schreib ich mir hier auch einfach nur alles von der Seele - nicht, dass Dich meine Sorgen noch mitbelasten, das wäre das Letzte, was ich wollte.

Aber Du sollst Dir auch merken, wenn Du selber mal am Boden bist, dass es in mir z.B eine Frau gibt, der Du super helfen konntest. Du bist wertvoll!

gisela schrieb:
damals fingen fast alle meine sätze mit "hätte ich doch" an. meine selbstvorwürfe haben mich fast zerfressen, und ich glaubte, fast alles falsch gemacht zu haben.

Jo, im Moment hab ich immer wieder das Wort "Grübelzwang" im Kopf. Ich hatte mich darauf verlassen wollen, dass die im Pflegeheim schon wissen, was sie machen. Als ich Mutti in Kurzzeitpflege gab, war ich selbst sowas von uppe und wollte eigentlich 4 Wochen Pause von dem 24-Stunden-Turn, aber die hab ich nie bekommen... theoretisch kann ich mir nicht viel vorwerfen, aber praktisch, tief unten in meiner Seele, geb ich nicht mal dem Pflegeheim, sondern mir allein an allem die Schuld...

Irgendwo online las ich neulich, dass grad die, die sich am meisten aufopfern, sich verrückterweise die grössten Selbstvorwürfe machen. Hat mir auch nicht geholfen.

Hier jetzt Deine Erfahrungen zu teilen, weil ich Dich für taff halte, dass hilft viel mehr. Verrückte Welt, aber immerhin lächel ich jetzt wieder, Gisela! ^^

gisela schrieb:
was ich gerade nochmal so überlegt hab..........
kann es sein, dass deine Mama sich bei dem sturz ärger verletzt hat, als es vielleicht
den anschein gemacht hat? war sie nach dem sturz zum röntgen oder hat man ihr das btm
nur auf verdacht gegeben? hat sie sich vielleicht doch etwas angebrochen/gebrochen?
beckenring, Schambein,oberschenkel?
vielleicht hat sie doch irgendwo starke schmerzen, die ihr den Appetit nehmen und sie zum liegen zwingen?

Das hatte ich eine Woche nach dem Sturz selbst mal überlegt, weil es diesmal so lange dauerte mit den "Steissbeinschmerzen", doch wurden die tatsächlich besser. In dem Atemzug, in dem diese Schmerzen bis Weihnachten dann weg waren, fing Mutti dann aber an, immer schlapper zu werden. Wo ich erst noch dachte, uiih, heut ist sie aber müde, ich lass sie mal ausruhen. Bis die Nuancen (für mich) zu erkennen wurden, die ich von ihr von Medikamenten-Nebenwirkungen kenne, Delirartige Tendenzen, wenn Mutti "albern" wird. Sie fing an, erst darüber zu grinsen, dann auch zu lachen, wenn sie keine Worte mehr fand - so wie Otto-Normal es von einem alkoholisierten kennt, wenn der fahrig wird und seine eigenen Fehler auch schei..egal findet, bloss ohne des alkoholbedingte Lallen dabei.

Das sind bei Mutti für mich immer sehr typische Anzeichen, wo ich dann "weiss", woher es kommt.

Bis ich mich so intensiv um Mutti kümmerte, wusste ich nur um mein eigenes "Patientenwissen". Diese (entschuldige) Kacke-Patientenwissen, dass Dir viele Ärzte nicht glauben wollen, wenn Du selber GENAU von Dir weisst, dass dies, das oder jenes grad los ist oder wirkt oder nicht wirkt. Die guten Ärzte gehen drauf ein. - Seit ich Mutti so intensiv gepflegt habe, lernte ich, dass es auch Patientenwissen gibt, dass ich nicht für mich sondern für sie hab. Es ist nicht "beweissbar". Aber ich bin davon überzeugt, dass Mutti aufgrund der zu langen Gabe der Medis jetzt bettlägrig-schlapp ist und nicht mal mehr essen mag.

Gestern hatte ich die PDF "Demenz-Code" ausgedruckt und ins Pflegeheim mitgenommen. Als ich nach dem bescheuerten Telefonat mit dem Amt wieder in Muttis Zimmer zurückkam, stand ja die Schwester bei Mutti am Bett, Löffel in der Hand, wollte Mutti füttern. In der Sekunde drehte Mutti nur den Kopf weg zur anderen Seite. Sie sagte der Schwester nicht, ich will nicht mehr. Ich sagte stattdessen prompt, ich übernehme jetzt, weil ich wusste, die Schwester kennt/sieht/weiss das nicht.

Die Schwester war natürlich dankbar, dass ich übernahm. Sie haben soviel zu tun, kein Thema. Aber sie konnte nicht gehen, ohne den blöden Satz zu Mutti: "Alles schön aufessen!"

Diese vielen Taktlosigkeiten. Mutti ist 87 und dement, kein Kleinkind, dass erst noch lernen muss.

Und da beisst sich m.E. meine Schlange in den Schwanz: Jeden Tag muss ich trainieren, meine eigenen Schuldvorwürfe nicht auf die Schwestern zu projizieren und gleichzeitig ein guter Mensch sein und die Welt retten und nicht in der Nase bohren, wenn andere gucken .... man man man, ich möcht doch nur mal wieder Kind sein und nur einmal nochmal träumen, ich könnte fliegen!!!!

Gisela - Danke für alles, was Du schon für mich getan hast,
Du bist grossartig, ich hab nur Angst, ich könnte Dich runterziehen,
achte bitte auch immer auf Dich selbst!


Hab Dich lieb!
Aggi

PS: Die PDF "Demenz-Code" (Ausdruck) habe ich beim Gehen einer Schwester gegeben, ob das nicht Lektüre für andere Angehörige wäre, die dergl nicht kennen u./o. keinen Internetzugang haben. Will sie mit der Pflegedienstleitung besprechen, ob das vorne ausgelegt werden darf. Meine Hoffnung, vielleicht blättert ja auch das Personal da drin...
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 06 Jan 2018, 14:33    © Aggi
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20180106 Samstagmorgens:
Soeben war ich von viertel vor acht bis kurz nach neun im Pflegeheim bei Mutti. Da sie gestern so schlapp war und so gut wie nichts zu mittag gegessen hatte, wollte ich ihr heute bei Frühstück und Mittagessen helfen. Zum einen wollte ich sie wieder mobilisieren, dass sie ihr Essen wieder sitzend auf der Bettkante einnimmt, damit ihre Muskeln nicht total verkümmern. Aber auch mit dem Hintergedanken, um zu sehen, ob das Tilidin heute, wie gestern besprochen, ausgelassen wird.
 
Als ich morgens ankam, war die „Wäsche“ wohl schon durch. Mutti hatte wie jeden Tag ein neues Nachthemd an. Aber jetzt war vorne wieder das Bettgitter hochgestellt. Diesmal komplett hochgestellt, nicht nur so halb schräg. Dadurch kommt sie gar nicht mehr an ihren Trinkbecher auf dem Nachttisch, dachte ich sofort.
 
Bettgitter runtergemacht. Mutti meinte, das hätten die Schwestern vorhin hochgestellt, damit sie nicht rausfällt. Sie ist in der Verfassung „alles egal“. Ich glaub, jetzt könnte man sie auch auf den Flur schieben, würd sie auch nicht stören, solange man sie in Ruhe lässt.
 
Wir haben lange schön geklönt. Kein Frühstück, das da kommen wollte. Ich bin dann einmal raus, mir die Beine vertreten. Als ich 5 Min. später zurückkam, ging grad eine Schwester bei Mutti rein: „Frau Dunkel, hatten Sie noch kein Frühstück?“ – Ich gleich hinterher, um zu sagen, nee, hatten wir noch nicht, bevor Mutti sagt, ich glaub, schon…
 
Ich hab Mutti dann geholfen, sich aufzusetzen, die Schwester mit dem Tablett war natürlich dankbar, dass ich übernehme. Kein Problem.
 
Mutti hatte definitiv keine Schmerzen beim Sitzen, aber sichtlich keine Kraft, um lange zu sitzen, kippte immer einfach so nach rechts weg. Ich setzte mich neben sie, legte meinen Arm als Stütze in ihren Rücken. Die ersten Happen hat sie von mir angereicht gegessen. Die ersten 2 Schluck Kaffee von mir angereicht getrunken. Dann hat sie auch alleine zum Teller gegriffen.
 
Im Tabletten-Becher lagen: 1 Tilidin und ½ Metoprolol. Wo war die ½ Ramipril??? (Die Pantoprazol bekommt sie meist schon vorher beim Waschen – I hope so…).
 
Was ist Samstagmorgens los im Pflegeheim? So spät Frühstück, ohne alle Medis, doch die Tilidin – und Fixierung durch Bettgitter…
 
Ich hab Mutti die Metoprolol gegeben und die Tilidin weggelassen. Wenn nicht die halte ich mich an den Plan. Mann mann mann…
 
Mutti hat eine halbe Scheibe (kleingeschnitten, mundgerecht) mager beschmiertes Marmeladenbrot geschafft, nicht ganz, aber fast. Die andere Hälfte sah aus, als wär nur Margarine drauf. Ich hab nicht gewagt zu probieren, sah nicht lecker aus. Dazu 4 kleine Schluck Kaffee. Dann konnte sie wirklich nicht mehr.
 
Besser als nichts. Und das Tilidin muss lang langsam raus aus ihrem Körper. Und heut mittag häng ich einen Zettel auf, kein Bettgitter. Ich bin es leid, erst mit dem kompletten Personal samt Pflegedienstleitung reden zu müssen, bis sich kaum etwas ändert.
 
Hier geschieht der klassische Weg, wie aus Pflegestufe 4 Pflegestufe 5 gemacht wird. Wenn ich es nicht verhinder jedenfalls. Für knapp 3.500 Euro im Monat.
 
Aber wenn ich Mutti zu uns hole, riskier ich meine Ehe und meine eigenes Leben. Und ein anderes Heim? Ich dachte doch bei diesem, es sei gut. Woher soll ich beim nächsten wissen, dass es besser ist? Mit Mutti kann ich keine Try-And-Error-Versuche machen und ihr ist im Moment sowieso alles egal. Es zerreisst mich!
 
Ich fahr heut mittag wieder hin und mach erstmal weiter. Aufgeben ist keine Option.
 
20180106 Samstagmittags:
Mutti liegt schlafend im Bett. Ist sehr schlapp. Ich setzte mich zu ihr und bastel ersteinmal eine Aufhängung für das Schild, das ich mitgebracht hab und häng es gut sichtbar an den Türhaken neben ihrem Bett. Drauf steht (Computerausdruck, Querformat A4):
 
Keine Bettgitterfixierung für meine Mutter.
 
Bei Sturzgefahr tut’s auch ein Niederflurbett.
 
In Vertretung:
Aggi Dunkel (Bevollmächtigte)
06.01.2018
 
Nach all dem Palaver mit zig Schwestern über viele Tage plus Pflegedienstleitung ohne nennenswerte Änderungen versuch ich jetzt diesen Weg. Liest sich vielleicht mutig – ich selbst nenn es eher hilflos. Ich weiss bald nicht mehr weiter.
 
Als dann das Essen gebracht wird, kommt auch noch eine zweite Hilfsschwester mit dazu, schätze, sie soll Mutti füttern. Ich übernehme von Anfang an. Deute schon an, dass ich Mutti aufsetzen werde. Mutti ist sehr schlapp. Die Schwester sagt wissend: Ja, der Rücken! – Nein, Mutti ist einfach nur zu kraftlos. Weshalb ich das hier mache, ich will sie mobilisieren. Denke ich, auch des Redens bin ich müde. Ich sag nur, ich kümmer mich gern, ihr habt doch genug zu tun (sehr freundlich) und kümmer mich.
 
Mutti versichert mir, dass sie keine Schmerzen hat. Insgesamt frag ich sie beim Essen dreimal. Keine Schmerzen. Als sie wieder nach rechts wegsackt, frag ich sie, ob sie einfach keine Kraft mehr hat. Ja, ich hab keine Kraft.
 
Aber mit mir (fütternd) isst sie einige Löffel Kartoffeleintopf mit Würstchen (halbe Bockwurst kleingeschnitten, mehr war nicht da, aber die hat sie geschafft). Und vier Teelöffel Birnenquark samt dem einen Stück Birne. Und trinkt hinterher noch einen viertel Becher Wasser.
 
Danach ist sie so erledigt, dass sie schier einschläft, kaum das sie liegt. Aber ich bin glücklich. Mehr gegessen als gestern. Und getrunken. Auch wenn ich sie dabei halte. Sie wird immer weniger. Zuhause hat sie immer gescherzt, sie sei ein Vielfrass…
 

Also fahr ich morgen wieder zu Frühstück und zum Mittagessen. Mein Mann sagt auch, lieber so, als wenn ich gar nicht zuhause bin.
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 06 Jan 2018, 15:20    © gisela
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liebe Aggi
Zitat :
Keine Bettgitterfixierung für meine Mutter.
 
Bei Sturzgefahr tut’s auch ein Niederflurbett.

ist doch eine gute lösung. hoffe, es fruchtet auch.

vielleicht gibt's ja in dem heim auch klingelmatten.die werden vors bett gelegt und mit der
notrufanlage verbunden. selbt, wenn nur die Bettdecke vom bett rutscht klingelts dann alarm
und man kann sofort nachsehen. haben wir bei uns auch bei einigen Bewohnern und somit schon
einige stürze verhindert. sinnvoll wären auch stoppersocken für deine Mama, damit sie,
falls sie doch versucht aufzustehen mit den füssen nicht wegrutscht.

wegen des essens.......zum aufpäppeln von schlecht essenden Bewohnern gibt es
recht leckere trinknahrung (und die ist echt lecker, ich hab die mal probiert) in
verschiedenen Geschmacksrichtungen. wird leider von den Hausärzten oft nur bei
krebspatienten rezeptiert und muss ansonsten selbst bezahlt werden. aber wird z.b. von unseren bewohnern
echt gern angenommen.

Zitat :
ich hab hier schon Angst, Dich zu überfordern

keine sorge, so schnell geht das bei mir nicht scharmant-zwinkernd






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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 06 Jan 2018, 15:53    © Aggi
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Liebe Gisela,

wollte mich hier grad ausloggen, nachdem ich mir einen Rundrücken gelesen hab und seh Deine Antwort :-)

wg. Sturzgefahr: Mutti ist ja noch nie aus'm Bett gefallen, bislang immer beim Gehen passiert, gestolpert oder via Synkope oder weil kein Rollator da war. Hab das mit dem Niederflurbett nicht mal ernst gemeint, da ich nicht mal glaub, das das Heim so was hat. Ich seh keine Sturzgefahr bei Mutti, vorher ist sie eher an Entkräftung ... weshalb ich 

wg. Essen: grad schon ne Menge gelesen hatte mit allewatt an Zaubertränken, die funktionieren können, so wie Du hier auch vorschlägst bis hin zu Sachen wie Milchschnitte etc.etc. und alles, was leckererer ist als das gebotene. Bislang (zuhause) hatte sie gerne genascht, schoko und Co. - aber ich find wohl was, was sich lecker auch lutschen (however) lässt. Ich werd da auch noch mein Bruder einbinden, 2 Köpfe sind noch kreativer als nur einer.

... und Danke, Gisela, Du tust gut!

LG
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 07 Jan 2018, 09:44    © Aggi
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20180107 Sonntagmorgen:
 
Fünf vor acht bin ich bei Mutti. Sie trägt ein neues Nachthemd und liegt friedlich im Bett. Kein Bettgitter. Mein Zettel von gestern hängt noch.
 
Wir klönen erstmal, was immer bedeutet, dass ich ihr Dinge erzähle, die ich erlebt hab und sie damit zum Lachen bringe. Und auf andere Gedanken. Irgendwie finde ich jedesmal etwas abwechslungsreiches zu erzählen und Mutti hört frühmorgens noch sehr aufmerksam zu. Später am Tag ist sie schon mal schläfriger.
 
Viertel nach acht sag ich zu ihr, ich geh mal gucken, ob ich ihr Frühstück finde, bevor es wieder so lange dauert. Ich hatte beim Kommen im Dienstzimmer den Wagen mit den Tabletts schon gesehen. Jetzt steht da noch das Tablett für Mutti (sind immer Namenssschilder drauf). Auch mit ihren Medis. Ich füll noch Kaffee in den Becher und zurück zu Mutti. Eine Schwester ist weit und breit nicht zu sehen. Schätze, die freuen sich, wenn ich helfe.
 
Mit dem Tablett ins Zimmer: „Guck, Mutti, da hab ich Dein Frühstück.“ – Stell das Tablett auf den Wagen und wende mich ihr zu: „Na, kannst Du Dich zum Frühstück aufsetzen?“ – Mutti: „Wieso wenn doch gar kein Frühstück da ist?“ – Ich schieb den Wagen noch etwas näher ans Bett: „Riech mal.“ Und wedel aus dem offenen Kaffeebecher zu ihrer Nase. „Kannst Du den Kaffee riechen?“ – „Ja.“
 
Diesmal greift sie zum Aufsetzen von sich aus gleich zum Galgen (ich freu mich so!) und zieht sich schon mal halbhoch, den Rest mit meiner Unterstützung – mega-Fortschritt!!!
 
Diesmal bleibt sie auch sitzen, ohne gleich zu kippen, isst die ganze Scheibe Brot, probiert sogar den Maracuja-Quark, der einfach nicht ihr Geschmack ist und auf den Vanillepudding hat sie keine Lust, weil sie schon satt ist. Trinkt den ganzen Becher Kaffee. Nur einmal nach über einer halben Scheibe Brot stützt sie sich einmal rechts ab, als ginge die Kraft aus, aber ich kann sie dann noch wieder animieren, sich wieder aufzusetzen und lasse ab da meinen Arm in ihrem Rücken liegen.
 
Richtig schönes Frühstück. Bloss die Medikation nervt: Heuer Ramipril dabei, fehlte gestern, also ½ Ramipril, ½ Metoprolol und eine ganze Tilidin. UND EIN BECHER NOVALGIN – was soll der Scheiss?
 
Mutti bekommt von mir die Blutdruckmedis, die Tilidin und Novalgin nicht.
 
In diesem Pflegeheim entscheidet pro Schicht jede Schwester wie sie meint. Nicht gut. Ich schreibe jetzt an den Arzt und bitte um ärztliche Anordnung, dass Tilidin abzusetzten und das Novalgin wegzulassen. Keine Ahnung, ob das so geht aber so wie es läuft, geht es erst recht nicht.
 
Heute mittag reiche ich schriftlich meine Bitte um Kopien der Pflegedokumentation ein, natürlich gegen Bezahlung und gerne gegen Verpflichtung, diese und deren Inhalt nicht an Dritte weiterzugeben. Aber ich brauche Antworten, warum im Heim scheinbar jeder machen darf, was er will, egal was ich wann mit wem inbezug auf Muttis Bedürfnisse etc. vorbesprochen hab.
 
Heut morgen war, auch als ich gegen kurz vor neun von Mutti weg ging, keine Schwester zu sehen. Es kam am Ende, als Mutti nach ihrem Frühstück nur eine Schwester, die mit der Essensvergabe, nicht mit der Pflege zu tun hat und freute sich, dass ich mich schon gekümmert hab.
 

Würde ich vor Ort noch warten, bis mal eine Schwester Zeit hat, würde ich wahnsinnig werden. Und wenn ist der Weg nur im Freundlichen möglich.
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 07 Jan 2018, 15:13    © Aggi
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20180107 Sonntagmittag:

Komm etwas zu spät los, bin erst fünf nach halb zwölf im Heim bei Mutti, hatte noch den Ausdruck für die Einsicht in die Pflegedokumentation erstellt.

Inzwischen sass bei Mutti am Bett eine Schwester, Mutti im Bett liegend, Kopfteil ganz hochgefahren, Mutti fütternd. Sag ich der Schwester nach „Hallo“ undCo., ich würde jetzt übernehmen, es wäre besser, wenn Mutti mehr auf der Bettkante sitzt. Meint die Schwester erst noch, das sei nicht nötig, sie seien eh gleich fertig, aber ich besteh freundlich drauf: „Ihr habt doch soviel zu tun.“

Mutti protestiert. Will liegen bleiben. Sagt, sie ist zu schlapp. Lass ich freundlich nicht gelten. Plapper drauf los, lenk sie mit Geschichten ab und bequem sie, sich aufzusetzen.

Entdecke diese neue Seite an mir: Freundlich, aber bestimmt, ohne Mutti dabei zu quälen (also schon gucken, dass ich sie nicht überforder), setz ich mich durch … tse, das ich DAS noch erlebe ^^

Mutti isst zwar nicht selbständig, lässt sich zu meinem Geplapper aber füttern und lacht mit mir. Zwischendurch lass ich sie einmal los: „Wart mal, ich stell eben Deinen Trinkbecher mit Wasser dahin. Falls Du Durst bekommst.“ Kaum den Becher auf den Wagen gestellt, greift Mutti danach und trinkt den halben Becher. Ich freu mich so!

Sie isst wieder mehr als vortags. Sagt wieder selbst, wann gut ist. Dann helf ich ihr wieder, sich hinzulegen. Während ich die ganze Zeit mit ihr klöne und sie antwortet mal oder grinst oder lächelt oder lacht. Und hat ihren Körper bewegt. Schön!

Fragt liegend, ob sie ein Tempo haben kann. Putzt sich die Nase. Mummelt sich ein und lächelt mich an. Auch wenn sie erst nicht wollte, es hat ihr nicht geschadet, es hat ihr gut getan.

Dann kommt Sr. V., ob ich später einen Moment Zeit hätte, sie wolle was mit mir besprechen. Ich sag direkt: „Ihr habt doch eh nicht viel Zeit. Machen wir es doch gleich.“ Und wir gehen gemeinsam auf den Flur.

Sr. V. zeigt mir ein Fax. Es geht um die Medikamentierung. Hatten sie doch noch den Hausarzt erreicht wg. dem Tilidin. Dort steht, Tilidin absetzen, morgens noch Novalgin 500. Sie fragt mich, was ich meine zum Novalgin. Ich sag ihr, heut morgen hätt ich das Mutti nicht gegeben, weil sie keine Schmerzen hat. Findet sie in Ordnung. Alles gut.

Fragt, weil Mutti manchmal doch über Schmerzen klagt, ob sie es als Bedarfsmedikation stehen lassen können, damit zur Not auch die Nachtschwestern eine Möglichkeit haben, wenn was ist. Find ich in Ordnung.

Später gibt sie mir den geänderten Medikamentenplan: Ab morgen ohne Tilidin und als Bedarfsmedikation Novalgintropfen in Höhe von 25 Tropfen, max. 50 Tropfen am Tag. Find ich gut.

Den Brief mit der Bitte um Einsicht in die Pflegedokumentation lass ich in der Tasche.

Ich besprech noch, Muttis Toilettenstuhl mitzunehmen. Finden wir alle o.k. Mutti zum Essen nochmal auf die Bettkante zu mobilisieren ist schon toll, aber dass sie selber nochmal auf den Nachtstuhl geht, sehen wir alle nicht. Jetzt steht noch eine weitere Schwester dabei und erzählt mir, wie schlapp und kraftlos Mutti morgens beim Waschen ist. Glaub ich sofort.

Ich konnte erzählen, dass ich mich jetzt bemühe, morgens und mittags zu kommen, um einerseits Mutti zu mobilisieren und andererseits die Schwestern zu entlasten. „Das machen die wenigsten Angehörigen.“ – „Momentan ist echt eng hier.“

Ein guter Tag im Pflegeheim. Wir alle müssen dazulernen. Auch ich.






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
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BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 09 Jan 2018, 05:20    © Aggi
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20180108 Montagmorgen:
 
Bin kurz vor acht bei Mutti. Sie sagt mir, auf meine Frage, wie es ihr geht, sie hätte schon Tabletten und Frühstück gehabt. (Frühstück ist grad unterwegs.) Ausser schlapp geht’s ihr scheinbar gut.
 
Wir klönen ein bisschen und dann geh ich, ihr Frühstück holen. Dabei spricht mich eine Schwester an, dass mit die Pflegedienstleiterin sprechen möchte. Sag ich o.k., ich sei bei Mutti. Die Schwester sagt mir noch, Muttis Bett sei schon ein Niederflurbett, niedriger liessen sich die Pflegebetten nicht stellen.
 
Dazu sag ich nichts. Ich konzentrier mich erstmal auf das Frühstück mit Mutti. Ach nee, gesagt hab ich ihr, dass Bettgitter auf keinen Fall geht, weil Mutti dann nicht an ihr Trinken kommt.
 
Das Mutti’s Pflegebett im Heim kein Niederflurbett ist (allein die Höhe des Bettgitters auf unterster Stufe hat ca. 45 cm, dann kommt noch die Matratze, wenn Mutti auf der Bettkante sitzt, baumeln eigentlich immer ihre Füsse…) … müssig hier zu erwähnen.
 
An Tabletten auf ihrem Frühstückstablett heute wirklich nur noch die halben Ramipril und Metoprolol, dazu halb Marmelade und Teewurst und der Kaffee. Damit letzterer im Kunststoff-Schnabelbecher auch nicht zu heiss ist, tu ich immer noch einen Schluck kalt Wasser bei.
 
Mutti ist heut schlapp. Sie sagt mir, die andern hätten ihr gesagt, sie müsse mehr essen, sonst würde sie zu sehr abmagern. – Ich halte nix von dergl Ansagen. Das deligiert doch nur die Verantwortung auf den Betroffenen – schön weg von eim selbst, ach nööö.
 
Frag Mutti, was sie von Kakao hält. Hält sie nix von. Ist morgens noch vor acht, ich konnt noch nix einkaufen. Ich werde auf Verdacht Sachen mitbringen, dann merk ich schon, was geht. Fruchtsaft ist kritisch bei ihrer Fruchtsäureunverträglichkeit.
 
Eine ganze Scheibe schafft sie heute nicht, aber den ganzen Becher Kaffee. Das ist gut. Als fünf nach halb neun noch keine Pflegedienstleiterin da war, muss ich los. Muss noch telefonieren in Sachen Betreuung. Bin ja mittags wieder da. Meinen Zettel wg. Bettgitterfixierung/Niederflurbett lass ich hängen.
 
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20180108 Montagmittag:
 
Im Heim klopfe ich zuerst bei der Pflegedienstleiterin (PDL) an. Sie hat grad Angehörige bei sich sitzen. Also erstmal weiter zu Mutti. Kann vorher noch mit Sr. A. reden, dass ich gleich zur gehe und Mutti heut evt. nicht beim Essen helfen kann. Kein Problem, meint Sr. A. Sie würde versuchen, Mutti auf die Bettkante zu setzen.
 
Ich freu mich. Meine Versuche werden übernommen.
 
Das Gespräch mit der PDL geht dann freundlich und zügig. Sie glaubt, Mutti habe ein Niederflurbett, weiss, was das ist. Weiss bloss nicht, dass Mutti gar keins hat. Ist sichtlich erstaunt. Dachte das wohl. However. Ich erkläre auch ihr nochmal, dass es mir darum geht, dass Mutti kein Bettgitter kriegt, weil sie dann nicht ans Trinken kommt und ausserdem nicht gefährdet ist, aus dem Bett zu fallen. Und das ich mir diesmal einfach nicht mehr anders zu helfen wusste als mit dem Zettel. Alles gut.
 
Die PDL erzählt noch, dass sie heut morgen Mutti’s Pflege gemacht hat. Mutti baut immer mehr ab. Anfangs sei es nach Waschen undCo. noch möglich gewesen, dass sie gemeinsam mit Mutti aus dem Bad zurück ans Bett gegangen ist. Das geht jetzt nicht mehr. (Mutti hat mir sonst erzählt, die Schwestern würden sie auf dem rollbaren Toilettenstuhl vom Heim ins Bad und wieder raus rollen.) Heut morgen hätte Mutti im Bad auf dem Nachtstuhl auch abgeführt, danach bräuchte aber auch die PDL eine weitere Schwester, um Mutti sauber zu machen, da Mutti kaum noch stehen kann.
 
(Ich weiss, sonst hätt ich sie doch nicht bei Euch gelassen, sonst hätt ich sie auch weiterpflegen können. Ich wunder mich, dass das von ihr und neulich von der anderen Schwester so Erwähnung findet, ist doch normal?!)
 
Aber alles lieb, freundlich, informativ. Meinerseits signalisiere ich meine Hilfsbereitschaft: „Versteht mich bitte nicht falsch, ich will nur helfen. Mutti ist glücklich bei Euch.“
 
Konsens. Würden wir mit gegenseitigen Schuldzuweisungen anfangen, würden wir alle in die Knie gehen. Damit ist niemandem geholfen. Und nobody’s perfect. Ich schon mal gar nicht.
 
Wieder zu Mutti, kann ich ihr doch mit dem Mittagessen helfen. Zuerst kommt noch Sr. A. dazu, bei der ich schon mal beobachtet hab, dass sie besonders liebevoll und fürsorglich mit Mutti umgeht (nix mit „Kindersprache“ und nix mit „Schimpfen“ oder Hektik). Sie hilft mir noch, wir lachen zu dritt. Momente, die einfach nur wertvoll sind!
 
Die ersten Löffel reiche ich Mutti mit Ansage an. Dann übernimmt sie (mit Ansage). Rote Beete mit dabei, die mag sie. Kann sich auch heut mittag nicht so gut sitzend halten und wird auch mir immer schwerer im Arm. Ich bräuchte für das auf der Bettkante sitzen ein fettes Rückenkissen, so sehr ich die Bettdecke und Kissen schon in ihren Rücken kuschel.
 
Aber als ich ihr wieder zum Liegen geholfen hab, merk/spür ich, das noch was geht. Also liegend noch von der Roten Grütze mit Vanillesoße angeboten. Cool, sie isst liegen noch ein paar halbe Teelöffel. Ich mag zwar selber keine Rote Grütze, sieht aber lecker aus und Mutti schmeckt es bis sie selber sagt, nu ist gut.
 
Die Zeit hätten die Schwestern nicht. Oft kommt noch mittendrin schon eine Schwester und ist erstaunt, dass wir noch beim Essen sind – will schon wieder abräumen. Sagen immer freundlich, kein Problem, sie kommt später wieder. Aber dann spür ich die enge der Zeitpläne des Systems.
 
Als Mutti genug gegessen und getrunken hat und eingemummelt liegt, scherz ich noch mit ihr rum, bis sie mir lachend sagt: „Du bist doch ein … Sch… pinner!“ und strahlt mich glücklich an.
 

Das ist besser als 6 Richtige im Lotto!






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
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Ich entscheide, nicht das Heim

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