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 Pflegefälle, Demenz und Freundschaften

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Fussel
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BeitragThema: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 01:32    © Fussel
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Liebe Forumsmitglieder!

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Eurem Freundeskreis und Bekannschaften
gemacht, seit Ihr viel Zeit mit Euren demenzkranken und Pflegefällen verbringen müßt.

Ich hatte vorher einen sehr großen und aktiven Freundeskreis, mit dem wir viel unternommen
haben.
In der gesamten Zeit in der wir nun die Schwiegereltern pflegen und versorgen mußten,
hat sich kaum mehr einer von denen gemeldet oder einmal nachgefragt, wie es einem
geht.

Wir sind nun sozusagen nach den Unglücksfällen in der Endphase, sodaß wir nur noch
einige wenige Arbeiten zu erledigen haben, um das Thema dann verarbeiten zu können.

Wenn ich zum Nachdenken komme, dann versuche ich gerade zu sortieren, wie ich
das finde, daß kaum einer sich darum gekümmert hat mal nachzufragen, wie es uns
damit geht.
Hilfestellungen hätte ja nicht einmal einer erwartet.
Ich überlege, warum die Bekannten sich so verhalten haben, vor allem die denen man
in den letzten Jahrzehnten ständig mit Rat und Tat geholfen hat.
Als hätte man mit den verwirrten alten Menschen eine ansteckende Krankheit im
Haus.
Und ich überlege tatsächlich, wenn wir das alles verarbeitet haben, wie ich diese Situation
in Zukunft handhaben möchte.

Im Moment ist mir eher danach, daß ich von einigen keine Problem mehr hören möchte und
daß ich mich auch nicht mehr dafür zuständig fühle, bei deren Problemen aktiv mitzuarbeiten.

Einige unserer Freunde sind dafür bekannt, daß sie unter Depressionen leiden und daß man
denen immer wieder unter die Arme greifen mußte, oftmals auch finanziell.
Wenn ich nachdenke, ist mir nach solchen Rettungsaktionen bei diesen Katastrophen
nun überhaupt nicht mehr.

Ich weiß auch nicht, ob sich meine Einstellung im Laufe der Zeit wieder ändern wird.

Das waren sehr viele Eindrücke, die man alle erst langsam verarbeiten muß und es ist
warscheinlich auch eine sehr lehrreiche Zeit, die einen sicherlich wenn man hindurch
ist, sehr verändert.

Welche Erfahrungen habt Ihr in dieser Zeit mit Euren Freunden und Bekannten gemacht?

Liebe Grüße Christina
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mendi
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 08:35    © mendi
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Hallo Christina,

viele Menschen, gerade Depressive ziehen sich lieber zurück. Viele, die gar keine Erfahrung mit Pflege haben, fürchten sich überfordert zu sein.

Ich habe das bei meinem Vater erlebt als er krank war und schließlich starb, selbst in der Familie, viel können oder wollen einfach damit nicht umgehen. Ich habe das als Kind ganz schlimm empfunden.

Heute weiß ich, viele konnten einfach nicht anders.






LG aus Bochum
 Mendi
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Marie
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 09:10    © Marie
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Liebe Christina,

ich habe diesbezüglich eigentlich keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Vater hatte keinen eigenen Freundeskreis, so daß ihm insoweit nichts abging. Hilfe von Nachbarn hatte er über viele Jahre - und damit in den letzten Jahren auch ich. Was mich am meisten erstaunt hat: Plötzlich gab es eine Menge Bekannte, die ebenfalls Pflegefälle (Demenz) in der Familie hatten, mit denen man sich auch austauschen konnte. Ich habe nahezu ausschließlich Lob geerntet, weil ich mich um Vater gekümmert habe. Dabei habe ich mehr organisiert als wirklich gepflegt. 

In meinem eigenen Freundeskreis habe ich versucht, feststehende Termine (wöchentlich Linedance, vierteljährlich bzw. jährlich Treffen mit alten Schulkameraden) unbedingt beizubehalten und auch ab und zu Zeit für spontane Treffen mit Einzelnen zu finden. Man hatte Verständnis, erkundigte sich immer nach meinem Vater, den die meisten auch kannten.

Kontakte mit den wenigen Verwandten gab es auch vorher kaum wegen der großen Entfernung. Zum 95. Geburtstag (eineinhalb Jahre bevor er starb) sind noch mal alle zusammen gekommen (2 Ehepaare und mein Sohn mit Familie).

Eine Erfahrung hatte ich allerdings besonders vorher gemacht: Kontakte, die mir wichtig waren, mußte ich aufrecht erhalten.  Es gab aber auch ein paar, die sich ab und zu bei mir gemeldet haben. Telefon und Internet waren dabei ganz wichtig.






von Marie
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Paula
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 09:29    © Paula
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Hallo Christina,

in ähnlicher Weise wie du, haben wir die Erfahrungen mit unseren Freunden, auch erlebt.
Einige können, oder wollen es nicht verstehen, dass man für seine pflegebedürftigen Eltern da sein will. Wir können uns z.B. zur Zeit keinen längeren Urlaub vorstellen, da der Gesundheitszustand meines Vaters nicht sehr gut ist. Da sind dann die "so genannten Freunde", die bei jeder Gelegenheit sticheln, und uns vorhalten, wie "doof" man nur sein kann, keinen Urlaub zu machen, ich hätte ja noch Geschwister die sich kümmern könnten.
Ja, und da liegt bei uns das Problem. Meine jüngste Schwester kommt nur unregelmäßig, und hat keinen Plan von den Gesundheitszuständen, Arztbesuchen usw. Meine mittlere Schwester kommt zwar 1-2x die Woche, aber meistens ruft sie nur an. Da geht es den Eltern immer gut, wenn sie gefragt werden. Wir wohnen nun mal bei den Eltern im Haus, und bekommen alles mit, so das ich alles besser beurteilen kann.

Auch spontane Treffen, wie z.B. abends in den Biergarten zu fahren, haben wir schon oft abgelehnt, da wir nach unserer Arbeit, den großen Garten der Eltern machen müssen.
Aber ich denke auch oft daran, als unser erster Sohn geboren wurde, da gab es auch Freunde, die es nicht verstanden haben, warum man nicht mit auf eine Feier, oder die Kneipe ging.

Liebe Grüße
Paula
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 09:31    © Admin
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Liebe Christina

Es ist aus meiner Sicht ein Fakt, das man echte Freunde immer nur an einer Hand abzählen kann. Wer das Gegenteil behauptet, hat vermutlich noch keine echten Probleme erlebt wo Freundschaften unweigerlich einer tieferen Prüfung ausgesetzt werden. Deine Erfahrung ist also etwas, wo glaube ich hier alle, wo einen ihrer lieben Pflegen/Pflegten und folgedessen die Demenz deren Alltag bestimmt (hatte) ebenfalls erleben oder schon erlebt haben. Heute jedoch schätze ich auch diese schmerzliche Erfahrung sehr. Denn es gab ja nicht nur freundschaftliche Enttäuschungen sondern auch total schöne und nicht erwartete Überraschungen.

Nachdem bei uns die Zeit vorbei war und unser lieber Erik nicht mehr unter uns weilte. Ich also in eine tiefe Trauer viel und so wie ich bin, diese nicht einfach nur absitzen konnte, sondern diese zu etwas Konstruktivem in meinem weiteren Leben machen wollte, hatte ich persönlich für mich erstmal eine art Aufräumaktion durchgeführt. Ich nutzte also meine Trauerzeit, um den einen oder anderen "Freunden" in aller Ruhe zu schreiben, wie  und was sie für mich in der Zeit waren und machte für mich selber eine neue "Standortbestimmung". Heute hat für mich was zwischenmenschliche Beziehungen betrifft, diese eine klarere Unterteilung bekommen.

Freunde sind für mich gegenseitige Wegbegleiter. Ob gemeinsam Lachen, Weinen, Anteil nehmen und sich auch gegenseitig mal Wachrütteln. Alles davon wird nicht nur gegenseitig geschätzt sondern auch gewünscht. Freunde sind gegenseitig am Leben des Anderen interessiert und nehmen in verschiedenen Facetten des Lebens gerne Anteil - und sei es manchmal auch nur dem anderen zuliebe  scharmant-zwinkernd   Es besteht eine tiefe gegenseitige Verbundenheit, im tiefen Wunsch verwurzelt, das Beste für das Andere zu wollen und ein Stück davon beitragen zu dürfen.

Nahe Bekannte sind wiederum eher reine Interessengemeinschaften. Auch diese haben aber etwas ganz wertvolles an sich und sei es auch nur, manchmal für wichtige Ablenkung zu sorgen. Während Freunde oft gegenseitig schon spüren was das Andere braucht, sind aber auch Bekannte ab und zu erstaunlich Hilfsbereit, wenn man für sie genau die Bedürfnisse oder Wünsche zu formulieren wagt.

Dann gibt es noch die Kumpels. Diejenigen die ab und zu im richtigen Augenblick gerade den eigenen Weg kreuzen. Auch diese gelegentlichen Treffen können einen persönlich Bereichern, wenn auch ganz unverbindlich.

Gleichzeitig habe ich mich dafür bestimmt erst recht offen für neue Begegnungen zu sein. Denn man weiss nie, ob nicht eine jetzt noch unbekannte Person, morgen zu einer schönen und wertvollen Freundschaft werden könnte.

Was ich mit all dem sagen möchte liebe Christina ist: Selbst voraus gegangene Enttäuschungen und Verletzungen können - und sind - für unser Leben sogar wichtig, um für uns selber klarere Antworten im zukünftigen Umgang der zwischenmenschlichen Verschiedenheiten zu finden und mit diesen besser umgehen zu können. Denn schliesslich ist einer jeden Deillusionierung erst mal eine blinde Illusion voraus gegangen die früher oder später zerstört werden muss - auch wenn dies leider meist nur schmerzlich geschieht, so schätzen wir doch auch wenn uns die Augen geöffnet werden - oder?

Etwas vom Wichtigsten aber wo ich in der Zeit gelernt habe, ist die Tatsache das ich Heute klarer bin. Auch wage Nein zu sagen und sowohl für mich selber, wie auch dem Gegenüber klarere Grenzen der Möglichkeiten aufzeigen kann.

Das waren jetzt einfach meine Gedanken und Erfahrungen dazu. Vielleicht kannst du damit ja auch was anfangen rose

Danke dir für dieses gute und die meisten hier betreffende wichtige Thema 






Liebe Grüsse
 

"Trauer ist ein Teil des Lebens, aber sie darf nicht das ganze Leben werden."
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Fussel
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 09:40    © Fussel
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Liebe Ursula!

Ich empfinde das im Moment genauso wie Du, und hinterfrage bzw. überdenke
einige "freundschaftliche Beziehungen", auch die der Schwiegereltern,die sehr gesellig
lebten und recht viele Freunde hatten mit denen sie regelmäßig einige Monate im Jahr
verreisten.
Von denen hat man die ganze Zeit über nichts bei den Schwiegereltern gesehen oder gehört.

Die haben immer sehr gerne zusammen gefeiert.

Aber auch einige meiner "Freundschaften", überdenke und sortiere ich gerade, nachdem das
vorbei ist.

Herzlichst Christina
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Fussel
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 09:41    © Fussel
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herzlichen Dank für Eure Antworten, das sind Aspekte, die man sicherlich alle in Betracht ziehen muß.

 Christina
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Lena
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 13:12    © Lena
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Liebe Christina, alles hat seine Zeit, so auch Freundschaften/ Bekanntschaften. Nur die wenige begleiten uns ein lebenlang. Viele gehen nur ein Stück des Lebens mit uns.

Auch ich habe gelernt "NEIN" zu sagen und habe mich von "Freunden" getrennt, die ich schon ewig kenne. Mit 50 habe ich damit angefangen aufzuräumen!Very Happy Ich muß mich nicht mit Menschen treffen, die sich sonst nicht melden, kein Telefonat, kein Besuch, nix. Heute habe ich die Menschen um mich, mit denen ich gerne zusammen bin. Als ich die Pflege meines Vater´s übernommen hatte, sagte meine Freundin, ich kann dich immer besuchen, bist immer daheim. Sie kommt oft, oder ruft spontan an und wir frühstücken zusammen. Andere "ehemalige Arbeitskollegen", kommen auch spontan vorbei, telefonieren mit mir, oder wir walken zusammen. Jeder von ihnen trägt dazu bei, das es mir gut geht, ich aus dem Pflegealltag von ihnen abgelenkt werde. Man muß sich nicht immer jeden Tag sehen, aber es tut sehr gut, dass man weiß, sie sind da.
Mein Vater bekommt ab und zu Besuch aus seiner alten Heimat, von seiner ehemaligen Nachbarschaft.

Ich habe trotz Pflege meines Vater´s immer noch Freunde, Bekannte, gute Kumpel´s um mich, die mich weiterhin begleiten. Von den anderen, habe ich mich, wie schon geschrieben, getrennt.   
Am Sonntag, kam eine liebe Arbeitskollegin zu mir, die einen Sonntagsspaziergang machte, und bei mir einen Zwischenhalt gemacht hatte. Solche Momente genieße ich!
Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem "Aussortieren"......stell sie doch zu Jelly, evtl werden sie auch mitgenommen lachen






Liebe Grüße Lena.
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soda1964
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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 14:01    © soda1964
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Hallo Christina,

ich kann mich den Zeilen meiner Vorschreiberinnen nur anschliessen, ganz besonders auch den Zeilen von Ursula Very Happy
Ich habe in den vergangen Jahren ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Einige Freundschaften haben sich durch unser nahes Zusammenleben und "Angebundensein" an unsere Nonna, meine Schwiegermama, gefestigt, andere verloren...
Ich denke auch, dass einige wenige tiefe Freundschaften über Jahre bestehen bleiben - andere jedoch halt einfach Lebensabschnittfreundschaften sind. Mir ging es wie Lena. Meine Freundinnen kamen in der Zeit, als Nonna mehr und mehr Betreuung brauchte, halt einfach hier bei uns vorbei und Nonna sass dann manchmal auch bei uns.

Es gab in meinem Leben auch einige einseitige Freundschaften, "Energieräuber", die sich in den intensiven Zeiten selber irgendwann mehr oder weniger zurück gezogen haben, weil wir in ihren Augen "keine Zeit mehr" für sie hatten.
Einen Moment war ich traurig darüber, merkte dann jedoch schnell, dass mir nicht wirklich etwas fehlte...

Auch ich habe heute die Menschen um mich, mit denen ich gegenseite Beziehungen pflege, die mir gut tun, die meine Freundschaft schätzen und mir bei stehen.

Vielleicht liegt das "Aufräumen" mit Freundschaften gar nicht nur am Umstand der weniger verfügbaren Zeit durch die Betreuung von Angehörigen, sondern am Umstand, dass wir älter werden und im Leben andere Schwerpunkte setzen?

Nachdenkliche Grüsse






Therese

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BeitragThema: Re: Pflegefälle, Demenz und Freundschaften
Mi 17 Jul 2013, 15:45    © Biggi
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Ihr Lieben,
mir geht es ähnlich wie euch. In jungen Jahren bin ich mit dem Wort Freundschaft ganz anders umgegangen. Hab ich jemand kennengelernt, war es direkt meine Freundin. Die eine mehr , die andere weniger intensiv. Auch da waren jahrelange Beziehungen dabei.

Doch das hat sich bei mir irgendwie automatisch geändert, als ich älter und reifer wurde. Da habe ich dann schon näher hingeschaut und gelernt, dass man sehr wohl zwischen echter Freundschaft und einer Bekanntschaft unterscheiden muss. Spätestens, wenn mal nicht alles Friede,Freude, Eierkuchen ist.  Denn das habe ich auch am eigenen Leib erfahren müssen. Was wirkliche Freundschaft bedeuten sollte, hat Ursula wunderbar erklärt. Danke. rose

Nun ist es so, seit wir unsere Mutter pflegen, sind uns (auch meinem Mann) echte Freunde geblieben, die wir teils schon über Jahrzehnte kennen. Sie sind uns immer treu geblieben, auch wenn unsere Zeit durch die Pfege und das dadurch auch ständige präsent sein müssen, stark eingeschränkt ist. Es ist so, dass sie, wie bei einigen von euch auch, einfach hier vorbeikommen. Sie haben Verständnis und waren noch nie pikiert, dass wir nicht mehr so oft zu ihnen kommen können. Wir sind einfach in Höhen und Tiefen gegenseitig füreinander da. Und das geniesse ich total. Denn für mich ist Qualilät weitaus wichtiger als Quantität.

Und die, die da kein Verständnis für aufbringen konnten, haben wir ziehen lassen. Es hat dann natürlich schon am Anfang geschmerzt, aber im Nachhinein ging es uns dadurch besser.

Therese schrieb:
Zitat :
Vielleicht liegt das "Aufräumen" mit Freundschaften gar nicht nur am Umstand der weniger verfügbaren Zeit durch die Betreuung von Angehörigen, sondern am Umstand, dass wir älter werden und im Leben andere Schwerpunkte setzen?

Ich denke, es ist einen Mischung aus beidem, liebe Therese.  Sicher ändern sich die Schwerpunkte im Leben. Doch wenn gedachte jahrelange Freundschaften, die vorher
"funktionierten", durch den Zeitmangel der Pflege wanken, dann sollte man echt anfangen nachzudenken. Ich vergleiche das mal mit den Worten bei der Eheschliessung: in guten, wie in schlechten Zeiten. Und echte Freundschaften sollten auch schlechte Zeiten überstehen. 

Das waren jetzt meine Gedanken zu dem interessanten Thema.

LG Biggi







-- Stärke bedeutet auch zu wissen, dass man nicht immer stark sein kann --


                        
                           
  
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