HomeForumLeben mit EGemäldeDemenz....Heimwahl16 Regeln bei DemenzImpfressum


StartseiteFAQSuchenLexikonAnmeldenLogin



Teilen | .
 

 Ich entscheide, nicht das Heim

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
Gehe zu Seite : Zurück  1 ... 8 ... 12, 13, 14, 15, 16  Weiter
AutorNachricht
Belle
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1105
Anmeldedatum :
16.05.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 16 Jun 2018, 20:10    © Belle
Eine Antwort erstellen

"Aggimutti" das find ich supa happy
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 17 Jun 2018, 06:30    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180616 Samstagnachmittag:

Morgens eine Magentablette. Als ich vormittags nachhause komme, nehme ich noch eine Novalgin… an so einem Tag wie heute Muttis Geburtstag läuft mein Körper auf Turbo, aber ich will es schaffen, es soll für alle ein schöner Tag werden! Und bis heut Nachmittag hab ich ja eine Pause.

Dann packen wir alle Sachen zusammen. Torte, Teller, Servietten, Kuchengabeln, Tortenmesser und Muttis Geschenk, das große Kuschelkissen. Ach ja, und noch die Packung Küchentücher für Elisabeth. ^^

Erst noch Kl.Bruder abholen. Der ist einfach nur perfekt, sitzt schon draußen an der Straße mit seiner Kamera über der Schulter – auf ihn ist Verlaß!

Und dann zum Heim! Am Eingang sitzt „mein Freund“ und guckt ganz entsetzt, weil ich die Curverkiste trage (mein Mann das Kuschelkissen und Kl.Bruder die Kamera). Warum denn nicht die Männer die schwere Kiste tragen? Ich lache und rufe ihm zu, alles gut! Ob er will oder nicht, er bestätigt meine These, Demenz macht nicht dumm! *gg*

[Zur Ehrenrettung meiner Männer: ICH hab drauf bestanden, die leichte Curverkiste zu tragen, weil da die Torte drin ist…]

Im Eingangsbereich stehen Sr. N. und Elisabeth, da kann ich Elisabeth gleich noch ihre Küchenrollen geben und die will sofort bezahlen, aber ich wehr ab: „Morgen, heute feiern wir erstmal Geburtstag.“  Wink

Dann kommt uns noch der Neffe von Muttis Zimmernachbarn entgegen und ich erzähle dem noch kurz, wie lieb und süß sein Onkel heute Morgen war. So viel Zeit muss sein.  I love you

Bei Mutti lass ich meine Männer vorgehen, bringe noch eben die Küchenrollen in Elisabeths Zimmer – und Mutti sieht die Jungs ja viel seltener als mich.

Als ich dazu komme, sehe ich im fröhlichen „Hallo“ gleich eine Geschenkpackung auf Muttis Rollator und wünsche mir sofort, eine meiner Schwestern sei schon da gewesen. Mutti hat aber keine Erinnerung, von wem das war und ich seh dann auf dem „Gärtner“-Etikett den Dorfnamen vom Heim, also vermutlich eher von den Pflegeschwestern. Aber ob die ihr Ständchen gehalten haben, erinnert Mutti auch nicht. Wurscht, Mutti ist superglücklich über unseren Besuch!  I love you  I love you  I love you

Kurz drauf klopft dann Sr. N. und fragt uns lieb und fröhlich, ob sie uns was bringen kann. Diesmal bin ich ganz dankbar, denn ich hab das Trinken vergessen, wollte eigentlich noch eine Kanne heisses Wasser für Mutti mitbringen. Aber Sr. N. meint mit mir scherzend: „Aber zur Kaffeezeit muss man doch Kaffee trinken!“ und Mutti nickt gleich. Also trinkt Mutti inzwischen nachmittags auch gerne Kaffee! Und Sr. N. bringt uns dann kurz drauf ein ganzes Tablett mit Tassen, Zucker, Milch, Süßstoff, Tee und Kaffee für Mutti – so lieb!

Mutti hat inzwischen ihr Kuschelkissen auf dem Bett, mit zaghaftem Fragen meinerseits. Aber ab der ersten Sekunde, wo es bei ihr auf dem Bett ist, ist mir auch klar, Fehlgriff, das ist nichts für Mutti. Meine beste Mutti von der ganzen Welt akzeptiert es erstmal mir zuliebe, aber es ist zu groß und wirklich nichts für sie. Sie war immer schon ein „Flachlieger“, hatte mal eine Phase, wo sie dankbar war, als ich ihr noch zuhause Kniekissen gekauft hatte, die sie aber nach einiger Zeit auch nicht mehr im Bett haben wollte. Und hier jetzt im Heim ist das große Kuschelkissen erstmal nichts. Später beim Kaffeetrinken und Kuchenessen meint sie dann einmal leise, sie hätte irgendwie zu wenig Platz im Bett und dann besprech ich auch mit ihr, es sei wohl besser, ich nehme das Kissen wieder mit. „Oh ja!“  Cool

Die Marzipantorte – ihr Stück auf ihrem Teller – will Mutti selber essen. „Das krieg ich hin.“ Wie immer sitze ich bei ihr auf dem Rollator und gebe notfalls kleine Hilfen, weil die Marzipanmasse ganz schön eigenwillig am Teller klebt. Obwohl Mutti schon reichlich müde wirkt, schafft sie aber nach und nach sogar das ganze Stück und fast den ganzen Becher Kaffee, während wir plaudern. Mit drei Mann im Raum ist es ja schon reichlich aufregend für sie, aber zwischendurch „dolmetsche“ ich auch mal, wenn sie die Männer nicht ganz versteht. Alles, was etwas weiter weg ist von ihrem Bett ist immer schon merklich schwieriger für sie, aber sie lacht viel und ist spürbar glücklich!  Very Happy

Auch die lieben Forumsgrüße kann ich ihr noch ausrichten, habe sie ausgedruckt und lese sie ihr vor und zeige ihr den Feldblumenstrauß von Eva, auf Din-A-4 vergrößert. Den findet Mutti richtig schön, nachdem sie die Seite in die eigene Hand genommen und ausführlich studiert hat. Vor allem, weil sie aus dem eigenen Garten sind! „Doch, schön!“  I love you

Und von den Enkelkindern kann ich noch grüßen. Mittags hat mir mein Mann noch einen Facebook-Eintrag einer Enkeltochter vorgelesen. Ich selbst bin nicht mehr auf Facebook, aber das richte ich Mutti aus und sie fragt sofort, von welchen Enkelkindern! Das Mädel hat sich da erinnert, dass die Oma IMMER eine Packung Dickmann-Negerküsse in der Küche stehen hatte. Mal frisch und soft, ein andermal auch zäh, aber IMMER standen da diese Negerküsse für alle! Dort auf Facebook wünscht sie (auch im Namen anderer Enkelkinder) der Oma einen schönen Geburtstag und sie möge die Marzipantorte geniessen. Erst habe ich die Hoffnung, die Kids kommen noch selbst vorbei, weil da was von „unterwegs“ steht. Keine Ahnung, sie wohnen ja alle weit weg. Aber die Grüße habe ich ausgerichtet. Und Kl.Bruder wird dort auf Facebook bestimmt noch welche von den Geburtstagsfotos einstellen, so dass dann die, die nicht da waren, noch Bilder sehen können.

Nach 70 Minuten bei Mutti blase ich dann aber auch zum Aufbruch – Mutti ist uppe… Kl.Bruder ruft mich kurz drauf noch an, dass er mir schon die Fotos geschickt hab, aber weil die Aggi auf erstmal uppe ist, geht sie früh ins Bett und freut sich jetzt heut morgen umso mehr, die Bilder vorzufinden:



Marzipantorte für Mutti



Kuschelkissen für Mutti



Kuscheln mit Mutti


LG,
Aggi






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 17 Jun 2018, 13:19    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180617 Sonntagmorgen:
 
Zehn vor acht am Heim steht meine gute Seele Elisabeth vor der Tür. Wir haben heut früh strahlenden Sonnenschein und auf dem Weg zu ihr kommt mir Muttis Zimmernachbar am Rollator entgegen. Er grüßt mich freundlich: „Na, auch schon unterwegs?!“ ^^ Ich würde mich freuen, wenn er seine niedergeschlagene Phase überwunden hat. Schon mal ein gutes Zeichen, dass er schon vor acht draußen unterwegs ist!
 
Auch Elisabeth hat gute Laune, bis ihr wieder einfällt, dass die andern Bewohner schon wieder drängelnd nach Rosen fragen, also nee, nee, nee… Rolling Eyes Wenn ich sie recht verstehe, bezahlt sie die immer von ihrem eigenen Geld … und dann drängeln die andern? – Aber sie hat denen schon erklärt, im Moment macht das keinen Sinn, die verblühen alle zu schnell, und dafür ist ihr ihr Geld zu schade. So! Dafür soll ich aber Mutti lieb von ihr grüßen.
 
Bei Mutti im Zimmer sieht alles noch so schön aus wie gestern. Nur draußen den „Geburtstagskranz“ haben die Schwestern heute wieder abgehängt. Richtig so, sonst vertun sich nachher noch andere Bewohner.
 
Aber Mutti scheint die Sonne durch das eine Terrassenfenster krass ins Gesicht, also erstmal die Jalousie runtergefahren, worüber Mutti sehr dankbar ist! Sonne ist ja schön, aber nicht grell in die Augen rein…
 
Ich seh aber auch gleich, sonst kein neues Geschenk dazu gekommen und Mutti meint auch, sonst sei keiner da gewesen. Stört sie aber auch nicht. Nur mich… Crying or Very sad Sag ich ganz ruhig zu Mutti, ich tät mich aber schon freuen, würden Gr. und Kl. Schwester noch zu ihr zu Besuch kommen. Da meint Mutti, klar wäre das schön, aber wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm.
 
Meine Mutti! Sie hat ihren Frieden mit den andern geschlossen. Ich muss da noch hinkommen, aber nach ihren Worten bin ich ruhiger. Da muss ICH halt noch an MIR arbeiten, aber das schaffe ich auch noch.
 
Mutti findet jedenfalls, dass es gestern „schön unkompliziert“ war. Das ist immer wichtig für sie. Bloß kein Schicki und erst recht kein Micki. Schön unkompliziert – das mag sie am liebsten! Und es hat ihr gut gefallen! Besonders auch mit „unsern“ beiden Männern. Wir kichern gemeinsam, wie schön die beiden sich abgesprochen haben, beide in blau zu erscheinen. Nicht, um mich über die zwei lustig zu machen, sondern um Mutti zum Lachen zu bringen, spiele ich ein „weibisches“ Telefonat zwischen den beiden vor: „Hach, was soll ich nur anziehn? Was trägst Du denn nur?? Wir müssen doch auf den Fotos harmonieren!“ So mit extra tussigem Augenaufschlag und viel „Hach“ und „Achgottachgott“, Mutti lacht so schön dabei, weil ihr ja auch aufgefallen war, dass die beiden mal wieder wie Zwillinge rüberkamen! I love you
 
Dann ist sie auch einverstanden, dass ich erstmal das Frühstück für sie hole. Heute zum Brot noch eine Schale mit Obstquark. Und nun wieder mit dem roten Teller.
 
Während Mutti frühstückt, hole ich dann von ihrem „Gabentisch“ nochmal das Gesteck von den Pflegeschwestern zu ihr. Gestern hatte sie ja nicht gewußt, von wem das war und nun kann ich ihr das sagen. Beschreibe noch mal (mit Finger drauf zeigen), was drauf ist und wer alles beim Ständchen dabei war, da lächelt Mutti dann auch und freut sich wirklich nochmal im Nachhinein über diese liebe Geste. Ich hab mich ja gestern auch schon für Mutti bei den Schwestern bedankt, denn es ist gut möglich, dass Mutti bei der nächsten Schwester schon wieder vergessen hat, was von wem war. Mutti erinner ich nur lächelnd daran, dass es ja nicht von ungefähr kommt, dass man seine Geburtstagsgeschenke immer gerne beschriftet hat. Da muss Mutti grinsen. „Stimmt!“ – Wer kennt das nicht: Von wem war nochmal diese Obstschale?????
 
Und dann hole ich auch nochmal das Blumen-Flaggschiff von Elisabeth zu Mutti auf den Tabletttisch und auch das studiert Mutti nochmal ausführlich. Das Sehen ist ja doch sehr schwer für sie, aber mit „drauf zeigen“ und wortreich erklären „sieht“ sie dann doch noch eine Menge. Und findet es schön! Und nebenbei kann ich die Blumen noch wässern. Muttis Trinkbecher mit dem Schnabel ist nebenbei auch die perfekte Gießkanne für Blumen! Und keine Sorge, ich tunke den Schnabel nicht in die Blumenerde… ^^
 
Nach dem Frühstück – sogar mit einem halben Teelöffel von dem Quark, der aber dann nicht ihr Geschmack ist – mümmelt Mutti sich wieder gemütlich und schläfrig auf die Seite. Ich erzähle noch von der Fußball-WM mit Erinnerungen an einen Kindergeburtstag von mir, wo auf meinem Geburtstag auch so ein Highlight-Spiel war, noch mit Gerd Müller, Sepp Maier und Konsorten. „Mutti, wenn heute hier im Haus gegröhlt wird, nicht wundern. Heute spielt Deutschland!“ Mutti lacht!
 
Wenigstens weiß sie jetzt durch mich, dass sogar bei ihr im Haus ein WM-Kalender hängt: „Also Mutti, falls Du die neusten Spielstände wissen willst?!“ – Mutti grinst und tut so, als würde sie mit der Hand nach mir schlagen. Ein bißchen wie gestern, wo wir alle ausgelassen waren und Mutti lachend feststellte: „Ihr seid schon verrückt!“ – Ich konterte: „Aber man muss uns einfach liebhaben?!“ – „Oh ja!“ – „Und wir haben Dich lieb!“ sunny






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Amelu
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
495
Alter :
73
Ort :
im Saarland
Anmeldedatum :
11.11.15

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
So 17 Jun 2018, 23:31    © Amelu
Eine Antwort erstellen

Ach Aggi,

wie mich das freut, daß es eine gelungene Geburtstagsfeier geworden ist. Deine Mutti und Du, ihr seid mit der Zeit eine so feste Einheit geworden, daß ja eigentlich jedes Beisammensein eine Freude ist, so daß der Geburtstag wohl sowas wie ein Sahnehäubchen im Alltag war? 


Ich habe noch ein Büchlein aus Mutters Fundus, daß ich gerne Dir und Deiner Mutti schenken würde. Eigentlich bist nur Du und Aggimutti als neuer Besitzer dieses Buches eingefallen, auch weil mich Eure Innigkeit so sehr an die von Mutterle und mir erinnert. Ich schicke es dieser Tage weg, wenn mich mal meine innere Lethargie etwas berappeln läßt. 

Ich wünsche Euch noch viele schöne Geburtstage zusammen, Muttertag ist ja eh täglich, gell?


Eva
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 18 Jun 2018, 06:29    © Aggi
Eine Antwort erstellen

Liebe Eva,

Du kannst es so schön ausdrücken:

Amelu schrieb:
Deine Mutti und Du, ihr seid mit der Zeit eine so feste Einheit geworden, daß ja eigentlich jedes Beisammensein eine Freude ist, so daß der Geburtstag wohl sowas wie ein Sahnehäubchen im Alltag war? (...) Muttertag ist ja eh täglich, gell?

fast so ähnlich, wenn auch nicht wortwörtlich, hatte ich vorher schon mit Mutti drüber gesprochen, dass wir doch jeden Tag "schön" haben und so und auch zum Muttertag (wo Mutti doch auf dergl Feiertage keinen Wert legt), dass doch JEDER Tag Muttertag ist. Entweder so oder gar nicht. Und das fand Mutti so schön! I love you

Jahr um Jahr hab ich jetzt das Glück, dass Mutti dann auch nach ihrem Geburtstag immer feststellt, dass alles "schön unkompliziert" war! So hat sie es am liebsten. Mit den Menschen, die sie liebt und viel Lächeln und Lachen dabei.

Und dies Jahr bei meinen Vorbereitungen für Muttis Geburtstag musste ich intensiv daran denken, wie Du beschrieben hast, wie Du zum 100sten Deines lieben Mutterle schon Monate im Voraus gemacht und getan und mit dieser Liebe zum Detail alles so schön vorbereitet hast. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass auch ein bißchen so schön hinzubekommen, wie Du es hier mit uns geteilt hast!  rose


Amelu schrieb:
Ich habe noch ein Büchlein aus Mutters Fundus, daß ich gerne Dir und Deiner Mutti schenken würde. Eigentlich bist nur Du und Aggimutti als neuer Besitzer dieses Buches eingefallen, auch weil mich Eure Innigkeit so sehr an die von Mutterle und mir erinnert. Ich schicke es dieser Tage weg, wenn mich mal meine innere Lethargie etwas berappeln läßt.

Whow! Liebe Eva, das wäre mir eine Ehre! Ich würde es hüten wie meinen Augapfel und Mutti erinnert sich ja immerzu an Dich, wenn ich von Dir erzähle. Ich erwähne dann jedesmal, wie alt Deine Mutter geworden ist und dann lächelt Mutti immer so schön, weil sie sich erinnert: "Oh ja!"

Jetzt wünschte ich noch, ich wüßte was, gegen Deine innere Lethargie, aber ich kämpfe ja selbst gegen dies Gefühl, immerzu müde zu sein ... schätze, wir brauchen Zeit und Sonnenschein ... sunny

Eine liebe Umarmung für Dich!  umarmung
Deine Aggi






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
kamia
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1445
Ort :
Niedersachsen
Anmeldedatum :
19.03.12

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 18 Jun 2018, 13:35    © kamia
Eine Antwort erstellen


Zitat :
schätze, wir brauchen Zeit und Sonnenschein ...

bittesehr.....hoffe es hilft auch






liebe Grüße
Karin

Schau nach vorne, nicht zurück, in deinen Händen liegt das Glück!
Aber sagen wir mal ehrlich: manchmal ist es schon beschwerlich;
aber auf der Lebensleiter geht es immer wieder weiter!
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 18 Jun 2018, 15:51    © Aggi
Eine Antwort erstellen

kamia schrieb:
Zitat :
schätze, wir brauchen Zeit und Sonnenschein ...

bittesehr.....hoffe es hilft auch

Oh, Karin, auf der Sonnenuhr ist ja sogar der Mond zu sehen, stark!!! umarmung

Ich glaub, es wirkt schon, komme grade aus einem Tief und muss jetzt grinsen:
Jupp! Es wirkt! Wink

Danke, Du Gute! Ich wünsch Dir zuhaus alles, was Du Dir grad selber wünschst!
LG,
Aggi

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180618 Montagmorgen:

Ja nee, is klar … heute sollen die Dachdecker zu uns kommen, natürlich fängt jetzt der Regen an! ^^

Zehn vor acht im Heim kommt mir im Flur meine gute Seele Elisabeth entgegen, heute mit einem dickeren Pullover an. Sie schuddert, ist ganz schön frisch geworden. Auch ich hab heute statt Barfuss-in-Sandalen wieder Schuhe und Socken an. Elisabeth gibt mir noch Geld mehr für den Einkauf, die gute Meica-Currywurst für ihren Mann und noch Zigaretten. Insgeheim befürchte ich, sie verschenkt die meisten Schachteln, ihr großes Herz ist einfach grenzenlos!

Bei Mutti richte ich dann erstmal die lieben Grüße von Elisabeth aus. Mutti muss unwillkürlich grinsen, freut sich aber aufrichtig. Mutti meint auf meine Nachfrage, ihr Sonntag war gut! Sonst erzählt sie nichts und ich gehe davon aus, von der Verwandtschaft hat sich niemand sonst blicken lassen. Ich denk schon, dass hätte sie sich gemerkt. Aber Mutti ist, außer, dass sie etwas matt wirkt, gut gelaunt, und das ist die Hauptsache!

Ich bring sie erstmal zum Lachen, weil ich ihr erkläre, ich muss mein Verhältnis zu meiner linken Hand verbessern: „Guck mal, Mutti, schon wieder ein Schnitt. Jetzt im Zeigefinger…“. Nach einem „Ooooooch“ fragt Mutti, „Wie das?“ und ich kann ihr erklären, warum man beim Fleisch schneiden besser Messer UND Gabel benutzt, und nicht die linke Hand … Mit meinen Faxen dabei weiß Mutti ja, dass es nicht so schlimm ist und sie lacht herzlich, weil ich erstmal meine arme, linke Hand abküsse und herze, wo die im letzten Monat jetzt dreimal von mir geschnitten wurde … und gelobe Besserung! Wie Mutti da amüsiert den Kopf schüttelt und mich angrinst – dafür würde ich mir glatt nochmal in den Finger schneiden, auch wenn das absolut keine Absicht war!

Mit Muttis Einverständnis mache ich heut früh dann die „Herzlichen Glückwunsch“-Girlande von der Wand – naja, Mutti erinnert sich grad auch gar nicht dran und fragt mich, sie wisse gar nicht, dass sie eine Girlande abmachen muss … Beim Frühstückstablett abholen verschenke ich die dann an Sr. Au., die ja in meinen Augen das große Bastel-Talent des Hauses ist. Die freut sich auch richtig und ich freu mich, dass sie sich freut!

Zum roten-Teller-Frühstück erzähle ich Mutti dann wieder von unserem Vortag, wie ich die Regentonnen in der Badewanne geschrubbt hab: „Mutti, DAS ging ja noch!“. Aber danach war die Badewanne voller schwarzer Streifen, die nur mühsam mit Scheuermilch und Schrubb-Dir-einen-Ast wieder weggingen … „Komisch, Mutti, wenn ich sowas putze, ist hinterher immer alles am Glitzern und am Glänzen, nur Deine Aggi sieht dann aus wie ein einziger Schweinigel…..“. Als Mutti ganz trocken antwortet: „Das glaub ich Dir sofort!“ fall diesmal ich lachend vom Stuhl! Und Mutti grinst, wie bei 6 Richtigen im Lotto!!!  Laughing

Bevor ich einkaufen fahre die ewige Frage, ob ich Mutti was mitbringen kann: „Och, ich hab doch alles.“ Sie denkt dann schon nach, ob ihr was einfällt. Das ist kein automatisches Abwehren. Und darum weiß ich, dass es so ist wie sie es sagt – es sei denn, mir fällt in den Läden was ein, wo ich dann meine, dass könnte sie gebrauchen. Mal lieg ich richtig, mal auch nicht.

Kurz, bevor ich los will, fällt mir mein Ohrwurm ein und ich setz mich nochmal zu Mutti: „Weißt Du noch, wie ich >Lieb Nachtigall wach auf< gesungen hab? Da meintest Du, das Lied hätte Opa geliebt.“ Mutti erinnert sich. – Und jetzt singe ich das Lied oft im Auto und bin mir bei der letzten Zeile unsicher. Also das Buch nochmal raus, nachlesen: Nö, stimmt, hatte die Strophe doch richtig. Und wo Mutti mich so interessiert anschaut, weiß ich, ich kann es nochmal für sie singen. Und lese in ihrem Gesicht, es gefällt ihr. Singe mit ihrer Erlaubnis auch noch die zweite und dritte Strophe. Hab ich, glaub ich, noch nie gesungen. Aber Mutti hört so andächtig zu. Selbst als ich mich bei der 3.Strophe versinge und mich korrigiere, stört sie das nicht.

Am Ende sag ich zu ihr: „Dein Papa war ein toller Mann. Und Du bist seine gute Tochter!“ Wie Mutti da liegt und lächelt und sich freut … das kann man nicht mit einer Kamera fotografieren, das sind Bilder, die gehen direkt ins Herz!

Dann noch einkaufen und dann kommen mir Elisabeth und Irmgard (Frau H.) im Flur entgegen. Irmgard hat eine Bitte, ob ich ihr mit ihrer Lieblingsstrickjacke helfen kann. Klar kann ich das. Hat sie neulich schon von erzählt. Geht in die Reinigung und kommt da statt hellblau doch in grau wieder raus, also nee, nee, nee. Also mit Irmgard in ihr Zimmer, wo Irmgard mir dann ganz traurig erzählt, sie wollte Samstag Mutti so gerne gratulieren und wurde nicht abgeholt ... da ist mir selbst zum Heulen, haben die Schwestern ihr versprochen, sie zum Ständchen mitzunehmen und sie vergessen...... Sad

Aber ich schaffe es, Irmgard zu trösten, weil Mutti sich ja schon so über das BlumenFlaggschiff gefreut hat und weiß, dass die beiden 8ten von Irmgard sind. "Du, und an das Ständchen kann Mutti sich eh nicht erinnern! Stell Dir das vor, liegt sie erschöpft im Bett und eine Schar quasselnder Weiber kommt da rein, schallt rum und singt dann noch aus voller Kehle - Mutti war so verwirrt, dass hat sie gleich wieder verdrängt. Sei froh, dass Du nicht dabei warst!" - Irmgard muss lachen und ich soll Mutti schön grüßen. Und Mutti, als sie diese traurige Geschichte hört, meint prompt: "Arme Irmgard!", was ich Irmgard beim Nachhause gehen dann noch ausrichte. Mehr Trost geht nicht und Irmgard IST getröstet!

Ich muss schon aufpassen, dass ich mich da nicht zerreibe, aber das sind eigentlich die erfreulichen Begebenheiten im Heim. Traurig wurde ich dann wieder zuhause, weil ich nicht aufhören kann zu grübeln, warum sich von der Familie sonst keiner blicken oder hören lässt. Als ich Mutti noch bei ihr zuhause pflegte, wurde ich schier wahnsinnig, wie oft alle zu Unzeiten am Telefon "nervten" und mich ausfragten, wie es Mutti ging und nur so mit mir plaudern wollten, als wäre ich nur zu diesem Zweck auf die Welt gekommen. Und jetzt, wo Mutti im Heim ist ... nischt mehr ... mir gehen die Techniken aus, mir diese Gedanken aus dem Kopf zu haun, scheinbar bin ich ein hartnäckiger Fall, der blöderweise an Wunder glauben möchte . . .






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Belle
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1105
Anmeldedatum :
16.05.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 19 Jun 2018, 19:49    © Belle
Eine Antwort erstellen

Aggi schrieb:


 Traurig wurde ich dann wieder zuhause, weil ich nicht aufhören kann zu grübeln, warum sich von der Familie sonst keiner blicken oder hören lässt.
 mir gehen die Techniken aus, mir diese Gedanken aus dem Kopf zu haun, scheinbar bin ich ein hartnäckiger Fall, der blöderweise an Wunder glauben möchte . . .

Ach Aggi, das mit der Familie ist ein seltsames Rätsel.... ich hab das auch aufgegeben. Ich versuche keine Erwartungen mehr zu haben, denn dann kann ich auch nicht enttäuscht werden. Das wäre auch für dich die Lösung. Mehr Egoismus an den Tag legen, für dich und Aggimutti.
Mach dein Ding weiter, so wie du es willst ist es richtig. Deine Mutti ist glücklich mit dir. So what??? Jeder Mensch hat seine eigenen Prioritäten. Deine sind von Liebe getragen. Das macht dich stark. Die Ängstlichen und Schwachen sind jene, die sich in verlegenen Ausreden suhlen und die nichts verstanden haben. Lass dich nicht runterziehen, hörst du!?
Nach oben Nach unten
felixx
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
257
Alter :
49
Anmeldedatum :
05.07.16

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 19 Jun 2018, 20:41    © felixx
Eine Antwort erstellen

Sehe ich genauso wie Belle!
Irgendwann, wenn deiner buckligen Verwandtschaft das Gewissen schlägt, immer zu spät, das nur nebenbei, dann hast du dir nichts vorzuwerfen!
Du tust das für deine Mama, für dich, für euch beide - das ist es, was zählt.
Und was die Geburtstagsfeier deiner Mama betriftt:Daumen hoch, alles richtig gemacht.!

Felixx






Nur weil es gerade schwer ist, darfst du nicht gleich aufgeben.
Es wird nicht einfacher, wenn du davor wegläufst.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 20 Jun 2018, 06:11    © Aggi
Eine Antwort erstellen

Liebe Belle und liebe Felixx,

ihr habt ja Recht und ich wunder mich im Prinzip über mich selbst, dass ich (scheinbar) immer noch an ein Wunder glaube... Embarassed - Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass Muttis Geburtstag mich nochmal irgendwie "weich" gemacht hat. War hoch-emotional für mich.

Hatte gestern mit der 94jährigen Irmgard ein interessantes Gespräch über den Tod. Man kann ja so darüber reden. Kein Problem. Da waren wir uns einig. Aber wir sahen auch, was es so schwer macht: Angst zum Beispiel. Und Traurigkeit. Oder Einsamkeit.

Da hat man seinen Kopf. Und da hat man sein Herz. Und ist gefangen zwischen Hoffen und Bangen...

Danke für Euer Mitgefühl! umarmung

LG,
Aggi

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180619 Dienstagmorgen:

Zehn vor acht am Heim steht draußen der Gärtner und fegt die neue Sitzecke. Jetzt stehen da Tische und Stühle. Mein erster Gedanke: Wo sollen die Rollstuhlfahrer hin? – Aber ich scherze mit dem Gärtner, ich müsse jetzt morgens wohl immer als erstes mein Handtuch auf einen der Stühle schmeissen, um ihn zu reservieren. Er grinst und erzählt, so was hat er in einem Urlaub tatsächlich von seinem Hotelzimmer aus beobachtet, wie die „Deutschen“ morgens um fünf schon zu den Liegen stürmten und sie mit ihren Handtüchern markierten. Wie gut, dass wir nicht so sind! Das ist doch kein Urlaub.

Drinnen stosse ich auf meine gute Seele Elisabeth, die erschöpft wirkt. Sie fragt mich als erstes, ob sie mir noch Geld für die Einkäufe schuldet. Keine Sorge, Elisabeth, wenn das so wäre, würde ich schon Bescheid sagen. Notfalls klammer ich mich an Dein Knie und jammer so lange, bis wir wieder quitt sind. Der Gedanke muntert Elisabeth auf und sie ermahnt mich, Mutti heute beim Frühstück mal nicht alles Brot wegzuessen. Ich tu so, als wäre ich enttäuscht, hätte mich doch sooo auf das Brot gefreut … wir gehen lachend auseinander.

Mutti ist matt heute Morgen. Aber freut sich über Elisabeths Gruß und muss lachen bei dem Gedanken, ich würde ihr das Frühstück „klauen“. Wir plaudern erstmal. Heute ist der Geburtstag ihrer Lieblingsnichte und ich sag, ich will sie heut Nachmittag anrufen, dann richte ich auch Grüße von Mutti aus. „Oh ja!“ – Und das die Dachdecker gestern nicht gekommen sind, dabei hat es wirklich nur genieselt. „Och neee…“.

Dann hör ich draußen den Gärtner und guck spontan raus und sehe, wie er auf einmal hektisch zu unserer Fensterseite läuft, ein dickes Insektenviech auf seiner linken Hand. Offensichtlich ist er gestochen worden. Ich sag Mutti kurz Bescheid, schnapp mir ihre Bepanthen Wund- und Heilsalbe und geh kurz durch ihre Terrassentür raus zum Gärtner. Ein patenter, taffer Mann, aber in diesem Moment doch leicht verstört. Ist da im Garten im Vogelhäuschen ein Wespennest. Hat er erst bemerkt, als er auf der Höhe den Busch beschnitten hat und der ganze Wespenschwarm raus ist und ihn attackiert hat. Einmal in den Hals und durch den Handschuh in den linken Zeigefinger. Er ist ganz dankbar über die Salbe. Die Stellen sind richtig dick und rot. Ich hoffe nur, die Salbe bringt was, was anderes hab ich ja nicht bei Mutti im Zimmer. Der Gärtner meint, er sei mal von einer Wespe in die Lippe gestochen worden und hätte das komplette Gesicht dick gehabt. Oh mann…

Als ich dann losgehe, Muttis Frühstückstablett holen, sehe ich im Flur die Pflegedienstleiterin und kann der gleich Bescheid sagen. Nicht dass noch Bewohner beim Spazierengehen gestochen werden. Sie wird den Hausmeistern Bescheid sagen, die kümmern sich drum. Und die Stunde bei Mutti sehe ich zumindestens nicht, dass der Gärtner draußen ohnmächtig wird. So was Blödes.

Mutti erzähle ich natürlich alles, mache heute auch mal die Fenster zu, sonst sind die immer auf Kipp. Bleibt uns also im Raum nur noch die blöde Stubenfliege. Mutti: „Diese dummen Dinger!“

[Kiek, auch dafür ist ein Tagebuch gut: Bin grad aufgestanden und hab mir für morgen eine Fliegenklatsche rausgelegt. Im Gegensatz zu meinem Kl.Bruder kann ich Fliegen nämlich nicht mit der Hand fangen. ^^]

Mutti kann ich dran erinnern, wie wir in ihrem Haus mal ein monstermässiges Hornissennest auf dem Dachboden hatten. Bezaubernd schön und gleichzeitig beängstigend, obwohl es sichtlich längst leer war. So ein Gebilde, das man sich sogar dekorativ und etwas monströs an die Wand hätte hängen können. Wegen dem Faktor „beängstigend“ aber nicht gemacht.

Und ich kann Mutti auch dran erinnern, auch dass weiß sie noch, wie auf ihrem Schlafzimmerbalkon, als der neu gemacht werden sollte, der Handwerker Reissaus nahm, weil er bei den Bauarbeiten ein Wespennest entdeckte. „Der nahm nur noch die Beine unter die Hand und alles, was man von ihm sah, war eine Staubwolke.“ beschreibe ich es Mutti. Sie grinst, nickt und meint: „Mit Insekten kann nicht jeder.“

Nach unserer Stunde gehe ich noch rüber zu Irmgard. Elisabeth hatte mich morgens drum gebeten, weil Irmgards Handy die Nacht schon wieder gepiept hat. Ich hab keine Ahnung, wieso. Weil es Tag und Nacht in der Ladeschale steht, aber nie benutzt wird? Auf alle Fälle kann ich es komplett abstellen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Irmgard sei schon am Überlegen, wie sie wieder gut machen kann, dass ich ihre Strickjacke wasche. So hab ich ihr das Problem mit dem Handy endgültig gelöst und gesagt, ich schäme mich deshalb so, sie habe jetzt noch mindestens 7x Strickjacke-waschen gut bei mir. Das war dann in Ordnung. Dafür hab ich jetzt eine Einladung zu ihrem Geburtstag nächsten Monat. ^^

Nochmal zu Mutti, die heute aber wirklich ganz schön schläfrig ist. Noch ein bißchen geklönt, dann noch kurz einkaufen und kaum komme ich aus dem Laden, habe also erstmal alles im Dorf erledigt, fangen diese Kopfschmerzen wieder an. Ich hasse das! Zuhause erstmal wieder eine Tablette, später wird es dann besser. Wie gut, dass es Chemie gibt....






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
kamia
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1445
Ort :
Niedersachsen
Anmeldedatum :
19.03.12

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 20 Jun 2018, 13:58    © kamia
Eine Antwort erstellen

Zitat :
sehe ich zumindestens nicht, dass der Gärtner draußen ohnmächtig wird. So was Blödes.

affraid aber Aggi.. unschuldig   lachen






liebe Grüße
Karin

Schau nach vorne, nicht zurück, in deinen Händen liegt das Glück!
Aber sagen wir mal ehrlich: manchmal ist es schon beschwerlich;
aber auf der Lebensleiter geht es immer wieder weiter!
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 20 Jun 2018, 14:40    © Aggi
Eine Antwort erstellen

kamia schrieb:
Zitat :
sehe ich zumindestens nicht, dass der Gärtner draußen ohnmächtig wird. So was Blödes.

affraid aber Aggi.. unschuldig   lachen

lachen ... erwischt, liebe Karin, da haste mich eiskalt erwischt! lachen lachen

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180620 Mittwochmorgen:

Jo, heute soll das Wetter nochmal gut sein und die Dachdecker endlich kommen. Schaun wir mal. Jedenfalls steht zehn vor acht am Heim mal wieder meine gute Seele Elisabeth schon draußen zu Rauchen. Grinst mir schon von weitem entgegen. Ich hab die TV-Zeitung für sie und sie erzählt, dass sie sich um „meinen Freund“ sorgt. Er sei gestern immer stiller und stiller geworden und habe nur noch geschlafen. „Er nervt ja so oft mit seinem ständigen Gequake, aber als er dann auf einmal ganz still wurde, hab ich es vermisst.“ meint Elisabeth. – Mir war gestern beim Gehen schon aufgefallen, dass er sehr wehrig war. Sr. N. stand vor ihm und versuchte, ihn irgendwie zu beruhigen und er streckte ihr nur in einer Tour die Zunge raus. Als ich auf die beiden zuging, sah ich schon, wie Sr. N. angespannt war und ging spontan zu ihm in die Hocke, nahm seine Hand. Gleich war er wie verwandelt. Das einfache Wunder der Ablenkung. Sr. N. klopfte mir dankbar auf die Schulter und konnte weiter gehen und mir streichelte mein Freund ganz lieb und strahlend immer wieder über den Kopf: „Du hast so schönes, glattes Haar!“ Kurz drauf stellte ihm Sr. G.einen kleinen Teller mit leckeren Keksen hin. Mein Freund: „Mit Speck fängt man Mäuse!“ (Doof ist er ja nicht!). Nahm aber gleich einen in die Hand und fing schon an zu lächeln. Da konnte ich mich auch verabschieden.

Hoffentlich geht es ihm heute besser. Ja, er kann nerven. Aber er kann nichts dafür und er kann umgekehrt auch so lieb sein… und ein andermal so traurig…  I love you

Von Elisabeth weiter zu Mutti, die sich über Elisabeths Grüße freut. Dann zeig ich Mutti die alte Fliegenklatsche. Ist noch aus dem Sortiment von Paps. Werbeartikel. Mal wieder was mit seinem Namen drauf. Gosh, haben wir diese Sachen gehasst und geliebt. Schon als kleines Mädchen habe ich mir sooooo ein T-Shirt gewünscht, wo mal keine Werbung drauf steht….

Mutti grinst. Ist eine dieser Klatschen mit einem Loch in der Mitte: „Gib der Fliege eine Chance.“ Den Spruch kennt sie noch, sagt ihn mit mir auf. Das Ding hat eine gute Qualität, geht einfach nicht kaputt, obwohl die Klatsche auch schon asbachuralt ist. Und nun hängt sie bei Mutti an der Tür für die nächste Stubenfliege.

Das aber morgen Sommeranfang sein soll, ist Mutti nicht klar. Mit dem Datum 21.Juni kann sie nichts anfangen und ich frag mich bei ihr, wechselt das nun von Jahr zu Jahr, zweifel schon an mir selbst, so bestimmt meint Mutti: „Ich glaub nicht, dass Sommeranfang am 21ten ist.“ Klares 1:0 für Mutti! ^^

Erstmal Frühstück holen, bevor Mutti noch mehr Lücken in meiner Allgemeinbildung entdeckt …  Embarassed

Und diesmal ist der Brotteller so vollgelegt, dass ich entscheide, heut früh den roten Teller wegzulassen. Die Marmeladenstücken liegen derart übereinander, das gäbe nur eine Sauerei. Dann kann ich mal gucken, ob es einen Unterschied macht.

Und das tut es. Nicht viel, aber spürbar. Heute schiebe ich wieder die ganze Essenszeit Brotstücke in Muttis Handrichtung. Versuch das immer unbemerkt oder spielerisch oder so. Einmal meint Mutti, ich könne gerne noch mehr von dem Brot nehmen. Da muss ich grinsen. In diesem Leben wird Mutti nicht mehr verstehen, dass einer (wie ich) nicht frühstückt! Sag ich also: „Mutti, für Dich würde ich durchs Feuer gehen. Bloss Frühstücken wohl eher nicht, sei mir nicht bös!“ Da muss sie lachen! Das Thema haben wir ja ungefähr jeden zweiten Morgen, dass ich doch die bin, die nicht frühstückt. Und Mutti dann meist: „Versteh ich nicht.“ Oder ähnlich.

Nach dem Brot ist Mutti aber auch rechtschaffen kaputt und ich sag mal wieder zärtlich: „Essen ist auch Arbeit.“ – „Oh ja!!!“ Sie ist richtig alle. Essen IST Arbeit. Aber es schmeckt ihr gut, sie will auch nichts anderes. So, wie es ist, ist es gut für sie. Nur ist sie nach dem Essen eben richtig müde.

Aber ich darf ihr hinterher nochmal die Haare kämmen. Das hat die Schwester heut früh wohl nicht geschafft und Mutti geniesst es. Ich auch. Klöne dabei mit ihr über die Fußball-Weltmeisterschaft. Hab vorher den Zimmernachbarn und seinen Neffen darüber reden hören. Samstag spielen die Deutschen wieder. Mal gucken, was das gibt. Und nochmal die Geschichte, wie ich bei der WM 2014, als wir noch unsere Schäferhündin Mana hatten, etwas Wichtiges lernte: Sonst guck ich ja kein Fußball, Mutti. Aber bei einer Weltmeisterschaft ist ja alles anders. Und da liegen wir dann alle vor dem Fernseher. Mein Mann und ich auf dem Sofa und die Mana auf dem Boden mit dabei und dann war irgendwas, keine Ahnung, vergessen, jedenfalls brülle ich aus vollem Hals: „Neeeeeeeeeeeeeeiiin!!!“ … und dann hatten wir den Salat: Hat unser Morkeltier das gellende „Nein!“ doch auf sich bezogen. Weil „Nein!“ heisst für sie, sie hat was falsch gemacht. Oje-oje-oje, da sass ich aber Zack! bei ihr auf dem Boden und musste sie erstmal wieder zufrieden kraulen. Hab ich Dussel mich geschämt!

Mutti ist die ganze Geschichte richtig fasziniert bei mir. Ich kann sehen, wie sie uns vor Augen hat. Und die Mana. Sie fragt nach, wann Mana nochmal gestorben ist. Ich hatte sie ja, so oft sie noch die Treppe zu Mutti hochkonnte, mit dabei. Waren schöne Stunden, wir drei Frauen zusammen bei Mutti im Wohnzimmer. Hat Mutti nicht vergessen. Mana konnte ja mit Männer aggressiv sein wie ein Hooligan. Aber bei Mutti war sie immer friedlich. O.k., die erste halbe Stunde noch nervös. Und dann legte sie sich mit ihrem typischen Seufzer ab. Sie war Balsam für die Nerven, diese verrückte Hündin, die sonst der pure Stressfaktor sein konnte. Aber bei Mutti hatte sie die Ruhe weg. Wenn wir zu dritt waren. Auch als Mutti dann nur noch im Bett lag und Mana erst noch die Treppe schaffte. Immer zuerst zu Mutti ans Bett und sie mit ihrer Delphinschnauze erstmal anstupsen. "He Du, alles klar?" - War immer süß zu sehen, wie meine Mutti, die, solange sie uns Kinder im Haus hatte, nie einen Hund für uns akzeptierte, auf Mana reagierte. Und umgekehrt. I love you






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 21 Jun 2018, 13:57    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180621 Donnerstagmorgen:

Sommeranfang. Es regnet. ^^ Mal gucken, ob die Dachdecker heute bei uns weitermachen

Kurz vor acht am Heim steht meine gute Seele Elisabeth draußen. Sieht gar nicht gut aus. Hat starke Schmerzen in der rechten Schulter, aber keine Ahnung, woher. Vielleicht falsch gelegen oder weil sie ja mit der rechten Hand die meisten Sachen macht? Wär schon seit Mitternacht wach. Hätte dann um vier Uhr früh der Nachtschwester Bescheid gesagt, aber noch kein Schmerzmittel genommen, gewollt. Erstmal heute Morgen ihren Mann versorgt … Ich denk nur, oh mann … und sage, Du solltest Dich aber versorgen lassen, besser wird es doch nicht. Elisabeth zuckt die Achseln. Da kommt Sr. N. mit einem Becher Novalgin zu uns raus. Elisabeth trinkt die direkt. Sr. N. schüttelt sich, ist doch kein Wasser zum Nachspülen dabei. Ich denk nur, hättest ja in der freien Hand ein Glas Wasser mitbringen können… Wurscht, nobody’s  perfect, ich am wenigsten. Liegt wohl daran, dass Irmgard mir gestern erklärt hat, wie wichtig es ist, zu lästern?!

Das mit Elisabeth macht mich traurig. Aber erstmal weiter zu Mutti. Die liegt ganz schläfrig auf der Seite. Irgendwie ist heut ein trüber Tag. Ich richte die Grüße von Elisabeth aus und erzähle von ihrer Schulter. „Ach menno!“ und, wie das denn kann? Dann lenke ich Mutti aber bewusst ab mit unserer Dachdeckergeschichte, die ja nun gestern immerhin das Gerüst aufgebaut haben. Und wie dann abends unser Vermieter zwei große Anhänger mit seinem Trecker vors Haus gestellt hat. Für die Dachpfannen. Und erstmal selbst aufs Gerüst geklettert ist. Obwohl er manchmal vor Schmerzen in seinen Knien kaum noch laufen kann. Aber er blüht bei solchen Aktionen immer richtig auf. Mit einem Augenzwinkern warten mein Mann und ich schier auf den Moment, wo die Handwerker klingeln, ob wir unseren Vermieter mal beschäftigen können, er wäre nicht von der Baustelle abzuhalten… ^^

Nicht falsch verstehen. In erster Linie machen wir uns Sorgen um seine Gesundheit! Daneben können wir uns keinen besseren Vermieter wünschen.

Mutti findet das alles jedenfalls sehr spannend. Hab ich wohl von ihr geerbt dies Interesse an solchen handwerklichen Arbeiten. Und wie gerne wir beide, wenn möglich, mit den Handwerkern schnacken. Man lernt immer was dazu! Und es macht Spaß! Muttis Augen leuchten regelrecht. Wenn ich so nachdenke, haben die Handwerker, die wir im Laufe unseres Lebens so im Elternhaus haben, Mutti immer mit größerem Respekt behandelt, als ihr eigener Ehemann, der so versessen darauf war, was Besseres zu sein.

Zum Frühstück gibt es heute Himbeermarmelade. Eine ganze Scheibe plus eine halbe mit Käse. Und ein Schälchen Obstquark. Mit dem Frühstück starten wir gegen zehn nach acht, fünf nach halb neun kommt die Schwester, die gucken will, ob Mutti schon fertig ist. Das wundert mich immer. Die Schwester meint nur freundlich abwinkend, sie habe nicht gewusst, wann ich heute gekommen sei und geht gleich wieder. Kein Problem. Aber ich denke so, Mutti braucht bestimmt noch bis zehn vor neun, bis sie fertig ist. Wissen die das gar nicht? (Solange dauert es dann auch tatsächlich noch, Mutti schafft das ganze Brot, aber halt Stück um Stück – finde ich ganz normal.)

Süß noch am Rande: Beim Tablett holen bringe ich Irmgard noch rasch ihre gewaschene und aufpolierte Strickjacke. Die liegt grad auf dem Bett und als sie mich mit ihrer Jacke reinkommen sieht, reißt sie vor Freude beide Arme hoch und jubelt! Das geht direkt ins Herz! Ich biete ihr an, dergl gerne auch öfter für sie zu machen. Für mich ist das keine Arbeit. Gehört ganz ehrlich zu den Dingen, die ich sogar gerne mache. Aber Irmgard winkt ab. Sie könne mich doch nicht zu ihrer Waschfrau degradieren. Fragt aber nach, ob das ausgestellte Handy noch piepen kann. – O.k., DAS kann nun wirklich keinen Ton mehr von sich geben. Piept da etwa was ganz anderes in ihrem Zimmer? Ich frag sie wegen ihrem Festnetztelefon und Irmgard meint, davon hat sie überhaupt keine Ahnung. Oder vielleicht piept ja der Fernseher, meint sie. – Rätselhaft, aber nun weiß ich, dass das Handy evt. unschuldig ist. Weiter beobachten.

Mutti ist heut Morgen sehr still. Aber nicht unzufrieden. Ich erzähle halt von meinem Vortag. Wie wir noch vor den Dachdeckern, die erst mittags kamen, geschafft haben, nochmal alle Rasen zu mähen und vorne noch schnell die wuchernden Sträucher an der Straße zu schneiden. Mutti lächelt. Und wie dann die Nachbarin kam und mir selbstgemachte Kirschmarmelade schenkte. Mutti grunzt zustimmend. Sonst animiert sie dergl schon mal, selbst was zu erzählen. Z.B. vom Marmeladeeinkochen oder so. Aber sie hat mir ja auch beigebracht, dass man auch gemeinsam schweigen kann. Alles gut.

Am Ende merk ich aber noch, dass sie sich sogar freut, als ich frage, ob ich ihr nochmal die (ungekämmten) Haare kämmen darf. Das mag sie. Und ich auch. I love you

Jo, und während ich jetzt hier zuhause sitze und das hier tippe, fliegen die ersten Dachziegel vom Dach. Die Dachdecker haben kurz vor acht angefangen. Es geht voran! Auch mit dem Regen.






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 22 Jun 2018, 14:18    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180622 Freitagmorgen:

Turbulenter Morgen, nachdem ich ca. viertel vor sieben feststellte, dass es nicht nur draußen am Schütten war, nein, es regnete zur Abwechslung auch mal bei uns im Wohnzimmer… Die Dachdecker hatten vorne an der Hausseite gestern die alten Dachpfannen runter und bis abends die Plane aufgezogen. Sollte halten. Hielt auch, bis auf ganz vorne, wo es dann in unseren Rolladenkasten siffte… Erst dachte ich noch, was ist das denn für ein Geräusch im Fernseher? Ton ausgestellt und dann realisierte ich blitzschnell in Zeitlupe, nein, es regnet hier drinnen, genau vor der Heizung, aber wenigstens von oben ...  No

Naja, ist ja nur Wasser. Hat mich aber doch so weit aufgehalten, dass ich mich mal nicht richtig waschen konnte und erst um acht im Heim bei Mutti war.

Da strahlte mir schon die Pflegedienstleiterin entgegen: „Ach, da kommt ja auch die Aggi!“ meinte sie zu Mutti. Die gar nicht bemerkt hatte, dass ich heut mal zehn Minuten später dran bin. Die PDL war fertig und verabschiedete sich und dann musste ich direkt die Jalousien runter ziehen, weil jetzt die Sonne so stark schien, dass sie Mutti blendete. Dafür war's fünf Minuten später so duster, dass ich das Licht anmachen musste. Wenn ich erstmal Präsident der Welt bin, mach ich das Wetter mal ein bißchen gleichmässiger ...  Wink

Mutti erstmal von meinem Bade-Abenteuer im Wohnzimmer erzählt! Und das ich jetzt hoffe, die Dachdecker bleiben heute mal weg, weil es ja noch weiter regnen soll. Mutti muss schon grinsen, wie ich so erzähle, wirkt aber recht matt. Ich hoffe seit Tagen, dass es einfach nur am Ösel-Wetter liegt.

Als ich dann das Frühstück geholt hab, erzähle ich Mutti von unserm Tante-Emma-Laden im Dorf. Hole aus, wie blöd das hier in ihrem Ort ist, wo der Supermarkt mal wieder alles umgeräumt hat. Da scharen sich jetzt schon ratlose Grüppchen auf der Suche nach „Wissen Sie, wo jetzt das Katzenfutter steht?“ – Oder mich eine alte Dame am Ärmel zupft: „Entschuldigung! Sie wissen nicht zufällig, wo ich jetzt die Bügelstärke finde??“

Mutti hat das auch immer gehasst, wenn der geliebte Einkaufsladen mal wieder alle Regale umgeräumt hat, damit die Kunden mehr einkaufen. Schüttelt auch jetzt gleich den Kopf. Stimmt mir zu, dass man doch gar nicht mehr einkauft … ich kann sie richtig vor mir sehen, wie sie früher in ihrem K&K noch selber einkaufen war…

Und dann erzähle ich von unserem Tante-Emma-Laden hier im Dorf. Da bleibt alles immer an Ort und Stelle. „Mutti, wie früher bei M.!“ Mutti strahlt in Erinnerung an diesen Tante-Emma-Laden im Heimatort! Das waren noch Zeiten! Und bei uns im Dorf ist auch immer Zeit für einen Klönschnack. Ich imitiere für Mutti so ein paar Sätze auf plattdeutschem Schnack und sie lächelt. Wird sogar redselig: „Dafür muss doch immer Zeit sein!“ Findet es schade, dass es das immer weniger gibt. „Keine Sorge, Mutti, bei uns aufm Dorf gibt’s das noch!“ Und Mutti freut sich!  Very Happy

Sie versucht, noch was zu sagen, findet die Worte aber nicht. Kauderwelscht und ich kann es auch nicht erraten, weil mir die wenigen Worte keinen Anhaltspunkt geben. Aber ich nehme ihre Hand und halte und drücke sie kurz. Das scheint eine gute Antwort zu sein. Mutti lächelt.

Und ich kann ihr erzählen von der lieben Eva: „Weißt Du noch, Mutti?“ Und Mutti erinnert sich an Eva, wegen Eva’s Mutter, die über hundert Jahre alt wurde, das hat Mutti nicht vergessen und lächelt. Das Eva mir vielleicht ein Buch über Kräuterkunde schenkt. Da strahlt Mutti auch. „Das ist schön!“ Mir bedeuten diese drei Worte viel und genauso, dass Mutti sich immer wieder an meine „Freundinnen“ hier aus dem Forum erinnert, wenn ich Namen und kurze Beschreibungen sage. Später ruft mich zuhaus mein Kl.Bruder an. Der bestätigt das gleich. Ist ihm auf Muttis Geburtstag auch aufgefallen, als ich da die Grüße aus dem Forum ausgerichtet hab!  I love you

Probehalber erzähle ich Mutti, wie herrlich ich es gestern fand, als unser bester Vermieter von allen mir gestern erzählte, das ja nun am Wochenende Schützenfest bei uns ist. Hatte ich gar nicht mitgekriegt (ist nicht so meine Welt...). Und was er bis dahin alles schaffen will. Ich war mit draußen, ein paar Handreichungen machen. Und dann drehte er sich zu mir und meinte trocken: "Bloß Montag, da mach ich nichts. Da bin ich blau."

Mutti muß lachen, als sie das hört und ich bin glücklich! Ihr Mann, der ja mein Vater ist, war Alkoholiker. Akzeptierter Alkoholiker, falls es das gibt. Er selbst hat es abgestritten, aber zum Schluß hat er kaum noch was vertragen und war so schnell betrunken, dass sich das in die Kneipe gehen kaum noch lohnte... Damoklesschwert Alkohol in der Familie. Kann tiefe Narben hinterlassen.

Aber hier jetzt bei der Episode mit meinem Vermieter muss Mutti ganz normal einfach nur lachen. Dieser Mann ist nicht gefährdet, Trinker zu werden. Aber Schützenfest-Montag: "Da bin ich blau." Isso. *gg* Einfach nur liebenswert. Und das hat Mutti gleich in den richtigen Hals bekommen. Ich hab ja schon viel von ihm erzählt! Auch Mutti hält hohe Stücke auf ihn.

Die letzten Tage bin ich die, die Mutti zum Abschied sagt, ich würde auch meinen Mann von ihr grüßen. Daran merke ich auch, dass sie immer schläfriger wird. Wenn ich das sage, freut sie sich immer und sagt gleich, das ist gut, grüß ihn lieb von mir! Und dann sag ich immer, er wird sich freuen! Weil es so ist.






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Lavendula
Hat sich hier schon eingelebt
Hat sich hier schon eingelebt
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
58
Alter :
49
Ort :
Am Rhein
Anmeldedatum :
07.10.10

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 22 Jun 2018, 14:28    © Lavendula
Eine Antwort erstellen

Hallo liebe Aggi,

ich hinke mal wieder ewig hinterher mit Deinem "Fortsetzungsroman", der schon richtig spannend zu lesen ist. Und es gibt sogar jeden Tag eine neue Folge, wie bei einer Daily Soap!  cheers
(ist absolut nicht abwertend gemeint, ganz und gar nicht, ich denke Du verstehst das ja als Spaß)

Nein ehrlich, mir geht jedes Mal das Herz auf wie Du über deine täglichen Erlebnisse mit Deiner Mutter und den Heimbewohnern bzw. Personal schreibst. 
Und es freut mich sehr, dass Deine Mutter so einen tollen Geburtstag hatte.  Nachträglich auch von mir noch alles Gute!

Ich war die letzten Tage nicht online weil es mir nicht gut ging, ich war total neben der Spur und körperlich wie geistig komplett blockiert.  Heute geht es wieder einigermaßen, aber ich bin froh wenn ich grad das notwendigste erledigt kriege und mich um meine Mum kümmern kann.   Mad
Dabei wollte ich Dir schon lange noch auf deine anderen Beiträge geantwortet haben, aber ich kriege es irgendwie nicht auf die Kette. 

Aber zu deinen Migräne- und Kopfwehproblemen wollte ich schnell was schreiben: ich kämpfe auch schon seit sehr vielen Jahren damit.  Über Jahre hatte ich mehrmals pro Woche Migräne und Kopfweh, und entsprechend oft habe ich Tabletten eingeworfen.  Damit hab ich mir den Magen komplett kaputt gemacht und nehme jetzt nur noch im äußersten Notfall was ein.
Was aber zum Glück seltener geworden ist, weil ich meine Attacken um 95% reduzieren konnte. Und zwar habe ich rausgefunden, dass es bei mir zum größten Teil an Histamin liegt, das ich über die Nahrung zu mir nehme, sowie an Zusatzstoffen in Lebensmitteln bzw. Fertigprodukten.  Vor allem Sulfite, Konservierungsstoffe allgemein, aber auch bestimmte Farbstoffe lösen bei mir schon in Spuren böse Anfälle aus!
Ich muss tierisch aufpassen was ich esse und einkaufe, und es rächt sich sofort wenn ich das mal nicht tue.
Und man glaubt gar nicht, wo sich dieses Zeug überall versteckt, ohne dass man darüber nachdenken würde!  Evil or Very Mad

Weiterhin habe ich gemerkt, wenn ich mal eine Tablette nehme, dann habe ich davon zwei weitere Tage Probleme. Denn die schlagen mir auf den Magen, was wiederum bei mir zu Kopfweh führt!  Das klingt verrückt, ich weiß, aber ich habe das inzwischen wirklich gemerkt und es ist Fakt.  Mir verkrampft sich der ganze Bauch und das wirkt sich über den Rücken bis in den Kopf aus.

Wahrscheinlich hast Du in Deinem geplagten Leben schon viele Tipps erhalten von Leuten die dachten sie erzählen Dir was schlaues.  Wink   Und sicher hast Du auch schon selber vieles ausprobiert um Linderung zu finden.
Aber ich denke, dass viele Leute überhaupt nichts von Zusammenhängen kennen zwischen dem was sie zu sich nehmen und ihren Problemen, und ich kam auch nur langsam auf den Trichter durch ewig lange Recherchen und Selbstbeobachtung.  Gott sei Dank, kann ich nur sagen, denn seitdem geht es mir wenigstens dahingehend besser.
Naja, und ich möchte meine Erfahrungen eben gerne weitergeben, in der Hoffnung, dass es dem ein oder anderen auch helfen kann.  Denn es gibt nicht viele Informationen dazu, es sind eigentlich Glückstreffer wenn man mal was dazu findet, was die eigenen Beobachtungen bestätigt.  
Allerdings zum Histamin gibt es schon viel Info. Meistens bezieht sich die auf Magen-Darm oder Heuschnupfen-Allergieprobleme, aber Kopfweh/Migräne ist auf jeden Fall auch ein klassisches Symptom.  Auch verzögert tritt das auf, bei mir meistens so etwa 12-24 Stunden nach dem Verzehr. 

Falls die Info nichts für dich sein sollte, bitte einfach verwerfen ... ich bin da wie ein Warenhaus: ich biete alles an, aber was er sich aus dem Regal nimmt entscheidet jeder selber.   Wink
Wenn es interessieren sollte stehe ich für Fragen jederzeit zur Verfügung.

Alles Gute, 
Betty






Liebe Grüße,
Betty


Ultra posse nemo obligatur - Jenseits des Könnens ist niemand verpflichtet
Nach oben Nach unten
Belle
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1105
Anmeldedatum :
16.05.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 22 Jun 2018, 14:46    © Belle
Eine Antwort erstellen

Aggi schrieb:

Naja, ist ja nur Wasser.

Das mag schon sein, aber auf die Menge kommt es an, dann ist es auch schon mal eine Naturgewalt!!!

Das was du über die Tante Emma Läden bei euch schreibst finde ich nett, so etwas fehlt bei uns total!! Kann ich mir richtig vorstellen, so ein täglicher Tratsch...andererseits hat die Anonymität der Großstadt auch manchmal Vorteile Cool 

Wünsche dir einen trockenen Nachmittag winke
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 23 Jun 2018, 05:08    © Aggi
Eine Antwort erstellen

Liebe Betty,

hab mich grad über Deinen langen Brief gefreut (ja, Mutti sag ich immer, ich bekomme hier Briefe, das versteht sie besser und inzwischen finde ich das selber schön!).

Mach Dir keinen Kopf über Dein Tempo - das ist doch das Gute an diesem Forum, dass wir nicht gezwungen sind, täglich anwesend sein zu müssen, sondern so, wie wir können und wollen hier sein dürfen.  I love you

Musst mal Deine schöne Signatur lesen: Ultra posse nemo obligatur!


So, und Du also auch ein Kopfschmerziker ... das tut mir leid! Aber eine Histaminintoleranz kann ich bei mir ausschliessen, unter Vorbehalt. Man kann so was ja auch bekommen, während man älter wird.

Ich weiß von mir selbst, was ich essen und trinken darf, in dem Moment, wo ich es mir in den Mund stecke. Schätze, wenn man von kleinauf krank ist, wird man einfach von alleine sensibel für dergl. Dazu habe ich mein Leben lang schon gern welchen Sport auch immer gemacht, was mir auch extrem gut geholfen hat, auf meinen Körper zu hören, Signale zu erkennen und zu verstehen. Ein Prozess, der über Jahrzehnte ging und wohl nie abgeschlossen sein wird, da ich mich mit zunehmendem Alter ja weiter veränder.

Hauptursache meiner Kopfschmerzen sind und bleiben aber Stress. Positiver wie negativer. Dazu kommt Wetterfühligkeit. Verspannungen. Auch bestimmte Lebensmittel, die ich meist schon kenne und halt meide. Aber als Sensibelchen wird das wohl mein Wegbegleiter bleiben. Immerhin sind meine Migräneanfälle inzwischen seit meiner Verrentung, meinem Ehemann und das mir mein vorletzter Neurologe ein Anti-Epileptikum zur Migräneprophylaxe empfohlen hatte, nicht mehr so krass wie früher, wo ich mir immer gewünscht hab, die Tür geht auf und einer kommt rein und erschiesst mich...

Und ja, auch mein Magen ist längst in Mitleidenschaft gezogen. Aber da weiß ich ja auch von meiner Mutti, dass es ein familäres Problem ist. Sie hat es bis zu Magenblutungen "geschafft" und ich hoffe, dass Übel wenigstens bleibt mir erspart.

Für Dich hoffe ich, Du findest auch noch für Dich und Deine Mum Euern Weg, mit dem ihr beide "zufrieden" leben könnt.

Das Du auf Dich Acht geben musst, brauch ich Dir nicht zu sagen. Umso mehr hab ich mich über Deine Zeilen gefreut!  rose



Und liebe Belle,

ja, die Tante-Emma-Läden ... irgendwie mache ich eine Zeitreise mit Mutti und finde das schön! Meine Werte verschieben sich. Früher hatte ich den Traum, nach Australien auszuwandern. Heute liebe ich diese Augenblicke der Ewigkeit, wo ich ein ehrliches Lächeln sehe, eine Hand, die kurz eine andere streichelt oder ein einfaches Nicken.

Und ich sage meinem Mann jeden Tag, wie sehr ich ihn liebe - falls mich die Marsmenschen entführen, soll er eine schöne Erinnerung an mich haben!

Euch beiden ein schönes Wochenende! sunny
Aggi






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 23 Jun 2018, 14:26    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180623 Samstagmorgen:

Zehn vor acht am Heim sehe ich draußen meine gute Seele Elisabeth und diesen anderen rüstigen Bewohner, der immer so gute Laune ausstrahlt. Um beide zum Lachen zu bringen, erzähle ich von unserem Wasserschaden und dass wir jetzt überlegen, ein Planschbecken mit Gummiente ins Wohnzimmer zu stellen! – Und versicher Elisabeth, dass ich ihren Einkauf nicht vergessen hab, kümmer ich mich drum, wenn ich bei Mutti war. Elisabeth meint, ihr ist noch mehr eingefallen, sie würde noch zu uns ins Zimmer kommen. „Keine Sorge, Elisabeth, ich lauf Dir ja nicht weg!“

Weiter zu Mutti, die ganz schön matt auf der Seite liegt. Irgendwie baut sie grad jeden Tag mehr ab… ist irgendwie auch weiter weg, als würde sie mich eher durch einen Nebel wahrnehmen. Ich muss mir ein paar Socken von ihr ausleihen, weil meine Sneaker beschlossen haben, im Stiefel wegzuwandern, was Mutti aber irgendwie kaum zum Lachen bringt.

Auch Elisabeth, die dazu kommt, fällt auf, dass Mutti heute anders wirkt als sonst. Mutti gibt sich kurz Mühe, sich zu Elisabeth umzudrehen, geht aber nur matt und kurz …

Das ich dann Frühstück holen gehe, ist für Mutti in Ordnung … so teilnahmslos und matt, wie sie heute ist jedenfalls. Ihre Stirn ist aber ganz kühl. Geht auch zu kühl?

Und Essen mag sie dann auch nicht richtig. Jedes Stück geht nur mit anreichen durch mich und von den anderthalb Scheiben Brot schafft sie kaum die Hälfte und vielleicht einen halben Becher Kaffee.

Zu Beginn des Frühstücks erstmal wieder heftige Hustenattacken und dieser röchelnde Atem. Auf Nachfrage meint sie, sie hätte gestern den ganzen Tag gehustet. Aber Halsschmerzen hat sie nicht. „Mutti, soll ich Dir nochmal Hustensaft besorgen?“ – „Wenn Du meinst.“ Würde sie jetzt doch wenigstens sagen, „Nee, bloß nicht!“, dann wär ich schon erleichtert.

Matt, mau und keine Meinung. Ach, Mutti, was kann ich nur tun, dass es Dir besser geht? (Frage ich mich, nicht sie…).

Ich darf sie noch kämmen. Da sehe ich sie lächeln. Heute mach ich die ganzen „Mami“-Sachen. Über den Kopf streicheln. Stirn fühlen. Kuss auf die Stirn. Sie lächelt dabei und ich weine innerlich.

In der Apotheke frage ich nach, beschreibe ausführlich und bekomme gesagt, mit nochmal Mucosolvan könne ich nichts falsch machen (auch im Heim). Damit dann um halb zehn zu Sr. D., die gleich als erstes meint, Mutti würde auch zu wenig trinken. Dazu sag ich nix, weil das immer die Standardantwort von ihr ist. Aber sie freut sich über den Hustensaft und wird sich drum kümmern. Und Montag auch den Arzt anrufen.

Hauptsache, diesmal klappt es auch auf Anhieb, dass Mutti den Saft dreimal täglich bekommt, nicht wie Anfang Mai, wo sie den Saft vergessen haben. Denke ich.

Wo ich nach dem Einkaufen wieder zu Mutti komme, schläft sie so tief, dass sie erst wach wird, als ich schon eine Weile neben ihr hocke, längst ihre Hand halte und sie anspreche. Wird auch gar nicht richtig wach, lächelt mich aber an.

Ich hätte ihr so gerne noch die Grüße von La. ausgerichtet, die ich draußen noch zufällig getroffen hab. Aber dafür war Mutti viel zu müde, viel zu weit weg. Also Morgen.

Zuhause kontrolliere ich als erstes, ob mein Handy auch noch aufgeladen ist. Falls ein Anruf kommt.






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
kamia
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1445
Ort :
Niedersachsen
Anmeldedatum :
19.03.12

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 23 Jun 2018, 15:35    © kamia
Eine Antwort erstellen

Liebe Aggi,

Zitat :
heftige Hustenattacken und dieser röchelnde Atem.

als es bei uns so war, alles was auch du beschreibst...
mir sagte der Arzt, es höre sich schlimm an, jedoch handele es sich um Schleim in der Speiseröhre, nichts bedrohliches.

daumendrueck daumendrueck daumendrueck daumendrueck






liebe Grüße
Karin

Schau nach vorne, nicht zurück, in deinen Händen liegt das Glück!
Aber sagen wir mal ehrlich: manchmal ist es schon beschwerlich;
aber auf der Lebensleiter geht es immer wieder weiter!
Nach oben Nach unten
Belle
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1105
Anmeldedatum :
16.05.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Sa 23 Jun 2018, 17:18    © Belle
Eine Antwort erstellen

Aggi schrieb:
 Hustenattacken und dieser röchelnde Atem. Auf Nachfrage meint sie, sie hätte gestern den ganzen Tag gehustet. Aber Halsschmerzen hat sie nicht.

Liebe Aggi,

so wie du das beschreibst kenne ich es auch von meiner Mam - zeitweise. Ich habe erkannt, dass es tatsächlich mit der Flüssigkeitsaufnahme zu tun hat. Trinkt sie einen Tag zu wenig, beginnt sie zu husten. Ist so ein trockener Husten. Wenn sie mehr trinkt, ist das am nächsten Tag weg. Ob das Röcheln auch damit zusammenhängt konnte ich noch nicht beobachten.

Ich hoffe morgen ist wieder ein guter Tag für Aggimutti!! Vielleicht brauchte sie einfach einen Tag im Nebel, um sich auszurasten.
Denke an ihr Lächeln freu dich auf Morgen nickend 
Alles Liebe für euch und brav sein scharmant-zwinkernd
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mo 25 Jun 2018, 05:38    © Aggi
Eine Antwort erstellen

Liebe Karin,

ich hoppel mal wieder meiner Zeit hinterher, war gestern so müde, bin einfach nur noch ins Bett...
... hatte Dich aber noch gelesen:

kamia schrieb:
als es bei uns so war, alles was auch du beschreibst...
mir sagte der Arzt, es höre sich schlimm an, jedoch handele es sich um Schleim in der Speiseröhre, nichts bedrohliches.

Guter Tipp! Hatte den Tag mal wieder gemerkt, wie schwer es ist, klar zu denken,
wenn man Angst hat. Solche Informationen im Hinterkopf helfen mir, ruhig zu bleiben.  


Und liebe Belle,

Belle schrieb:
so wie du das beschreibst kenne ich es auch von meiner Mam - zeitweise. Ich habe erkannt, dass es tatsächlich mit der Flüssigkeitsaufnahme zu tun hat. Trinkt sie einen Tag zu wenig, beginnt sie zu husten. Ist so ein trockener Husten. Wenn sie mehr trinkt, ist das am nächsten Tag weg.

es klang von Anfang an wie ein "es-wird-ein-neuer-Husten-Husten", trockener Hals Husten hört sich bei Mutti anders an ...

Und nun ist sie in der Phase, wo sie das Trinken vergisst... auch den Becher in ihrer Hand... neulich kam ich ja morgens rein, da kippte grad ihr Wasserbecher auf ihre Brust... Notiz an mich selbst: Ich muss nochmal mit den Schwestern reden, dass Mutti das Trinken vergisst ... auch das Essen, wäre wohl gut, wenn die das auch aufschreiben...

Vor allen Dingen ging es Mutti gestern, Sonntag, ja schon mal viel viel besser!  sunny

Euch beiden einen guten Wochenanfang
und less Stress!

Aggi

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

20180624 Sonntagmorgen:

Heute früh fahr ich schon um halb acht Richtung Heim. In Sorge, wie es Mutti heute wohl geht. Gestern musste ich an mich halten, nicht nochmal hinzufahren…

Ich kann Mutti nach meinem „Klopf! Klopf!“ noch nicht mal sehen, muss ja erst um die Ecke, da weiß ich schon, alles ist gut! Eine fröhliche Mutti antwortet, noch bevor ich um die Ecke bin: „Guten Morgen, liebe Aggi!“  Very Happy

Sieht auch gleich ganz anders aus. So klar, so gut! Ich hab die schönste Mutter der ganzen Welt!!!  I love you

Sag ihr auch, wie mich das freut, dass es ihr heute besser geht. Und das ich gestern in Sorge war. „Du musst Dich doch nicht sorgen!“ – Jo, DAS ist meine Mutti! Meint aber auch selbst, gestern war richtig doof.

Heute redet Mutti auch richtig viel. Antwortet. Erzählt selbst. Das meiste recht kauderwelschig, aber diese Sprache verstehe ich ja inzwischen bestens. Als ich z.B. von der lieben Karin aus dem Forum erzähle, die sich so wünscht, dass die Erholung mit ihrem Mann klappt (wenn die Krankenkasse mitmacht), meint Mutti: „Das wäre schön … wenn da dann auch alle Polizisten dabei sind …“.

Das Wort „Polizei“ habe weder ich noch sie den Morgen sonst benutzt. So was kommt dann auch von ihr. Ein andermal baut sie auch Wörter ein, die ich grad benutzt hab. Aber an ihrer Mimik sehe ich, dass sie Karin auch „die Daumen drückt“.

Auf dem Frühstückstablett ist auch der Hustensaft von gestern mit dabei. Als meine gute Seele Elisabeth das mit Muttis Husten gestern mitbekam, hatte sie mir gleich angeboten, sie würde auch zu den Zeiten mit dem Saft zu Mutti gehen, damit das nicht vergessen wird. Fand ich so lieb von ihr, hab Elisabeth aber gesagt, so ändern wir doch nichts im Heim. Die müssen das schon selber lernen. ^^

Und die anderthalb Scheiben Brot und den Becher Kaffee schafft Mutti heute auch wieder. Bei ihren Tabletten meint sie dann, die hätte sie doch schon. Aber ich sag, das war morgens beim Waschen die Magentablette, die wirkt ja besser, wenn man sie vor dem Frühstück nimmt. „Ach so.“ Vergisst den Becher in der Hand und als ich nach gefühlt einer Minute nachfragen will, guckt sie wieder drauf und nimmt die Tabletten dann doch selbst. Dann noch den Hustensaft. Und schnell noch einen Schluck Kaffee hinterher.

Mannomannomann bin ich froh, dass es ihr heute so gut geht! Gestern war schon krass.






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Di 26 Jun 2018, 06:00    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180625 Montagmorgen:

Zehn vor acht im Heim kommt mir schon meine gute Seele Elisabeth entgegen. Ich nehme ihr schon grinsend die leere Flasche Sprite aus der Handtasche. Montags ist Einkaufen. „Musst Du heute noch was besorgen?“ Aber ja, liebe Elisabeth! Kein Problem. ^^

Elisabeth wirkt gut zufrieden, meckert aber im Vorbeigehen über einen Salat, den irgendwer gemacht hat. Wohl ein Feldsalat und viel zu bitter, weil … das geht in ihrem Geschimpfe unter … Mir ist schon klar, dass das Schimpfen viel wichtiger ist und ich schüttel an der richtigen Stelle den Kopf. Mich zieht es zu Mutti und ich will mir heut früh nicht unbedingt in allen Einzelheiten diese Salatgeschichte wiederholen lassen.

Weiter zu Mutti, der geht es immer noch gut, also uff ersma! Mutti freut sich, mich zu sehen. Ist aber erstaunt, dass es morgens sein soll. „Ist nicht schon Abend?“ Das bekomme ich dann aber auch entspannt geklärt, ohne dass es für sie unangenehm wird. Etwas später bei der Frage nach dem Frühstück ist Mutti wieder erstaunt, warum es jetzt denn Frühstück gäbe. Da reicht dann zu erzählen, dass ich ihr Tablett beim Reinkommen heute ganz oben auf dem Tablettwagen gesehen hab: „Stell Dir vor, Mutti, Du stehst an erster Stelle!“ Da muss sie lachen.  Laughing

Während Mutti dann mit ihrem Frühstück anfängt, erzähle ich von unserm faulen Sonntag. Mein Mann und ich hatten gestern „aktives Nichtstun“ praktiziert. Mutti lacht und findet das gut! Mein Mann war sogar zu faul, zu kochen und meinte, ich solle kochen. Mutti lacht wieder (*gg* und ich mit, allein die Vorstellung, ich solle kochen… ^^). Hab dann aber doch mal bei unsern Instant-Gerichten geschaut, weil es ein Tüten-Nudel-Gericht gibt, dass ich ab und an gerne esse. Beschreibe Mutti dann mit Jahreszahlen, dass ich vier Tüten fand, allesamt schon im April 2016 abgelaufen und wie ich die dann feierlich in der Tonne „beerdigt“ habe. Mutti meint, so was kommt vor. Sie sei grade noch in der Speisekammer gewesen. Da war auch so ein Nudelgericht. Und das war dann auch … „Ich weiß gar nicht mehr, was dann daraus geworden ist…“ – Aber sie ist in Gedanken in der Speisekammer, gutgelaunt, am Sortieren und ich stimme zu, mal hat man Glück und mal hat man Pech. „Oh ja!“

Und heute kann ich Mutti den Fußball-Krimi von Samstag erzählen, wie Toni Kroos doch in der allerletzen Minute der Nachspielzeit das entscheidende Tor geschossen hat … natürlich alles viel länger ausgeholt, mit Erklärungen, Umschreibungen, einfach schön zu sehen, wie interessiert Mutti zuhört und auch den Namen Toni Kroos wiederholt. Als ich die Emotionen der Fans nachmache, ist sie herrlich am Lachen. Wir beide sind ja nicht so die Fußball-Fans, aber natürlich kennen wir das Gucken zu den „Groß“-Meisterschaften. Und Mutti kichert, als ich versuche, mich an die Zahl der Bundesbürger zu erinnern: „Mutti, kennst das ja, im Moment haben wir … Millionen Bundestrainer vor dem Fernseher sitzen. Und alle wissen alles besser!“ Wenn Mutti so grinst und kichert wirkt sie wirklich wie eine ganz junge Frau! I love you

Da ich ja noch wieder einkaufen fahre, frage ich wie immer, ob es irgendwas gibt, was ich ihr mitbringen kann. „Och, ich hab ja alles was ich brauch … und was ich noch benötige … steht ja auf dem Besorgungsplan … da kümmert sich die Aggi ja drum.“ – An der Stelle mit dem, was ich noch benötige, dachte ich schon, jetzt kommt doch mal ein Wunsch. Aber nein. Mir fällt noch ein, nach Zahnpasta zu schauen, ab selbst da hat sich die Aggi schon drum gekümmert, liegt schon eine Ersatztube im Schrank.  achselzucken

Die Geburtstagsblumen sind auch noch gut und Mutti mit Blumen den Tisch vollpflastern bringt es auch nicht, sie war immer der Typ, weniger ist mehr. Ich hab keine Idee, was ich Mutti im Moment Gutes kaufen kann – meist ergibt sich das Beste sowieso spontan wenn ich es sehe.

Also ab ins Dorf und wieder zurück. Die Sachen für Elisabeth schnell in ihr Zimmer, dann kann ich wenigstens auch das Wechselklimpergeld samt Kassenbon da lassen. Elisabeth drückt mir sonst immer die Centstücke in die Hand. „Das Negergeld will ich nicht. Steck mal weg.“ – Inzwischen sammel ich diese Klimpergeld in einer Schachtel. Ich will kein Geld für diese Hilfen, eines Tages werde ich notfalls einen schönen Kranz für Elisabeth davon kaufen…

Und nochmal zu Mutti. Nochmal schön klönen. Über die Dachdecker, die heute weitermachen. Ich sag Mutti, wenn die nicht sputen, droh ich mit meiner Mutti, die kommt dann und haut Euch ihre Schlappen um die Ohren! Mutti lacht und meint dann, man muss aber im Guten miteinander klar kommen. Gleich nehm ich ihre Hand: „Aber ja, Mutti. Das hast Du mir doch beigebracht. Ich mach doch nur Spaß!“ – „Das weiß ich doch!“ Da verzieht sie sogar mal wieder spöttisch die Lippen, hat sie lange nicht mehr gemacht – sieht cool aus! Cool I love you






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Mi 27 Jun 2018, 06:37    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180626 Dienstagmorgen:

Viertel vor acht im Heim steht bei Mutti die Tür sperrangelweit offen, aber keine Lampe brennt. Ist auch keiner mehr bei ihr, hat wohl nur wer vergessen, die Tür wieder zu schliessen. Heute ist schuddrig, ich hab sogar noch eine Strickjacke über und Mutti liegt da im Kurzarmnachthemd. Den Reim hab ich auch noch nicht drauf: Stellenweise, wo es so heiß war, hab ich mich immer gewundert, dass Mutti immer noch langärmelige Nachthemden angezogen werden. Und jetzt bei dem Schudder-Wetter mit ihrem Husten kurzärmelig?!

Ich schliesse erstmal beide Kipptüren, die Luft ist frisch im Zimmer und es wird fröstelig. Plauder die ganze Zeit mit Mutti, die mich lächelnd mit den Augen verfolgt. Das sie ganz kalte Hände hat, stört sie selbst aber nicht. So mit Umarme- und Kuschelvorwand kann ich sie aber unauffällig besser zudecken.

Richte derweil die lieben Grüße der Nachbarin aus dem Heimatort aus. Darüber freut sich Mutti richtig! „Sie ist eine Liebe!“  I love you

Und wieder Handwerker-Geschichten. Diesmal also auch bei uns unterm Dach ein Wespennest, wie die Handwerker dann aber jedwede Hilfe, ob in Form von Insektengel oder Mund-zu-Mund-Beatmung durch meinen Mann abgelehnt haben. Mutti amüsiert sich köstlich! Und mahnt mich dann, man muss aber auch ernst sein!  Exclamation

In Bruchteilen von Sekunden zieht mein ganzes Leben an meinem geistigen Auge vorbei: Werde ich zu albern für Mutti? Entscheide mich für „Steh-zu-Dir-selbst“ und sag, das Leben ist doch schon ernst genug, da MUSS ich es mit Humor nehmen! Und Mutti pflichtet mir bei. Sicherheitshalber lass ich mir bestätigen, dass sie weiß, dass ich auch ernst sein kann. „Oh ja. Das weiß ich doch!“ (Fehlt nur noch: „Mein Kind!“ – komisch, ich fühl mich wie 12 beim Naschen ertappt….).

Auf alle Fälle faszinierend! Demenz macht nicht doof! Bloß vergesslich.

Zum Frühstück ist das Tablett heute voll beladen. Neben dem Brot samt Tabletten und Hustensaft auch noch ein Wackelpudding und noch eine Quarkspeise. Wie immer isst Mutti ja zuerst das Brot. Lässt sich dann auch zu Kaffee „überreden“. Sie ist tatsächlich ganz erstaunt, dass da auch Kaffee dabei ist. Derselbe Becher wie seit Tagen und sie fragt ganz erstaunt: „Oh, ist da Kaffee für mich?“ – Nimmt den Becher dankend in die Hand und stellt ihn dann wieder ab. Und hat ihn dann auch sichtlich wieder vergessen. Nach gefühlt einer Minute frage ich erneut: „Magst Du auch wohl einen Schluck Kaffee?“ (mit gleichzeitigem Anreichen) und sie sagt freundlich: „Ach, gerne!“ und trinkt diesmal auch. So geht das auch mit dem Tablettenbecher. Erstmal annehmen, dann vergessen. Abstellen. Mit dem Namensschild auf dem Tablett spielen. (Wobei ich mich über JEDES Greifen immer freue – es ist Bewegung für sie!).

So nach und nach dann die Tabletten und den Hustensaft und immer ein Schluck Kaffee dazu, während Mutti die ganze Zeit immer spielerisch nach dem Quark greift. Auch den biete ich an. Da zumindest kein „Wackelpudding“-Gesicht („Bloss nicht!“) kommt, biete ich einen halben Teelöffel an und heute schafft Mutti dann (fütternderweise durch mich) tatsächlich den ganzen Quark. Heureka! cheers

Als kurz vor neun die Schwester aus der Küche kommt, das Tablett abholen, wie immer mit der Frage, ob es geschmeckt hat, lob ich gleich den Quark und sie meint, könne sie gerne für sorgen, dass Mutti den öfter bekommt. Sag ich, auf alle Fälle besser als Wackelpudding und selbst die Schwester schüttelt sich beim Gedanken an Wackelpudding und will sich drum kümmern. Mutti habe ja sonst nichts auf dem Essensplan stehen an Beilagen. Wäre ja schön, wenn es mit Quark mal eine Weile klappt!

Muttis Husten ist noch da, aber sie meint selbst, es würde besser werden. Dieses blöde Wechselwetter aber auch. Heute so trübe und relativ kühl und zum Wochenende soll es wieder „heiß“ werden. Das alte Lied, irgendwie kann man besser selber krank sein, als wenn ein geliebter Mensch was hat.






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Do 28 Jun 2018, 05:28    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180627 Mittwochmorgen:

Als ich halb acht noch die letzte Tasse Kaffee vor der Haustür rauche, kommt schon der erste Handwerker und ich denk noch, die sind ja früh heute. Shocked

Zehn vor acht im Heim ruft mir dann schon die Pflegedienstleiterin zu, sie kommt gleich erst zu Mutti. Heute war Duschen, das dauert alles länger. – Ich meine, alles gut, wir haben keine Eile und gehe schon mal weiter zu Mutti, wo dann noch alles dunkel ist. „Klopf! Klopf! Ich bins, die Aggi!“ und mache erstmal die kleine Lampe an. Mutti ist trotzdem geblendet, aber irgendwas an Licht brauche ich, sonst seh ich nichts, trotzdem schäme ich mich… Während ich die Jalousien hochfahre, kommt dann auch Sr. Da. Erzählt gleich von dem großen Fußballspiel heute und ich erfahre, dass es schon am Nachmittag ist. Also darum waren die Handwerker so früh da!  Cool

Während Sr. Da. sich um Mutti kümmert, mach ich die Post für sie auf. Der neue Rentenbescheid über die Mütterrente, nichts Negatives. Beziehe Mutti wie immer mit ein. Dass es jetzt neue Ausweise gibt, die endlich eingeschweisst sind, nicht mehr die Papierdinger zum Ausschneiden. Und das sie mehr Rente bekommt: "Ist doch schön, Mutti. Meist kriegt man Post, wo wer was haben will. Jetzt kriegst Du mehr!" Mutti freut sich!
Und hänge noch Nachthemden auf Bügel. Da kann ich Sr. Da. gleich eine neue Vorlage anreichen und wir tauschen das dicke Winternachthemd, dass jemand anders schon für Mutti über den Stuhl gelegt hatte gegen ein Baumwollnachthemd aus. „Heute soll es immerhin 26 Grad warm werden.“ meint Sr. Da.

Hat irgendwas von harmonischem Hand-in-Hand-Arbeiten und bei jeder Gelegenheit mit Mutti plaudern oder Hand halten, wie es grad passt.

Nach der Wäsche dann klöne ich noch etwas mit Mutti, bevor ich ihr Frühstückstablett hole, damit die Magentablette noch besser wirken kann.

Zum Frühstück Himbeermarmeladen- und Käsebrot und ein Vanille-Sahne-Pudding. Der Hustensaft ist alle, also weiter beobachten. Und nach dem Brot stimmt Mutti tatsächlich zu, mal den Pudding zu probieren! Schafft sogar den halben Becher, bis sie genug hat.

Kurz vor neun klopft meine gute Seele Elisabeth an, ob ich zufällig noch in die Stadt muss? Na klar. Nochmal Kirschen und Nektarinen … und dann regt sich Elisabeth auf, haben die andern doch mal wieder gemeckert, den einen waren die Aprikosen nicht süß genug, den andern schmeckten die Nektarinen nicht. Ich frag nur trocken: „Sag mal, bezahlen die Meckerer Dich eigentlich für das Obst?“ Elisabeth schüttelt den Kopf und meint: „Da stehn wir doch drüber.“ Und zuckt die Achseln. Trotzdem regt es sie auf. Versteh ich auch, bei all der Mühe, die sie sich macht und dann führen sich einige wirklich auf wie nimmersatte Hyänen… Aber Elisabeth sagen, sie soll notfalls mal ihren „Lieferservice“ einstellen, ist auch müssig. Tu ich aber trotzdem.

Mutti beobachtet uns die ganze Zeit belustigt und interessiert. Ich beziehe sie immer wieder mit ein und kann sehen, dass Mutti dieser Besuch Spaß macht. Elisabeth ereifert sich noch, weil heut früh waren die Schwestern mal viel zu früh bei ihrem Mann. "Sonst kommen die immer so spät, dass er mit dem Frühstück fertig ist, kurz bevor es Mittagessen gibt. Und heute musste ich laufen, um ihm so früh schon das Frühstück anzureichen, also nee, nee, nee...." - Aus dem Augenwinkel beobachte ich Mutti. Die ist ganz begeistert. Hier ist Leben in der Bude. Hier boxt der Papst!  Laughing  

Und fahr dann einkaufen. Am Ende nochmal zu Mutti rein. So wunderbar. Sagt Mutti nochmal, ich solle alle von ihr grüßen. Macht eine Pause und fügt hinzu: „Aber nur die, die es wert sind!“ – Jo, Mutti, darauf kannst Du Dich verlassen! Very Happy






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
Aggi
Ist hier Zuhause
Ist hier Zuhause
avatar

Situation bezieht sich auf Situation bezieht sich auf :

Anzahl der Beiträge :
1082
Alter :
54
Ort :
Nds., Emsland
Anmeldedatum :
02.01.18

BeitragThema: Re: Ich entscheide, nicht das Heim
Fr 29 Jun 2018, 05:06    © Aggi
Eine Antwort erstellen

20180628 Donnerstagmorgen:
 
Ein nachdenklicher Tag im Heim – und ich glaube kaum, dass es mit dem Fußballdebakel der deutschen Spieler zusammenhängt…
 
Viertel vor acht ist die Wäsche bei Mutti schon durch und sie antwortet auf mein Klopf!Klopf! auch mit „Klopf-Klopf“. Von dem Pleiten, Pech & Pannen-Spiel hat Mutti nichts mitbekommen. Es stört sie auch nicht weiter. „Ach Gott…“ – Genau, Mutti, es gibt Wichtigeres!
 
Weil ich es gestern verpasst habe, frage ich mal nach, ob sie weiß, von wem die Fliederblüte war, die gestern so auf ihrem Wohnzimmertisch lag. Mutti überlegt nur kurz und meint ziemlich prompt, sowas könne sie sich gar nicht mehr merken: „Das rauscht so an mir vorbei.“
 
Aber ihr Frühstück darf ich holen und treffe unterwegs meine gute Seele Elisabeth, mit der ich kurz über das Spiel der deutschen Mannschaft schimpfen kann. Ihr Mann wäre auch entsetzt gewesen.
 
War alles so schön geplant im Heim, sogar mit Liefer-Pizza … nur dass das Spiel nicht dazu passte …
 
So trag ich Muttis Tablett in ihr Zimmer. Jetzt steht doch noch wieder Hustensaft drauf. Wurscht, Mutti hustet ja auch noch. Und noch eine Schale Kirschquark.
 
Mutti ist aber heute irgendwie weit weg und ich beobachte sie mal mehr, als viel zu plappern. So, wie sie da liegt und isst, wirkt sie wie eine weise, alte Indianerfrau, die alles schon gesehen und gehört hat, der man nichts Neues mehr erzählen kann. Zwischendurch blitzt auch immer das Gesicht ihrer Mutter durch. Das haben mein Kl.Bruder und ich ja längst festgestellt, daß Mutti jetzt immer Alter ihrer Mutter immer ähnlicher wird. Irgendwie heute eine sehr ruhige, aber angenehm friedliche Stimmung. Mutti geniesst ihr Essen und ich das bei ihr sein.
 
Das sind so diese Momente, wo ich mir ihre Gesichtszüge einpräge, nicht mit Absicht, auch nicht mit der Angst, ich könnte sie eines Tages vergessen. Ist einfach so. Ich schaue sie gerne an.

Als sie mit dem Frühstück fertig ist und wieder gemütlich liegt, sehe ich ihre Erschöpfung. Sag zärtlich zu ihr: "Essen ist anstrengend!" - Und Mutti nickt: "Oooooh jaaaa! Keiner hat eine Vorstellung davon, WIE anstrengend das ist!" 

Zum Abschied setze ich mich dann immer noch zu ihr aufs Bett, halte ihre Hand oder Hände, noch eine Runde Körperkontakt mit Hand streicheln, Handküssen und ihr ganz nahe sein.
 
Als ich dann kurz nach neun gehe, steht zufällig auf dem Parkstreifen hinter meinem Auto eine Bewohnerin mit ihrem Rollator. Vom Sehen kennen wir uns schon und sie spricht mich an, heute sei das Wetter endlich wieder schön! Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt von ihrem Mann, der neben großen körperlichen Beschwerden auch zunehmend dement ist. Wieder so ein Moment, wo mir eine Frau jenseits der 80 sagt, es ist nicht schön, alt zu werden. Und sie fragt, ob Mutti bei fünf Kindern nicht eines hatte, das Mutti zu sich nehmen konnte? – Das schmerzt wider besseren Wissens, auch wenn ich antworten kann, ganz ruhig und sachlich. Als wir uns lächelnd verabschieden, fühlt es sich an, als hätte ich ihre Traurigkeit aufgesogen wie ein Schwamm. Ich bleibe noch im Auto sitzen, bevor ich losfahren kann.
 
Das sind so Momente, wo es schwer ist. Momente. Wenn ich dieser tiefen Traurigkeit begegne. So viele haben mir schon gesagt, es ist nicht schön, alt zu werden. Es ist nicht der Satz, es ist die Trauer, die dahinter mit schwingt.
 
Ich denke immer öfter darüber nach, ob ich nach Mutti die Kraft habe, weiter Gutes für diese Menschen zu tun. Viel kann ich ja nicht, aber ein bißchen aufmuntern und ein, zwei Handgriffe …
 
Nachtrag:
 
Ich bin schon ins Bett gegangen. Um 17:37 Uhr klingelt mein Handy. Sr. V. am Apparat. Aber mit fröhlicher Stimme, das beruhigt mich gleich. Mutti ist leider aus dem Bett gekollert. Zum Glück stand das Bett aber wie immer ganz tief unten und es ist Mutti nichts Schlimmes passiert. Sr. V. meint, sie war kurz vorher noch bei Mutti und hatte Mutti noch mal weiter nach oben aufs Kopfkissen gelagert. Kurz drauf lag Mutti dann vorm Bett. Sagt wie immer nichts. Ruft nicht um Hilfe. Lag halt so da – wie die Mutti eben so ist… scheinbar ausser dem Rauskollern wirklich nichts passiert.
 
Ich frag gleich, ob ich rüberkommen soll, aber Sr. V. meint, es reicht, wenn ich morgen früh wieder da bin, ich sei doch jeden Morgen da. Sie hätte auch schon dem Hausarzt Bescheid gesagt.
 
So bleibe ich dann tatsächlich zuhause. Bis ich da wäre, hätte Mutti evt. schon vergessen, dass sie gefallen ist und könnte so besser schlafen, als wenn ich sie nochmal erinnern würde.
 
Morgen werde ich dann veranlassen, dass das Bettgitter auch auf der zweiten Seite mindestens halbhoch (also schräg) aufgestellt wird. – Habe ich damit zu lange gezögert? Es war doch längst klar, dass Mutti nicht mehr gehen kann… aber auch höchst unwahrscheinlich, dass sie aus dem Bett kullert… haben Mutti und ich uns auch ein paar Mal drüber unterhalten und Mutti meinte immer erstaunt: „Warum SOLL ich aus dem Bett fallen?“ – Und gestern meinte sie noch, es sollen sich nicht alle immer so Sorgen um sie machen… Ay, Mutti, das geht nicht, weil ich Dich doch lieb hab! Da sind die Sorgen inclusive.






Manches ist einfach zu wahr um schön zu sein.
Nach oben Nach unten
 

Ich entscheide, nicht das Heim

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 13 von 16Gehe zu Seite : Zurück  1 ... 8 ... 12, 13, 14, 15, 16  Weiter

Demenz-Forum :: Diskussionsforum Demenz :: Demenz Allgemein-
StartseiteFAQSuchenLexikonAnmeldenLogin







nach obennach unten