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 Demenzkranke im Heim - duzen oder siezen?

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Bagi
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BeitragThema: Demenzkranke im Heim - duzen oder siezen?
Sa 30 Sep 2017, 15:34    © Bagi
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In dem Heim, in dem ich arbeite, werden fast alle Bewohner (außer die noch fitteren) geduzt. Ich finde das irritierend, ich habe gelernt, alle Bewohner zu siezen, das war in unserer Ausbildung ein wichtiges Thema wegen Würde usw.
Die anderen Pflegekräfte sagen, die Demenzkranken fühlen sich wohler und eher angesprochen, wenn sie mit Vornamen oder Spitznamen angesprochen werden. Ich glaube, auch das habe ich in der Ausbildung mal gehört, kann mich aber nicht mehr richtig erinnern, weil es für mich bisher nicht relevant war.
Ich sieze alle Bewohner und habe ehrlich gesagt noch keinen Unterschied bemerkt, wenn sich jemand nicht sofort angesprochen fühlt, berühre ich ihn leicht an der Schulter und wiederhole, was ich gesagt habe, dann klappt das auch.

Besonders "seltsam" finde ich, dass auch die Besucher von Bewohnern die anderen Bewohner duzen oder mit Spitznamen ansprechen. Die Frau eines Bewohners kommt oft am Abend, wenn es Essen gibt. Sie "hilft" dann und holt die Bewohner zum Tisch, indem sie sie mit Vornamen (die sie wohl vom Plfegepersonal gehört hat) anspricht und ruft. Ich war schon in Versuchung, sie zu fragen, ob sie z.B. die Frau XX wohl persönlich kennt Laughing

Auf einem Vortrag im Heim, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte, wurde jetzt gesagt, dass die Bewohner gesiezt werden sollen. Das gab große Aufregung beim Pflegepersonal, weil die Bewohner schon immer geduzt werden, weil die Angehörigen unterschrieben haben, dass sie einverstanden sind und weil es doch schon immer z.B. die "Kathi" und nicht die "Frau xx" ist. Umgesetzt wird es nicht.

Für mich fühlt es sich nicht richtig an, wenn ich Bewohner, die ich nicht persönlich kenne, mit "Du" anspreche. Es sind alles erwachsene Menschen und älter als ich, das macht man einfach nicht (habe ich jedenfalls so gelernt Smile ) Wenn, dann evtl. den Vornamen, aber trotzdem "Sie", so würde ich es machen, wenn sich ein Bewohner mit dem Vornamen eher angesprochen fühlt.

Allerdings arbeite ich noch nicht lange nur mit Dementen, in den Heimen vorher waren nur wenige demente und sonst eher relativ fitte Bewohner, die einem zum Teil das "Du" angeboten haben, meistens aber auf jeden Fall mit "Sie" angesprochen werden wollten. Ich weiß nicht, wie das allgemein gehandhabt wird bzw. was richtig ist.

Wie ist es in anderen Heimen? Sehe ich das zu eng?
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greenwood.66
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BeitragThema: Ansprache!
So 01 Okt 2017, 05:02    © greenwood.66
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Jeder Tag,jeder Moment mit  Demenzkranken ist neu.
Ich spreche meine Mutter erst mit einem distanziertem Fr.Grünewald an und warte auf eine Reaktion ,um dann zu einem pers. Du zu wechseln.
Grundsätzlich finde ich einen wertschätzenden Umgangston,wobei es nicht auf die Wortwahl ankommt,sehr wichtig.
Manchmal benutze ich sogar die Ansprache:Fr, Marion Grünewald,geb.Warmke,um ihrem Gedächnis auf die Sprünge  zu helfen,oder rätsel mit ihr:Bist du nicht die Claudia,Hannelore,....
Jeder Kontakt mit den Menschen ist Therapie,auch die Ansprache kann ihnen ins Leben zurück helfen.
Auch Besucher sollten geschult werden,wie wichtig der Erstkontakt ist,der jedesmal von Neuem aufgenommen wird.
Würdevoll aber voller Zuwendung.
greenwood.66
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Amelu
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BeitragThema: Re: Demenzkranke im Heim - duzen oder siezen?
So 01 Okt 2017, 11:07    © Amelu
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Das hast Du wundervoll formuliert!


Amelu
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Bine
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BeitragThema: Re: Demenzkranke im Heim - duzen oder siezen?
Fr 06 Okt 2017, 10:11    © Bine
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Hallo Bagi,

in dem Heim, in dem meine Else war, war es auch verboten, die Bewohner zu duzen. Genauso war es verboten, die Angehörigen der Bewohner zu duzen.

So kam es dazu, dass man Else sagte: Gucken Sie mal Frau S., da kommt Frau G.
Sie hat darauf überhaupt nicht raegiert. Aber "Guck mal Else da kommt die Bine" klappte bis zum Schluß und in ihrem Gesicht ging jedes Mal die Sonne auf.
Ab einem gewissen Punkt war ich mir auch nicht mehr sicher, ob sie nicht vielleicht eher Fräulein L. als Frau S. war. Schließlich war der Name nur angeheiratet. Und an ihren Mann konnte sie sich nicht mehr erinnern.

Nachdem Else einige Zeit im Heim war, wurde ganz automatisch aus dem Frau S. Else oder Elschen. Und sie schien glücklich damit.
Bei den meisten von Elses Mitbewohnern wäre es mir nie in den Sinn gekommen, sie zu duzen. Aber es gab eben auch einige, die konnte ich nur durch die direkte und vertraute Anrede mit Vornamen und du erreichen, genauso wie Else auch nur noch so zu erreichen war, und ich glaube nicht, dass ich jemandem damit geschadet habe.

Die Pflegekräfte und Betreuer dringen bedingt durch ihre Tätigkeit ganz tief in die Privatsphäre der Bewohner ein und müssen eine vertraute Basis schaffen, um die Abwehrhaltung der zu pflegenden Person zu durchbrechen. Da kann das Duzen sicher sehr hilfreich sein.
Das Siezen der Bewohner sehe ich als Eigenschutz der Pfleger und Betreuer, um eine professionelle Distanz zu waren und ich finde es auch völlig in Ordnung. Aber ich glaube, da muss jeder für sich seinen Weg finden.

Liebe Grüße
Bine
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